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Götze und Hoeneß stellen Barca in den Schatten

Die Vorfreude nach der Auslosung für das Champions-League-Halbfinale war in den Reihen des FC Bayern riesig.

"Ein absoluter Knaller! Das hätte auch das Finale sein können", jubelte Torhüter Manuel Neuer über das Los FC Barcelona.

"Das ist ein Gigantentreffen!", zeigte sich auch Trainer Jupp Heynckes begeistert. "Ich freue mich auf zwei magische Fußball-Nächte!"

Bei Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandsvorsitzenden der Münchner, wurden sofort Erinnerungen an 2009 wach, als die Bayern im Camp Nou mit 0:4 untergingen.

Revanchegedanken kamen auf. "Das werden zwei hochinteressante Spiele und eine wunderbare Gelegenheit, zu zeigen, dass Bayern München seit 2009 um einiges besser geworden ist."

All diese Aussagen datieren vom 12. April, dem Tag der Auslosung. Nun ist es soweit, das erste Duell der beiden Großmächte geht am Dienstagabend (20:45 Uhr, LIVE im LAOLA1-Ticker) über die Bühne.

Das Spiel gegen Barca gerät in den Hintergrund

Spiel als mediale Nebensache

Doch geredet wird kaum noch darüber. Erst die "Steuer-Affäre" um Uli Hoeneß, nun der Sensations-Transfer von Mario Götze. Bei den Bayern geht es drunter und drüber.

Zunächst stahl der mächtige Präsident der Mannschaft unfreiwillig die Show, als publik wurde, dass er Geld auf einem Schweizer Konto nicht versteuerte.

"Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht", gestand Hoeneß nach einem Bericht des "Focus".

Es soll um mehrere Millionen gehen. Spekulationen der "AZ", die von einer hohen dreistelligen Summe berichtet, konnten bislang nicht bestätigt werden.

Hoeneß will "reinen Tisch" machen

Hoeneß droht der Zeitung mit einer Klage, sieht andererseits aber auch ein, einiges falsch gemacht zu haben. "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen."

Der 61-jährige wolle "reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit." Über mehrere Tage bestimmte er mit seinem Vergehen die Medienlandschaft.

Die "ARD" reagierte sogar darauf, die Talkshow von Günther Jauch beschäftigte sich ausschließlich mit dem Fall Hoeneß.

Und wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, befindet sich der Bayern-Präsident nur wegen der Zahlung einer Millionen-Kaution auf freiem Fuß.

Hoeneß sei am 20. März vorläufig festgenommen worden, berichtet die "SZ" am Dienstag im Voraus aus ihrer Mittwochsausgabe. Gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro sei der Haftbefehl kurz darauf aber wieder außer Vollzug gesetzt worden.

Dem Bericht zufolge ist ein Haftbefehl nach einer Selbstanzeige ungewöhnlich. Es sei ein ernster Hinweis, dass diese von Hoeneß im Jänner beim Finanzamt wegen eines Kontos in der Schweiz erstattete Selbstanzeige möglicherweise nicht strafbefreiend sein kann

Inzwischen erscheint jedoch selbst diese Causa nur noch als Randnotiz.

Gesprächsthema Götze

Mit dem Wechsel Mario Götzes vom Rivalen Borussia Dortmund an die Isar gelang den Münchnern ein kleiner Geniestreich. Ungeachtet der Tatsache, dass die Negativ-Schlagzeilen um Hoeneß in den Hintergrund rückten, ist dieser Wechsel ein Statement.

An Pep Guardiola, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, sich pro Bayern zu entscheiden. An die internationale Konkurrenz wie die beiden Manchester-Klubs, um zu zeigen, dass man Wunschspieler bekommt, auch wenn diese Großklubs mitbieten. Vor allem aber an die nationalen Rivalen.

"Spanische Verhältnisse" befürchtete Uli Hoeneß kürzlich, schottische könnten es nun werden. Den größten Rivalen seiner vermeintlich schärfsten Waffe zu berauben, mag den Bayern einerseits keine Sympathiepunkte bringen, dass die Strategie durchaus clever ist, lässt sich andererseits aber auch schwer bestreiten.

"Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario, als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben", erklärte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Der BVB muss sich nach Ersatz umsehen, die Bayern rüsten ihr Team weiter auf. Ein Luxusproblem ist angesichts der Kader-Qualität nicht zu leugnen. Dieses nehmen die Münchner allerdings gerne in Kauf.

 

Christoph Nister

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