"Schade, weil wir wirklich sehr knapp dran waren"

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Da standen sie nun.

Mit Tränen in den Augen, ungläubigem Blick und purer Enttäuschung – für Rapid hat es diesmal noch nicht für die Gruppenphase der Champions League gereicht.

Es war ein Kampf über 90 Minuten, ein beachtliches 2:2 in Lviv gegen Shakhtar Donetsk, das schlussendlich nichts wert ist.

„Wenn wir heute fünf Stück bekommen hätten, wäre es leichter wegzustecken als jetzt“, musste Kapitän Steffen Hofmann zugeben.

"Ich habe ihn schon drin gesehen"

Nach Schaubs 1:1, seinem zehnten Tor im 16. Europacup-Spiel, war es die Nummer elf, die mit einem versenkten Traum-Freistoß Rapid sogar in Führung brachte. Nach dem Ausgleich fünf Minuten später lief man bis zum Schluss dem entscheidenden Treffer hinterher.

„Wir kriegen erst das Gegentor, kommen überragend zurück. Gegen Ende hätten wir die Tore machen können, das ist uns leider nicht gelungen. Sehr, sehr schade, weil wir wirklich sehr knapp dran waren“, kamen auch bei Hofmann bei seinem wohl letzten Anlauf auf die Königsklasse die Emotionen hoch.

Denn die Sensation war zum Greifen nahe. In den ersten 45 Minuten noch unter Dauerdruck, erfing man sich in der zweiten Halbzeit und drehte den Spieß um – ehe Robert Beric per Kopf (90.) und Philipp Prosenik mit einem Stangenschuss (95.) zwei Matchbälle vergaben.

„Ich habe ihn schon drin gesehen, genauso wie den Schuss von Prosenik“, war auch Trainer Zoran Barisic nach dem Schlusspfiff mit den Nerven am Ende.

Beric am Boden zerstört

Während der Chefbetreuer seinen beiden Stürmern keinen Vorwurf machen wollte, übte Beric, der fix und fertig schien und jegliche Frage zu einem möglichen Wechsel mit den Worten „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt“ abblockte, Selbstkritik.

„Ich würde alle Tore meines Lebens für dieses eintauschen. Es ist schade, wir hatten einfach kein Glück in beiden Spielen.“

Nach Proseniks Aluminium-Treffer war das Aus endgültig besiegelt. Es sollte einfach nicht sein, wie Barisic feststellte:

 

Danke für diesen Empfang! #UCLPlayOff

Posted by SK Rapid Wien on Dienstag, 25. August 2015

„Im Hinspiel geht der Ball des Gegners mit der Stange rein, im Rückspiel bei uns mit der Stange raus. So ist der Fußball. Über das Ausscheiden haben wirklich nur Kleinigkeiten entschieden.“

"Noch nie so unter Druck wie gegen Rapid"

Das wusste auch Hofmann, dessen Familie auf der Tribüne in der Arena Lviv mitfieberte und die Daumen drückte.

„Wir haben ein richtig tolles Spiel gegen eine richtig gute Mannschaft gemacht, auf richtig hohem Niveau. Wir hätten uns den Aufstieg, aufgrund der Chancen am Ende, sicher verdient."

Das wusste auch Shakhtar-Trainer Mircea Lucescu. Ein Fachmann auf seinem Gebiet, der Rapid für die Leistung Respekt zollte und genau wusste, wie knapp die Angelegenheit war.

"Das Ende war dramatisch. Ich muss gestehen, dass ich noch nie so viel Druck gehabt habe, wie in diesem Spiel. Heute war das Glück auf unserer Seite. Rapid war sehr diszipliniert, taktisch gut und hat uns an unsere Grenzen gebracht."

Kapitän Darijo Srna ergänzte: „Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben gegen ein sehr gutes Team gespielt, das besser als zu Hause, taktisch stark war und einen großartigen Charakter gezeigt hat.“

„Hat gesehen, dass wir für Champions League bereit sind“

Diese Mentalität gilt es, fortan in der Europa League zu zeigen. Für Präsident Michael Krammer ist die Königsklasse ohnehin nur aufgeschoben.

„Man hat gesehen, dass wir in jedem Fall bereit sind für die Champions League. Es war ein großartiges Spiel, kämpferisch und spielerisch – alle Rapidler können stolz sein.“

Auch Trainer Barisic analysierte zufrieden und konnte seiner Mannschaft trotz des Scheiterns nur ein Kompliment machen.

„Wir können so stolz auf unsere Mannschaft sein. Sie hat alles gegeben, gezeigt, dass sie mit einer Klasse-Mannschaft auf Augenhöhe ist. Es ist schon großes Kino, was sie bis jetzt geleistet hat.“

Freud und Leid liegen dicht beisammen

Trotzdem bleibt dieser bittere Beigeschmack. Das Wissen, der großen Sensation so nah gewesen zu sein.

„Im ersten Spiel haben wir vielleicht die Torchancen nicht genützt, das können wir uns vorwerfen. Ansonsten haben wir gut mithalten und hätten weiterkommen können“, suchte Louis Schaub nach Worten und fügte hinzu: „Über mein Tor kann ich mich nicht wirklich freuen.“

Freud und Leid liegen bekanntlich dicht beisammen. Das musste Rapid an diesem denkwürdigen Playoff-Tag am eigenen Leib erfahren.

Deshalb traten die Wiener die Heimreise mit Tränen in den Augen, ungläubigem Blick und purer Enttäuschung an – obwohl sie eigentlich stolz sein könnten.


Alexander Karper


Shakhtar Donetsk - SK Rapid Wien Endstand 2:2 (2:2)

Lviv, Arena Lviv, 28.417, SR Szymon Marciniak/POL

Torfolge: 1:0 (10.) Marlos
1:1 (13.) Schaub
1:2 (22.) S. Hofmann
2:2 (27.) Gladkiy

Shakhtar: Pyatov - Srna, Krywzow, Rakitskiy, Azevedo - Fred, Stepanenko - Marlos, Alex Teixeira, Taison (87. Bernard) - Gladkiy (83. Eduardo)

Rapid: Novota - Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Auer - Grahovac (70. Schwab), Petsos - Schaub (84. Prosenik), S. Hofmann (63. Schobesberger), F. Kainz - Beric

Gelb-Rot: Sonnleitner (88./wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: Fred, Gladkiy, Srna bzw. Dibon

Hinspiel 1:0 - Shakhtar mit Gesamtscore von 3:2 in der Champions-League-Gruppenphase, Rapid in der Europa-League-Gruppenphase.

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