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Der wandlungsfähige Spätstarter Juanfran

Juan Francisco Torres Belén – kurz Juanfran – ist aus der Elf von Atletico Madrid nicht wegzudenken. Der Spätstarter entwickelte sich zu einem der besten Außenverteidiger der Welt, darf von einem Stammplatz bei der WM träumen und fühlt sich als echter "Rojiblanco". Gelernt hat Juanfran das Kicken aber im weißen Teil Madrids, in der Akademie von Real.

"Für Real debütiert zu haben, ist eine schöne Erinnerung. Aber das Schönste kam bei Atletico. Ich fühle mich wie ein Rojiblanco, weil ich hier alles bekommen habe, was mir Real nicht geben konnte", weint Juanfran seiner Zeit beim Champions-League-Final-Gegner keine Träne nach. 

Kein Platz bei Los Galcticos

Von seinem Heimatverein Kelme CF in einem Vorort von Elche machte sich Juanfran 2001 auf in die Hauptstadt zum "Weißen Ballett" und schaffte drei Jahre später den Sprung aus dem Nachwuchs zu den Profis.

Doch dort war für den 19-Jährigen Flügelflitzer, der zumal auch als Stürmer eingesetzt wurde, die Luft enorm dünn. Real war auf dem Höhepunkt seiner galaktischen Phase - als Juanfran im Jänner 2004 unter Carlos Queiroz sein Debüt für die "Königlichen" feierte, tummelten sich in der Offensive Stars wie Raúl, Ronaldo, Zidane, Figo und Beckham.

Daher ging es für Juanfran nach nur sechs Liga-Spielen zur neuen Saison per Leihe nach Barcelona zu Espanyol. Dort avancierte er zum Stammspieler und empfahl sich für einen Transfer zu Osasuna. Nach viereinhalb Saisonen in Pamplona folgte der bislang größte und wichtigste Schritt in der Karriere des Juanfran. Atletico klopfte an und sicherte sich im Winter 2011 seine Dienste für gut vier Millionen Euro.

"Ich bin Real sehr dankbar für die Zeit, die ich dort verbringen durfte. Ich habe sehr viel gelernt, aber jetzt spiele ich bei Atletico und gebe für diese Farben alles", ist er nun ganz "Colchonero". "Die Erfolge tun natürlich ihr Übriges, ich habe hier so viele tolle Momente erlebt", sagt Juanfran.

Spätstarter als Verteidiger

Eine lupenreine Liebesbeziehung war es zwischen Atletico und "The Whip" ("Die Peitsche") aber nicht von Beginn an. Unter Trainer Quique Sánches Flores war Juanfran mehr Teilzeitarbeiter als Stammkraft, selbiges galt für die kurze Ära von Gregorio Manzano.

Erst mit der Ankunft des genialen Diego Simeone begann der Aufstieg Atleticos und auch Juanfrans persönliche Wandlung. "Atletico hat auf allen Ebenen eine enorme Entwicklung durchgemacht. Als ich hierher gekommen bin, war die Klubstruktur eine ganz andere", erklärt Juanfran und streut Simeone Rosen: "Er hat das Team in die genau richtige Richtung geführt. Wir haben uns unter ihm alle weiterentwickelt."

"Im Spiel nach vorne lagen schon immer meine Stärken, aber unter Simeone bin ich gerade defensiv sehr gereift", weiß Juanfran über seine neu entdeckte Position als Außenverteidiger. "Seit 'El Cholo' hier ist, habe ich es auf dieser Position zu einem wichtigen Spieler bei Atletico gebracht und es auch ins Nationalteam geschafft, weil ich täglich an mir arbeite und der Trainer auf mich setzt. Ich habe eigentlich jeden Tag das Gefühl, besser zu werden."

Die WM vor der Nase

Bei Simeone darf er sich demnach auch bedanken, sollte er bei der WM in Brasilien für Spanien auflaufen dürfen. Nominell wurde Juanfran schon 2012 mit der "Furia Roja" Europameister, allerdings kam der Routinier damals nicht zum Einsatz.

Diesmal stehen seine Chancen aber deutlich besser. Alvaro Arbeloa, 2012 Stamm-Rechtsverteidiger, fehlt diesmal wegen einer Knieverletzung, einer der Hauptkonkurrenten dürfte ausgerechnet Dani Carvajal von Real sein. Nicht ausgeschlossen also, dass auch das CL-Endspiel Auswirkungen auf die erste Wahl von Teamchef Vicente del Bosque haben könnte.

Zutrauen würde es sich Juanfran jedenfalls. "Vieles ist immer noch gleich. Die Qualitäten, die mich früher auf dem Flügel ausgezeichnet haben, sind immer noch vorhanden. Manchmal kommen sie mehr, manchmal weniger zum Vorschein", sagt er. "Ich bin immer noch derselbe Juanfran, der ständig an sich arbeitet und viel erreichen möchte. Aber ich habe auch an meinen Schwächen gearbeitet, denn als Abwehrspieler werden deine Fehler auf diesem Niveau eiskalt ausgenutzt."

"Es wäre das Höchste der Gefühle"

Trotz des aktuellen Erfolgslaufs mit Atletico droht der umfunktionierte Offensivspieler nicht die Bodenhaftung zu verlieren und meint, er gehe "demütig aber ambitioniert" an seine Aufgaben heran und versuche "in sämtlichen Bereichen ein Profi" zu sein.

Als Profi geht er auch an das bevorstehende Finale in Lissabon an, in dem es gegen jenen Verein geht, bei dem seine Karriere ihren Anfang nahm.

"Spiele gegen Real sind natürlich immer etwas Besonderes, aber es geht einzig um den Erfolg mit Atletico. Die Vergangenheit liegt hinter mir", stellt Juanfran klar und träumt vom Double:

"Es wäre unglaublich. Mehr als der Sieg in der Champions League geht nicht. Es wäre das Höchste der Gefühle, wenn ich den Pokal am Ende des Finalabends in meinen Händen halten dürfte."

 

Christoph Kristandl

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