Dragovic: "Jemand anderen hätte ich beschimpft"

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Aleksandar Dragovic hat am Mittwoch eine Sternstunde in seiner noch jungen Karriere erlebt.

Der 20-jährige ÖFB-Teamspieler feierte mit dem FC Basel im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League einen 1:0-Heimsieg über den FC Bayern und darf damit vom Einzug ins Viertelfinale träumen.

Sein Landsmann David Alaba steht hingegen mit den Münchnern im Rückspiel am 13. März in der Allianz Arena mit dem Rücken zur Wand.

"Chancen stehen noch immer 80:20"

Laut Dragovic hat sich aber trotz der guten Ausgangsposition nichts an der Außenseiterrolle seines Vereins verändert.

"Die Chancen stehen noch immer 80:20 für die Bayern. Sie sind sehr heimstark. Wenn sie im Rückspiel ein schnelles Tor machen, ist wieder alles offen."

Bei aller Bescheidenheit überwog dennoch der Stolz über das neuerliche Husarenstück, nachdem man in der Gruppenphase bereits Manchester United ausgeschaltet hatte.

Leichter gegen Gomez als gegen Messi

"Wir haben wieder auf uns aufmerksam gemacht und einen kleinen Teil Geschichte geschrieben. Aber wir müssen am Boden bleiben, das ist nur ein Teilerfolg", betonte der 14-fache Internationale.

Dragovic trug mit einer starken Leistung das Seinige zur Überraschung bei, schließlich ließ er Bayerns Top-Stürmer Mario Gomez nur selten zur Geltung kommen.

"Gegen Gomez ist es leichter zu spielen als gegen Messi", sagte der Innenverteidiger, der selbst einem Torerfolg ganz nahe kam.

"Hätte das Tor machen müssen"

Allerdings wehrte Manuel Neuer den Kopfball des Wieners aus kurzer Distanz an die Innenstange.

"Da hätte ich das Tor machen müssen. Ich bin nicht so kopfballstark vor dem gegnerischen Tor, das muss ich verbessern", gab Dragovic zu.

Die vergebene Chance änderte nichts an der gelungenen Darbietung des Youngsters - von der besten Leistung seiner Karriere wollte der ÖFB-Internationale allerdings nicht sprechen.

"Die habe ich bei meinem Nationalteam-Debüt gegen Serbien (Anm.: im Juni 2009) gebracht."

Puls auf 400

Wie schon in Belgrad trat Dragovic auch gegen die Bayern mit der Abgebrühtheit eines Routiniers auf, obwohl er vor der Partie angespannt war.

"Da war ich schon nervös. In den Katakomben hatte ich einen Puls von 400", erzählte der Verteidiger. Nun blickt er seelenruhig, aber mit leichter Schadenfreude auf die zuletzt auch in der Meisterschaft erfolglosen Bayern.

"Bei denen brennt jetzt der Hut noch mehr. Wenn sie nach München zurückkommen, wird der Hoeneß oder der Rummenigge sicher eine Ansprache halten."

"Sonst wäre ich ausgezuckt"

An Alaba ist es laut Dragovic nicht gelegen, dass die Münchner Star-Kicker wieder eine Standpauke über sich ergehen lassen müssen.

"Ich habe ihm nach dem Spiel gratuliert, er hat eine großartige Leistung geboten."

In der 77. Minute wurde die Freundschaft der beiden Teamspieler kurz auf die Probe gestellt, als Dragovic von Alaba unabsichtlich mit dem Schuh am Kopf getroffen wurde.

"Zum Glück war es nur David. Bei einem anderen Gegenspieler wäre ich sicher ein bisschen ausgezuckt und hätte ihn beschimpft", vermutete der Verteidiger.

Alaba enttäuscht

So kam es nach Schlusspfiff doch noch zum vereinbarten Leiberltausch und auch zu einer innigen Umarmung, was Alaba jedoch nicht wirklich trösten konnte.

"Wir haben uns viel mehr vorgenommen und unser Ziel nicht erreicht", ärgerte sich der 19-Jährige und legte den Fokus bereits auf das Rückspiel.

"Wenn wir daheim unser Potenzial abrufen, ist noch etwas drinnen."

Für Dragovic fand Alaba lobende Worte: "Er hat ein gutes Spiel gemacht. Ich freue mich für ihn."

Auch der Mittelfeldspieler durfte mit seiner Leistung zufrieden sein, immerhin sorgte er mit seiner Ballsicherheit und Laufbereitschaft für Impulse im Spiel der Deutschen und wurde von der "Bild"-Zeitung als "einer der besseren Bayern" bezeichnet.

Koller lobt seine Schützlinge

Dieser Meinung schloss sich ÖFB-Teamchef Marcel Koller als Augenzeuge im St. Jakob-Park an.

"David war gewohnt passsicher und hat auch zwei gute Schüsse abgegeben", sagte der Schweizer, der auch mit Dragovic seine Freude hatte.

"Er war diszipliniert, konzentriert, hat in der Defensive nichts anbrennen lassen und war in der Offensive mit seiner Kopfballmöglichkeit gefährlich."

Basel-Trainer Heiko Vogel hatte sich schon im Vorfeld des Spiels nahezu euphorisch über Dragovic geäußert.

"In seiner Altersstruktur gehört er zum Besten, was es in Europa gibt. Er spielt so selbstverständlich Fußball. Man braucht ihm keine Laufwege von Gomez zu sagen, weil er intuitiv alles richtig macht."

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