Vom Zuckerlladen in Europas Fußball-Elite

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In Österreich werden Fußballvereine traditionell in Gasthäusern gegründet.

Die Geschichte von APOEL (bei der Gründung POEL) beginnt am 8. November 1926  ebenfalls in kulinarischem Umfeld - in einem Süßwarengeschäft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia.

Und nicht nur die Gründungslokalität macht den Athlitikos Podosfairikos Omilos Ellinon Levkosias - also den athletischen Sportklub der Hellenen - zu einem besonderen Verein.

Politik und Fußball - auf Zypern keine Gegensätze

Zypern ist zweigeteilt, in den griechischen Süden und die von der Türkei 1983 ausgerufenen Türkischen Republik Nordzypern, die international aber nicht anerkannt wird. An der Grenze, der sogenannten "Grünen Linie", patroullieren UN-Friedenstruppen.

Diese Linie verläuft auch durch Nikosia, eine Stadt, in der alles politisch ist, auch der Fußball. Wie schon der Vereinsname verrät, macht man bei APOEL keinen Hehl daraus, dass man der Klub der griechischen Zyprer ist.

Die Vereinsfarben Gelb und Blau stehen für Zypern und Griechenland. Der Klub stellte sich im griechischen Bürgerkrieg auf die Seite der konservativen Rechten, die für eine Wiedervereinigung mit Griechenland eintraten.

Dies führte 1948 auch zu einer Abspaltung innerhalb des Vereines. Die mit der Linken sympathisierenden APOEL-Anhänger gründeten den fortan als Erzfeind geltenden Klub Omonia.

Mit 21 Meistertiteln hat APOEL die Nase knapp vor Omonia (20) und darf sich zyprischer Rekordmeister nennen. Auch an die 19 Siege im zyprischen Cup kommt der Stadtrivale (13) nicht heran.

APOEL schaltet Lyon aus

Im Achtelfinale egalisierte APOEL vor 23.000 Zuschauern die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel in Lyon bereits nach neun Minuten und kämpfte sich in die Verlängerung.

Nachdem diese torlos vorrüberzog, musste das Elfmeterschießen entscheiden, in dem sich APOEL mit 4:3 durchsetzte.

Routinierte Multi-Kulti-Truppe

Einen Spieler, der jünger ist als 24, sucht man in der Mannschaft von APOEL vergebens. Gleich 14 Spieler haben ihren 30. Geburtstag bereits hinter sich.

Von den acht Zyprern im Kader von APOEL ist mit Constantinos Charalambidis nur ein einziger Teil der Stamm-Elf. Der 30-Jährige, der 2008 beim damaligen deutschen Zweitligisten Carl Zeiss Jena aussortiert wurde, ist auch Kapitän des Teams.

Kaka und Ailton

Große Namen stehen in der Aufstellung der Zyprer. Aber weder der Kugelblitz, noch der ehemalige Weltfußballer schnüren ihre Schuhe für Nikosia.

Innenverteidiger Kaka versuchte sich erfolglos bei der Berliner Hertha und ist auch bei APOEL nicht unter den ersten Elf. Ailton kam vom FC Kopenhagen und ist mit sieben Treffern (inkl. Qualifikation) erfolgreichster Torschütze der Zyprer.

Ausschluss aus dem Europapokal

1986 brachte die Europapokal-Auslosung ein Duell mit Besiktas Istanbul. Die Zyprer weigerten sich aufgrund der Auseinandersetzungen mit der Türkei anzutreten. Die UEFA schloss APOEL daraufhin für zwei Jahre von internationalen Bewerben aus.

Erstmals für positiven Gesprächsstoff sorgte APOEL außerhalb Zyperns in der Saison 2009/10, als man den Einzug in die Gruppenphase der Champions League schaffte.

Dort war gegen Atletico Madrid, Chelsea und den FC Porto aber Endstation. Nach zwei Unentschieden gegen die Spanier und einem Remis in London schied man als Viertplatzierter aus.

Größter Erfolg für Zypern lässt Jahrhundertpleite vergessen

In der laufenden Saison schaffte APOEL nach Siegen gegen den albanischen Meister Skenderbeu, Slovan Bratislava und Wisla Krakau abermals den Sprung in die CL-Gruppenphase.

In Pool G, der sich als einziger aus vier aktuellen Landesmeistern (APOEL, FC Porto, Shakhtar Donetsk, Zenit St. Petersburg) zusammensetzte, reichten den Zyprern neun Punkte zum sensationellen Gruppensieg. Die einzige Niederlage setzte es im letzten Spiel gegen Shakhtar.

Damit gelang APOEL der größte internationale Erfolg einer zyprischen Mannschaft. Nur einmal zuvor konnte der Verein für ähnlich viel Aufsehen sorgen, nämlich 1964, als er im Pokal der Pokalsieger gegen Sporting Lissabon mit 1:16 unterging und damit die höchste Pleite in der Geschichte der UEFA-Vereinswettbewerbe ausfasste.

Bei einem Blick auf die Statistik wird der Gruppensieg der Zyprer noch unglaublicher. Kein Team in der CL-Gruppenphase ließ mehr Torchancen zu als APOEL und kein Team schoss seltener auf das gegnerische Tor (38). Zudem erhielten die Zyprer die meisten Gelben Karten (19).

Der brasilianische Stürmer ist mit einem geschätzten Marktwert von 1,6 Millionen Euro auch der wertvollste Spieler des Sensationsteams.

An seiner Seite stürmen zumeist der 24-jährige mazedonische Nationalspieler Ivan Trickovski, der von Roter Stern Belgrad kam, oder Routinier Esteban Solari. Der 31-jährige Argentinier wartet noch auf seinen ersten CL-Treffer, schlug in der heimischen Liga aber bereits zehn Mal zu.

"Elfmeter-Gott" Dionisios

Zum absoluten Helden avancierte zuletzt Keeper Dionisios Chiotis. Der Grieche, der 2002 unter Otto Rehhagel ein Länderspiel bestreiten durfte, parierte gegen Lyon zwei Elfmeter und führte sein Team damit zum Aufstieg.

Der Trainer

Auf der Bank der Zyprer sitzt mit Ivan Jovanovic ein routinierter Mann. Der 49-jährige Serbe betreute APOEL schon von 2002 bis 2005 und ist nunmehr seit 2008 abermals Coach bei Nikosia. Dazwischen arbeitete er in Griechenland bei Iraklis Thessaloniki, wo er als Spieler weit über 200 Spiele absolvierte.

Der Erfolgs-Coach schickt APOEL zumeist in einem 4-2-3-1 auf das Feld und lässt sein Team aus einer soliden Defensive agieren. Zudem setzt Jovanovic auf viel Laufarbeit und schnelles Umschalten in die Offensive.

Österreich drückt Real die Daumen

Die Viertelfinal-Auslosung brachte Nikosia ein Traumlos. In der Runde der letzten Acht gastiert Real Madrid im GSP-Stadion von Nikosia (27.3., Rückspiel am 4.4.). Ein Duell zwischen dem Nikosia-Kaka und seinem weit bekannteren Namensvetter wäre also möglich.

Auch Österreich zittert bei diesem Duell mit. Gelingt APOEL nämlich eine weitere Sensation und die Zyprer kegeln Real aus dem Bewerb, würde Österreich den sicher geglaubten 15 Rang in der UEFA-Fünfjahres-Wertung noch verlieren.

Wäre dies der Fall, dürften in der Saison 2013/14 weiterhin nur vier österreichische Teams im Europacup spielen. Rang 15 bringt einen zusätzlichen fünften Startplatz.


Christoph Kristandl

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