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Die Kreativ-Legionäre vom Bosporus

Galatasaray zählt seit Jahren zur Elite im europäischen Fußball.

Auch wenn der letzte große internationale Erfolg mit dem Gewinn des UEFA-Cups schon 13 Jahre zurückliegt, ist das Team eine namhafte Adresse.

Die viel beachteten Wechsel von Wesley Sneijder und Didier Drogba an den Bosporus stellen der türkischen Liga und insbesondere dem Team von Fatih Terim ein positives Zeugnis aus, ein Novum sind sie aber nicht.

Tradition der großen Namen

Große Namen waren in den letzten Jahren in den Kaderlisten der „Löwen“ stets zu finden. Mit Milan Baros, immerhin Torschützenkönig bei der EURO 2004 und Champions-League-Sieger im darauffolgenden Jahr, hat sich erst vor kurzem einer wieder verabschiedet.

Während Drogba den Tschechen wohl adäquat ersetzen wird, steht Sneijder in der Tradition großartiger offensiver Mittelfeldakteure und Spielmacher.

LAOLA1 präsentiert die Top Ten der „Gala“-Legionäre im Kreativbereich.

Hagi beendete seine Karriere bei Galatasaray

Gheorghe Hagi: Der Rumäne, mittlerweile 48 Jahre alt, ist einer der wenigen Fußballer, die sowohl Real Madrid als auch den FC Barcelona in ihrer Vita stehen haben. Von letzterem Verein wechselte der 125-fache Teamspieler nach Istanbul und ließ dort nach fünf erfolgreichen Jahren 1996-2001 seine Karriere ausklingen. Mit 59 Toren in 132 Spielen unterstrich der „Karpaten-Maradona“ noch einmal eindrucksvoll, warum er zurecht in die Liste der „Größten lebenden Fußballer“ aufgenommen wurde.

Lincoln: Die Karriere des hoch veranlagten Fußballers wurde durch zwei Dinge konstant beeinträchtigt: Seine Verletzungsanfälligkeit und mangelnde Disziplin – für einen Brasilianer nicht untypische Phänomene. Dennoch sorgten die Leistungen des 33-Jährigen in der Bundesliga bei Kaiserslautern (2001-2004) und Schalke 04 (2004-2007) dafür, dass Galatasaray fünf Millionen auf den Tisch legte. Nach zwei Jahren inklusive Rekord-Trikotabsatz (10.000 Stück in drei Tagen) und Rekord-Strafe (105.000 Euro) war das Thema Süper Lig für den heute noch bei Coritiba Aktiven aber erledigt.

Zvjezdan Misimovic: Ebenso eine bewegte Vergangenheit in der deutschen Bundesliga hat der heutige China-Legionär. Bei den Bayern ausgebildet, bei Bochum und Nürnberg gereift, landete „Zwetschge“ 2008 beim VfL Wolfsburg und hatte wesentlichen Anteil am Titelgewinn im darauffolgenden Jahr. Seine sieben Tore und vor allem 22 Torvorlagen stellten einen Liga-Rekord dar. Ebenso rekordverdächtig, wenn auch im negativen Sinn, war sein Engagement in der Türkei, das nach Differenzen mit Gheorghe Hagi, mittlerweile als Trainer tätig, 2010 nach nur drei Monaten und neun Spielen endete.

Auch Ribery spielte schon in Istanbul

Franck Ribery: Lange bevor der wendige Franzose im übertragenen Sinne zum ersten König Bayerns seit Ludwig III. aufstieg, machte er seine ersten Auslandserfahrungen in der Türkei. Für eine halbe Saison trug der Flügelspieler das gelb-rote Dress und konnte 2005 mit dem Cup seinen ersten Titel feiern. In seinem vielleicht besten der nicht allzu zahlreichen Spiele führte der 71-fache Teamspieler seine Elf zu einem 5:1-Finalsieg über Erzrivalen Fenerbahce, bei dem er sich als Torschütze und Vorlagengeber in den Geschichtsbüchern verewigte. Im Sommer kehrte er dennoch in seine Heimat zu Marseille zurück, von wo aus er seine Karriere auf den nächsten Level hob.

Giovani dos Santos: Seinen Karriere-Höhepunkt scheint der 23-jährige Mexikaner indes schon hinter sich zu haben. Als Absolvent der „La Masia“ konnte sich der Ausnahmetechniker beim FC Barcelona jedoch nicht durchsetzen, weswegen er zu Tottenham in die Premier League transferiert wurde. Wenig überzeugende Leistungen und Undiszipliniertheiten hatten zur Folge, dass nach einem Leihgeschäft zu Ipswich dos Santos bei Galatasaray unterkam. Dort werkte 2010 mit Frank Rijkaard sein ehemaliger Barca-Förderer, unter dem der zweimalige Gold-Cup-Gewinner dennoch nicht aufblühen konnte. Nach einem halben Jahr und 14 Liga-Spielen (wie Ribery) fand das Abenteuer für den jetzigen Mallorca-Akteur titellos ein Ende.

Elano traf nur zweimal für die "Löwen"

Elano: Eineinhalb Jahre blieb der Brasilianer bei den „Löwen“, einen wirklich bleibenden Eindruck konnte er aber nicht hinterlassen. Zwei Tore in 29 Spielen und eine titellose Zeit von Sommer 2009 bis Ende 2010 sind zu wenig von einem Spieler, der 50 Mal das Nationalteam-Trikot des fünfmaligen Weltmeisters trug. Vielleicht war aber auch die Bürde, die man ihm mit der Rückennummer 9 - zuvor von Vereins-Ikone Hakan Sükür getragen - auferlegt hatte, zu groß. Elano verließ Istanbul in Richtung Heimat und spielt aktuell für Gremio.

Harry Kewell: Australiens größter Fußballer aller Zeiten kam mit der Empfehlung von zwölf Premier-League-Jahren und einem Champions-League-Titel nach Istanbul und konnte in seinen drei Jahren am Bospurus mehr als nur überzeugen. Neben 23 Toren in 61 Spielen blieben vor allem die außergewöhnliche Persönlichkeit und der Charme des 58-fachen „Socceroos“ in Erinnerung. Als „Harry the Wizard“ von den Fans gefeiert, war ihm zwar „nur“ der Cup-Titel 2008 beschieden, sein Abschied 2011 hinterließ dennoch tiefe Spuren in der Vereinsseele.

Andres Fleurquin: Wer auf den direkten Österreich-Bezug gewartet hat, bitte, hier ist er: Für damals 28 Millionen Schilling sicherte sich Sturm Graz im Jahr 2000 die Dienste des damals 25-jährigen Uruguayers. Im defensiven Mittelfeld war dieser wesentlicher Bestandteil jener Elf, die sich als erstes österreichisches Team den Gruppensieg in der Champions League sicherte – mit einem 2:2 im letzten Spiel gegen – genau – Galatasaray. Eben dorthin wurde Fleurquin schließlich im nächsten Jahr ausgeliehen. Nach einer starken Saison, gekrönt mit dem Gewinn der Meisterschaft, wollten die „Löwen“ den Kreativkopf auch unbedingt halten, die hohen Ablöseforderungen aus Graz machten dieses Vorhaben aber zunichte.

Ilic verhalf "Gala" 2005/06 zum Meistertitel

Sasa Ilic: Österreich-Bezug, die Zweite. Red Bull Salzburg ließ 2007 mit der Verpflichtung des serbischen Offensivspielers um 900.000 Euro aufhorchen. Dieser hatte sich in zwei Jahren bei Galatasaray einen Namen gemacht und avancierte mit zwölf Toren zum drittbesten Torschützen der Meistersaison 2005/06. Auch in der Champions League in der darauffolgenden Spielzeit netzte er in der Gruppenphase zwei Mal, wenngleich er den letzten Platz und somit das Ausscheiden nicht verhindern konnte. In der Bundesliga blieb er hingegen unter den Erwartungen und verabschiedete sich 2010 wieder zu seinem Stammverein Partizan.

Felipe Melo: Der letzte Spieler, in dessen Tradition sich Sneijder einreiht, ist zugleich sein aktueller Mitspieler. Melo wurde nach Jahren in Spanien (Mallorca, Santander, Almeria) und Italien (Fiorentina, Juventus) von der „Alten Dame“ 2011 zu Galatasaray verliehen, wo er mit guten Leistungen und 12 Toren in 36 Spielen maßgeblichen Anteil am Meistertitel hatte. Das Leihgeschäft wurde infolgedessen auf diese Saison ausgeweitet. Die Fans freut es, nicht nur weil der Brasilianer mit einem Löwen das Vereinsmaskottchen am Arm tätowiert hat.

 

Christian Eberle

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