Tanner: "Wollen uns im oberen Segment etablieren"

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Am Mittwoch steigt Red Bull Salzburg in die Youth League ein.

Vergangene Saison wäre das noch nicht möglich gewesen, wenn die Profis nicht in der Champions-League-Gruppen-Phase vertreten sind. Das hat sich im dritten Jahr des Bewerbs geändert.

Es wird zweigleisig gefahren: Es gibt den CL-Weg, der mit den 32 Vertretern mittels Gruppenphase ausgetragen wird, sowie den Meisterschafts-Weg mit den 32 Jugendmeistern der stärksten UEFA-Nationen.

Dort trifft Salzburg in der ersten der beiden K.o.-Runden im Hinspiel am Mittwoch (18 Uhr, DAS.Goldberg-Stadion) auf den bosnischen Meister Zeljeznicar Sarajevo.

Sollten die U19-„Bullen“ diese und eine weitere Runde überstehen, trifft man im Frühjahr im Playoff auf einen Zweiten des CL-Weges.Danach geht es mit dem Achtelfinale weiter. Titelverteidiger ist der FC Chelsea.

Vor dem ersten Spiel bat LAOLA1 den Nachwuchschef von Red Bull Salzburg, Ernst Tanner, zum Gespräch.

LAOLA1: Was darf man sich von Red Bull Salzburg in der Youth League erwarten?

Ernst Tanner: Wir spielen im Meisterschaftsweg und damit im K.o.-System. Da ist die Gefahr groß, dass du mit einer schlechten Tagesform oder durch externe Einflüsse, die du nicht kontrollieren kannst, in die Bredouille gerätst. Aber unser Ziel muss es sein, in diesem Bewerb zu überwintern bzw. ins Playoff im Februar gegen einen Gruppenzweiten aus dem Champions-League-Weg zu kommen.

LAOLA1: Warum ist dieser Bewerb für Salzburg wichtig?

Tanner: In Österreich bekommt man nicht immer die entsprechende Forderung. Internationale Spiele sind wichtig, um die Spieler an die entsprechenden Herausforderungen heranzuführen. Natürlich ist es auch für die Jungs etwas Besonderes. Deswegen spielen wir auch viele internationale Turniere oder laden Gegner ein. Es geht darum, sich zu messen. Unser Anspruch mit unserer tollen Akademie muss es sein, international vorne mitzuspielen und sich im oberen Segment zu etablieren.

LAOLA1: Welche Spieler tragen die Hoffnungen in diesem Bewerb?

Tanner: Wir haben schon eine ganz gute Achse dabei. Das Gros der Mannschaft bildet der 97er-Jahrgang, den wir auch teilweise aus der Ersten Liga kennen. Dimitri Oberlin, Konrad Laimer und Xaver Schlager werden etwa auflaufen. David Gugganig wird auch spielen können. Es gibt einige Spieler, die bei Liefering einige Einsätze verbucht haben oder Stammspieler sind. Wir werden auf jeden Fall eine schlagkräftige Truppe haben. Wir werden den Gegner aber auch sicher nicht unterschätzen. Die haben etwa 96er-Jahrgänge, die in der ersten Mannschaft teilweise tragende Rollen spielen. So einfach wird das nicht, wie es vielleicht die Papierform vermuten ließe.

LAOLA1: Es ergibt sich zwangsläufig ein Überschuss an ausgebildeten Spieler, auch wenn man inklusive Leipzig mehr Teams und damit Möglichkeiten hat. Wird der Rest an die österreichischen Vereine verteilt?

Tanner: Man sieht es an der Praxis. Jene Spieler, die wir nicht für unsere erste Mannschaft vorsehen können, werden auch an andere Vereine in Österreich abgegeben. Siehe Martin Rasner bei Grödig oder Nikola Dovedan beim LASK. Der eine oder andere wie Lukas Gugganig ging ins Ausland zu Frankfurt. Die Spieler werden dann irgendwo auch vom Markt aufgesogen. Für uns ist wichtig, dass wir dann auch wieder Zugriff haben. Beispiel Stefan Lainer, dem der Schritt nach Ried absolut nicht geschadet hat. Das ist eine ideale Praxis für Spieler, die vielleicht ein, zwei Jahre länger brauchen. In Liefering hätte man ihn nicht mehr entsprechend fördern können. So macht das einfach mehr Sinn.

LAOLA1: Inwieweit bildet die Salzburger Akademie auch für Leipzig aus?

Tanner: In erster Linie bilden wir für Salzburg aus. Das hat Priorität. Aber wir bilden auch Red-Bull-Sportler aus, das darf man nicht vergessen. Das ist auch im Sinne unserer Marke und eines der großen Ziele unseres Sponsors. Dass dann eine gewisse Affinität zu den anderen Red-Bull-Vereinen besteht, ist doch natürlich. Wir haben auch schon einen Jungen gehabt, der für ein halbes Jahr nach New York wollte. Das ist auch eine Möglichkeit für einen Jugendlichen.

LAOLA1: Thomas Letsch war als Ex-U18- und Liefering-Trainer wohl die logische Wahl als Betreuer.

Tanner: Wir haben uns die Gedanken gemacht und es war klar, dass er eigentlich das machen muss. Er hat den Großteil seiner Spieler bei Liefering. So gibt es den Vorteil, dass er das ganz gut steuern kann. Als Co-Trainer fungiert Bernhard Seonbuchner von der U18, um auch hier die Verbindung herzustellen.

LAOLA1: Vor einem Jahr wurde die Akademie eröffnet, just holte man erstmals alle drei AKA-Titel.

Tanner: Die waren nicht unbedingt die Konsequenz aus dem Einzug in die neue Akademie, da wurde natürlich entsprechende Vorarbeit geleistet. Aber ich bin sehr zufrieden, was vergangene Saison geleistet wurde. Unser oberstes Ziel ging auf, nämlich von den 97er-Jahrgängen fast alle zu Liefering zu bringen oder mit Kooperationsverträgen auszustatten. Etwa in die Regionalliga zu verleihen. Wir haben international viele Turniere gewonnen, die Anzahl unserer Nationalteamspieler wurde noch einmal gesteigert und bei den Profis haben wir den einen oder anderen reingebracht. Es zeichnet sich langsam aber sicher schon eine Erfolgsstory ab. Nachdem der Jugendbereich etwas Nachhaltiges mit sich bringt, können wir auch weiterhin etwas erwarten, vielleicht sogar in einer noch besseren Qualität, weil die Spieler dann schon länger in unserem Programm verweilen.

LAOLA1: Ich habe gelesen, dass man in der Leipzig-Akademie besonders auf die Frisur achten muss sowie jedes Kilogramm zu viel mit einer Geldstrafe belegt wird. Ist dem auch in Salzburg so?

Tanner: Das machen wir so nicht. Ich bin ein Gegner davon, dass man Jugendliche zu sehr über einen Kamm schert. Eine gewisse Individualität muss man ihnen lassen. Ob einer die Haare links oder rechts, länger oder kürzer, blond oder wie auch immer hat – also wenn es nicht total aus dem Rahmen fällt, es störend für andere ist, dann will ich nichts reglementieren. Die Gewichtsthematik ist etwas anderes. Wenn jemand sein Heimprogramm in den Ferien nicht macht, dann wird ein Gespräch folgen. Wenn jemand in der Ernährung nachlässig ist, dann gibt es auch eines. Aber ich setze schon mehr auf die Einsicht und die Motivation des Spielers als auf Reglementierung.

Nummer

Name Jahrgang Nation Position
01 Bartlomiej Zynel 1998 POL Tor
21 Valentino Jovic 1998 BIH Tor
03 Michael Switil 1997 AUT Linksverteidiger
05 David Gugganig 1997 AUT Innenverteidiger
12 Dimitrii Skopintcev 1997 RUS Linksverteidiger
15 Benjamin Kaufmann 1997 AUT Innenverteidiger
18 Dayot Upamecano 1998 FRA Innenverteidiger
22 Sandro Ingolitsch 1997 AUT Rechtsverteidiger
33 Luca Meisl 1999 AUT Innenverteidiger
04 Xaver Schlager 1997 AUT Rechtes Mittelfeld
06 Emir Karic 1997 AUT Defensives Mittelfeld
07 Lorenz Grabovac 1997 AUT Linksaußen
08 Konrad Laimer 1997 AUT Zentrales Mittelfeld
17 Nico Gorzel 1998 GER Zentrales Mittelfeld
19 Maximilian Schuster 1998 GER Defensives Mittelfeld
20 Oliver Filip 1998 AUT Rechtsaußen
24 Maximilian Mayer 1998 AUT Rechtes Mittelfeld 
34 Daniel Raischl 1997 GER Zentrales Mittelfeld
40 Hannes Wolf 1999 AUT Rechtes Mittelfeld
09 Marco Hödl 1997 AUT Mittelstürmer
10 Dimitri Oberlin 1997 SUI Mittelstürmer
11 Lukas Heinicker 1997 AUT Mittelstürmer
13 Alex Sobczyk 1997 AUT Mittelstürmer
14 Mergim Berisha 1998 KOS Mittelstürmer

Ernst Tanner (48/GER) ist seit 2012 RBS-Nachwuchschef

LAOLA1: Wo liegt für ein Talent das kritische Alter zwischen Nachwuchs und Profis?

Tanner: Das ist sehr individuell. Wir dürfen auch nicht den Fehler machen, die Jungs zu früh in die erste Mannschaft zu stecken, wenn sie nicht stabil genug ausgebildet sind – sowohl physisch als auch technisch, taktisch. Nur wenige 18-Jährige schaffen es, im Herren-Bereich konstant mitzuspielen, das sind Ausnahme-Talente. Aber wenn sie 20 oder 21 sind, sollte es spätestens in die Richtung gehen. Mit Smail Prevljak gibt es ein gutes Beispiel, der über Leipzig nach Liefering kam und sich dort richtig gut stabilisiert hat. Ein Bänderriss hat ihn zwar am Ende der Vorsaison etwas zurückgeworfen, aber jetzt ist er so weit, dass er auch sukzessive in der ersten Mannschaft spielen kann. Wenn er dort nicht zum Einsatz kommt, kann er auch ab und an wieder in Liefering spielen. So führt man einen Spieler heran.

LAOLA1: Welches Bild haben Sie von der Nachwuchs-Arbeit in Österreich generell gewonnen?

Tanner: Die Vereine sind bemüht, verstärkt in den Nachwuchs zu investieren. Bei Rapid etwa sind verstärkt große Anstrengungen unternommen worden. Alle anderen Vereine ziehen nach und das ist gut so. Das belebt und wir sind auch froh, wenn es starke Konkurrenz gibt. Andernfalls würde es ja unseren Spielern auch schaden. Im Vergleich mit Deutschland liegen wir mit unserem System bei U15 und U16 völlig richtig. In den Landes-Ausbildungszentren könnte man noch mehr Bewusstsein für die wahren Talente schaffen, etwa was das biologische Alter betrifft. Das ist auch der Vorteil in unserem System, in dem man nicht zu früh einem zu großen Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist. Den müssen wir etwa im Vergleich zu Deutschland nützen. Das muss noch mehr in die Köpfe der Verantwortlichen und Betreuer. Die Nationalteams sind am richtigen Weg, es liegt aber noch mehr Potenzial drin.

LAOLA1: Zurück zu Salzburg: Neben vielen heimischen Talenten werden immer wieder auch internationale geholt. Sollen die später für Geld sorgen? Was ist der Plan?

Tanner: Das ist ein ganz normaler Prozess, denn es sichert auch die Qualität. Die Besten in Österreich werden mit 13 oder 14 Jahren hierzulande aufgeteilt. Dann gibt es den einen oder anderen, der sich parallel entwickelt und den versuchen wir natürlich auch zu finden. Aber wenn man vernünftige Qualität im Kader und im Trainingsbetrieb haben will, dann muss man auch externe Spieler holen, damit die Qualität hoch bleibt. Das kommt allen zu Gute. Sie trainieren und spielen auf besserem Niveau. Nur so können sie im internationalen Vergleich vorne mitspielen. Wir merken das aber auch etwa, wenn wir gegen Chelsea spielen. Da sind viele Ausländer dabei. Auch bei anderen Top-Teams wie etwa in Holland oder Deutschland.

LAOLA1: Bei Dayot Upamecano hat man sich gegen europäische Top-Klubs durchgesetzt. Kritiker werfen hier gerne die Überbezahlung der Nachwuchs-Talente vor. Was entgegnen Sie?

Tanner: Der Vorwurf kann gar nicht stimmen, wenn sich der Spieler gegen Klubs wie Manchester City oder Bayern München entscheidet. Das ist dadurch entkräftet, als dass er sich für den kleineren Player am Markt entscheidet. Es ist ganz einfach: Man muss einem jungen Spieler eine Perspektive aufzeigen und ihn auch menschlich überzeugen. Das ist in diesem Fall geschehen und zwar gegen den Einfluss der Berater. Die wollten ihn natürlich zu einem großen Klub bringen, weil sie wohl auch mehr verdient hätten. Spieler und Mutter haben gesagt, die Menschen hier in Salzburg sind glaubwürdig und ehrlich. Das war ein langer Prozess, weil man mehr mit den Beratern zu kämpfen hatte (lacht).

LAOLA1: Und als Innenverteidiger hat man anfangs in Salzburg zu kämpfen.

Tanner: Wir spielen eben anders. Die Jungs kommen hier her und müssen hoch verteidigen, das ist anders, als tief zu stehen und mannorientiert zu spielen, wie etwa bei Paulo Miranda in Brasilien. Auch Dayot hatte in Liefering irrsinnige Schwierigkeiten und hat furchtbare Fehler gemacht. Doch er ist jünger und ein wenig flexibler, hat das, was wir von ihm wollen, viel schneller angenommen, und jetzt macht er schon richtig Spaß. Bei Paulo wird es auch besser, da mache ich mir keine Sorgen. Ich bin länger dabei und schaue nicht nur auf den Moment, sondern beurteile das auf einen längeren Zeitraum.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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