Webo: „Uns stehen großartige Fußballer gegenüber“

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Es ist noch immer nicht aus den Köpfen verschwunden, dieses 1:1.

Nur durch einen Elfmeter in der 95. Minute wurde Red Bull Salzburg im Hinspiel der 3. Champions-League-Quali-Runde gegen Fenerbahce um den Sieg gebracht.

Zur Erinnerung verfolgte dieses Ergebnis die Elf von Roger Schmidt auch in der Meisterschaft, wo am Samstag der Gegner Wacker Innsbruck hieß.

„Das 1:1 gegen Fener ist ein gutes Resultat. Es ist keine Niederlage, aber durch den späten Treffer natürlich hart“, blickt RBS-Kapitän Jonathan Soriano noch einmal zurück auf den speziellen Abend in der Red-Bull-Arena.

„Wir können nur so spielen“

Das Gegentor bedingt, dass die „Bullen“ auch im Rückspiel am Dienstag im Sükrü-Saracoglu-Stadion ein Tor erzielen müssen. Österreichs Vizemeister wird sein Heil in der Offensive suchen. Salzburg wird auf Sieg spielen.

All das hätte jedoch auch gegolten, wäre es in Wals-Siezenheim beim 1:0 geblieben. Warum? Weil die Salzburger nicht mehr anders können.

„Wir können nur so spielen. Wir werden angreifen und versuchen, Tore zu erzielen“, schickt Soriano voraus. Stiltreue nennen es die einen, Spielphilosophie die anderen. Fakt ist, die Mozartstädter haben einen Charakter entwickelt, der auch dem Gegner nicht verborgen blieb.

Spielerische Überlegenheit

„Uns steht eine sehr gute Mannschaft gegenüber, gespickt mit großartigen Fußballern, die den Ball sehr gut behandeln“, lobt Fenerbahce-Stürmer Pierre Webo.

Dass das von Ralf Rangnick und Schmidt zusammengestellte Star-Ensemble technisch das Nonplusultra der Liga ist, war kein großes Geheimnis, dass diese Fertigkeiten aber auch renommierte Europacup-Mannschaften wie Fenerbahce an ihre Grenzen bringt, beeindruckt.

Außenverteidiger Mehmet Topuz war mit Sadio Mane teilweise ebenso überfordert wie Emre Belözoglu und Raul Meireles mit „Kilometerfresser“ Kevin Kampl.

Nach der viel umjubelten Führung nahm Schmidt mit Alan, Marco Meilinger und Mane zwar drei Filigrantechniker vom Feld, brachte mit Yordy Reyna, Stefan Hierländer und Valon Berisha aber ähnlich veranlagten Ersatz.

Istanbuler Abwehr-Hünen

Ein Defensiv-Spieler, ein Abräumer, einer, der die Abwehr verstärkt, um den Sieg nach Hause zu bringen – so jemand saß gar nicht auf der Bank. Einerseits ist das mit aktuellen Ausfällen in der Salzburger Hintermannschaft zu erklären, andererseits mit der Vereinspolitik.

Der Kader glänzt durch Offensiv-Akteure, die ihrerseits von Schmidt mit speziellen Aufgaben in punkto Gegenpressing auch defensivere Aufgaben übernehmen sollen und müssen. Als klassische „Sechs“ ist nur Stefan Ilsanker zu nennen.

Demgegenüber steht mit Fenerbahce laut Soriano „eine Mannschaft, die hervorragend zu verteidigen weiß.“

Mit Bruno Alves, dessen „Tritt“ gegen Alan im Hinspiel auch in der internationalen Medienlandschaft für Aufsehen sorgte, Yoseph Yobo und Mehmet Topal bilden drei Spieler den Verteidigungskern, die allein aufgrund ihrer Körpergröße von knapp 1,90 Meter Respekt einflößen können.

Die Zweikampf- und vor allem Kopfballstärke dieser Drei befindet sich auf europäischem Top-Niveau. Dazu gesellt sich mit Ex-Chelsea-Spieler Raul Meireles einer der besten defensiven Mittelfeldspieler.

„Das ist die Champions League“

Soriano zeigt sich ohnehin vom gesamten „Fener“-Team begeistert: „Wahrscheinlich war das eine der stärksten Mannschaften, die wir je als Gegner hatten. Sowohl auf technischem als auch taktischem Level. Das ist die Champions League. Da ist das zu erwarten.“

Während sich spielerische Akzente in Grenzen hielten, hatten die Türken ein anderes probates Mittel, um gefährlich vors Tor von Peter Gulacsi zu kommen.

"Fenerbahce hat nach hinten raus sehr viele lange Bälle gespielt, sie haben kopfballstarke Spieler, das ist nicht so leicht zu verteidigen. Sie haben dadurch geschafft, Druck aufzubauen“, erklärte Schmidt.

Spielerische Mängel leicht erklärt

„Wir haben unsere Stärken in die Waagschale geworfen und das Tor erzwungen“, bringt es Webo auf den Punkt und deutet an, dass es auch am Dienstag ein ähnliches Match geben könnte.

Spielerisch läuft es noch nicht nach Wunsch, was der Kameruner auch mit den Poblemen in der Vorbereitung, „die nicht flüssig abgelaufen ist", erklärt. "Aufgrund der zurückgezogenen UEFA-Sperre gab es einige Veränderungen im Programm. Das spüren wir. Von einem Tag auf den anderen mussten wir die Pläne umwerfen.“

Der 31-jährige Routinier bestätigt, dass sich im Duell mit den Salzburger Ballartisten zwei unterschiedliche Philosophien gegenüberstehen. Aber man „werde um diese Gelegenheit kämpfen, die sich aufgetan hat.“

Kämpfen ist das richtige Wort. Denn die technisch versierten „Bullen“ werden auch im Rückspiel nach vorne spielen und die Abwehr Fenerbahces unter Druck setzen wollen.

Weil das einfach ihr Stil ist.

 

Christian Eberle

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