"Erst die halbe Miete" für Sturm

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Österreichs Meister SK Sturm Graz ist am Dienstagabend den Europacup-Millionen einen großen Schritt näher gerückt.

Nach dem schmeichelhaften 1:1 in Tiflis gegen den FC Sestaponi haben die Steirer alle Trümpfe in der Hand, im Rückspiel am kommenden Mittwoch in der UPC-Arena den Aufstieg in die Play-off-Runde zur Champions League zu fixieren.

Damit wäre ihnen zumindest die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League und eine Million Euro Antrittsgeld sicher.

Bei einem Aufstieg in die CL-Gruppe würden sogar mehr als sieben Millionen Euro fix an Startgeld fließen.

Nicht souverän, aber sehr effizient

Der Auftritt der Grazer war genauso wie in den bisherigen vier Saison-Pflichtspielen alles andere als souverän.

In der Defensive hatte man Glück, nicht höher in Rückstand geraten zu sein, das Spiel nach vorne war teilweise gar nicht vorhanden.

Dafür ließen sich die einmal mehr sehr effizienten Schützlinge von Trainer Franco Foda wie schon in Ungarn vom Rückstand nicht beirren und schlugen nach dem 0:1 sofort zurück.

Patrick Wolf stellte seine Torjägerqualitäten unter Beweis, wollte von Lobeshymnen aber nichts wissen.

"Ich bin froh, das Tor gemacht zu haben, aber Fußball ist ein Mannschaftssport, das Kollektiv ist entscheidend", sagte der Goldtorschütze.

Youngsters hinterließen guten Eindruck

Im Mittelpunkt vor rund 15.000 Zuschauern im Boris-Paichadse-National-Stadion stand aber nicht nur der Torschütze, sondern vor allem Florian Neuhold.

Der 18-jährige Innenverteidiger hatte nach dem kurzfristigen verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Ferdinand Feldhofer von Foda den Vorzug gegenüber dem routinierten Ex-Salzburger Milan Dudic erhalten und das Vertrauen bei seinem Pflichtspieldebüt mit einer guten Leistung gerechtfertigt.

"Er war gar nicht nervös und hat seine Sache gut gemacht", war Foda zufrieden. Interview durfte der Youngster auch am Tag nach dem Spiel keines geben.

Foda hielt allerdings nichts davon, nur den Debütanten positiv hervorzuheben.

"Es war nicht nur Neuhold, sondern es waren auch Sandro und Kainz. Alle drei Spieler haben ihre Sache sehr, sehr gut gemacht. Wir waren gut organisiert, insgesamt bin ich mit den Jungen sehr zufrieden", lobte der Deutsche seine junge Garde.

In der Nachspielzeit kam sogar auch noch der 19-jährige Stefan Stangl zu einem Kurzdebüt.

"Das hat gezeigt, dass man als gut organisierte Mannschaft auch mit jungen Spielern international bestehen kann", sagte der Sturm-Trainer.

Schlagkräftigere Mannschaft im Rückspiel

Etwas unglücklich verlief die Partie für Giorgi Popchadse, der vor dem 1:0 seines Ex-Clubs den entscheidenden Fehler gemacht hatte.

"Es war kein einfaches Spiel für ihn. Er war in einigen Situationen etwas übermotiviert", sagte Foda über den georgischen Außenverteidiger.

Während in Tiflis nach den Ausfällen von Bukva, Standfest, Hölzl, Szabics, Feldhofer (alle verletzt), Pürcher (gesperrt) und Klem (U-20-WM) eine stark ersatzgeschwächte Mannschaft ein Remis ergatterte, werden die Steirer im Retourspiel eine schlagkräftigere Truppe stellen können.

Auch die Neo-Sturm-Kicker Darko Bodul und Dudic könnten da schon ein ernsthafteres Thema für einen Platz in der Startformation sein.

"Wir werden zu Hause mit einer anderen Mannschaft auftreten und viel besser und schneller nach vorne spielen", kündigte Foda an.

"Noch einmal alles für Aufstieg investieren"

Mit einer möglichen Europacup-Gruppenphase beschäftigt sich der Deutsche überhaupt noch nicht.

"Die Ausgangsposition ist sicher besser, als vor dem Spiel, aber wir müssen auch zu Hause wieder 90 Minuten konzentriert spielen und noch einmal alles für den Aufstieg investieren", betonte Foda.

Ähnliches war von Gerald Stockenhuber zu hören. "Ich bin stolz auf die Mannschaft, aber es ist erst die halbe Miete. Es geht 180 Minuten und 90 davon sind jetzt einmal positiv absolviert", sagte der Sturm-Präsident.

Die Georgier haben den Aufstieg noch nicht abgeschrieben. "Es ist noch nichts verloren, die Chancen stehen weiter 50:50", meinte Sestaponi-Trainer George Geguchadse. Sturm stehe noch ein hartes Spiel in Graz bevor.

"Wir werden kämpfen und alles geben, um den Aufstieg noch zu schaffen", fügte Geguchadse hinzu, der vor allem den vergebenen Chancen seiner über das gesamte Spiel gesehen besseren Mannschaft nachtrauerte.

Kampf gegen Gegner und Hitze

Nach der Partie wurde aufgrund der großen Hitze bei den Grazern vor allem darauf geschaut, den Elektrolyt-Haushalt der Spieler mit zwei, drei Litern Flüssigkeit wieder aufzufüllen.

"Ich habe noch nie bei so großer Hitze gespielt. Aber man muss die Sache im Kopf regeln, sich denken es ist saukalt und einfach kicken", nannte der in der Schlussphase eingewechselte Stürmer-Routinier Mario Haas sein Erfolgsrezept.

Keine Probleme mit der Hitze werden die Grazer, die am Mittwoch mit einstündigen Verspätung (dank eines Fans, der nicht rechtzeitig im Flugzeug war) kurz nach 13.00 Uhr in Graz landeten, am Samstag haben, wenn es in der Heimat im Bundesliga-Derby auswärts gegen den Kapfenberger SV geht.

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