Winter-Check 2015: SC Wr. Neustadt

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Alle Jahre wieder steckt der SC Wiener Neustadt mitten im Kampf gegen den Abstieg. Doch diesmal ist etwas anders als sonst.

Die Niederösterreicher haben nämlich gegen Ende der Herbstsaison den Trainer gewechselt. Heimo Pfeifenberger wurde durch Helgi Kolvidsson ersetzt. Waren die ersten drei Spiele unter dem Isländer vor der Winterpause noch von gegenseitigem Beschnuppern geprägt, geht es im Frühjahr ans Eingemachte.

Wieder einmal soll das scheinbar Unmögliche möglich gemacht werden. Der notorische Underdog bellt nach dem Abgang Stefan Maierhofers zwar nicht mehr so laut, dafür will er aber beißen, kratzen und kämpfen.

Abgesehen von Maierhofer wurden die wichtigsten Kaderspieler gehalten. Christian Deutschmann (Wacker Innsbruck) und Mario Ebenhofer (St. Pölten) wurden verliehen.

Mit dem Schweden Philip Hellquist (Djurgardens), Rückkehrer Dominik Hofbauer (St. Pölten) und Austria-Leihgabe Sebastian Wimmer sind drei neue Spieler zur Mannschaft gestoßen.

Wie diese konkret spielen soll, wird Kolvidsson vom Gegner abhängig machen. „Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, einfach nur unser Spiel durchzuziehen. Wir müssen flexibel reagieren“, sagt der Isländer.

Die Richtung, in die es gehen wird, kündigt er wie folgt an: „Wir müssen kompakter stehen und schnell umschalten.“

Auffällig im Kader des SCWN ist, dass fast alle Spieler mehrere Positionen bekleiden können, weshalb sich wohl auch im Frühjahr keine Stammformation herauskristallisieren wird.

TOR:

Thomas Vollnhofer geht als Nummer eins ins Frühjahr. Der 30-Jährige hat im Herbst in 16 Partien 40 Gegentreffer kassiert und nur vier Mal zu Null gespielt. Mit lediglich 65,2 Prozent gehaltenen Bällen konnte er nur selten glänzen. Vollnhofer wird sich steigern müssen, um seinen Teil zum Klassenerhalt beizutragen. Sein Backup ist Youngster Domenik Schierl, der im Herbst drei Mal zum Einsatz kam und dabei neun Gegentreffer hinnehmen musste. Christopher Stadler (21) ist der dritte im Bunde.

LAOLA1-Bewertung: Die Tormann-Position ist nicht gerade das Prunkstück der Niederösterreicher. Vollnhofer ist maximal solider Bundesliga-Durchschnitt.

ABWEHR:

Mit dem Kroaten Adam Susac, der erst Mitte Herbst verpflichtet wurde, hat ein Quasi-Neuzugang gute Chancen auf Spielzeit in der Innenverteidigung. Doch auch Mattias Sereinig, Dennis Mimm und Remo Mally kommen in Frage. Neuzugang Sebastian Wimmer kann ebenfalls als Innenverteidiger eingesetzt werden, ist aber eher im Mittelfeld angedacht. Die Zentrale in der Defensive ist jedenfalls der erfahrenste Mannschaftsteil des Schlusslichts. In der Rechtsverteidigung bahnt sich im Frühjahr eine Überraschung an. Tobias Kainz wurde von Trainer Helgi Kolvidsson umfunktioniert und hat sehr gute Chancen, sich gegen die Konkurrenten Reinhold Ranftl und Mario Pollhammer durchzusetzen. Mimm hat ebenfalls schon oft auf dieser Position gespielt. In der Linksverteidigung läuft es auf einen Zweikampf zwischen Youngster Lukas Denner und Routinier Mark Prettenthaler hinaus.

LAOLA1-Bewertung: Die Defensive muss sich im Frühjahr steigern und kompakter stehen – vor allem in der Innenverteidigung bestehen Zweifel, ob das gelingen kann. Kainz als Rechtsverteidiger ist eine interessante Variante.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Philip Hellquist (Djurgardens IF) Stefan Maierhofer (Millwall FC)
Dominik Hofbauer (SKN St. Pölten) Christian Deutschmann (Wacker Innsbruck, Leihe)
Sebastian Wimmer (Austria Wien, Leihe) Mario Ebenhofer (SKN St. Pölten, Leihe)

  MITTELFELD:

Conor O’Brien, der im Herbst zu den auffälligsten SCWN-Akteuren gezählt hat, und Christoph Freitag werden wohl auch unter Kolvidsson die Zentrale besetzen. Weil es mit Daniel Schöpf noch eine weitere, ähnliche Option gibt, wurde Kainz in die Rechtsverteidigung gezogen. Um nach Peter Hlinkas Abgang im Sommer auf dieser Position auch wieder einen kopfballstarken Spieler zu haben, wurde Sebastian Wimmer von der Austria ausgeliehen. In den offensiveren Rollen gibt es drei Akteure, die sowohl die Flügel, als auch die Zentrale hinter der Spitze besetzen können: Kristijan Dobras, der im Herbst sehr starke Herbert Rauter und Dominik Hofbauer. Der pfeilschnelle Osman Ali ist vor allem am rechten Flügel, wo auch Mario Pollhammer spielen kann, gefragt. Links in der Offensive kann auch Lukas Denner zum Einsatz kommen.

LAOLA1-Bewertung: Der stärkste Mannschaftsteil der Niederösterreicher. Hier droht in erster Linie Unzufriedenheit, weil nicht alle Kicker mit Stammplatz-Anspruch regelmäßig spielen können.

ANGRIFF:

Nach dem Abgang von Stefan Maierhofer war Wiener Neustadt zunächst auf der Suche nach einem ähnlichen Spielertypen, ist davon aber abgekommen. Neuzugang Philip Hellquist ist zwar nicht klein, aber bei weitem kein „Major“. Dafür ist Hellquist ein laufstarker Angreifer, der viel in die Defensive arbeitet und auch als hängende Spitze agieren kann. Mit dem talentierten Daniel Maderner steht sowieso ein Stürmer vom Typ „Brecher“ im Kader – seine Torgefahr ist aber noch ausbaufähig. Michael Tieber und Julian Salamon sind ebenfalls Optionen, nicht zuletzt als hängende Spitzen.

LAOLA1-Bewertung: Es wird viel davon abhängen, ob Hellquist einschlägt. Der Schwede hat gute Anlagen, glänzte in seiner Heimat aber nicht gerade mit Treffsicherheit. Es stellt sich die Frage: Wer soll die für den Klassenerhalt nötigen Tore machen?

TRAINER:

Nach etwas mehr als drei Jahren in der Ersten Liga bei Austria Lustenau ist Helgi Kolvidsson im November als Nachfolger von Heimo Pfeifenberger beim SC Wiener Neustadt präsentiert worden – etwas mehr als einen Monat nach seiner Beurlaubung im Ländle. Die Niederösterreicher sind die erste Bundesliga-Station des Isländers. Der 43-Jährige hat im Mai seine UEFA-Pro-Lizenz erworben und schickt sich nun an, mit dem Schlusslicht die Mission Klassenerhalt erfolgreich abzuschließen.

LAOLA1-Bewertung: Kolvidsson muss erst beweisen, ob er das Zeug für die Bundesliga hat. Vom Typ her scheint er jedenfalls zu den Niederösterreichern zu passen.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Tobias Kainz hat in seiner neuen Rolle als Rechtsverteidiger gute Chancen auf Einsatzzeit und sollte dort auch mehr Ballkontakte haben und Offensivaktionen einleiten als im defensiven Mittelfeld. Mit 0,7 Mio. Euro Marktwert ist der Steirer quasi ein Geschenk und auf jeden Fall einen Versuch wert.

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FÜNF FRAGEN:

Wird es im Frühjahr einen neuen Vereins-Präsident geben?

Es sieht derzeit ganz und gar nicht danach aus. Die Niederösterreicher haben sich zunächst aktiv nach einem Nachfolger für Manfred Rottensteiner, der sich im vergangenen April aus privaten Gründen von diesem Posten zurückgezogen hat, umgesehen. Das tun sie mittlerweile aber nicht mehr. Alle im Verein sind mit dem aktuellen Stand der Dinge glücklich – Ralph Spritzendorfer, Manfred Putzenlechner, Robert Schwarzmann und Joe Wöber führen als Vorstände den SCWN, darunter kümmern sich die beiden Manager Günter Kreissl und Alexander Gruber ums Tagesgeschäft. Sollte sich aber jemand entschließen, viel Geld in den Klub zu stecken, wäre es für die Wiener Neustädter denkbar, ihm auch den Präsidenten-Posten anzubieten.

Ist Helgi Kolvidsson der richtige Mann?

Das wird sich freilich erst nach der 36. Runde endgültig herausstellen. Der Isländer bringt allerdings etwas mit, was im beinharten Kampf gegen den Abstieg ein Trumpf sein kann – er geht mit einer gewissen Lockerheit an die Sache heran. Sein fröhliches Gemüt wird dafür sorgen, dass ein wenig Druck von der Mannschaft genommen wird. Zudem hat der 43-Jährige seine Familie nicht mit nach Wiener Neustadt gebracht, wird also 24 Stunden am Tag für die Aufgabe Klassenerhalt arbeiten. Dass er dem SCWN emotional nicht derart verbunden ist wie seinem Ex-Klub Austria Lustenau, könnte sich ebenfalls positiv auswirken. Kolvidsson muss jedoch erst beweisen, dass er der Bundesliga gewachsen ist.

Ist die große Flexibilität der Kaderspieler ein Vor- oder ein Nachteil?

Eher ein Vorteil. Fast alle Kaderspieler sind auf zwei oder sogar mehr Positionen zu Hause. Für Kolvidsson wichtig: „Ein guter Fußballer kann für mich alles spielen. Mir ist wichtig, dass die Spieler, wenn sie in den Positionen verschieben, im Spiel eine Zeit lang eine andere Position übernehmen können. Ich forciere das auch im Training.“ Weil der SCWN dem Gegner nur äußerst selten sein Spiel aufzwingen kann, ist Flexibilität gefragt. Diese Stärke könnte unter Umständen aber auch ein Problem werden. Weil viele Kaderspieler nämlich auch sportlich so ziemlich auf einem Level sind, werden jene, die nicht regelmäßig in der Startelf stehen, schnell einmal unzufrieden. Und das kann im Kampf gegen den Abstieg kein Verein gebrauchen.

Welche Spieler sollten die anderen Klubs im Frühjahr genau beobachten?

Es gibt einige SCWN-Akteure, die auch bei anderen Klubs eine gute Figur abgeben könnten. Kristijan Dobras wäre für den nächsten Entwicklungsschritt bereit. Mit Daniel Maderner haben die Niederösterreicher ein Stürmer-Talent im Kader, das wohl zur U20-WM nach Neuseeland fliegen darf. Conor O’Brien hat im Herbst eine gute Figur abgegeben und wird wohl im Frühjahr noch stärker werden. Und Neuzugang Philip Hellquist könnte auch für andere Bundesliga-Klubs interessant sein, wenn er die Erwartungen in Wiener Neustadt erfüllt.

Warum könnte es nach drei Runden fast schon vorbei sein?

Salzburg daheim, Sturm auswärts, Austria daheim – das Programm zum Start ins Frühjahr hat es für das Schlusslicht in sich. „Man kann es sich nicht aussuchen. Wir sind in der Anfangsphase gleich gefordert, uns ist bewusst, dass es nicht einfach wird“, sagt Kolvidsson. Die neuntplatzierte Admira hat aktuell drei Punkte Vorsprung, das wesentlich bessere Torverhältnis und das vermeintlich einfachere Auftakt-Programm (Altach auswärts, Rapid daheim, Ried auswärts). Wenn sich die Südstädter gleich zu Beginn einen Polster von sieben Punkten erspielen könnten, wäre es für den SCWN wohl fast unmöglich, noch einmal zurückzukommen.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Man wird den Eindruck nicht los, dass es die Niederösterreicher diesmal wirklich erwischt. Der Kader, den Neo-Coach Helgi Kolvidsson zur Verfügung hat, muss schon über sich hinauswachsen, um all die Skeptiker, die den Verein Saison für Saison als Fixabsteiger sehen, tatsächlich erneut Lügen zu strafen. Zu unsicher wirkt die Defensive, zu ungefährlich wirkt der Angriff. Und auch der Trainer selbst muss erst unter Beweis stellen, dass er in der Bundesliga arbeiten kann. Dass das engagierte Team rund um Manager Günter Kreissl alles tut, um Fans zu gewinnen und den Klub möglichst attraktiv darzustellen, steht außer Zweifel. Die Zuseher bleiben trotzdem größtenteils aus. Es wird wohl das schwierigste Frühjahr seit dem Aufstieg in die Bundesliga.


Harald Prantl

Redakteur Prognose SCWN
Peter Altmann 10.
Harald Prantl 10.
Martin Wechtl 10.
Alexander Karper 10.
Bernhard Kastler 9.
Andreas Terler 10.
Matthias Nemetz 10.
Jakob Faber 10.
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