Atletico Madrid, das Stürmer-Eldorado

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Atletico Madrid und seine Stürmer, das funktioniert einfach.

Eine starke Truppe hatten die "Rojiblancos" in ihrer Geschichte oft, in den letzten Jahren waren es aber stets die Stürmer, die uneingeschränkt aus der Mannschaft herausstachen. Über einen Mangel an Tormaschinen musste man sich im Estadio Vicente Calderon jedoch ohnehin selten beklagen.

Zwischen 1945 und 1958 netzte Adrian Escuedero nach belieben für Atletico, in den 60er und 70er Jahren folgte Vereinslegende und Rekordtorschütze Luis Aragones. Hugo Sanchez kürte sich im Trikot der "Matratzenmacher" 1985 zum spanischen Torschützenkönig, bevor er sich diesen Titel mit Real weitere vier Mal sicherte – und lange bevor er 37-jährig für den FC Linz auf Torejagd ging.

Von Vieri und Hasselbaink

Oft hatten die Stürmer aber keine allzu lange Halbzwertstzeit, wie etwa Christian Vieri. Der Italiener kam 1997 für 15 Millionen Euro von Juventus und war ein Jahr und sagenhafte 24 Treffer in ebenso vielen Liga-Spielen später auch schon wieder weg. Mit satten zehn Millionen Gewinn wurde der Zuschauerliebling zu Lazio transferiert.

Ähnlich verhielt es sich mit Jimmy Floyd Hasselbaink. Der Niederländer, für den die Döblinger Vienna wenige Jahre zuvor nicht die notwendigen 500.000 wohlgemerkt Schilling aufwenden wollte bzw. konnte, wechselte 1999 von Leeds United nach Madrid. Auch er überzeugte mit einer starken Debütsaison (24 Tore in 34 Spielen), woraufhin er zurück nach England übersiedelte – zum FC Chelsea.

Womit sich der Kreis schließt und wir zurück in der Gegenwart wären. Denn Atleticos aktueller Stürmerstar Diego Costa wird ebenfalls mit einem Transfer zu den "Blues" in Verbindung gebracht. Zuerst gilt es für den gebürtigen Brasilianer am Mittwochabend aber noch, mit den "Rojiblancos" seinen vermeintlich zukünftigen Klub aus der Champions League zu schießen und selbst ins Endspiel einzuziehen.

Costa-Abgang würde Simeone nicht schocken

Costa, der Spätstarter und Provokateur, musste sich zwar über wiederholte Leih-Engagements zurück in den Fokus von Atletico spielen, schließt in dieser Spielzeit aber an die Tradition der großen Stürmer in Rot und Weiß an. 27 Tore in 33 Ligaspielen, sieben aus sieben in der Champions League, das macht Eindruck und sorgt dafür, dass am Manzanares hochdotierte Angebote eintrudeln.

Panik würde ein Abgang des Golagetters aber nicht verursachen, zu oft verließen große Stürmer in den letzten Jahren den Verein. 2011 verlor man mit Sergio Agüero und Diego Forlan gleich zwei Weltklasse-Angreifer auf einen Schlag, im vergangenen Sommer verabschiedete sich Falcao. Geschadet hat es Atletico nicht, im Gegenteil, es wurde immer noch stärker.

"Wenn Diego Costa sich entscheidet zu gehen, dann wird das für mich okay sein", blieb Trainer Diego Simeone unlängst gelassen. "Unsere Philosophie ist es, Spieler besser zu machen. Für uns ist das fundamental. Als Falcao nach Monaco ging, konnten wir es ihm auch nicht verweigern, bei dem, was er für uns geleistet hat."

Suche nach Ersatz

Man darf sich sicher sein, dass Simeone und Co. erneut Ersatz parat haben werden, wenn es soweit ist. Ciro Immobile vom FC Torino gilt, wie bei mehreren anderen Klubs, als heißer Kandidat. Auch Loic Remy, aktuell in Diensten von Newcastle, vertraglich aber noch an Zweitligist Queens Park Rangers gebunden, soll in den Überlegungen des spanischen Tabellenführers eine Rolle spielen. Vielleicht rückt ja auch David Villa wieder vermehrt ins Rampenlicht.

Oder gibt es doch die Lösung des Herzens? Jene, die Fußballromantiker sich wünschen und die auch in Madrid mit Sicherheit gut ankommen würde: Chelsea will Diego Costa, Atletico braucht einen neuen Stürmer und Chelsea hat einen, der bei Trainer Jose Mourinho nicht sonderlich hoch im Kurs steht. Was läge also näher, als den verlorenen Sohn Fernando Torres zurück nach Hause zu holen?

Was würde näher liegen …

"El Nino" nannten sie ihn damals. Als 11-jähriger stieß er zum Klub, unterschrieb als 15-jähriger einen Profivertrag, debütierte noch in der zweiten Liga für die Kampfmannschaft. Es folgte der Aufstieg – für Atletico in die Primera Division und für Torres zum Torjäger. Unter Trainer Luis Aragones reifte der schmächtige Madrilene zum Stürmer großen Formats, führte "Los Colchoneros" bereits im Alter von 19 Jahren als jüngster Kapitän der Geschichte an, ehe es ihn nach Liverpool zog.

Die Fans in Madrid haben es nicht vergessen, das Kind, das zum Mann wurde und sich zum Heldenstatus kickte. Der alles auf seiner Visitenkarte stehen hat, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt. Sie feierten Torres bei dessen Rückkehr mit Chelsea und offenbartem ihm ihre immer noch tief gehende Liebe. Eine Liebe, die er in London nie spürte.

Was würde also näher liegen, als die Rückkehr jenes Stürmers, dem seine Nachfolger in der Gunst der Fans nicht das Wasser reichen können, egal wie viele Tore sie auch schießen mögen. Was würde näher liegen, als die Rückkehr von "El Nino"?

 

Christoph Kristandl

Spieler
Zugang Tore (Spiele) Abgang
F. Torres 2001 Atletico B 59 (140) 2007 Liverpool (38 Mio. Euro)
S. Agüero 2006 Independiente (21 Mio. Euro) 100 (230) 2011 ManCity (45 Mio. Euro)
D. Forlan 2007 Villarreal (21 Mio. Euro) 96 (198) 2011 Inter Mailand (5 Mio. Euro)
Falcao 2011 Porto (47 Mio. Euro) 70 (91) 2013 Monaco (60 Mio. Euro)
D. Costa 2007 Braga (1,5 Mio. Euro) 63 (130) ?
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