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„Hochklassiger Fußball“, Dramatik, bittere Ausfälle

Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.

Selten traf diese Floskel so genau zu wie für den vergangenen Champions-League Abend.

Während das Duell Bayern gegen Juventus bereits nach 25 Sekunden durch David Alabas 1:0 feierlich „eröffnet“ wurde, setzte Blaise Matuidi dem zweiten Viertelfinal-Hinspiel mit dem 2:2 in der 94 Minute einen dramatischen Schlusspunkt.

Die 93 Minuten dazwischen verliefen in München und Paris weitgehend unterschiedlich, wenngleich es letzten Endes doch eine bittere Gemeinsamkeit gab.

„Das beste Spiel der Saison“

Vor ausverkauftem Haus in der Allianz Arena machte der FC Bayern früh klar, warum man seit der Gruppenphase als einer der größten Titelfavoriten gilt. Ein Resultat der akribischen Vorbereitung auf die Gäste aus Turin.

„Ich habe Juventus bis zum Geht-Nicht-Mehr studiert, unsere Taktik war es, den Gegner sehr früh unter Druck zu setzen und Pirlo so aus dem Spiel zu nehmen und das hat sehr gut geklappt“, erklärt Trainer Jupp Heynckes, der seinem Team weitgehend „hochklassigen Fußball“ attestierte.

Einen Schritt weiter geht der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: „Es war ein großartiges Spiel. Man kann hochzufrieden sein. Es war wahrscheinlich das beste Champions-League-Spiel der Saison.“

Buffon zwei Mal geschlagen

Während sich ÖFB-Legionär Alaba über das zweitschnellste Tor der Champions-League-Geschichte der Bayern (nur Roy Makaay traf 2007 gegen Real bereits nach zehn Sekunden) freuen darf, hadert der geschlagene Gianluigi Buffon.

„Vidal hat den Schuss von Alaba leicht abgefälscht und mich in die falsche Richtung geschickt. Ich hatte bereits einen Schritt nach rechts gemacht und konnte nicht mehr schnell genug in die andere Ecke", lässt die Torwart-Legende das 1:0 noch einmal Revue passieren.

Dass der 35-Jährige auch vor dem zweiten Treffer des Abends durch Thomas Müller (63.) beim Weitschuss von Luiz Gustavo nicht die beste Figur machte, passte zu einem unglücklichen Abend. Dennoch könne sich Juventus laut Buffon „ nicht beschweren, denn Bayern hat den Sieg klar verdient und sie hatten weitere Torchancen in diesem Spiel. Bayern war uns klar überlegen."

„Wir waren klar überlegen und hatten das Spiel schon gewonnen, sind sehr gut und mit hoher Intensität aufgetreten.“ Zudem stößt dem Katalanen die Schiedsrichter-Leistung von Wolfgang Stark sauer auf: „Das Tor von Ibrahimovic ist klares Abseits und sie haben es nicht gesehen.“

Der Schwede fixierte aus einem Abpraller nach einem Stangenkopfball von Thiago Silva in Minute 79 den Ausgleich.

„Ein verrücktes Spiel“

Als Xavi eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit per Elfmeter die Führung wiederherstellte, lag der Auswärtssieg zum Greifen nahe, Matuidis Last-Minute-Goal verhinderte diesen allerdings.

Zum wiederholten Male hatte sich Ibrahimovic im Luftduell durchgesetzt, seinen Ableger verwertete der 25-Jährige zum viel umjubelten Endstand.

„Ein verrücktes Spiel“ zog Lobeshymnen der französischen Gazetten nach sich. „Mehr als nur ein Match“, titelte „L’Equipe“ in Anlehnung an das Barca-Klubmotto und hob hervor, „dass die Hoffnung, sich fürs Semifinale zu qualifizieren, für PSG weiter aufrecht bleibt.“

"Jetzt sind wir verpflichtet, in Barcelona zu gewinnen", bringt es Ibrahimovic auf den Punkt.

Spannung fürs Rückspiel im Camp Nou ist jedenfalls garantiert. Vielleicht auch wieder von der ersten bis zur letzten Minute.

Christian Eberle

Kritik an der Chancenauswertung

Doch die Bayern wären nicht die Bayern der heurigen Saison, würde man im klaren 2:0-Sieg nicht auch Grund für Kritik finden.

„Mein Gefühl sagt mir, wir hätten ein Tor mehr machen müssen. Wir hatten gute Möglichkeiten, bei denen wir vielleicht das dritte Tor hätten machen müssen“, merkt Bastian Schweinsteiger an.

„Natürlich ist es schade, dass wir das dritte Tor nicht gemacht haben. Ich hatte auch noch die Chance. Mich ärgert das am meisten“, stimmt Müller seinem Klub- und Nationalteamkollegen zu.

„Müssen nun Großes leisten“

Mit dem 2:0 ist das Münchner Wunschergebnis zwar erreicht, die Chancen der „Bianconeri“ bleiben aber noch am Leben.

"Wir haben gute Voraussetzungen zum Weiterkommen, dennoch wird es ein schweres Spiel. Wir sollten nicht arrogant oder überheblich dort hinfahren“, warnt Rummenigge.

Juve-Coach Antonio Conte bemüht sich der Floskel „Im Fußball kann man nie wissen“ und schürt noch einmal Hoffnung für das zweite Duell am 10. April im Juventus Stadium: „Wir müssen nun im Rückspiel Großes gegen ein großartiges Team leisten.“

Nicht dabei sein werden dann Arturo Vidal und Stephan Lichtsteiner, die sich eine Gelbsperre einhandelten. Verglichen mit dem Ausfall auf Münchner Seite ist das aber zu verkraften: Für Toni Kroos ist mit doppeltem Muskelbündelriss nämlich die Saison vorzeitig beendet.

Messi und Mascherano out

Damit wäre der Bogen auch schon gespannt zur zweiten Partie des Abends, die von Verletzungen der beiden Barca-Argentinier Lionel Messi und Javier Mascherano überschattet wurde.

„La Pulga“, der die Gäste im Parc des Princes in Minute 38 nach Traumpass von Dani Alves in Führung gebracht hatte, schied mit Muskelproblemen im Oberschenkel zur Halbzeit aus.

Während dem Top-Torjäger eine dreiwöchige Pause droht, erwischte es Verteidiger Mascherano noch schlimmer: Nach einem Seitenbandeinriss im rechten Knie könnte für ihn diese Spielzeit vorbei sein. „Der Preis, der am Ende zu bezahlen war, ist ein hoher“, resümiert Jordi Roura traurig.

Schiedsrichter in der Kritik

Der Co-Trainer, der für den zurückgekehrten Tito Vilanova vorerst noch die Medientermine übernahm, zeigt sich trotz des eigentlich „guten Resultates für ein Auswärts-Hinspiel“ betrübt.

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