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Schachtjor Donzek: Erfolgsstory vom Reißbrett

Um Rinat Achmetov ranken sich viele Geschichten und Mythen.

Reden will über den 46-Jährigen, der in nicht einmal zwei Jahrzehnten zum Milliardär, und schließlich zum reichsten Mann der Ukraine aufstieg, kaum irgendwer.

Wie Achmetov zu seinem Reichtum gelangte, ist unklar. Klar ist nur, dass sein Aufstieg eng mit Schachtjor Donezk verknüpft ist.

1996, als alles begann…

1996 übernahm der Ukrainer, der sich bis dato als Hütchenspieler, Boxer und Schutzgelderpresser verdingte, den Klub aus dem Donbass.

Vorgänger und Mentor Alexander Bragin, auch bekannt als der "Pate von Donezk", wurde mit samt seinen Getreuen am 15. Oktober 1995 auf der VIP-Tribüne des Schachtjor-Stadions in die Luft gesprengt.

Die Bombe, die 20 Minuten vor Spielbeginn gezündet wurde, riss sechs Menschen in den Tod – von Bragin soll nur mehr ein Unterarm mit einer Rolex übrig geblieben sein.

Großes Imperium

Wie und warum Achmetov dem Anschlag entkam, kann keiner so richtig sagen.

Angeblich erhielt der damalige Sicherheitschef von Bragin fünf Minuten vor der Detonation einen Anruf, woraufhin er fluchtartig die Tribüne verließ.

16 Jahre später ist Achmetov nicht nur der reichste, sondern auch der einflussreichste Mann der Ukraine.

Zu seinem Imperium gehören Stahlwerke und Kohleminen, Investmentfirmen, landwirtschaftliche Betriebe, Telekom- und Medienunternehmen – und eben auch der Fußball-Klub Schachtjor.

Erfolgsstory vom Reißbrett

Aber anders als die meisten Oligarchen- bzw. Mäzenen-Vereine hat sich Achmetov den Erfolg nicht nur erkauft.

Natürlich investierte der leidenschaftliche Scheitelträger viel Geld in die Mannschaft, wahnwitzige Summen wie Paris oder Manchester City zahlte er jedoch nie.

Der Erfolg wurde viel mehr auf dem Reißbrett geplant.

Das Konzept ist so simpel wie erfolgreich: Hinten hält eine Mischung aus ukrainischen, kroatischen und rumänischen Nationalspielern den Laden dicht, vorne sorgt die Samba-Fraktion aus Brasilien für mächtig Zirkus.

Junge Talente vom Zuckerhut

„Die Südamerikaner zeigen schönen, technisch starken Fußball. Im Endeffekt bringt es zwei wesentliche Vorteile: Wir kommen zu sportlichen Erfolgen, und das schöne Kombinationsspiel gefällt unseren Fans", sagt Sergej Palkin, der Chief Executive Officer des Klubs.

Schachtjor holt die jungen Talente vom Zuckerhut meist schon im Teenager-Alter. Danach wären sie zum einen nicht mehr leistbar, zum anderen die Ukraine als Destination nicht attraktiv genug.

„Europäische Klubs nehmen nur selten ganz junge brasilianische Spieler auf. Das Risiko, sie zu integrieren, ist viel zu hoch. Bei einem ist es schon schwierig, eine ganze Gruppe ist ein echtes Problem - für sie ist alles Show, das Leben eine Fiesta“, erklärt Trainer Lucescu.

Trotzdem geht der Rumäne, der schon seit 2004 im Amt ist, regelmäßig dieses Risiko ein und wird regelmäßig dafür belohnt.

Spieler wie Brandao, Elano und Matuzalem wurden bereits gewinnbringend verkauft, weitere Jungstars wie Willian und Alex Teixeira werden folgen.

Jüngstes Ausrufezeichen gegen Chelsea

Aus dem hat der umstrittene Unternehmer einen Spitzenklub geformt, der weit über die ukrainischen Grenzen hinaus für Furore sorgt.

Das jüngste Ausrufezeichen setzte die Truppe von Trainer Mircea Lucescu erst am Dienstag, als Champions-League-Titelverteidiger Chelsea mit 2:1 bezwungen wurde.

Überraschend kam das aber keineswegs, wenn man sich die vergangenen Jahre genauer ansieht.

Schachtjor ist regelmäßiger Stammgast in der Champions League und erreichte in der Saison 2010/11 als Höhepunkt das Viertelfinale. Der größte Erfolg gelang 2008/09 mit dem Gewinn des UEFA-Cups.

16 Milliarden Euro Privatvermögen

Aber Geld spielt für Achmetov ohnehin eine untergeordnete Rolle.

Sein Privatvermögen wird auf rund 16 Milliarden Euro geschätzt, in der Forbes-Liste der reichsten Menschen rangiert er auf Platz 39.

Dementsprechend großzügig geht er auch mit seinem Geld um.

Für den UEFA-Cup-Sieg schüttete er damals eine 400.000-Euro-Prämie pro Spieler aus, insgesamt soll er bereits eine halbe Milliarde Euro in den Verein gepumpt haben.

Die 156-Mio.-Wohnung

Auch privat regiert beim Oligarchen das Motto: Klotzen statt kleckern.

2011 kaufte er sich um 156 Millionen Euro die teuerste Wohnung Londons – als Geldanlage. Seinen Alltag verbringt Achmetov lieber in Donezk.

Ansonsten ist vom Privatleben nicht viel bekannt.

Der medienscheue Unternehmer soll ein Faible für Kartenspiele haben und äußerst jähzornig sein.

Wutausbruch nach Austria-Debakel

Das bekamen die Schachtjor-Spieler 2002 zu spüren, als sie in der 1. Runde des UEFA-Cups bei der Wiener Austria ein 1:5-Debakel kassierten und damit ausschieden.

Achmetov soll eigenhändig die BMW- und Mercedes-Limousinen seiner Stars mit einem Baseballschläger zertrümmert haben.

Aber auch das ist nur eine von vielen Geschichten und Mythen, die sich um Rinat Achmetov, dem Mann hinter der Erfolgsstory Schachtjors, ranken.

Kurt Vierthaler

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