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Last-Minute-Tor lässt Bayern gegen Real jubeln

Für den FC Bayern München ist das Heimfinale in der Champions-League am 19. Mai nahe.

Deutschlands Rekordmeister feierte am Dienstagabend im Semifinal-Hinspiel gegen Real Madrid einen knappen 2:1-(1:0)-Heimsieg.

In der mit 66.000 Zuschauern ausverkauften Allianz-Arena sorgten Franck Ribery (17.) und Mario Gomez (90.) für die Entscheidung. Mesut Özil (53.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Das Rückspiel folgt am 25. April im Estadio Bernabeu. Im zweiten Halbfinale treffen am Mittwoch Chelsea und Titelverteidiger Barcelona aufeinander.

Bayerns Traum vom Heimfinale lebt

Die Bayern haben damit weiterhin noch nie im eigenen Stadion gegen Real verloren (neun Siege, ein Remis) sowie auch noch nie in einem Champions-League-Semifinal-Heimspiel.

Bei den Bayern spielte David Alaba - als erster Österreicher in einem Halbfinale der "Königsklasse" seit Wolfgang Feiersinger 1997 - als Linksverteidiger durch und bot eine solide Leistung.

Für die "Königlichen" war es die erste Pflichtspiel-Niederlage nach 20 Partien sowie seit dem 18. Jänner (1:2 im Cup-Viertefinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona).

Bayern geht mit erster Chance in Führung

Vom im Vorfeld angekündigten Spektakel war vor der Pause nur phasenweise etwas zu sehen. Die Bayern begannen sehr abwartend und hätten früh in Rückstand geraten können.

Bayern-Goalie Neuer konnte sich bei einem Benzema-Schuss nach Özil-Ideal-Lochpass aber mit einer Glanzparade auszeichnen (7.).

Die etwas zweikampfstärkere und spielfreudigere Truppe von Chefcoach Jupp Heynckes steigerte sich aber ziemlich schnell und Schiedsrichter Howard Webb rückte zweimal in den Mittelpunkt.

Ramos hielt Ribery im Strafraum leicht am Trikot, der Elfmeterpfiff blieb aber wohl zurecht aus (15.). Zwei Minuten später fiel der Ball nach einer Kroos-Ecke von der Brust von Badstuber vor die Füße von Ribery und der Franzose schoss wuchtig zum 1:0 ein (17.).

Der Treffer war aber umstritten, da Gustavo im Abseits gestanden war und Real-Goalie Casillas eventuell die Sicht verstellt haben könnte.

Starke Vorstellung von Alaba

Die sonst so starke Real-Offensive konnte sich in einer ausgeglichenen Partie nicht wirklich in Szene setzen. Ronaldo war fast komplett abgemeldet und wurde nur bei einem Freistoß (21./knapp drüber) gefährlich.

Mitverantwortlich für die starke Münchner Defensivleistung war auch der wieder als Linksverteidiger agierende Alaba. Zuerst hatte Di Maria gegen den 19-jährigen Wiener nichts zu bestellen, nach circa 20 Minuten behielt er auch im Duell mit Özil klar die Oberhand.

Österreichs Fußballer des Jahres bildete aber auch in der Vorwärtsbewegung ein gutes Paar mit Ribery, bei seiner besten Offensivaktion ließ er Arbeloa stehen, der Stangelpass auf Gomez kam aber nicht an (38.).

Richtige Torgefahr auf beiden Seiten gab es dann in Minute 40. Zuerst hielt Neuer einen Schuss von Benzema, im Gegenzug parierte Casillas einen Gomez-Abschluss zur Ecke.

Özil markiert wichtiges Auswärtstor für Real

Die zweite Hälfte begann für Alaba und Co. aber mit einer kalten Dusche, die mit einem Schweinsteiger-Ballverlust am gegnerischen Sechzehner eingeleitet wurde.

Nach dem Konter scheiterte Ronaldo zuerst an Neuer, von Benzema kam der Ball aber neuerlich zum am langen Eck postierten Ronaldo, der für Özil auflegte und der Ex-Bremer hatte keine Mühe aus kürzester Distanz zum 1:1 zu vollenden (53.). Die Bayern wachten dadurch auf und suchten die Entscheidung.

Ein Weitschuss von Alaba aus 30 Metern ging weit drüber (59.). Heynckes nahm daraufhin den noch nicht in Topform befindlichen Schweinsteiger vom Feld und brachte Müller und die Hausherren waren dem Sieg näher.

Ausgerechnet Vereins-Toptorschütze Gomez setzte einen Kopfball nach Lahm-Flanke allerdings drüber (73.) und scheiterte mit einem weiteren Versuch an Casillas.

Last-Minute-Tor von Gomez sichert Sieg

Als alles schon mit einem Remis rechnete, schlug Gomez mit seiner dritten Chance in Folge aber doch noch zu.

Nach schöner Vorarbeit von Lahm, der sich auf der Seite gegen Coentrao durchsetzte, besorgte der DFB-Teamstürmer den 2:1-Endstand (90.).

Für Gomez war es bereits der zwölfte Champions-League-Saisontreffer, er rückte damit auch wieder näher an Lionel Messi (14) heran.

Alaba bekam es übrigens in der letzten halben Stunde des öfteren mit dem nach der Hereinnahme von Marcelo (für Özil) auf die rechte Seite gewechselten Ronaldo zu tun, ließ dabei aber nichts anbrennen.

Stimmen zum Spiel:

David Alaba (Bayern-Linksverteidiger): "Wir waren ganz gut eingestellt und haben ganz gut gespielt. Wir wollten gewinnen und das haben wir auch geschafft. Wir haben es ganz gut gemacht mit dem Pressing im Mittelfeld, haben die Bälle gut erobert, sind Gegenstöße gefahren und haben versucht zuzuschlagen. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben und ich glaube, dass das ganz gut gelungen ist. Es ist sehr ärgerlich, ein Gegentor bekommen zu haben. Wir werden uns jetzt voll auf das Rückspiel konzentrieren und versuchen, in Madrid weiterzukommen."

Jupp Heynckes (Bayern-Trainer): "Insgesamt war dieser Sieg sehr verdient. Real hat gut angefangen, aber dann haben wir das Kommando übernommen. Wir haben das Spiel clever und geschickt über die Runden gebracht. In einem Champions-League-Halbfinale muss man Leidenschaft, Gier und Hunger zeigen, das haben meine Spieler heute gemacht. Solche Situation wie bei unserem 1:0 sind schon einmal abgepfiffen worden. Beim Ausgleich wollte David (Alaba, Anm.) keinen Elfmeter riskieren."

Mario Gomez (Bayern-Torschütze): "Ein Siegestor in der 90. Minute ist natürlich positiv. Real ist eine Riesenmannschaft. Größtenteils haben wir es heute sehr gut gemacht. Es ist ein gefährliches Ergebnis, aber ein Unentschieden reicht uns zum Aufstieg ins Finale."

Jose Mourinho (Real-Trainer):
"Es ist keine Schande, ein Champions-League-Halbfinale in München zu verlieren. Ich denke, ein Unentschieden wäre das richtige Ergebnis gewesen. Nach der Pause war es kein gutes Spiel, normal hätte das Spiel 1:1 ausgehen müssen. Das 0:1 war abseits, aber auch einem Schiedsrichter können Fehler passieren. Trotz der Niederlage sind wir in einer guten Position, um das Finale zu erreichen."

Mesut Özil (Real-Torschütze): "Die Gegentore sind sehr unglücklich gefallen. Aber ich bin überzeugt, dass wir zu Hause gewinnen und ins Finale einziehen werden. Ich glaube an unsere Stärken."

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