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"Hosiner ist kein Roboter, sondern ein Mensch“

Die Champions-League-Hymne kehrt am Dienstag nach Wien-Favoriten zurück.

Scheiterte die Wiener Austria beim letzten Auftritt in der Qualifikation vor sieben Jahren an Benfica Lissabon, stehen dieses Mal die Vorzeichen günstiger, zumindest in die Play-Off-Runde einzuziehen.

Gegen den isländischen Vertreter FH Hafnarfjördur gehen die Veilchen als Favorit ins Duell. Auch das Ausscheiden von Sturm Graz gegen Breidablik in der Europa-League-Quali ändert nichts an der Ausgangslage.

Lediglich der „Respekt der Medien gegenüber des isländischen Fußballs ist gestiegen“, wie Austria-Coach Nenad Bjelica befindet.

Zudem sei es ein Warnschuss für seine Spieler gewesen. „Sie werden morgen sicher von der ersten Minute an konzentriert zur Sache gehen und den Gegner keineswegs unterschätzen. Das hätten wir aber auch im Falle eines Aufstiegs der Grazer nicht getan.“

Hosiner im Fokus

Stichwort konzentrieren. Dies gilt speziell für Philipp Hosiner. Der Burgenländer hatte es zuletzt nicht einfach, den Kopf frei zu bekommen.

Die Wechselgerüchte rund um seine Person sind in den Medien allgegenwertig, haben dem Stürmer zugesetzt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Spekulationen auftauchen.

Waren es zunächst die Berichte seines geplatzten Wechsels in die deutsche Bundesliga zu Hoffenheim, werden nun Vereine wie Crystal Palace, Everton oder Werder Bremen mit dem 24-Jährigen in Verbindung gebracht.

„Das macht einen verrückt"

Und das zerrt an den Nerven. Nicht nur beim Betroffenen sondern auch bei seinem Trainer. „Wir sind natürlich froh und stolz wenn unsere Spieler beobachtet werden. Es ist aber auch klar, dass ihn das Ganze langsam verrückt macht und er keine Top-Leistung bringen kann. Er ist kein Roboter, sondern ein Mensch “, berichtet Bjelica, der sich gut vorstellen kann, wie sich der Torschützenkönig der vergangenen Saison fühlen muss: „Als ich 30 Jahre alt war und schon sieben Jahre in Spanien tätig war, gab es täglich Anrufe. Das macht einen verrückt."

Daher appelliert der 41-Jährige an die Journalisten des Landes: „Philipp arbeitet gut, dass ihn die Situation belastet, ist aber auch klar. Wenn ihr (die Medien, Anm. d. R.) Philipp helfen wollt, dann stellt eure Fragen über seine Zukunft seinem Berater. Genau deswegen hat er Wolfgang Rebernig engagiert.  Wenn ihr ihn in jedem Interview über einen möglichen Transfer befragt, ist das natürlich beschwerlich. Er ist ein junger Mann, der noch nie so etwas erlebt hat. Wenn ihr ihn kaputt machen wollt, dann fragt ihn jeden Tag zehn Mal über dieses Thema.“

Parits sieht es nicht so dramatisch

Denn: „Philipp berichtet sicher nicht darüber, dass Scouts von diversen Klubs auf der Tribüne sitzen. Aber er muss immer über diese Vereine Auskunft geben und berichten, wie der Stand der Dinge bei den Verhandlungen ist. Das ist unnötig“, so der Ex-Internationale.

Nicht ganz so dramatisch sieht AG-Vorstand Thomas Parits bei LAOLA1 die Situation. „Es wird aktuell sehr viel in der Presse über ihn geschrieben.  Doch das ist normal. Er hat im letzten Jahr sehr gut gespielt. Da ist es logisch, dass Anfragen kommen. Es gehört zum Fußball-Geschäft dazu. Das ist doch auch positiv. Stell dir vor, du spielst in einer Mannschaft und niemand redet über dich.“

Der 66-Jährige hat auch in einem sehr guten Gespräch mit offenen Karten mit seinem Schützling gesprochen. „Ich habe nicht zu Philipp gesagt: Du bist bis 2016 unter Vertrag und kannst nicht weg.  Wenn wir die Summe bekommen, die wir uns vorstellen, dann kann er weggehen. Das weiß er auch. Er muss weiter an sich arbeiten. Wenn die Leistungen stimmen, werden noch mehr Angebote kommen.“

Bjelica mit Hosiner zufrieden

Und Coach Bjelica ist mit der Arbeit seines Goalgetters zufrieden. „Philipp hat jetzt eine Chance in Salzburg vergeben, die er letzte Saison wahrscheinlich genützt hätte. Aber er hat gegen Admira ein sehr wichtiges Tor geschossen und auch im Cup gegen Oberwart einen sehr wichtigen Treffer erzielt. Es war immer das erste Tor – nicht das siebente oder das achte.“

Dennoch ist damit zu rechnen, dass die Berichterstattung über einen möglichen Abgang des violetten Torjägers anhalten wird. Schließlich dauert die Transferzeit noch bis 31. August. Und sollte Hosiner die Veilchen in die Königsklasse schießen, werden noch mehr Interessenten anfragen…

 

Martin Wechtl

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