"Bitter, dass wir nicht mehr Tore erzielt haben"

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Österreichs Meister ist der Champions-League-Gruppenphase so nahe, wie schon lange nicht mehr.

Der SK Sturm Graz schaffte sich am Dienstag mit dem 1:1-Remis in Minsk gegen BATE Borisow eine sehr gute Ausgangsposition für das Play-off-Rückspiel am Mittwoch (20.45 Uhr) in der Grazer UPC-Arena, in dem schon ein 0:0 zum Aufstieg in die lukrative "Millionenliga" reichen würde.

Ganz zufrieden waren die Grazer aber nicht, wäre doch im Kampf um die vierte Eliteliga-Teilnahme der Vereinsgeschichte nach 1998/99, 1999/00 und 2000/01 mehr möglich gewesen.

"Bitter, wenn man nicht mehr Tore macht"

Die Grazer boten in der ersten Hälfte die wohl stärkste Leistung in der laufenden Saison.

Sie standen hinten sicher und waren vorne dem 2:0 deutlich näher, als die vor der Pause ziemlich limitiert wirkenden Weißrussen.

Nach dem Führungstreffer von Manuel Weber (12.) hätte Milan Dudic die Partie vorentscheiden müssen, traf aus drei Metern aber das Tor nicht.

"Wenn man solche Möglichkeiten vorfindet, ist es bitter, dass man nicht mehr Tore erzielt", sagte Coach Franco Foda. "Deshalb kann ich mit dem Ergebnis leider nicht ganz zufrieden sein", fügte der Deutsche hinzu.

Ansonsten Lob

Abgesehen von der Chancenauswertung sei der Auftritt seiner Truppe jedoch "sehr zufriedenstellend" gewesen.

"Die Mannschaft war immer aggressiv und hat vor allem in der ersten Hälfte taktisch hervorragend gespielt. Sie hat sehr gut gegen den Ball gearbeitet, den Gegner immer wieder unter Druck gesetzt", lobte Foda Roman Kienast und Co.

Deshalb bekamen die heimischen Meisterkicker am Mittwoch auch trainingsfrei, die geplante Einheit in Minsk vor dem Abflug nach Graz wurde abgesagt.

Noch keine Vorentscheidung

Während Sturms Trainerteam vor der Partie von einer 50:50-Chance gesprochen hatte, schaut es nun von der Papierform besser aus.

"Die Situation hat sich durch das Auswärtstor ein wenig verbessert", ist sich auch Foda bewusst. Vorentscheidung sei aber noch keine gefallen.

"Wir müssen alle Kräfte bündeln und 100 Prozent abrufen, um eine Runde weiterzukommen. Aber wir glauben an uns und wollen unbedingt aufsteigen", betonte Sturms Chefcoach.

"Es war ein sehr wichtiges Tor von mir, unsere Situation hat sich dadurch verbessert", meinte auch Torschütze Weber.

"Ein klein wenig enttäuscht"

Wie ihr Trainer wussten aber auch die Spieler nicht, ob sie sich ob des guten Ergebnisses freuen oder aufgrund der verpassten noch besseren Ausgangsposition ärgern sollten.

"Wir hätten uns dieses Ergebnis nicht erwartet, aber nachdem wir in der ersten Hälfte so klare Chancen nicht genutzt haben, ist man schon ein klein wenig enttäuscht", brachte es Stürmer Kienast auf den Punkt.

In der zweiten Hälfte, in der die Grazer mit Fortdauer zurückgefallen waren, hätte man cleverer agieren müssen. "Wir hätten uns nicht so weit zurückziehen dürfen. Und wir haben ein blödes Tor bekommen, aus einer Standardsituation darf so etwas nicht passieren", sagte der Ex-Rapidler.

Tatsächlich bedeutet das 1:1 aber die beste Ausgangsposition für einen österreichischen Klub in der letzten Qualifikationsrunde seit der Saison 2007/08, in der Salzburg mit einem 1:0-Vorsprung aus dem Heimspiel in die Retourpartie gegen Schachtjor Donezk gegangen war.

Danach scheiterten Rapid (Auswärts-0:3 schon in der 2. Runde gegen Anorthosis Famagusta) sowie zweimal Salzburg (1:2 gegen Maccabi Haifa und 2:3 gegen Hapoel Tel Aviv/jeweils daheim) nach Niederlagen im ersten Spiel.

Gutes Omen

Ein gutes Omen für die Grazer ist, dass auch Österreichs letzter Champions-League-Vertreter, Rapid, in der Saison 2005/06 nach einem 1:1, allerdings daheim, mit einem 1:0-Auswärtssieg gegen Lok Moskau sich das Weiterkommen gesichert hatte.

Rund 50 Sturm-Fans hatten die Reise nach Minsk auf sich genommen, ein Großteil davon saß dafür pro Richtung 24 Stunden im Bus. "Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Deshalb würde ich es mir gerade auch für die Fans wünschen, dass wir in die Champions League einziehen", meinte Jürgen Säumel, der bei seinem zweiten Auftritt im Sturm-Dress nach seiner Rückkehr 90 Minuten durchhielt.

Weißrusslands Meister der vergangenen fünf Jahre präsentierte sich schwächer als erwartet, hat die Gruppenphase der "Königsklasse" aber nicht abgeschrieben.

Rückkehr von Bressan?

"Die Chancen stehen nach wie vor 50:50, für uns ist es egal, ob wir auswärts oder zu Hause antreten", meinte ein optimistischer Trainer Wiktor Gontscharenko. Um in Graz erfolgreich zu sein, müsse seine Truppe allerdings "in allen Linien" schneller spielen.

Bei der Retourpartie könnte der angeschlagene Schitow zurückkehren, zudem hofft die Elf des erst 34-jährigen Trainers noch auf den Einsatz von Bressan.

Der 22-jährige Offensivspieler hatte im Drittrunden-Rückspiel gegen Ekranas die Gelb-Rote Karte gesehen, allerdings eine 1+1-Spielsperre aufgebrummt bekommen.

Borisow hat dagegen Berufung eingelegt, eine Entscheidung steht noch aus.

Beide Teams dürfen sich nach dem Mittwoch über einen "Millionenregen" freuen, der allerdings in der Champions League mit 7,1 Millionen Euro Startgeld deutlich höher ausfällt, als für den Verlierer, der in die Europa League umsteigt und nur 3,1 Millionen Euro fix in der Tasche hat.

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