Ist Barca entthront? Eine Bestandsaufnahme

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Es mutete doch etwas seltsam an, die Anzeigetafel zu betrachten und dieser ein "4:0" zu entnehmen.

Der FC Bayern überrollte mit dem FC Barcelona schließlich nicht irgendeine Mannschaft, sondern die von vielen als "beste der Welt" titulierte Auswahl.

Viel entgegenzusetzen hatten die Katalanen der roten Lawine allerdings nicht.

Arjen Robben, Thomas Müller und Co. demonstrierten auch im Gigantentreffen, warum sie zu Recht von vielen Medien und Experten seit Monaten für ihren Spielstil gelobt werden.

Das Dreamteam entzaubert

Gegen Barca wurden die Räume eng gemacht, die Außen gedoppelt, die Stars aus dem Spiel genommen. Zudem bewiesen die Gastgeber auch im Halbfinal-Hinspiel der Champions League ihren Torriecher.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Bayern haben das Dreamteam aus Katalonien entzaubert und diesem die höchste Europacup-Niederlage dieses Jahrhunderts zugefügt.

Doch bedeutet das automatisch, dass Barca nun nicht mehr die Nummer 1 der Welt ist? Haben die Münchner damit den Thron erklommen? Oder gibt es gar einen lachenden Dritten, der sich an den beiden vorbei gemogelt hat?

Eine Bestandsaufnahme:

Dauerbelastung bei den Top-Klubs

Gemeinhin wird behauptet, dass die vier derzeit stärksten Mannschaften Europas den Sprung ins Halbfinale schafften. Da die Premier League weiter mit tonangebend ist, ManUnited nur hauchdünn an Real Madrid scheiterte und ligaintern souverän zum 20. Titel stürmte, wollen wir die "Red Devils" in diesen Vergleich mit aufnehmen.

Von den fünf Teams hat der FC Barcelona mit 53 Spielen die meisten in dieser Saison bestritten. Die Dauerbelastung aus Meisterschaft, Pokal und Champions League ist bei der Mannschaft von Tito Vilanova auch kaum zu übersehen.

Verletzungen und kleinere Wehwehchen häuften sich in der jüngeren Vergangenheit, als Paradebeispiel dient Lionel Messi. Seit Wochen schleppt er sich durch das Frühjahr, seine Leistung in München steht sinnbildlich dafür, dass manche Akteure eine Pause benötigen.

Wirklich groß ist der Unterschied zu den restlichen Top-Teams allerdings nicht. Schlusslicht Dortmund kommt auf 45 Matches, Real schließt mit dem Duell gegen den BVB sogar zum Erzrivalen auf.

Die Bayern siegen und siegen

In puncto Saisonsiegen trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Bayern halten mit 40 Erfolgen die Bestmarke, gefolgt von Barca (38) und United (35).

Noch beeindruckender wirkt die Bilanz des deutschen Rekordmeisters, wenn man bedenkt, dass die genannten Rivalen mehr Spiele auf dem Buckel haben. Daher lohnt sich auch ein Blick auf die Siegquote.

Hier liegen Alaba und Co. deutlich an der Spitze. Rund 85 Prozent ihrer Spiele gewann sie in dieser Saison, Barca (71,7 Prozent) und United (70 Prozent) folgen mit Respektabstand.

Real und der BVB liegen - in erster Linie durch ihre Schwäche in der jeweiligen Meisterschaft - abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier. Die meisten Niederlagen erlitten übrigens die "Red Devils" und das "weiße Ballett" mit je neun. Auch hier sind die Bayern (drei Niederlagen) das Maß aller Dinge.

 

BARCA BAYERN BVB MANUNITED REAL
Spiele 12/13 53 47 45 50 52
Bilanz (S-U-N) 38-8-7 40-4-3 27-11-7 35-6-9 33-10-9
Siegquote 71,7 % 85,1 % 60,0 % 70,0 % 63,5 %
Tore : Gegentore 142:60 134:26 106:49 106:57 129:54
Tore : Gegentore pro Spiel 2,68:1,13 2,85:0,55 2,16:1,09 2,12:1,14 2,48:1,04


LAOLA1-Meinung: Es ist mehr als eine Momentaufnahme, dass der FC Bayern derzeit so dominant auftritt. Die Münchner spielen zwar einerseits eine Ausnahme-Saison, stehen aber andererseits kurz vor dem dritten CL-Finaleinzug in vier Jahren - eine Bilanz, die weder der FC Barcelona, noch ein anderer Konkurrent vorweisen kann.

So gesehen ist es längst keine Sensation mehr, wenn man die Katalanen im direkten Duell bezwingt. Allerdings spielen Tagesform, Verletzungssorgen und das nötige Quäntchen Glück (man denke an die zahlreichen Abseitsfehler in letzter Zeit, aber auch an nicht gegebene Hand-Elfmeter) immer eine bedeutende Rolle.

Für die Truppe von Tito Vilanova kann dieses 0:4 auch Signalwirkung haben - ähnlich dem 2:5 der Bayern im letztjährigen Pokal-Finale gegen den BVB. Abschreiben darf man die Spanier nie - und wenn Messi erst einmal wieder zu alter Form zurückfindet, sollten sich die Gegner in Acht nehmen.

 

Christoph Nister


Abwehrproblem beim FC Barcelona

Wurde ihnen früher vorgeworfen, stets Dusel-Siege eingefahren zu haben, kann auch davon keine Rede mehr sein - Kantersiege sind längst keine Ausnahme mehr. Zwar hat der FC Barcelona mit 142 Treffern in absoluten Zahlen die meisten der fünf Protagonisten erzielt, in Sachen Tor-Schnitt führt aber erneut kein Weg an den "Roten" vorbei.

2,85 Treffer erzielen Mandzukic und Kollegen pro Spiel, womit sie die Tormaschine von der iberischen Halbinsel (2,68) überflügeln. Alles andere als geizig geben sich auch die restlichen Teams. Real trifft 2,48 Mal im Schnitt, der BVB 2,16 Mal, ManUnited 2,12 Mal.

Hochinteressant auch ein Blick auf die Gegentore. Hier erleben wir eine Zweiklassen-Gesellschaft. Der deutsche Meister muss im Schnitt nur rund jedes zweite Spiel hinter sich greifen, der Rest in jedem.

Speziell bei Barca entwickelt sich die Abwehr - auch aufgrund von Verletzungen - als Sorgenkind. 60 Gegentore bedeuten Höchstwert seit 2000/01, als man 78 Mal zuschauen musste, wie der Kontrahent jubelnd abdreht.

Ein Jammern auf hohem Niveau

Conclusio: Es ist ein Jammern auf hohem Niveau, das im Lager des FC Barcelona derzeit stattfindet, denn die "Blaugranes" gehören weiter zur absoluten Weltspitze und liegen in den meisten Kategorien vor Erzfeind Real, dem BVB und Manchester United.

Klar festgehalten werden muss allerdings auch, dass die Niederlage gegen den FCB aus München - über die Höhe darf freilich diskutiert werden - nicht von ungefähr kommt. Gemessen an nackten Zahlen, durchaus aber auch, was die spielerische Komponente betrifft, gibt es kein Vorbeikommen am Team von der Isar.

 

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