Barcelonas goldene Trainer-Generation

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Ein ordentlicher Winter, ausreichend Niederschlag im Frühjahr und sonnige Tage zur Erntezeit.

Nur sehr wenige Jahre liefern die richtigen Bedingungen für einen perfekten Wein.

Beim Fußball ist es ähnlich. Es gibt Jahrgänge, die mit so viel Talent und Genialität gesegnet sind, dass von einer goldenen Generation gesprochen wird.

Ein Beispiel dafür ist die Mannschaft des FC Barcelona in der Saison 1996/97 – jedoch weniger aufgrund der Qualitäten ihrer Spieler, dafür umso mehr wegen deren Trainer-Karrieren.

Gleich vier Profis aus diesem Team haben es auf die Trainerbänke des diesjährigen Viertelfinales der Champions League geschafft. Julen Lopetegui und Pep Guardiola stehen sich bei Porto gegen Bayern gegenüber, Laurent Blanc und Luis Enrique bei PSG gegen Barca.

Bobby Robsons Erbe

Vor 18 Jahren wurden sie allesamt von Sir Bobby Robson trainiert. Der 2009 verstorbene Engländer trat im Sommer 1996 die Nachfolge von Klub-Legende Johan Cruyff an. Er sollte nur eine Saison auf der Trainerbank der „Blaugrana“ verbringen, diese fiel mit dem Triple aus Supercopa, Copa del Rey und dem Gewinn des Cups der Cup-Sieger dafür umso erfolgreicher aus.

„Er war für uns wie ein Vater“, erinnert sich Torschützenkönig Ronaldo zurück. Robson, der in derselben Saison zu Europas Trainer des Jahres gewählt wurde, sah sich zwischendurch jedoch mit einigen Problemen konfrontiert. Als der Abstand zum späteren Meister Real immer größer wurde, fingen die Spieler an, seine Trainingsmethoden zu hinterfragen. Kein Wunder, schließlich wechselten von den 27 Profis des damaligen Kaders ganze 21 später ins Trainer- bzw. Sportdirektoren-Geschäft.

In einem Interview mit dem „Telegraph“ erinnert sich PSG-Coach Blanc zurück: „Bobby war sehr clever. Er kam mit einer recht angelsächsischen Denkweise nach Spanien. Nach und nach sagten ihm die spanischen Spieler, dass sie diese Methoden nicht gewohnt seien und Bobby antwortete, dass auch er seine Sichtweise adaptieren werde.“

Robson konnte mit Stars umgehen

Der talentierte Assistent

Ideologisch stand die Mannschaft noch sichtlich unter dem Einfluss von Robson-Vorgänger Cruyff, der als Vater der Barca-Schule gilt. Doch es war seine Flexibilität, die den alten Engländer auszeichnete. Einer, der ihm dabei half sich den spanischen Gegebenheiten anzupassen, war sein Assistent: Jose Mourinho. Schon in Portugal stand er seinem Mentor als Dolmetscher zur Seite. Bei Barcelona übernahm der nunmehrige Chelsea-Coach auch wichtige Trainer-Aufgaben.

„Er arbeitete wirklich hart und wusste sehr viel über verschiedene Systeme. Ich habe mich damals schon für Taktik interessiert, deswegen hatten wir gute Diskussionen“, erklärt Blanc. „Er sprach Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Englisch. Dadurch wurde er zum echten Vermittler innerhalb der ganzen Kabine.“

An einen Moment mit Mourinho erinnert sich der ehemalige Abwehrspieler, der bei seinem einzigen Jahr in Barcelona mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, noch ganz besonders. „Nach einem Monat im Amt wurde Robson für seine Trainingsmethoden kritisiert. Also ließ er Mourinho vor den Spielern eine Ansprache halten, weil der wusste, wie er mit uns reden musste. Ich denke, das war der Moment, als alles begann“, bezieht sich Blanc auf Mourinhos spätere Welt-Karriere.

Der Portugiese blieb auch nach Robsons Abgang, der nach einem weiteren Jahr bei Barca als General Manager zum PSV Eindhoven weiterzog, in Barcelona. An der Seite von Louis van Gaal eignete er sich noch mehr Fachwissen an. Der Rest ist Fußball-Geschichte.

Pep war anders

Blanc traf mit PSG im Achtelfinale auf seinen einstigen Betreuer Mourinho. In der Verlängerung wurde Chelsea mit einem 2:2 dank der Auswärtstorregel aus dem Turnier gekickt. Nun empfangen die Pariser – wie schon in der Gruppenphase – den FC Barcelona.

Dort eilt der frühere Flügelflitzer Enrique momentan von Erfolg zu Erfolg. Als Coach hat er die legendäre Barca-Philosophie genauso aufgesaugt wie Guardiola und Lopetegui. Die Beiden exportierten die katalanische Spielweise ins Ausland. Lopetegui, der als Ersatzgoalie in der Saison 1996/97 nur im Supercup spielte, beim FC Porto und Guardiola, das Hirn des damaligen Teams, beim FC Bayern.

Letzterer hob sich schon als Spieler vom Rest seiner Kollegen ab. Bei ihm war die Trainerkarriere  frühzeitig absehbar. „Pep beschäftigte sich sehr genau mit Video-Analysen und zeigte – für einen Spieler – ungeheures Interesse an technischen und taktischen Fragen“, erinnert sich Abelardo Fernandez im „Guardian“.

Barcelona als Trainer-Brutstätte

Der aktuelle Coach von Sporting Gijon gehört zu jenen Mitgliedern des 96/97er-Kaders, die ein wenig im Schatten der vier Spitzentrainer stehen. 14 weitere Spieler von damals sind auf verschiedene Arten als Trainer tätig (siehe Tabelle). Ivan de la Pena beispielsweise assistierte Enrique bei der AS Roma, Fernando Couto übte dieselbe Position bis vor einem Jahr bei Sporting Braga aus.

Oscar Garcia stand schon bei den englischen Zweitligisten Watford und Brighton an der Seitenlinie. Juan Pizzi, derzeit in Mexiko bei Leon tätig, trainierte davor für einige Monate den FC Valencia. Diese Fülle an Coaches, die der damalige Barca-Jahrgang herausbrachte, verwundert Hristo Stoichkov nicht.

„Das ist der beste Klub der Welt, bei dem man von den besten Spielern umgeben ist und von den besten Trainern lernen kann. Warum sollte ich also darüber überrascht sein?“, fragt der Bulgare, der unter anderem die Nationalmannschaft seines Heimatlandes betreute.

Stoichkovs ehemaliger Teamkollege Guillermo Amor, früher für Barcas Jugendabteilung verantwortlich, jetzt Sportdirektor in Adelaide, fügt hinzu: „Es ist schön, dass vier ehemalige Teamkollegen im CL-Viertelfinale stehen. Hoffentlich werden wir zumindest einen von ihnen auch im Finale sehen.“

 

Jakob Faber

Position Name Tätigkeit Aktueller Verein
Tor Vitor Baia Botschafter FC Porto
Carles Busquets Torwarttrainer FC Barcelona B
Julen Lopetegui Trainer FC Porto
Abwehr Abelardo Fernandez Trainer Sporting Gijon
Albert Ferrer Trainer ohne Verein
Laurent Blanc Trainer PSG
Fernando Couto Co-Trainer ohne Verein
Miguel Angel Nadal Sportdirektor Mallorca
Gheorghe Popescu Gefängnis (Korruption) -
Quique Alvarez Nachwuchstrainer FC Barcelona
Sergi Barjuan Trainer Almeria
Mittelfeld Guillermo Amor Sportdirektor Adelaide United (AUS)
Albert Celades Trainer Spanien U21
Ivan de la Pena Co-Trainer ohne Verein
Luis Enrique Trainer FC Barcelona
Luis Figo FIFA-Präsidentschaftskandidat -
Oscar Garcia Trainer ohne Verein
Pep Guardiola Trainer FC Bayern
Roger Garcia Co-Trainer Katalonien
Jose Mari Bakero Trainer ohne Verein
Goran Vucevic Sportdirektor Hajduk Split
Sturm Emmanuel Amunike Trainer Nigeria U17
Angel Manuel Cuellar unbekannt -
Giovanni Scout Olympiakos Piräus
Juan Pizzi Trainer Leon (Mexiko)
Ronaldo Miteigentümer Fort Lauderdale (USA)
Hristo Stoichkov Trainer ohne Verein
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