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Nikosia nach Sensationssieg im Freudentaumel

Ganz Fußball-Europa staunt weiter über Zyperns Zauberkicker, auf der Mittelmeerinsel wurde die Nacht zum Tag. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Anhänger von APOEL Nikosia in der Hauptstadt den historischen 4:3-Triumph im Elfmeterschießen gegen Olympique Lyon mit Autokorsos und Hupkonzerten.

Mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League hat der zypriotische Meister seinem Königsklassen-Märchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt. "Du APOEL treibst uns zum Wahnsinn", schrieb die politische Zeitung "Simerini" am Donnerstag auf ihrer Titelseite.

"Wir haben Geschichte geschrieben"

"Wir haben Geschichte für dieses Land geschrieben und sind stolz darauf", sagte Torschütze Gustavo Manduca. Im Überschwang der Gefühle hatte der Angreifer nach seinem Treffer zum 1:0 sein Trikot ausgezogen.

Eine Aktion, die sich später rächte, sah Manduca in der Verlängerung doch die Gelb-Rote Karte. Seine Freude trüben konnte das nicht. "Das war ein Geschenk Gottes", sagte der 31-Jährige über seinen Treffer. "Ich habe die Mannschaft im Spiel gehalten - es macht mich einfach stolz, was heute Abend passiert ist."

Jubelstürme nach Abpfiff

Schon im Stadion herrschte der Ausnahmezustand, als Torwart Dionisios Chiotis den entscheidenden Elfmeter pariert hatte. Wie kleine Kinder tollten sich Nikosias Profis auf dem Spielfeld und begruben Chiotis unter einer riesigen Menschentraube.

"Wir haben etwas erreicht, mit dem vor Saisonbeginn keiner gerechnet hatte. Jetzt wird die Sache ernst", sagte der 36-jährige Tormann, der die Elfmeter von Alexandre Lacazette und Michel Bastos parierte.

Auf den Rängen lagen sich die Zuschauer in den Armen, zuvor hatte die "orangene Wand" die Gastgeber 120 Minuten lang frenetisch nach vorne gepeitscht. "Das Wunder heißt ab jetzt APOEL", titelte die zypriotische Sportzeitung "Sportime". Das Blatt "Goal" schrieb: "Danke Gott! Das Wunder von APOEL."

Nur 15 Millionen Euro Gesamtwert der Mannschaft

Der zypriotische Traditionsclub ist erst zum zweiten Mal im Millionenspiel "Königsklasse" dabei, vor zwei Jahren schied das Team sang- und klanglos ohne jeden Sieg als Gruppenletzter aus. Dieses Mal ist alles anders.

Der bunt zusammengewürfelte Haufen aus Brasilianern, Portugiesen, Griechen und Zyprioten verzückt die Massen, obwohl sein Marktwert gerade einmal bei rund 15 Millionen Euro liegt. Zum Vergleich: Allein Lyons Stürmer Lisandro Lopez wird mit 18 Millionen Euro taxiert.

Gecoacht wird die Sensationsmannschaft vom Serben Ivan Jovanovic. "Wir haben gewusst, dass es sehr hart wird, aber die Spieler waren sehr fokussiert und haben eine exzellente Leistung gebracht", lobte der 49-Jährige seine Truppe. "Es ist ein fantastisches Resultat, die Mannschaft hat sich den Aufstieg verdient", ergänzte Club-Vorstand Phivos Erotocritou.


Österreich muss zittern

Damit steht erstmals eine Mannschaft aus Zypern unter den besten acht Teams der Champions League. Dadurch ist auch noch nicht fix, dass Österreich ab der Saison 2013/14 fünf Europacup-Teilnehmer (zwei Champions-League-Quali, drei Europa-League-Quali) stellen darf.

APOEL müsste allerdings ins Halbfinale einziehen, damit Zypern Österreich in der UEFA-Fünf-Jahres-Wertung noch überholt. Das nötige Selbstvertrauen, um einen weiteren Coup zu schaffen, hat Nikosia jedenfalls. Einem Gegner will man bei der Auslosung aber aus dem Weg gehen. "Der FC Barcelona muss es nicht sein", betonte Chiotis.

Enttäuschung in Lyon

Beim französischen Serienmeister von 2002 bis 2008 war hingegen die Enttäuschung groß. Nach der schwachen Meisterschafts-Performance mit nur Platz sieben nach 26 Runden kam nun das überraschende Aus in der Champions League nach einer eher dürftigen Vorstellung. "Es ist eine immens große Enttäuschung, aber ich ziehe meinen Hut vor APOEL", sagte Lyon-Präsident Jean-Michel Aulas. Für Coach Remi Garde wird damit die Luft immer dünner.

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