Berisha: "Wir müssen keine Arschlöcher sein"

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Der Norweger Valon Berisha ist in Malmö geboren.

Klingt komisch, ist aber so. Der 22-Jährige, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, verbrachte aber nur ein Jahr in Schweden.

Ein Jahr später wurde Bruder Veton, der am Montag für Greuther Fürth erstmals in der zweiten deutschen Bundesliga traf, im norwegischen Egersund geboren.

"Ich habe keine besonderen Erinnerungen an Malmö mehr", sagt Valon, der das am Mittwoch ändern will.

Vor einem Jahr war der Offensivspieler, der 2012 für 2,8 Millionen Euro von Viking Stavanger nach Salzburg kam, nämlich wegen eines Kreuzbandrisses verletzt und musste zuschauen, als Salzburg mit 0:3 im CL-Playoff unterging und ausschied.

Das soll sich dieses Jahr nicht wiederholen. Vor dem Rückspiel in der 3. Quali-Runde (Hinspiel: 2:0) sprach Valon Berisha ausführlich mit LAOLA1.

Berisha und Havard Nielsen kamen 2012 nach Salzburg

LAOLA1: Du warst vergangenes Jahr nicht dabei, weil du einen Kreuzbandriss erlitten hast. Hat dich die Verletzung mehr zurückgeworfen oder konntest du etwas Positives mitnehmen?

Berisha: Vom Kopf her hat es mich ruhiger gemacht. Ich weiß jetzt noch viel mehr, um was es geht und bin professioneller geworden. Da konnte ich viel lernen, auch Fußball mehr zu genießen. Denn es war eine harte Zeit. Vom Spiel her braucht es immer noch ein wenig. Das erste halbe Jahr habe ich gut überstanden und ich merke, wie ich stärker und stärker werde. Ich komme langsam in meine alte Verfassung, aber es geht sicher noch mehr, um mein Potenzial auszuschöpfen.

LAOLA1: Du hast deinen Vertrag bis 2018 verlängert. Könntest du dir vorstellen, den hier zu erfüllen oder schielst du wie andere auf den Sprung in eine große Liga?

Berisha: Jeder Spieler hat Ambitionen. Ich will jetzt einmal eine gute Saison spielen und ich habe auch verlängert, weil mir der Klub in der schweren Zeit geholfen hat. Ich will das zurückzahlen und kann mir auch vorstellen, länger in Salzburg zu bleiben. Ich habe aktuell nur Red Bull Salzburg in meinem Kopf. Jetzt wäre es zunächst geil, wenn wir weiterkommen würden und dann schauen wir, wen wir im Playoff bekommen.

LAOLA1: Wie wohl fühlst du dich im 4-2-2-2 auf der Außenposition? Wäre dir die zentrale Position im 4-2-3-1 manchmal lieber, die du vor allem zu Beginn in Salzburg öfter gespielt hast?

Berisha: Es ist eigentlich eine gute Position, weil wir ohnehin viel durch die Mitte kommen. Was ich besser machen kann, ist, dass ich als Flügel mehr draußen bleibe und die 1:1-Situationen besser ausnütze. Meine Lieblings-Position ist die als Achter, aber so wie wir spielen, ist die des Zehners auf der linken Seite auch gut für mich.

LAOLA1: Ein großes Ziel wird wohl auch sein, ins Nationalteam zurückzukehren, oder?

Berisha: Genau. Ich war zuletzt eingeladen, habe aber wegen der Belastung im ersten halben Jahr abgesagt. Ich weiß, dass ich zurückkommen kann, wenn ich gute Leistungen bringe.

LAOLA1: So wie bei dir früher gibt es auch bei „Wunderkind“ Martin Ödegaard viele Lobeshymnen. Ist das manchmal nicht eine zu große Bürde?

Berisha: Es ist natürlich schwierig für ihn, weil er auch bei einem der größten Klubs, Real Madrid, spielt. Das ist ein Traum für jeden. Ich habe mit ihm gespielt und er hat diese Qualität, aber es ist eine Bürde, weil der Druck enorm ist. Aber dieses riesige Talent wird wie eine Blume aufblühen.

LAOLA1: War es für dich früher auch mehr Bürde?

Berisha: Es war auch bei mir eine, aber es ist natürlich auch schön, wenn dich die ganze Stadt liebt. Alle stehen hinter dir und hoffen darauf, dass du gute Leistungen bringst. Das ist geil. Aber es wird schwierig, wenn du vermehrt schlechtere Leistungen bringst.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Wie habt ihr die Niederlage gegen Rapid aufgearbeitet?

Valon Berisha: Es war ein schwieriges Spiel, weil Rapid auch ein guter Gegner ist. Ihr Plan ist gut aufgegangen, sie haben die Mitte zugemacht, wo wir gerne spielen. Man hat auch gesehen, wie entscheidend Standards sein können. Dennoch haben wir Willen gezeigt, es war aber nicht gut genug. Vielleicht waren wir nach dem Malmö-Hinspiel noch etwas müde, was keine Ausrede sein soll. Rapid hat ja auch gegen Ajax gespielt. Wir müssen unser Spiel einfach besser auf den Platz bekommen. Wir hatten bislang gute und schlechte Spiele. Da müssen wir stabiler sein. Das wird mit der Zeit kommen, weil neue und junge Spieler dabei sind.

LAOLA1: Ist also die Inkonstanz das größte Problem?

Berisha: Es ist schwierig zu sagen, es liegt an mehreren Dingen. Wir haben nicht gut gespielt, sind nicht in das Gegenpressing gekommen. Das war gegen Malmö viel besser. Da haben wir die Bälle gewonnen und gut umgeschalten. Wenn das gelingt, kommen wir zu klaren Chancen und müssen dann vor dem Tor effektiver sein. Gegen Rapid war es in der Mitte eng, da sind wir nicht durchgekommen.

LAOLA1: Muss einfach mehr über die Seiten passieren?

Berisha: Man kann das natürlich sagen, weil wir es gegen Rapid durch die Mitte nicht so gut gemacht haben. Aber normalerweise sind wir gut genug, dass wir auch von außen die Bälle hineinbringen und dort zum Abschluss kommen. Jeder weiß, dass wir gerne durch die Mitte kommen, trotzdem haben wir immer wieder Chancen. Da müssen wir einfach dranbleiben, denn das ist unser Spiel.

LAOLA1: Wie kommt Salzburg in Malmö weiter?

Berisha: Wir haben es im Hinspiel vorgemacht. Es ist wichtig, auch wenn wir 2:0 gewonnen haben, nicht zu destruktiv zu sein. Wir sollten unser Spiel machen und nach vorne attackieren. Wir müssen wieder mit Herz kämpfen. Wir wollen die Null halten und wissen, dass wir für ein Tor gut sind.

LAOLA1: Vor einem Jahr waren einige Spieler von der tollen Atmosphäre merklich beeindruckt. Fürchtest du die neuerliche Gefahr bei extrem jungen Spielern wie David Atanga (18) oder Dimitri Oberlin (17)?

Berisha: Nein. Viele Spieler wissen, wie es war und bei anderen wird das vielleicht in der ersten Minute der Fall sein. Es ist eben etwas anders, wenn man auswärts spielt und die Fans hinter dem Gegner stehen. Aber wenn wir unseren Plan umsetzen, kann uns gar nichts zerbrechen.

LAOLA1: Alexander Walke meinte nach dem Rapid-Spiel: „Vielleicht sollte man manchmal ein bisschen Arschloch sein. Das ist besser als immer zu lieb.“ Trifft er es diesbezüglich auf den Punkt?

Berisha: Wir wissen, dass Malmö eine physische Mannschaft ist und sie reingehen. Zu Hause haben wir gezeigt, wie es geht. Wir sind aber auch eine faire Mannschaft und gehen nicht so in ein Tackling rein, wie sie es mitunter tun. Im internationalen Fußball muss man aber zur Sache gehen. Auch wenn das nicht unser Naturell ist, müssen wir da sein, um mehr Zweikämpfe zu gewinnen. Aber ich sage nicht, dass wir Arschlöcher auf dem Platz sein müssen. Wir wollen fair gewinnen.

LAOLA1: Freust du dich besonders auf die Partie, weil du in Malmö geboren bist?

Berisha: Ja, ich freue mich. Ich habe zwar dort schon gespielt, aber noch nie im Stadion. Ich bin dort geboren, habe noch Familie in Malmö. Es ist besonders, aber ich denke nicht so viel darüber danach. Zumal ich ja nur ein Jahr dort lebte, mein Bruder wurde in Norwegen geboren. Ich habe keine besonderen Erinnerungen an Malmö mehr.

LAOLA1: Deine Eltern sind aus dem Kosovo, du bist in Schweden geboren, in Norwegen aufgewachsen und lebst nun schon einige Zeit in Österreich.

Berisha: Das Aggressive habe ich wohl aus dem Süden (lacht). Ich bin zwar Norweger, fühle mich aber wegen meinen Eltern als Albaner. Ich habe auch gute Verbindungen dorthin. Nichtsdestoweniger steckt auch der Norweger in mir.

LAOLA1: Vor allem fußballerisch. Du hast unter Malmö-Trainer Age Hareide in Stavanger trainiert. Wie hast du ihn erlebt?

Berisha: Er ist ein sehr guter Trainer und in ganz Skandinavien bekannt. Er hat viel gewonnen und war auch ein guter Spieler. Er weiß auch, was es braucht, um zu gewinnen. Das hat er uns vergangenes Jahr auch gezeigt. Dieses Jahr haben wir es besser gemacht, weil wir im Hinspiel die Null gehalten haben. Er ist ein Motivator und das macht er vor dem Spiel wirklich sehr gut. Er vermittelt den Spielern den Glauben, es schaffen zu können.

LAOLA1: Erwartest du Malmö also auch von Beginn weg mit einer Druckwelle?

Berisha: Sie wollen sicher gleich von Start weg Druck machen und ein Tor erzielen. Wir müssen in den ersten zehn, 15 Minuten einfach voll da, höchst konzentriert sein und nichts zulassen. Wir dürfen uns nicht viele Ballverluste erlauben, denn sie haben eine gute Mannschaft mit guten Einzelspielern. Wenn wir die erste Druckphase überstehen, werden wir ein gutes Spiel machen.

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