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Salzburg startet CL-Mission: "Es gibt keine Ausreden"

Für Red Bull Salzburg beginnt die Saison von Neuem.

Der Rekordsieg im Cup (10:1 in Sollenau) war schön, der Liga-Auftakt (6:1 gegen Rapid und 5:0 in Wiener Neustadt) noch schöner.

Doch diese Spielzeit definiert sich für den Double-Sieger 2014 allein über den Einzug in die Gruppenphase der Champions League.

Schaffen sie es zum ersten Mal oder scheitern sie zum siebenten Mal?

"Jetzt oder nie"-Situation

"Es ist unser aller Traum" (Andre Ramalho). "Wir haben es uns verdient" (Kevin Kampl). "Wir wollen nicht nur in die Gruppenphase kommen, wir wollen dort auch eine Rolle spielen" (Ralf Rangnick).

Und Christian Schwegler, der es bislang vier Mal erfolglos probierte, bringt es auf den Punkt: "Es gibt keine Ausreden." Denn wie der Schweizer weiß auch Kampl: "Die Chance war nie größer."

Die Mission startet am Mittwoch (17:30 Uhr) in Aserbaidschan, wo FK Qarabag zum Auftakt der dritten Qualifikations-Runde wartet.

DIE AUSGANGSLAGE

Wie vergangene Saison muss Salzburg zwei Runden überstehen, dieses Mal bleiben im Meister-Weg die großen Kaliber erspart. Mit FK Qarabag zogen die "Bullen" - als topgesetztes Team der Champions - den vierfachen Meister aus Aserbaidschan. Sollte Salzburg die Drittrunden-Hürde wie alle anderen Favoriten nehmen, wäre die Mannschaft von Trainer Adi Hütter im Playoff ebenso topgesetzt und bekäme es entweder mit Sparta Prag (CZE), Dinamo Zagreb (CRO), Ludogorets Razgrad (BUL), Maccabi Tel Aviv (ISR) oder Sheriff Tiraspol (MOL) zu tun.

"Beschäftigen können wir uns damit eigentlich noch nicht, wir müssen in der Realität leben", betont Kevin Kampl und denkt ebenso wenig daran, dass bei der Gruppenphase-Auslosung sogar Topf drei winken könnte, sollten es zwei Teams aus dem Sextett Arsenal, Porto, Zenit, Leverkusen (mit Ex-Trainer Roger Schmidt), Napoli, Bilbao im Nicht-Meister-Playoff erwischen. An ein vorzeitiges Aus verlieren die Salzburger ebenso keinen Gedanken, nichtsdestoweniger ginge es dann entweder im Europa-League-Playoff (nach CL-Quali-3) oder direkt in der Europa League (nach CL-Playoff) weiter. Dieses Jahr heißt das Motto jedoch: Europa League ist keine Option.

 

DIE PERSONALSITUATION

Am Dienstag ist die Mannschaft von Salzburg nach Aserbaidschan geflogen. Um 13 Uhr hob die Mannschaft ab und landete nach fünf Stunden Flugzeit in der Hauptstadt Baku, wo eine Zeitverschiebung von drei Stunden exisitiert. Um 23:30 Uhr Ortszeit wurde noch trainiert. "Wir haben uns nach einer genauen Analyse dazu entschlossen, dass wir uns nach unserer Zeit orientieren, da wir wegen des kurzen Zeitraums zwischen Anreise und Spieltag den Biorhythmus unserer Spieler nicht unnötig beanspruchen wollen", lässt Trainer Adi Hütter wissen. "Die lange Reise und die Zeitverschiebung sind zwar nicht optimal, damit müssen wir aber professionell umgehen", so Martin Hinteregger.

MÖGLICHE AUFSTELLUNGEN
Baku, Tofiq-Bahramov-Stadion, 17.30 Uhr MEZ, SR Serhij Bojko/UKR

Nicht im Flieger dabei waren Stefan Ilsanker und Alan. Der Brasilianer, der dieser Tage von einer Selecao-Einberufung träumt, ist gesperrt, sah er doch beim bitteren Europa-League-Aus vergangene Saison beim Rückspiel gegen Basel die gelb-rote Karte. Ilsanker ist nach einer Zehenverletzung noch nicht so weit. An und für sich hätte Hütter gerne die Stammelf der vergangenen Saison spielen lassen, die den RBS-Pressing-Stil vollends intus hat. So wird nun eben neben Marcel Sabitzer (als Stürmer) möglicherweise mit Massimo Bruno ein weiterer Neuzugang (zum ersten Mal) von Beginn an spielen und zwar rechts im Mittelfeld. Gegen Wr. Neustadt legte der Belgier schon indirekt das 5:0 auf, nachdem er den Ball zurückeroberte und sein Zuspiel auf Soriano zum Hand-Elfer führte. Andernfalls kommt Franz Schiemer nach Muskelverletzung in die Verteidigung zurück und Andre Ramalho rückt ins Mittelfeld vor. Eine große Überraschung wäre, sollte Nils Quaschner neben Soriano stürmen.

 

DAS KANN FK QARABAG AGDAM

Zuerst: Wer ist FK Qarabag Agdam? Der 1951 gegründete Fußballklub stammt eigentlich aus dem von Armenien besetzten Bergkarabach. Nach dem Ende der Sowjetunion erlangten Aserbaidschan und Armenien ihre Unabhängigkeit, Bergkarabach verlor seinen Autonomiestatus und schließlich kam es 1992 zu einem offenen Krieg zwischen Aserbaidschan und der Provinz. Das zwang den Klub umzusiedeln und zwar ins 250 Kilometer entfernet "Exil" nach Baku, in die aserische Haupstadt ans kaspische Meer. Agdam, früher von 50.000 Menschen bewohnt, ist heute eine Geisterstadt. Sportlich gesehen wurde Qarabag vier Mal Meister, zwei Mal nach dem Ende der Sowjetunion und zuletzt eben vergangene Saison mit fünf Punkten Vorsprung vor Inter Baku. Die neue Meisterschaft beginnt erst am 10. August.

In der Europa-League-Quali 2013/14 scheiterte Qarabag im Playoff an Eintracht Frankfurt (0:2/h, 1:2/a). Hütter beobachtete vergangene Woche das 4:0 gegen Valletta im Rückspiel der 2. CL-Quali-Runde (Hin: 1:0), die Malta-Kicker spielten dabei ab Minute 19 in Unterzahl. So konnten nicht alle Schlüsse live gezogen werden. "Es ist aber eine sehr gute Mannschaft, die mit guten Brasilianern in der Offensive gespickt ist. Sie versucht den Gegner spielerisch zu beherrschen", berichtet Hütter. Einer der Brasilianer ist Reynaldo (24), Ex-Teamkollege von Massimo Bruno bei RSC Anderlecht, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte. In der Prmyer Leqasi wurde die Solo-Spitze vergangene Saison Torschützenkönig (22). Hütter zeigt sich allgemein optimistisch, zumal Qarabag bei Pressing anfällig scheint. "Sie könnten uns liegen, weil sie keine langen Bälle spielen, sie versuchen herauszuspielen, das ist prädestiniert für uns." Kampl ergänzt: "Ich denke, ihr Stil wird uns gelegen kommen, dass wir pressen können." Gespielt wird im nach dem "Wembley-Tor"-Linienrichter benannten Tofiq-Bahramov-Stadion, Hütter rechnet wie Kampl mit einem kleinen Hexenkessel: "Sie haben heißblütige Fans. Letzte Woche waren schon 15.000 dabei, dieses Mal werden es mehr, vielleicht 25.000."

 

DAS SPRICHT FÜR SALZBURG

"Die Chance ist so groß wie nie", spricht Salzburg-Star Kevin Kampl das aus, was sich alle denken. Hütter sagte aber schon in der Vorbereitung gegenüber LAOLA1: "Wir brauchen vier optimale Spiele, um dorthin zu gelangen, wo der Klub bislang noch nie war." Es gibt auch vier gute Gründe, warum es Salzburg nun endlich schaffen könnte.

DIE KONTINUITÄT

In der Saison 2012/13 wurde die Mannschaft neu zusammengewürfelt und musste sich finden. Das Ergebnis konnte man schon im letzten Viertel dieser Spielzeit (acht Siege, ein Remis) ausmachen. In der Sommerpause war endlich Kontinuität angesagt, daraus resultierte in der Liga eine Dominanz sondergleichen plus große Auftritte in der Europa League. Stichwort Ajax. Die Stammelf wurde in diesem Sommer zusammengehalten und verstärkt, die Kontinuität zeigt sich bereits früh in der Saison. "Wir setzen nahtlos fort", hält Schwegler richtig fest.

DIE FORM

21 Tore in drei Pflichtspielen, die Brust könnte breiter nicht sein, mit der Salzburg nach dem Auftakt der Saison nach Baku gereist ist. "Wir haben das Selbstvertrauen, das Spiel offensiv zu gestalten und dem Gegner den Schneid abzukaufen", schickte Schwegler voraus, ohne dabei zu vergessen: "Das wird ein anderes Spiel als etwa in Wiener Neustadt." In Salzburg wird alles diesen vier Partien untergeordnet. Die Mannschaft bekam länger Urlaub, um mental und physisch frisch zu sein. Und sie scheint nun auch am Punkt da zu sein: "Wir sind in einer super Verfassung", sagt Kampl. Spieler, Trainer, Klub - der Fokus stimmt.

DER HUNGER

Beim 6:1 gegen Rapid legte Salzburg noch einmal im Finish ordentlich nach, obwohl das Spiel mit dem 3:0 gegessen war. Beim 5:0 in Wiener Neustadt spielten die Gäste sogar fast 45 Minuten mit einem Mann weniger. "Dieser unbedingte Wille meiner Spieler macht mich stolz", sagt Hütter. Den erkannte er schon in der Vorbereitung: "Wir haben eine hungrige Mannschaft, das ist Fakt. Man muss sie nicht noch extra motivieren, das ist sie." Alle wollen dieses große Ziel, sind heiß darauf, auf der großen Bühne zu spielen. Kampl: "Wir haben verdient zu sehen, wie wir gegen Weltklasse-Mannschaften aussehen. Ich bin sicher, dass wir denen auch Paroli bieten können, wenn wir alles auf den Platz bringen." Es ist alles angerichtet, wie Schwegler weiß: "Es gibt keine Ausreden."

DAS OMEN

Noch nie hat es Salzburg bekanntlich in die Champions League geschafft. Ein heutiger Salzburger war aber dennoch schon einmal mit Salzburg in der Königsklasse: Adi Hütter. Als Spieler war der heutige Coach dabei, als sich Austria Salzburg 1994 als erste österreichische Mannschaft für den Bewerb qualifizieren konnte. "Es wurde richtig gearbeitet, es ist absolut realistisch, dass wir die Chance dieses Jahr beim Schopf packen." Und es wäre absolut an der Zeit.

 

Bernhard Kastler

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