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United vs. Real: In der Tradition glorreicher Spiele(r)

Denkwürdig.

Ein Wort, das im Zusammenhang mit Fußballspielen oft, ja geradezu inflationär benutzt wird.

Um die Champions-League-Auftritte von Real Madrid bei Manchester United zu beschreiben, ist es allerdings das richtige Vokabel.

Zwei Mal standen sich die beiden Top-Teams schon im Vorgängerbewerb, dem Pokal der Landesmeister, gegenüber – wer sich durchsetzen konnte, holte wenig später den Titel. 1957 Real, 1968 United.

Danach sollte es 32 Jahre dauern, ehe eine „königliche Delegation“ wieder ins Old Trafford reiste.

Das Warten sollte sich lohnen, denn was den Fans geboten wurde, war dann wahrhaftig denkwürdig - würdig, auch angesichts des bevorstehenden Duells wieder daran zu denken.

>>> Manchester United vs. Real Madrid, heute ab 20:30 Uhr im LIVE-Ticker <<<

1.) 19. April 2000 – Redondos „Magic Moment“

Nach einem torlosen 0:0 im Hinspiel war klar, dass Real mit einem Treffer eine Vorentscheidung herbeiführen könnte. Nach einem Eigentor von Roy Keane und einem Doppelpack von Raul stand es nach 52 Minuten dann sogar 3:0 für die Gäste. Was die „Madridistas“ an sich schon in Jubelstimmung versetzte, wurde durch die Art des dritten Tores noch verstärkt.

Fernando Redondo, der argentinische Mittelfeldstratege und oft unterschätzte Spielmacher, entledigte sich seines Gegenspielers Henning Berg mit einem Ferserl in die eigene Laufrichtung, zog zur Out-Linie und spielte quer auf Raul, der keine Mühe hatte, ins leere Tor einzuschieben. Diese Aktion wurde in einer Umfrage der „MARCA“ von über der Hälfte der Leser zum schönsten „Hackentrick“ der Geschichte Real Madrids gekürt. Angesichts der Konkurrenz von Alfredo di Stefano, Guti oder Cristiano Ronaldo (siehe hier) durchaus eine Errungenschaft.

Die Gastgeber trugen ihren Teil zu einem großen Fußballspiel, das nach einem Traumtor von David Beckham und einem Elfer von Paul Scholes schlussendlich 3:2 für die Madrilenen endete, bei, konnten die Wende aber nicht mehr erwirken. Die „Königlichen“ stiegen ins Halbfinale auf und holten wenig später zum achten Mal Europas wichtigsten Vereinsbewerb.

 

2.) 23. April 2003 – Ronaldos Triplepack

Beim zweiten und bislang letzten Auswärtsspiel im Old Trafford war die Ausgangslage für Real noch besser. Im ersten Viertelfinal-Hinspiel gelang den „Blancos“ vor heimischem Publikum ein 3:1-Erfolg, United musste also alles nach vorne werfen. Resultat der offensiven Spielweise beider Teams war ein Feuerwerk, das mit 4:3 einen unglücklichen Sieger fand.

Nach zwölf Minuten egalisierte Ronaldo mit seinem ersten Streich den Vorteil des Auswärtstors, nach Ruud van Nistelrooys Antwort und einem Eigentor von Ivan Helguera hatten die Gastgeber aber das Spiel gedreht. Ein Tor hätte zumindest die Verlängerung bedeutet, doch „Il Fenomeno“ schlug noch zwei Mal zu. Erst schloss der Brasilianer einen Bilderbuch-Spielzug allein vor dem Tor ab, dann packte er den Hammer aus und machte sich mit dem dritten Treffer zum 3:2 endgültig zum Mann des Abends.

Das konnte auch der Engländer mit den blonden langen Haaren nicht mehr ändern. David Beckham gelang mit einem Doppelpack – unvergessen sein Freistoß gegen einen konsternierten Iker Casillas – zwar noch einmal die Wende, für den Aufstieg war dies aber zu wenig. Der Titelverteidiger zog ins Halbfinale ein, Reals Mission „La Decima“ scheiterte aber an Juventus Turin.

 

Bis heute, zehn Jahre nach dem letzten Old-Trafford-Gipfel, verfolgt die Madrilenen dieser Wunsch nach dem zehnten Titel in der Königsklasse.

Soll der Traum nicht erneut sein frühes Ende finden, wird es abermals einer außergewöhnlichen Leistung bedürfen – einer denkwürdigen eben.

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Christian Eberle

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