LAOLA1: Es soll keine Ausrede sein, aber die Verletzungen sind doch sicher ein Mitgrund, warum man aktuell zwölf Punkte hinter Salzburg liegt.

Bjelica: Natürlich haben die Ausfälle ihren Anteil, aber auch, weil wir Champions League spielen. Salzburg spielt gegen Lüttich und… wir gegen Porto, Zenit und Atletico Madrid. Da ist die Belastung eine ganz andere. Der Kader von Salzburg besteht aus 25 ausgeglichenen Leuten – davon sind 15 Ausländer, bei uns spielen ein oder zwei Legionäre. Wir haben eine ganz andere Vereins-Philosophie.

LAOLA1: Liest man da zwischen den Zeilen, dass es mit der Titelverteidigung ganz, ganz schwer wird?

Bjelica: Natürlich wird es schwer. Es war uns aber schon vor dem Saisonstart klar, dass es nicht leicht wird, das Meister-Jahr zu wiederholen. Wir haben mit dem Einzug in die Champions League dafür etwas Großartiges erreicht. Das hat Salzburg noch nie erreicht. Sie spielen Europa League, haben sicher die leichteren Aufgaben. Durch die Verletzungen, die Kaderbreite und die Qualität im Kader ist zu erwarten, dass Salzburg dominanter in der Meisterschaft sein wird.

LAOLA1: Am Dienstag ist wieder Champions-League-Time. Freuen sie sich als ehemaliger Spanien-Legionär ganz speziell auf das Duell mit Atletico Madrid?

Bjelica: Jedes Spiel mit der Austria in der Champions League ist etwas Besonderes. Ich habe mir bei der Auslosung einen spanischen Vertreter gewünscht und wir haben Atletico bekommen. Wir freuen uns auf die Spanier und werden versuchen, ähnlich wie gegen Porto und Zenit, uns gut zu präsentieren. Wir wollen sie ärgern. Dass es schwer werden wird, ist uns klar, aber nicht immer gewinnen die Favoriten. Wenn wir an unser Limit gehen, ist etwas möglich.

LAOLA1:Haben Sie mit Atletico eigentlich noch eine kleine Rechnung offen? Immerhin absolvierten Sie mit 21 Jahren ein Probetraining in Madrid – ein Transfer kam jedoch nicht zustande.

Bjelica: Nein, ich habe keine Rechnung offen. Ich war damals ein talentierter Spieler, der in Kroatien sehr gut gespielt hat. Ich habe dann eine Einladung von Atletico bekommen und mich eigentlich gut präsentiert. In drei Probespielen gelangen mir vier Tore. Aber der Deal ist am Geld gescheitert. Durch dieses Probetraining ist Albacete auf mich aufmerksam geworden. Dort hatte ich vier wunderbare Jahre. Ich freue mich jedenfalls riesig auf das Atletico-Match, denn ich habe in Madrid sehr viele Freunde.

LAOLA1: Finden Sie es fair, dass in der Bewertung der Leistung immer die Vorsaison als Maßstab hergenommen wird?

Bjelica: Austria hat sieben Jahre auf den Titel warten müssen, hat letztes Jahr eine überragende Saison gespielt. Es ist toll gelaufen. Man könnte die letzte und die aktuelle Saison aber nur dann vergleichen, wenn  wir nur Meisterschaft spielen würden. Doch heuer spielen wir auch Champions League. Wir haben dem Verein durch den Einzug in die Gruppenphase viel Geld verschafft und den Fans etwas Besonderes geschenkt. So etwas hat diese Generation von Austria-Spielern noch nie erreicht. Wenn du die Fans hörst und die Medien beobachtest, wird nur von der Königsklasse gesprochen. Leider ist die Meisterschaft für viele zur Nebensache geworden. Für mich nicht. Das reflektiert sich auf die Mannschaft. Bereits am Donnerstag läuft im TV der Teaser für das CL-Spiel. Vom Meisterschafts-Spiel am Wochenende wird nicht gesprochen. Das merken die Spieler und es spielt im Unterbewusstsein jedes Akteurs sicher eine Rolle. Und deswegen haben wir auch Probleme.

LAOLA1: Das heißt, die Champions League ist Fluch und Segen zugleich.

Bjelica: In gewisse Weise schon. Es gibt eine zusätzliche Belastung. Und durch die Belastung gibt es viele verletzte Spieler. Dadurch sind unsere Möglichkeiten auch in der Meisterschaft begrenzt. Denn ich bin überzeugt, dass unsere Punkteausbeute in der Liga besser wäre, wenn wir alle Spieler zur Verfügung hätten.

LAOLA1: Apropos Verletzungen. Alexander Gorgon muss operiert werden, fällt die restliche Herbstsaison aus. Haben Sie insgeheim schon damit gerechnet, dass er etwas Schlimmeres hat, da sich seine Rückkehr immer wieder verzögert hat?

Bjelica: Wir haben vermutet, dass etwas Gröberes nicht in Ordnung ist. Gorgon hat einfach keine Verbesserung gespürt. Jetzt muss er bis nächstes Jahr pausieren. Im Frühjahr werden wir mit ihm und Alex Grünwald wieder zwei Spieler zur Verfügung haben, die körperlich und mental frisch sind. Ich hoffe, dass sie uns helfen werden. Verletzungen sind leider Teil des Geschäfts. Wir müssen uns auf die Situation eben einstellen.

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