„Bravouröse Defensivleistung“ sorgt für Barcas Aus

Aufmacherbild

Der Top-Favorit musste die Segel streichen, der FC Barcelona ist am Dienstagabend im Halbfinale der Champions League am FC Chelsea gescheitert.

Trotz drückender Überlegenheit, zahlreichen Top-Chancen in Hin- und Rückspiel sowie numerischer Überlegenheit über weite Teile des zweiten Aufeinandertreffens konnten sich die Katalanen nicht durchsetzen.

Dank einer "bravourösen Defensivleistung" gelang den "Blues" die Revanche für das bittere Aus 2009. Ein "Unding" der Londoner.

Unbeschreiblich!

„Das ist ein immenser Erfolg für die Spieler“, resümiert Chelsea-Coach Roberto Di Matteo nach dem 2:2 im Rückspiel . Aufgrund der Tore von Sergio Busquets (35.) und Andres Iniesta (43.) lag sein Team bereits mit 0:2 zurück und spielte zudem nach dem Ausschluss von Kapitän John Terry ab der 37. Minute in Unterzahl. „Der Treffer von Ramires war entscheidend. Er hat uns am Leben erhalten und uns den Glauben gegeben, dass wir es im zweiten Durchgang schaffen könnten“, spricht der 41-Jährige den wichtigen Anschlusstreffer des brasilianischen Mittelfeldspielers an, der im Finale jedoch wie Terry, Raul Meireles und Branislav Ivanovic zusehen muss. Der Endstand durch den eingewechselten Fernando Torres in der Nachspielzeit war daraufhin die Krönung eines Feier-Abends in Blau.

Unglaublich?

72 Prozent Ballbesitz, zwei Aluminium-Treffer und weitere vergebene Chancen. Die Statistik des Spiels aus Sicht des FC Barcelona liest sich nahezu identisch mit der des Hinspiels. Trauerten vor einer Woche vor allem Alexis Sanchez und Cesc Fabregas ihren Gelegenheiten nach, wurde diesmal ausgerechnet Lionel Messi mit dem vergebenen Elfmeter (49.) und dem Stangenschuss (83.) zum tragischen Helden. „Dank dieses Jungen stehen wir überhaupt hier“, lässt Pep Guardiola aber keinerlei Kritik aufkommen. Im Gegensatz zur Partie an der Stamford Bridge konnte der erneut bärenstarke Petr Cech diesmal immerhin zwei Mal überwunden werden, was letzten Endes kein allzu großer Trost ist. „Wir haben hier und in London große Chancen vergeben. Wie kann ich den Spielern angesichts der Möglichkeiten, die sie in 180 Minuten kreiert haben, Vorwürfe machen? Es ist einfach nicht unser Jahr“ sucht der Barca-Coach nicht nach Ausreden. Sein Gegenüber fasst indes abschließend zusammen: „In der zweiten Hälfte war nicht die Taktik entscheidend, sondern Leidenschaft, Stolz und das Verlangen, ins Finale zu kommen. Wir haben hier etwas Unglaubliches erreicht.“ 

Untröstlich!

Das Ausscheiden des FC Barcelona bedeutet die Fortsetzung des Champions-League-Fluchs, wonach der Titel nicht verteidigt werden kann. „Es schmerzt uns als Spieler, nicht weitergekommen zu sein, aber vor allem für die Menschen, die uns unterstützen und genauso wie wir leiden“, versucht Andres Iniesta seine Tristesse auszudrücken. Das erfolgsverwöhnte Publikum im Camp Nou wird sich zumindest ein wenig über diese Worte freuen, nachdem man in wenigen Tagen mit ansehen musste, wie sich der Traum von Meisterschaft und Europapokal im eigenen Stadion in Luft aufgelöst haben. „Es hat mich sehr an unser Spiel gegen Inter Mailand hier vor zwei Jahren erinnert. Diesmal war es sogar noch frustrierender, da wir in beiden Spielen jetzt mehr für das Weiterkommen getan haben", lamentiert Guardiola, ehe er den Fokus leise bereits auf die Zukunft legt: „Barca wird nächste Saison in der Champions League wieder dabei sein.“

Ungerecht?

Während Iniesta von „ungerechtem Fußball“ spricht, kontert Nationalteam-Kollege Fernando Torres den Kritikern der Ultra-Defensiv-Taktik der Londoner: „Barca ist die beste Mannschaft der Welt. Wir haben so gespielt, da es die einzige Möglichkeit war, aufzusteigen. Gegen Barcelona auf Angriff zu spielen, funktioniert nicht. Wir haben mit unseren Waffen gekämpft und auch wenn diese nicht schön anzusehen sind, haben sie uns guten Dienst erwiesen.“ Durch die Rote Karte für John Terry zusätzlich geschwächt, blieb den „Blues“ tatsächlich nur, das eigene Tor so gut wie möglich zu barrikadieren. Eine Fünferkette im Strafraum mit Viererkette knapp davor war das Resultat, das in dieser extremen Form ebenso paradox erschien wie Didier Drogba als Außenverteidiger. „Es war schwer, da hinten bei ihnen durchzudringen“ lautet der simplifizierte Kommentar von Guardiola, der den Chelsea-Spielern zu ihrer „mentalen Stärke und bravourösen Defensivleistung“ gratuliert.

Unerwartet!

„Von vielen Seiten wurden uns keinerlei Chancen zugestanden“ fasst Di Matteo die Ausgangslage vor dem Duell mit dem katalanischen Titelträger in kurze Worte, „aber die Spieler haben Charakter bewiesen.“ Eine von manchen Seiten als Altherren-Truppe bezeichnete Mannschaft steht nach einer durchwachsenen Saison, die in der Entlassung von Hoffnungsträger Andre Villas-Boas gipfelte, im Finale des wichtigsten Vereinswettbewerbs der Welt. In der Premier League nur auf Rang sechs gereiht, scheint ausgerechnet unter einem Interims-Coach auf europäischer Bühne doch noch der große Wurf möglich, nach dem sich die Herren Frank Lampard, Ashley Cole, Didier Drogba und Co. ebenso wie ihr Mäzen Roman Abramowitsch seit Jahren sehnen. „Natürlich hatten wir auch etwas Glück - aber das braucht man, um am Ende den Wettbewerb zu gewinnen.“

 

Christian Eberle

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen