"Würden im selben budgetären Rahmen weiterarbeiten"

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Gegen Wacker Innsbruck fixierte der SK Sturm Graz am 25. Mai 2011 im „Spiel des Jahres“ den Meistertitel und bescherte damit seinen Anhängern eine unvergessene Party-Nacht.

Am 24. August 2011 steigt für den SK Sturm Graz gegen BATE Borisow das „Spiel des Jahrzehnts“.

Nach dem erhofften Champions-League-Einzug hielte man zwar keine Trophäe in der Hand, es wäre vermutlich auch nicht die ganze Stadt bis frühmorgens auf den Beinen, für den Verein wäre dieses Husarenstück jedoch von unermesslichem Wert.

Mit dem Startgeld von 7,2 Millionen Euro könnte man „den nächsten Jahren wirklich in Ruhe entgegenblicken“, wie es Präsident Gerald Stockenhuber formuliert.

Der 49-Jährige ist so etwas wie das Gegenmodell zu jenem Vereinsoberhaupt, unter dessen Ägide Sturm schon drei Mal Gast in Europas Königsklasse war: Weder ist er ein Freund des Rampenlichts, noch steht er im Verdacht, das Geld zum Fenster rauszuwerfen. Im Gegenteil: Der Boss der „Blackies“ und sein Vorstand genießen eher den Ruf, bisweilen allzu zögerlich zu agieren.

Im LAOLA1-Interview erklärt Stockenhuber seine Vorstellung seriöser Vereinsführung und nimmt auch zu den atmosphärischen Störungen mit dem harten Kern der Sturm-Fans Stellung.

LAOLA1: Der Begriff wird inflationär verwendet, kann man beim Borisow-Match aber dennoch von einem „Spiel des Jahres“, oder gar „Spiel des Jahrzehnts“, sprechen?

Gerald Stockenhuber: Das ist nicht übertrieben, man kann schon von einem Spiel des Jahrzehnts sprechen. So oft hat man nicht die aktive Chance auf die Champions League.  Außer Rapid war in den letzten zehn Jahren keine österreichische Mannschaft so knapp dran. Uns fehlen 90 Minuten.

LAOLA1: Die Austria ist der Champions League trotz der zahlreichen Millionen von Frank Stronach vergeblich hinterher gelaufen, Salzburg wartet trotz Didi Mateschitz auch noch auf die erste Teilnahme. Ist es eine Genugtuung, mit einer anderen Vereinspolitik so nah an diesem Ziel zu sein?

Stockenhuber: Man kann stolz darauf sein, den Meistertitel geschafft zu haben und die Qualifikations-Runden bisher so gut absolviert zu haben. Aber man sollte nicht von einer Genugtuung sprechen.

LAOLA1: Wie würden Sie im Fall der Fälle die 7,2 Millionen Euro Startgeld für die Champions League anlegen?

Stockenhuber: Wir werden sicherlich kontinuierlich weiterarbeiten, das heißt, uns in unserem budgetären Rahmen bewegen. Teilweise würden wir in die Infrastruktur investieren, und man könnte den nächsten Jahren wirklich in Ruhe entgegenblicken.

LAOLA1: Sie sprechen Investments in die Infrastruktur an. Welche Projekte hätten die höchste Priorität?

Stockenhuber: Wir haben ein tolles Trainingszentrum gebaut, das man sicherlich noch erweitern könnte, da gäbe es noch Verbesserungen. Man kann auch in Gössendorf in die Infrastruktur investieren, dort sind die Jugendtrainingsplätze. Da gäbe es einiges zu tun. Das Ganze sollte Nachhaltigkeit mit sich bringen.

Das Verhältnis zwischen Vorstand und Fans ist aktuell nicht friktionsfrei

LAOLA1: Dieser Transfer ist sicherlich auch Franco Foda zu verdanken, der Säumel sehr gut kennt. Wie ist eigentlich die genaue Arbeitsteilung zwischen Foda und Sportkoordinator Hans Lang? Ist Fodas Macht als eine Art Sportdirektor gestärkt worden?

Stockenhuber: Ich würde nicht immer von Macht sprechen. Der Sportkoordinator arbeitet dem Trainer zu, macht ihm Vorschläge, berät ihn. Aber wie wir wissen: Im Endeffekt entscheidet der Trainer, welche Spieler er haben will – innerhalb des budgetären Rahmens, den der Vorstand vorgibt. Man sieht auch, dass es Spielern wie zum Beispiel Säumel wichtig ist - wenn er wieder nach Österreich geht, dann unter Franco Foda.

LAOLA1: Das klingt aber schon nach kleiner Änderung der Arbeitsteilung im Vergleich zu Oliver Kreuzer, der – natürlich in Absprache mit Foda – bei Transfers mehr mitzureden hatte, oder?

Stockenhuber: Oliver Kreuzer hat einen super Job gemacht. Aber es gab jetzt ein anderes Konzept. Sturm wollte einen anderen Weg gehen, wieder mehr in den nationalen und regionalen Bereich hinein, wo das Korsett natürlich enger wird. Dass Oliver dieses Korsett im Endeffekt nicht akzeptiert hat, muss auch ich akzeptieren. Aber er ist sicherlich ein hervorragender Trainer-Berater. Nur: Der Bereich, wo Oliver Kreuzer herumfischt, war nicht ganz die Sturm-Plattform.

LAOLA1: Die drei Jahre mit Oliver Kreuzer waren erfolgreich, auch wenn er sich in der Steiermark vielleicht weniger nach Spielern umgeschaut hat. Hat er dezidiert ausgeschlossen, diesen Weg zu gehen?

Stockenhuber: Bitte das mit dem Korsett nicht missverstehen!  Es gibt zwei Wege: Oliver Kreuzer wollte seinen Weg, meine Person wollte einen anderen Weg, und das muss man akzeptieren. Trotzdem: Oliver Kreuzer hat eine hervorragende Arbeit gemacht und die Meistermannschaft maßgeblich mitgebildet.

LAOLA1: Nicht wegleugnen kann man aktuell Spannungen mit dem harten Kern der Fans. Beim Rapid-Spiel gab es Unmuts-Kundgebungen gegen den Vorstand wegen der abgesagten Fan-Reise nach Minsk. Vor dem Zestafoni-Spiel gab es die Boykott-Drohung wegen der Preispolitik. Diese atmosphärischen Störungen scheint es aber grundsätzlich schon länger zu geben. Warum bekommt Sturm dieses Thema nicht auf die Reihe?

Stockenhuber: Ich würde nicht sagen, dass wir es nicht auf die Reihe kriegen. Man spricht und diskutiert nach wie vor. Es gibt vielleicht einige Missverständnisse. Zum Beispiel die Thematik des Fan-Fluges: Wie wir alle wissen, war es ein sehr kurzer Zeitraum, die Flüge zu organisieren. Das ist nicht so einfach, wenn man weiß, was man alles mithat und Visa braucht. In der Haupturlaubszeit bekommst du auch nicht jeden Tag Charterflüge. Es standen drei Flüge zur Auswahl. Im Sinne der Mannschaft muss man akzeptieren, dass man nicht um 5:50 Uhr fliegen kann, und auch nicht um 13 Uhr, denn dann wäre man zu spät dort – das geht halt nicht. So Leid es mir tut, war dazwischen nur eine kleinere Maschine frei, in die wir Mannschaft samt Gepäck plus ein paar Journalisten reinbekommen haben. Den Tagesflug, den wir als Alternative angeboten haben, haben wir mit 50 Prozent gestützt, und ich verstehe auch, dass 299 Euro recht teuer sind für einen Fan. Dieser wurde nicht angenommen. Uns wäre auch viel lieber gewesen, dass wir den Zeitrahmen und genügend Maschinen gehabt hätten, um die Fans zu einem angemessenen Preis rüberzufliegen.

LAOLA1: Nachhaltigkeit ist ein gutes Stichwort. Sturm hat eine gewisse Champions-League-Tradition, damals jedoch nicht nachhaltig gedacht. War die damalige CL-Phase der Anfang des Untergangs?

Stockenhuber: Ich möchte jetzt nicht erörtern, wie Sturm untergegangen ist, aber dass man Champions League gespielt und das Budget dementsprechend angepasst hat, war sicherlich maßgeblich beteiligt. Wenn es dann nicht klappt, bekommt man große Probleme, wie wir alle wissen. Wie ich vorher gesagt habe: Deswegen würden wir auch in Zukunft in jenem budgetären Rahmen, den man selbst kreieren kann, weiterarbeiten. Sicherlich könnte man den einen oder anderen i-Punkt dazu kreieren, aber sicher nicht das Budget dementsprechend erhöhen.

LAOLA1: Sie stehen dafür, dass der damalige Größenwahn nicht wieder Einzug hält. Wie schwer ist es zu widerstehen, wenn Fans oder Einflüsterer kommen und sagen: „Jetzt müsst ihr investieren!“

Stockenhuber: Wir haben in dieser Qualifikation bewiesen, dass wir damit umgehen können, auch wenn Druck von außen kommt. Vor den Spielen gegen Videoton haben wir gesagt: Ohne Aufstieg gibt es nichts. Klar gibt es dann Kritik von Seiten der Fans, aber wirtschaftlich wäre es nicht zu vertreten gewesen. Als wir die Videoton-Hürde geschafft haben, haben wir zwei Spieler geholt (Milan Dudic und Darko Bodul; Anm.d.Red.).

LAOLA1: Damals wusste man schon vorher, dass der Kader ein, zwei Ergänzungen brauchen könnte. Wie erleichtert sind Sie, dass ihr vernünftiger wirtschaftlicher Kurs den sportlichen Erfolg letztlich nicht gefährdet hat?

Stockenhuber: Natürlich bin ich erleichtert. Umgekehrt ist es mir aber lieber, wir kommen nicht weiter und stehen wirtschaftlich gut da, als wir haben zwei Spieler und steigen trotzdem nicht auf. Da muss man schon das Auge am Verein haben. Das nur als ein Beispiel, wie die Vereinsführung agiert, auch wenn es beim Druck von außen nicht ganz einfach ist. Meine Person und der Vorstand verfolgen jedoch diese Linie und werden dies auch in Zukunft tun. Dass wir reagieren können, haben wir auch bewiesen. Am Tag nach dem Aufstieg kamen Dudic und Bodul.

LAOLA1: Mit Jürgen Säumel folgte ein weiterer Neuzugang. Was bedeutet es Ihnen persönlich, ihn wieder im Sturm-Dress zu sehen?

Stockenhuber: Es war sicherlich ein ganz besonderer Transfer. Wir sind froh, dass wir Jürgen zurückgewinnen konnten. Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Jürgen kann bei einer sehr guten Mannschaft Fuß fassen. Wir freuen uns, dass wir mit ihm in die heurige und vielleicht auch nächste Saison gehen können.

LAOLA1: Dass die Organisation dieses Flugs kompliziert war, mag stimmen. Wenn einmal etwas daneben geht, würde es wohl auch verziehen werden. Aber schwelt dieses Problem nicht schon viel länger? Muss man nicht in punkto Fan-Service den Hebel ansetzen?

Stockenhuber: Die Fanvertreter haben meine Telefonnummer, ich habe ein offenes Ohr dafür. Man kann aber leider nicht immer alles machen. Das ist genau die Gratwanderung. Ein Präsident muss sowohl auf den Verein als auch auf die Fans schauen. Manchmal gibt es da eine gewisse Diskrepanz. Wenn wir es uns finanziell leisten könnten, würde ich alle liebend gerne für wenig Geld ins Stadion lassen. Aber das funktioniert in der Fußball-Welt nicht.

LAOLA1: Dass Sie den Verein im Auge haben müssen, liegt auf der Hand. Dennoch passen diese Unstimmigkeiten gerade in einer erfolgreichen Phase des Vereins nicht ins Bild. Statt Konflikte auszutragen, müssten neue Anhänger generiert werden…

Stockenhuber: Wir sprechen über die Fankurve. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 13.000, wir haben 7500 Dauerkarten verkauft. Ein Teil der Fans ist unzufrieden, das heißt nicht, dass alle unzufrieden sind.

LAOLA1: Aber man darf nicht unterschätzen, dass genau dieser Teil der Fans nach außen wirkt – siehe Rapid. Dort macht dieser Teil keine Stimmung und es heißt, „die“ Rapid-Fans streiken…

Stockenhuber: Das unterschätzt auch keiner! Wir nehmen das sehr ernst, es gibt auch Gespräche. Noch einmal: Es ging um die Ticketpreise und als i-Punkt ist der Fan-Flug dazugekommen, und da verstehe ich die Fans auch. Ich wäre auf gut Deutsch gesagt auch „angfressn“, wenn ich nicht zu so einem wichtigen Spiel kommen würde. Aber wenn’s nicht geht, dann geht’s nicht! Glauben Sie mir eines: Wir haben von der Vereinsführung alles unternommen, dass wir es zusammenbekommen. Wenn es trotzdem nicht funktioniert, sind die Fans sauer - das ist klar, aber da kann ich nichts dafür. Aber eines kann ich versprechen: In welcher Gruppenphase auch immer wir spielen werden: Ich bin mir sicher, dass wir für die Fans tolle Reisen zusammenbringen werden.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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