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"Softie" Mourinho - Trainer, Vaterfigur, Freund

José Mourinho ist einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Gegenwart. Während die Fachkenntnis des Portugiesen unisono anerkannt ist, gilt sein Charakter als streitbar.

Nicht selten sorgt er mit provokanten Jubelgesten oder Interviews für Aufruhr. Nach Niederlagen flüchtet sich der 50-Jährige gerne einmal in abstruse Verschwörungstheorien.

Bei besonders hitzigen Begegnungen kann es schon einmal vorkommen, dass der gegnerische Co-Trainer den Finger Mourinhos ins Auge gefahren bekommt.

Die Spieler lieben ihn

Doch „The Special One“ hat auch ein anderes Gesicht. Zu vielen seiner Spieler pflegt er ein besonderes, fast freundschaftliches Verhältnis.

Sicherlich ist die Art seiner Menschenführung, die ihm von vielen Fußballprofis bedingungslose Loyalität einbringt, eines der größten Erfolgsgeheimnisse des Mannes aus Setúbal.

Unvergessen sind die Bilder nach dem CL-Triumph 2010 mit Inter. Mourinho und Marco Materazzi, der vom bevorstehenden Abgang seines Trainers in Richtung Spanien wusste, lagen sich kurz nach Schlusspfiff in den Armen und ließen ihren Emotionen freien Lauf.

Gegenüber „Quotidiano Sportivo“ meinte der italienische Verteidiger: „Diese Tränen sagen aus, dass ich einen Freund verloren habe. Zu José hatte ich eine wundervolle Beziehung, nicht nur, weil ich das Fußballspielen genossen habe. Er gab mir das Gefühl, wichtig zu sein.“

„Wie ein zweiter Vater“

Eben wegen Mourinhos Beziehung zu seinen Kickern ist die Geschichte rund um das CL-Viertelfinale zwischen Galatasaray und Real Madrid (LIVE-Ticker) um eine Facette reicher, denn da kommt es zum Wiedersehen mit Wesley Sneijder und Didier Drogba.

Auch wenn auf dem Platz keine Geschenke verteilt worden sind (Real gewann 3:0), waren die Begrüßungen vor und nach dem Hinspiel äußerst herzlich. Beide Spieler betonten zudem, dass sie ihren Ex-Coach vor dem Wechsel in die Türkei konsultierten. Wenn man hört, wie das Duo über Mourinho redet, so ist das alles andere als verwunderlich.

Anfang April stellte etwa Sneijder in einem Interview mit der "Marca" klar: "Mourinho war wie ein zweiter Vater für mich."

Alles für den Trainer

Vor einiger Zeit ging der Niederländer sogar noch weiter: „Er sagte einmal zu mir: Du siehst müde aus. Nimm deine Frau und dein Kind und tanke ein bisschen Sonne. Alle anderen Trainer haben immer nur übers Training gesprochen. Er hat mich an den Strand geschickt. Als ich zurückkam, war ich bereit, für ihn zu töten und für ihn zu sterben.“

Bei der FIFA-Ballon-d’Or-Gala 2010 brachte der Mittelfeldregisseur seinen ehemaligen Chef zum Weinen. Nachdem Mourinho von Sneijder nach einigen bewegten Worten als „bester Trainer der Welt“ bezeichnet worden ist, vergoss der Portugiese die eine oder andere Träne.

Lieblingsspieler Drogba

Durch die gemeinsamen Jahre bei Chelsea sind auch José Mourinho und Didier Drogba zusammengeschweißt.

Anlässlich eines Istanbul-Besuches Mitte März meinte der Real-Übungsleiter gegenüber dem vereinseigenen Fernsehsender auf die Frage nach seinem Lieblingsspieler: „Ich hatte viele besondere Spieler, aber wenn ich einen wählen müsste, würde ich vielleicht Drogba sagen.“

Der Ivorer heulte nach Mourinhos Abgang bei Chelsea angeblich wie ein Schlosshund. Gemeinsam mit den „Blues“-Ikonen John Terry und Frank Lampard sollte die Klubführung überzeugt werden, Mourinho nicht gehen zu lassen, doch es war zu spät.

In einem Buch über den vierfachen Welt-Klubtrainer gibt Drogba über die Momente des Abschieds zu Protokoll: „Es war viel Emotion im Spiel. Es wirkte unreal, wie ein Film. Wir waren es gewohnt, ihn jeden Tag zu sehen und nicht auf seinen Abgang vorbereitet. Es war ein echter Schock.“

Wieder Emotionen?
 
Trotz des 3:0-Vorsprungs wird die Freundschaft zwischen Mourinho und seinen ehemaligen Schützlingen auch im CL-Viertelfinalrückspiel wieder für 90 Minuten ruhen, doch vielleicht ist nach dem Match Zeit für große Gefühlsausbrüche.

Dazu abermals ein Blick zurück ins Jahr 2010, abermals Tränen. Inter schaltete auf dem Weg zum CL-Triumph im Achtelfinale Chelsea aus.

Für Mourinho in jeder Hinsicht bewegend, wie er kurz vor dem Endspiel gegen die Bayern erklärte: „Ohne diesen Sieg würden wir heute nicht hier stehen. Aber an der Stamford Bridge habe ich geweint. Nach dem Spiel habe ich realisiert, dass ich gegen Freunde gespielt habe, die nun aus dem Bewerb ausgeschieden sind.“


Máté Esterházy

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