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FC Chelsea ein würdiger Champions-League-Sieger?

Ja, Chelsea hat den Champions-League-Titel verdient!

Ein Kommentar von Martin Wechtl

Vorab: Gratulation an den FC Chelsea. Die „Blues“ haben sich diesen Titel redlich verdient. Wer den FC Barcelona im Halbfinale ohne Niederlage aus dem Bewerb kickt und ein Endspiel im Heimstadion des Gegners positiv absolviert, dem sei der Triumph auch voll und ganz gewährt.

Und vor allem ist es Spielern wie Drogba, Lampard und Terry zu vergönnen. Am Zenit ihrer Karrieren wohl die letzte Chance auf den Gewinn des wichtigsten Klubtitels Europas genützt. Was für ein Happy End nach dem Elfer-Drama vor vier Jahren gegen Manchester United in Moskau.

Über die Art und Weise wie der Erfolg in München zustande gekommen ist, lässt sich natürlich diskutieren. Klar, fußballerisch war es keine Offenbarung, was uns die Briten geboten haben. Wie schon gegen die Katalanen mauerte man sich praktisch über die gesamte Spielzeit ein, um eine der ganz wenigen Chancen zu nützen und im Elfmeterschießen als glücklicher Sieger hervorzugehen.

Doch seien wir einmal ehrlich: Anders war es auch nicht zu erwarten. Chelsea bestritt in der Münchner Allianz-Arena quasi ein Auswärtsspiel, war mit dem defensiven Rezept bereits beim spanischen Vizemeister erfolgreich und hätte bei einem offenen Schlagabtausch mit den spiel- und heimstarken Bayern womöglich den Kürzeren gezogen. Coach Roberto di Matteo hat seine Elf wieder perfekt eingestellt. Chelsea besann sich auf seine Stärken und die liegen in der Defensive. Punkt! Haben sie den Sieg deswegen nicht verdient?

Nein! Für Fußball-Ästheten mag der Titelgewinn ein Schlag ins Gesicht sein. Doch warum werden offensiv ausgerichtete Teams immer hochgelobt und defensiv eingestellte Mannschaften verteufelt?

Auch dieser Spielweise gebührt Respekt. Und es zeigt von enormer Klasse, wenn man als spielschwächeres Team aus dem Nichts Tore macht. Das nennt man Effektivität.

Fußball muss nicht immer schön sein, eine attraktive Spielweise ist nur das i-Tüpfelchen. Die Bayern sind in Schönheit gestorben, Chelsea hat den Traum vom erstmaligen Gewinn der Königklasse dafür wahr werden lassen.

Nein, Chelsea hat den Champions-League-Titel nicht verdient!

Ein Kommentar von Kurt Vierthaler

„So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“ Wenn es immer so einfach wäre, wie Lukas Podolski einmal gesagt hat, dürfte es über den Champions-League-Sieger 2012 keine zwei Meinungen geben.

Ein Blick auf die Statistik genügt, um zu verdeutlichen, wer eigentlich den Pott verdient hätte. 43:9 (!) Torschüsse, 20:1 Ecken, 55:45 Prozent Ballbesitz. Bayern war Chelsea in allen Belangen überlegen. Aber Statistik alleine gewinnt eben keine Spiele – und schon gar keine Titel.

Bereits im Halbfinale gegen Barcelona bewiesen die Londoner, dass man nicht unbedingt Fußball spielen muss, um erfolgreich zu sein. „Wenn das die Zukunft des Fußballs ist, wie diese Mannschaft spielt, dann ist das eine Katastrophe. Es geht um die Art und Weise, wie die Fußball spielen“, brachte es SKY-Experte Matthias Sammer nach der Finalnacht auf den Punkt. Selbst Chelsea-Star Frank Lampard schien das Zustandekommen des großen Triumphes fast unangenehm zu sein: „Wir haben uns eingebunkert, das war nicht schön.“

Natürlich ist es legitim, mit Mann und Maus zu verteidigen und auf den Lucky Punch zu hoffen. Natürlich ist es legitim, als spielerisch unterlegene Mannschaft nicht auf Teufel-komm‘-raus zu stürmen und ins offene Messer zu laufen. Natürlich ist es auch legitim, auf die Lotterie Elfmeterschießen zu spekulieren. Der Zweck heiligt eben die Mittel.

Als würdiger CL-Sieger wird uns Chelsea definitiv nicht in Erinnerung bleiben, auch wenn das den „Blues“ und ihren Anhängern herzlich egal sein wird.

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