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Deja-vu-Erlebnisse im Champions-League-Finale 2015

Wien – Das Finale der Champions League ist das Aufeinandertreffen der besten europäischen Klubs der Saison.

Es ist das Ziel einer langen Reise, das es positiv hinter sich zu bringen gilt, um mit einem der wichtigsten Titel überhaupt Geschichte zu schreiben.

Das Finale 2015 in Berlin ist aber mehr. Für manche ist es eine Rückkehr, für andere ein Wiedersehen und für einige eine zweite Chance.

Das Spiel der Spiele zwischen Juventus Turin und dem FC Barcelona steht ganz im Zeichen der „Deja-vus“.

LAOLA1 stimmt auf das Spektakel der Königsklasse (ab 20:45 Uhr im Liveticker) zwischen dem italienischen und spanischen Meister ein:

  • BUFFONS RÜCKKEHR

Weltmeister, Vize-Europameister, UEFA-Cup-Sieger, sechs offizielle italienische Meistertitel und vierfacher Welttorhüter des Jahres – zur Krönung fehlt Juventus-Legende Gianluigi Buffon nur noch der Champions-League-Titel. Möglicherweise ist es das letzte Ziel seiner eindrucksvollen Karriere. Schon nach dem Halbfinal-Triumph über Real Madrid war dem mittlerweile 37-Jährigen klar, dass er im Endspiel mit der Vergangenheit konfrontiert werden wird. Wie es das Schicksal so will, handelt es sich mit dem Austragungsort Berlin um jenen, wo der Routinier und Rückhalt 2006 den WM-Pokal gen Himmel strecken durfte. Schon jetzt hat die deutsche Hauptstadt für ihn einen unvergesslichen Stellenwert. Nicht auszumalen, wie groß die Verbundenheit im Falle des CL-Triumphes wäre. 2003 stand die Ikone der „Alten Dame“ schon einmal vor der Krönung in der Königsklasse, doch in Manchester musste er sich ausgerechnet dem AC Milan mit 2:3 im Elferschießen geschlagen geben. Für viele ist Buffon die Identifikationsfigur bei Juve, ein Gott mit Tormannhandschuhen. Einer, der seinem Verein auch in der schwärzesten Stunde beistand und nun wieder die großen Erfolge einfährt. Die Ab- und Aufstiege sind dem italienischen Teamtorwart durchaus bewusst. Auf Twitter machte er dies deutlich: “Da Berlino alla B.....dalla B a Berlino!!!!! questa è la vita!!”, was so viel heißt wie: "Von Berlin in die Serie B und wieder zurück. So ist das Leben." Der Zwangsabstieg nach der Verwicklung in den Korruptions-Skandal wird ihn noch heute wie ein Albtraum verfolgen, doch Buffon bewies Treue und Verbundenheit. „Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Für mich fühlte es sich richtig an, beim Klub zu bleiben – als Zeichen des Respekts, für die Art, wie sie mich behandelt haben.“ Der noch immer zu den besten Keepern der Welt zählende Oldie erntet zurück an der Spitze nun wieder die Früchte der jahrelangen Arbeit. Sein Wiedersehen mit Berlin soll wie schon vor neun Jahren mit einem Titelgewinn enden – jenem, der ihm noch in der Sammlung fehlt.

 

Da Berlino alla B.....dalla B a Berlino!!!!!.....questa è la vita!! #ucl

Posted by Gianluigi Buffon on Mittwoch, 13. Mai 2015

  • DAS BISSIGE WIEDERSEHEN

„Bite-Gate“ erschütterte die Fußball-Welt. Was fällt einem Fußballer ein, seinem Gegner die Zähne in die Schulter zu rammen? Diese Frage konnte bis heute nicht beantwortet werden. Die Spuren des Angriffs sind bei Giorgio Chiellini längst verblasst, vergessen wird ihn der italienische Verteidiger in Diensten von Juventus Turin jedoch wohl nie. Und der Übeltäter? Luis Suarez schwächte nicht nur Uruguay bei der WM 2014, sondern auch seinen aktuellen Arbeitgeber FC Barcelona, dem er nach seiner ausgefassten Sperre mehrere Monate nicht zur Verfügung stand. Insgesamt wurde er für vier Monate von allen Fußballaktivitäten ausgeschlossen, zudem wurde ihm eine Sperre für neun Länderspiele aufgebrummt, die ihn die Copa America verpassen ließ. Der Uru schlug jedoch nach der langen Auszeit sportlich zurück und ist nun aus dem „MSN“-Angriff Barcelonas neben Lionel Messi und Neymar nicht mehr wegzudenken. Der Zufall hätte es so gewollt, dass sich die beiden ausgerechnet im Endspiel der Königsklasse erstmals seit dem Eklat wiederbegegnen. „Ich stehe der Begegnung mit totaler Gelassenheit gegenüber, das ist eine Episode aus der Vergangenheit. Ich bin sicher, dass ihn das reifer gemacht hat, aber wir müssen daraus keinen zentralen Aspekt der Partie machen“, meinte Chiellini im Vorfeld. Trotz allem wurden Erinnerungen wach, die mediale Vorfreude war spürbar – doch zumindest auf dem Rasen werden sich die beiden nicht über den Weg laufen. Eine Wadenzerrung macht einen Einsatz des Juventus-Abwehrreckens unmöglich, oder ist es nur ein Ausweichmanöver? Dem Enfant Terrible auf Seiten Barcelonas wird es recht sein, somit kann es zu keiner unfreiwilligen Fortsetzung des leidigen Themas kommen. Außer der Torgarant sucht sich ein neues Opfer – sogar Wetten können darauf abgeschlossen werden.

  • ZWEI WIE TAG UND NACHT

Doch nicht nur Beißen gehört zu den Lieblingsaktivitäten von Suarez, der vor Chiellini auch schon Heißhunger auf Eindhovens Otman Bakkal und Chelseas Branislav Ivanovic hatte. Auch mit Respekt und Toleranz gegenüber anderen hat er es nicht so, wie er am 15. Oktober 2011 bewies. Im Mittelpunkt stand damals ein weiterer Akteur, der sich in Berlin das Juventus-Trikot überstreift: Patrice Evra. Damals noch in Diensten von Manchester United musste er von Liverpools Suarez rassistische Beschimpfungen hinnehmen. Die FA nahm die Vorwürfe ernst, sperrte den Goalgetter für acht Spiele und brummte ihm eine Geldstrafe von 40.000 englischen Pfund auf. Doch damit war das Thema noch lange nicht vom Tisch. Beim nächsten Aufeinandertreffen im Jahr 2012 verweigerte Evra seinem Kontrahenten den Handschlag und wärmte den Skandal erneut auf. Alex Ferguson meinte darauf: „Suarez ist eine Schande für Liverpool, er sollte nie wieder für Liverpool spielen dürfen.“ Diesem Wunsch kam allerdings niemand nach. Der Uruguayer fühlte sich ohnehin ungerecht behandelt und war sich auch Jahre später keiner Schuld bewusst. Anfang 2014 wurde Suarez zitiert, „die Rassismus-Vorwürfe seien wie ein „Film, dem das englische Volk Glauben geschenkt hat.“ Als einzige Fehler, die er jemals begangen habe, führte er jene Beißattacken gegen Bakkal und Ivanovic an – die Causa Chiellini folgte wenig später. Die Lage zwischen Suarez und Evra beruhigte sich zwar in den nächsten Aufeinandertreffen, doch bereinigt ist die Sache auch vor dem heurigen CL-Finale noch nicht. Gut möglich, dass der Eklat eine Fortsetzung findet – verbale Fouls passieren nämlich schneller als bissfeste Angriffe.

  • LUIS ENRIQUES UND XAVIS ZWEITE CHANCE

Insgesamt kreuzten Juventus und Barcelona acht Mal die Klingen. Vier Mal hatten die Bianconeri das bessere Ende für sich, zwei Mal die Katalanen, zwei Mal gab es ein Remis. Einmal war der heutige Chefbetreuer des spanischen Doublesiegers, Luis Enrique, selbst beteiligt, im Viertelfinale der Champions League 2003. Doch es gibt zwei weitere Akteure, die damals schon dabei waren und in der Neuauflage 2015 sogar noch aktiv eingreifen. An Enriques Seite war es in jungen Jahren Xavi, der seine Barca-Karriere mit dem Endspiel in Berlin endgültig ausklingen lässt. Auf der Gegenseite hütete Buffon das Tor. Nach einem 1:1 im Hinspiel behielt Juventus mit einem 2:1 nach Verlängerung die Oberhand. Während Buffon und Co. jubelten, mussten sich Enrique und Xavi aus dem Turnier verabschieden. Den Beiden bietet sich nun aber eine zweite Chance, eine Chance auf die Revanche, die gleichzeitig sogar einen Titel bedeuten würde, der Juventus damals mit einer Finalniederlage gegen AC Milan versagt blieb. Diesmal hält Enrique selbst die Zügel in der Hand und kann von außen eingreifen. Sollte es aber erneut nicht reichen, bleibt der Juventus-Fluch weiter erhalten.

  • DER ALBTRAUM DER GAUCHOS

Während das WM-Finale das größte Duell auf Länderspiel-Ebene darstellt, ist das Champions-League-Endspiel das Pendant bei Klubmannschaften. Bei beiden aufeinanderfolgenden Events vertreten zu sein, ist etwas Besonderes. Zwei Mal in Folge jedoch als Verlierer vom Platz zu gehen, wäre der Albtraum eines jeden Spielers. Am 13. Juli 2014, dem bis dato letzten großen Endspiel, waren es die Argentinier, die sich Deutschland aufgrund von Mario Götzes Goldtor in der Verlängerung mit 0:1 geschlagen geben mussten. Zwei Barcelona-Spieler haben davon wohl noch immer ein Trauma: Lionel Messi und Javier Mascherano. Beide waren Stammspieler der Gauchos, verpassten es aber, den Sack zuzumachen. Messis umstrittene Wahl zum Spieler des Turniers war dabei nur ein schwacher Trost für den erfolgsverwöhnten Ausnahmekicker. Ein weiterer Argentinier kann hingegen befreit und ohne Druck des neuerlichen Scheiterns aufspielen: Carlos Tevez. Schließlich war er in Brasilien nicht dabei. Sportlich hätte er eine Nominierung sicher verdient gehabt, doch wie man so hörte, soll die Entscheidung ausgerechnet von Messi ausgegangen sein, dass der Juventus-Stürmer nicht mitkommt. Brisanz, die es im Endspiel in positive Energie umzuwandeln gilt.


Alexander Karper

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