Bjelica: „Simeone war schon immer ein Leader“

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„Genie“, „Herz und Kopf der Mannschaft“, „der beste Trainer der Welt“.

Diego Simeone wurde nach dem ersten Titelgewinn von Atletico Madrid nach 18 Jahren medial mit Lobeshymnen überhäuft.

Selbst die Barcelona-Fans zollten dem Argentinier Respekt.

Nach dem meisterschaftsentscheidenden Duell (1:1) gab es Applaus für den  Meistermacher – wohl die größte Anerkennung für seine geleistete Arbeit.

Unheimliche Siegermentalität

Für Nenad Bjelica ist der Erfolg der „Los Rojiblancos“ eng mit dem 44-Jährigen  verbunden.  Der Kroate kickte von 1993-1999 in Spanien und hatte nicht nur einmal das „Vergnügen“ gegen den „Gaucho“, der von 1994 bis 1997 bei Atletico tätig war, am Platz zu stehen.

„Er hat alle Mittel genutzt, um Partien zu gewinnen. Er war ein Spieler, der unheimliche Siegermentalität hatte. Es ist für mich daher kein Zufall, dass Atletico 1996 mit Diego Simeone als Spieler und eben jetzt mit ihm als Trainer Meister geworden ist. Es hat sehr  viel mit seiner Einstellung zu tun. Er war schon immer ein Leader, hat seine Emotionen und Willen auf die ganze Mannschaft übertragen“, erklärt der 43-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

„Der Trainer ist der Schlüssel zum Erfolg“

Laut des ehemaligen Austria-Betreuers geht der zehnte Meistertitel der Madrilenen daher zu einem großen Anteil  auf das Konto des Chefcoachs.

„Der Trainer ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich traue dieser Mannschaft ohne Simeone nicht solche Erfolge zu. Von der Qualität her gehört Atletico bestimmt nicht zu den Top-Klubs in Europa. Er hatte schon als Aktiver viel Herz, viel Leidenschaft, viel Teamgeist. Seine Handschrift ist zu erkennen. Er hat alle Spieler top gemacht.“

Dass Simeone nach einer tollen und erfolgreichen Fußballkarriere auch einen außergewöhnlichen  Job als Trainer ausübt, sei nicht selbstverständlich. „Es ist ein Vorteil, wenn du auf Topniveau Fußball gespielt hast. Man weiß, wie sich die Spieler in gewissen Situationen fühlen müssen, denn du hast die gleichen Situationen schon einmal selbst erlebt. Es erleichtert deine Aufgaben an der Linie. Es gibt aber keine Garantie, dass ein ehemaliger Fußballer gleichzeitig ein guter Trainer ist. Das hat sich mehrmals bewiesen. Es gibt genug großartige Fußballer, die als Coach gescheitert sind“, versichert Bjelica, der vor den Fähigkeiten seines Kollegen auf der Betreuerbank den Hut zieht:

Eine echte Einheit

„Atletico tritt als echte Einheit auf, sie gewinnen oder verlieren gemeinsam. Die Mannschaft geht absolut an ihrer Leistungsgrenzen – egal wie der Gegner heißt, egal in welchem Bewerb gespielt wird. Diego holt von jedem einzelnen das Maximum heraus. Deswegen funktioniert es.“

Die Spielweise der Rot-Weißen sei untypisch für eine spanische Spitzenmannschaft. Statt für die Galerie wird einzig und alleine auf den Endzweck hingearbeitet.

„Dort wird kein Tiki-Taka praktiziert. Dort wird einfach effektiv Fußball gespielt. Man kann eben nicht so spielen wie Barcelona, wenn man dafür das geeignete Spielermaterial nicht besitzt. Bei Atletico gibt es  keinen echten Star, dafür ein unheimlich starkes Kollektiv.“

Bjelica traut Atletico CL-Titel zu

Aus diesem Grund sei man im Lager der Wiener Austria auch enttäuscht gewesen, als bei der Auslosung  zur Champions-League-Gruppenphase Atletico gezogen wurde.

„Wir waren fast beleidigt, dass wir keinen anderen „Großen“ zugelost bekamen. Ich habe schon damals gesagt, dass sie eine der stärksten Mannschaften in Spanien sind. Das hat sich in den beiden Spielen bewiesen. Mir war danach klar, dass für dieses Team in La Liga und in der Champions League alles möglich ist“, erinnert sich der neunfache kroatische Teamspieler zurück.

Der Meistertitel wurde bereits fixiert. Für Bjelica ist sogar der ganz große Coup vorstellbar. „Ich hoffe, dass sie die Champions League gewinnen werden. Es wird schwer, aber sie können es packen.“

Und dann würden wohl weitere Lobeshymen folgen…

 

Martin Wechtl

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