"Vom Teamgeist her eines der besten Rapid-Teams"

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Abwehrchef, Vizekapitän, Kabinen-DJ – Mario Sonnleitner ist bei Rapid längst unverzichtbar geworden.

Fünf Jahre trägt der 28-jährige Steirer bereits den grün-weißen Dress und verlängerte erst kürzlich bis 2019 - nur Steffen Hofmann hat mehr Jahre in Hütteldorf auf dem Buckel.

Der Innenverteidiger blickt auf einige Europacup-Schlachten zurück, der Anlauf auf die Champions League ist aber auch für ihn Neuland.

„Da spielt die große Musik, da gibt es die meiste Kohle und die größte Weiterentwicklung. Wenn man die Chance hat, will man sie ergreifen“, glaubt Sonnleitner an den Aufstieg gegen Shakhtar Donetsk.

Im großen LAOLA1-Interview verrät der Routinier, was mit Herz und Teamgeist alles möglich sein kann, wie auch Shakhtar zu knacken ist, ob Gefahren bestehen und was die derzeitige Rapid-Mannschaft zu einer der besten aller Zeiten macht.

LAOLA1: Du musstest 28 Jahre alt werden, um erstmals um die Champions-League-Teilnahme zu spielen. Geht damit ein Kindheits-Traum in Erfüllung?

Mario Sonnleitner: Das ist und muss für jeden das Ziel sein – egal, wie alt er ist. Wichtig für uns ist aber, dass wir fix in einer Europacup-Gruppenphase sind. Das war ein großes Ziel vor der Saison, das wir erreicht haben. Jetzt können wir relativ gelassen den Spielen gegen Shakhtar Donetsk entgegenblicken. Wir wollen das Optimum rausholen, auch wenn wir wissen, dass es ein starker Gegner ist. Aber in zwei Spielen ist sehr, sehr viel möglich. Wir werden versuchen, über diese Hürde drüberzukommen.

LAOLA1: Ihr seht das CL-Playoff somit eher als Zuckerl, da ihr mit der EL-Gruppenphase abgesichert seid, und nicht als Pflicht, hineinkommen zu müssen?

Sonnleitner: Als Zuckerl vielleicht nicht, natürlich wollen wir das Spiel auch gewinnen und weiterkommen. Wenn man die Chance hat, will man sie ergreifen. Es ist zwar nicht ganz so einfach wie am Meisterweg, aber wir sind sehr gut in die Saison gestartet und haben noch kein Pflichtspiel verloren. Mit diesem Selbstvertrauen gehen wir hinein. In der Hinterhand haben wir aber die Europa-League-Gruppenphase, was sehr wichtig für den Verein ist.

LAOLA1: Du hast 52 Europacup-Spiele in den Beinen. Inwiefern wäre die Champions League trotzdem noch einmal eine Steigerung?

Sonnleitner: Das ist noch einmal ein ganz anderes Niveau als in der Europa League. Man lernt nur von den Besten, und die spielen dort. Für die Entwicklung unserer Mannschaft wäre es enorm wichtig. Auch die Spiele gegen Ajax waren schon sehr wichtig, um zu sehen, dass wir unser Spiel gegen solche Mannschaften durchziehen können. Damit wächst die Mannschaft und jeder einzelne Spieler. Dadurch wäre es sehr interessant, wie wir uns in der Champions League schlagen. Der Aufstieg wäre unfassbar und das Schönste für alle.

LAOLA1: Zählt das alles erst, wenn man es erreicht oder ist bereits das Playoff die Belohnung der ganzen letzten Saison, wie der Trainer immer betont?

Sonnleitner: Nach Platz zwei in der vergangenen Saison war natürlich das CL-Playoff unser Ziel. Wir haben jetzt dieses Bonus-Spiel, in dem wir vielleicht nicht so viel Druck haben wie der Gegner. Das kann ein Vorteil sein, aber wir sehen es nicht als Freundschaftsspiel. Wir werden uns den Gegner genau anschauen, wissen, dass er sehr stark ist und trotzdem haben wir in den vergangenen Jahren gezeigt, dass man gegen solche Gegner bestehen kann.

Barisic und sein Trainerteam halten die Spieler am Boden

LAOLA1: Bist du somit auch von den einzelnen Charakteren überzeugt, dass keiner aufgrund der Erfolgsserie zum Abheben neigt?

Sonnleitner: Ganz bestimmt nicht, weil wir noch nichts erreicht haben. Wir sind zwar schon für eine Gruppenphase qualifiziert, aber wir wissen noch nicht wo. Sollten wir in die Champions League kommen, müssen wir natürlich aufpassen, da uns in der Bundesliga jeder besiegen will. Wir müssen immer wieder hundert Prozent geben, aber genau deswegen haben wir so einen ausgeglichenen Kader, damit immer Konkurrenzkampf herrscht, sich keiner runterlässt oder abhebt. Wir müssen immer in der goldenen Mitte sein.

LAOLA1: Ist es aus deiner Sicht die stärkste Mannschaft, seit du bei Rapid bist?

Sonnleitner: Im ersten Jahr unter Peter Pacult hatten wir auch ein sehr starkes Team. Dann haben wir ein bisschen den Faden verloren, aber jetzt ist es seit Jahren wieder eine sehr starke, homogene Mannschaft. Sie besteht nicht aus einem richtigen Superstar, wir sind als Team extrem stark, das zeichnet uns aus. Wir halten uns gemeinsam die Daumen. Vom Teamgeist her ist das eine der besten Rapid-Mannschaften.

LAOLA1: War es dir auch deshalb ein Anliegen, mit deiner Vertragsverlängerung bis 2019 ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, in dieser Generation weiter dabei sein zu wollen?

Sonnleitner: Für mich war es wichtig, dass Kontinuität herrscht. Man sieht einfach, dass gut gearbeitet wird, Spieler verlängert und gehalten werden. Wir haben uns nur auf einzelnen Positionen verstärkt. Ich bin beim besten und größten Verein Österreichs, deswegen hat es für mich überhaupt keinen Zweifel gegeben, hier nicht zu unterschreiben. Ich möchte natürlich diesen Weg mitgehen und so viel erreichen, wie möglich.

LAOLA1: Hättest du dir je gedacht, bei Rapid zu so einer Fixgröße sowie zusätzlich auch Vize-Kapitän zu werden?

Sonnleitner: Planen kann man das im Fußball nicht. Wie ich vor fünf Jahren gekommen bin, war die Konstellation noch ganz eine andere. Damals waren es noch viele Legionäre, jetzt haben wir viele junge Österreicher. Ich habe immer Schritt für Schritt gedacht, immer im Hier und Jetzt und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft gelebt. Sonst wird man sich nicht weiterentwickeln.

LAOLA1: Wie realistisch stufst du die Chancen gegen CL-Dauergast Shakhtar ein?

Sonnleitner: Von den Marktwerten und dem Budget her ist das etwas ganz anderes als bei uns. Aber wir haben ein sehr intaktes Team mit sehr viel Leidenschaft und Kampfkraft. In den jüngsten Spielen hat man gesehen, dass wir nie aufgeben, egal gegen welchen Gegner. Ich glaube, dass mit Herz und Teamgeist sehr viel erreichbar ist. Chancen bestehen, auch wenn sie vielleicht nicht so groß wie gegen Ajax sind. Wenn wir zwei ausgezeichnete Spiele als Team absolvieren, können wir für eine Überraschung sorgen und auch das Wunder schaffen.

LAOLA1: Die Tendenz ging seit der Auslosung in die Richtung: Unattraktiv, aber extrem schwer. Trifft das auch deine Meinung?

Sonnleitner: Vielleicht waren nicht alle glücklich. Vom Namen her haben wir ein unattraktives, aber von der Qualität her ein attraktives Los bekommen. Die Möglichkeiten sind auf jeden Fall besser als gegen Manchester United, da die ständig auf so einem Niveau spielen. Die ukrainische Liga ist zwar stark, trotzdem sind dort Mannschaften abseits der Top 4, die denen in Österreich ähnlich sind.

LAOLA1: Somit ein schmaler Grat: Einmal im Old Trafford spielen, oder das vermeintlich leichtere Los Donetsk.

Sonnleitner: Ich will sportlich immer das Beste. Aber bei dieser Konstellation mit Man United, Valencia, Leverkusen, Sporting oder Shakhtar war schwer einzuschätzen, was sportlich leichter wäre. Das sind alles Top-Klubs, die regelmäßig in der Champions League spielen und hohes Niveau an Kaderqualität haben. Wir nehmen Donetsk und freuen uns darauf, weil es einfach ein CL-Spiel ist.

LAOLA1: Was macht die Samba-Fraktion bei den Ukrainern so unangenehm?

Sonnleitner: Dass sie sehr spielstark, technisch begabt und flink auf den Beinen sind, weiß man. Sie werden Spielfreude haben, der wir entgegenwirken müssen. Wir müssen unsere Tugenden auf den Platz bringen, damit die nicht zur Entfaltung kommen. Ganz wird man das nie abstellen können, aber wir müssen mit Mann und Maus dagegenhalten und alles reinhauen, weil man nur einmal die Chance hat, weiterzukommen.

LAOLA1: Kann die Erfahrung der letzten Jahre gegen ukrainische Teams weiterhelfen?

Sonnleitner: Ich glaube schon. Wir haben in diesen Partien auch gesehen, dass man mithalten kann. Metalist Kharkiv ist nicht Donetsk, aber Dynamo Kiew ist vom Niveau her sicher ähnlich. Wir haben dort auch Chancen bekommen. Dass Einzelspieler drin sind, die Spiele entscheiden können, wissen wir.

LAOLA1: Shakhtar-Coach Mircea Lucescu meinte: „Rapid ist kein großer Name“, trotzdem wurde euer Aufstieg gegen Ajax positiv wahrgenommen. Reduziert das die Chance, unterschätzt zu werden?

Sonnleitner: Keine Mannschaft hätte uns wohl unterschätzt, schließlich geht es um die Champions League. Jeder will in die Gruppenphase. Da spielt die große Musik, da gibt es die meiste Kohle und die größte Weiterentwicklung. Natürlich wissen sie jetzt, dass wir Ajax ausgeschaltet haben. Sie sind gewarnt, werden alles daran setzen, uns zu schlagen.

LAOLA1: Was ist für dich derzeit das Spezielle, was die Mannschaft ausstrahlt?

Sonnleitner: Die Mentalität ist sensationell – egal, ob auf oder abseits des Platzes. Es herrscht eine unglaublich positive Energie von jedem Spieler. Jeder läuft und kämpft für den anderen und verfolgt dasselbe Ziel. Wir haben uns welche gesteckt und die verfolgen wir hartnäckig. Das zeichnet uns einfach aus.

LAOLA1: Es macht dir derzeit somit einfach Spaß, jeden Tag auf den Platz zu kommen?

Sonnleitner: So ist es. Die Stimmung kann ja gar nicht schlecht sein, wenn man keine Spiele verliert und im Europacup weiterkommt. Es macht einfach einen Riesenspaß in die Kabine zu gehen, mit dem Trainerteam an Details zu arbeiten, um noch besser zu werden. Wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen, aber der Weg ist gut. Da müssen wir weiter anknüpfen. Dann ist das eine großartige Zeit.

LAOLA1: Kann diese angesprochene Mentalität der entscheidende Faktor sein, um sogar vom Meistertitel zu träumen?

Sonnleitner: Das macht schon ein paar Prozent aus. Wir werden wahrscheinlich nicht alle Spiele gewinnen, deswegen muss man gerade in einer Phase, wo man vielleicht ein bisschen einen Durchhänger hat, zeigen, wie stark und gefestigt man ist. Auf der Erfolgswelle ist es immer leichter darüber zu sprechen, erst bei Rückschlägen sieht man den Charakter. In der Champions League brauchen die jetzt auf keinen Fall kommen, die können auch am letzten Spieltag sein, wenn wir vielleicht schon Meister sind. (lacht)

LAOLA1: Spätestens wenn die CL-Hymne ertönt, wird man ohnehin in einem eigenen Modus sein.

Sonnleitner: Die CL-Hymne in unserem ausverkauften Stadion wird einmalig. Mit unserem 12. Mann im Rücken haben wir schon viele Spiele gewonnen und gedreht. Es gibt uns auch sehr viel Kraft, wenn uns die Fans jederzeit unterstützen – egal, wie der Spielstand ist oder in welcher Phase wir sind. Deswegen freut sich jeder auf das Spiel. Wir gehen das an.

LAOLA1: Müsstest du die CL-Hymne im Falle des Aufstiegs in die Gruppenphase ins Kabinen-DJ-Repertoire aufnehmen oder ist die bereits eingespeichert?

Sonnleitner (lacht): Die habe ich noch nicht drin, aber die hören wir dann eh immer vor dem Spiel. Dann brauche ich sie nicht mehr extra anspielen. Da haben wir unsere eigenen Lieder.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Was müsste aus den Duellen mit Ajax wiederholt werden, um auch Shakhtar zu knacken?

Sonnleitner: Wir müssen versuchen, die erste Halbzeit aus dem Hinspiel zu vergessen und an die restlichen drei anzuschließen. Wir müssen gleich da sein, sehr kompakt stehen und immer wieder Nadelstiche setzen. Wir müssen gemeinsam verteidigen und angreifen. Wenn da nicht ein Rad ins andere greift, wird es schwierig, da sie extrem hohes Tempo gehen, sehr dribbelstark sind und Fehler auf diesem Niveau einfach eiskalt bestraft werden.

LAOLA1: Es gilt somit, von der ersten Minute den Respekt abzulegen. Inwieweit kannst du auf die noch unerfahreneren Spieler einwirken und sie darauf einschwören?

Sonnleitner: Ajax hat seinen Teil dazu beigetragen, dass schon viel Respekt abgefallen ist. Die Jungs gehen alle selber damit um und wissen ganz genau, was es heißt, richtig vorbereitet zu sein. Natürlich hat jeder Respekt, aber nie und nimmer Angst.

LAOLA1: Schobesberger gilt als Frechdachs, auch Auer und Co. treten unbekümmert auf. Muss man genau diese Eigenheiten auch den Gegner spüren lassen?

Sonnleitner (lacht): Jeder muss frech sein! Aber wir dürfen nicht die Defensivarbeit vergessen, müssen unsere Qualität auf den Platz bringen. Wenn das jeder einzelne zu hundert Prozent schafft, wird es auch für Donetsk schwer, uns zu schlagen. Jeder Spieler wird an seine Leistungsgrenze gehen müssen, um dieses Wunder zu schaffen.

LAOLA1: Das Team hat sich trotz Rotation gefunden. Inwieweit schmerzen die Ausfälle der beiden Linksverteidiger Thomas Schrammel und seinem Ersatz Stefan Stangl?

Sonnleitner: Natürlich ist keine Verletzung schön. Gerade zwei Spieler auf einer Position sind denkbar ungünstig. Aber Stephan Auer hat schon gegen Sturm gezeigt, dass er links spielen kann und auch Mario Pavelic und Michael Schimpelsberger sind gefestigt und können die andere Seite ausfüllen. Das ist leider so, aber wir haben so einen großen Kader, um das aufzufangen. Jeder Spieler ist bereit und weiß, was im System verlangt wird. Ich bin positiv gestimmt, dass wir das auch ohne Schrammel und Stangl schaffen können.

LAOLA1: Bei all den positiven Schlagzeilen rund um Rapid derzeit: Siehst du eine Gefahr in der Rotation, dem 3-Tages-Spielrhythmus, der Unerfahrenheit, etc., dass das Kartenhaus irgendwann einmal einbricht oder ist Rapid einfach schon so gefestigt?

Sonnleitner: Letztes Jahr war es zum Beispiel nicht so einfach mit dem Rotationsprinzip, da es viele Spieler noch nicht intus hatten. Ein Jahr später funktioniert das viel besser. Ich glaube, dass wir sehr gefestigt sind. Wir haben auch in den Spitzenspielen gegen Sturm und Salzburg auf Top-Niveau rotiert. Jeder Spieler hat gezeigt, dass er mithalten kann. Deshalb sehe ich darin keine Gefahr, dass das Kartenhaus zusammenfällt. Auch wenn wir einmal verlieren sollten, können wir unser System durchziehen.

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