Winter-Check: Wolfsberger AC

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Winter-Check 2015: Wolfsberger AC

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Nur einen Transfer hat der Wolfsberger AC in der Winterpause getätigt.

Trotzdem wurde in Sachen Personalplanung ein wichtiger Grundstein für die Zukunft gelegt. Denn die Kärntner verlängerten den Vertrag mit Didi Kühbauer bis Sommer 2016.

Der Trainer kann getrost als „Vater des Erfolgs“ bezeichnet werden. Seit Kühbauer das Amt im September 2013 übernommen hat, führte er den WAC vom Tabellenkeller auf Platz zwei. Zwischenzeitlich hatten die „Wölfe“ im Herbst sogar für vier Tage den ersten Rang inne.

Nach dem sensationellen Saisonstart konnte man in den letzten acht Spielen vor der Winterpause jedoch gar keinen Sieg mehr einfahren. Dementsprechend sollen die Leistungen im Frühjahr stabilisiert werden.

 „Wir wollen beim Kuchen bleiben, solange es geht, also oben dabei bleiben“, erklärt Kühbauer im LAOLA1-Interview. Im besten Fall soll am Ende sogar ein internationaler Startplatz herausschauen.

Am Transfermarkt haben sich die Wolfsberger im Winter zurückgehalten. Der einzige Neuzugang heißt Herve Oussale, kommt aus Burkina Faso und soll im Sturm die Alternative zu Tadej Trdina sein.

Mit der Rückkehr der beiden Langzeitverletzten Manuel Seidl und Peter Tschernegg kann Kühbauer im Mittelfeld auf zwei  zusätzliche Alternativen bauen. Bei Letzterem wird es allerdings noch ein bisschen dauern, bis er ein Fall für die Stammelf ist. Nach seinem Kreuzbandriss kehrte der Ex-Grödiger erst Mitte Jänner wieder ins Mannschaftstraining zurück.

Im Herbst zeichnete den WAC vor allem eine sichere Defensive aus. Nur 21 Gegentreffer – die wenigsten aller Bundesliga-Vereine – musste  Tormann Alexander Kofler hinnehmen. Nach vorne hin setzte Kühbauer auf eine recht robuste Spielweise.

Mit acht Kopfball-Toren haben die Wolfsberger bisher die meisten der ganzen Liga erzielt. Nicht nur im Strafraum, auch im Aufbau aus der Abwehr setzte man auf viele lange Bälle, um anschließend schnörkellos und effektiv über die Flügel nach vorne zu spielen.

Zukünftig könnten auch aus dem defensiven Mittelfeld mehr spielerische Impulse kommen. Dafür sollten zumindest die Rückkehrer Seidl und Tschernegg sorgen – beide sind Kandidaten für die Position neben Manuel Weber auf der Doppelsechs. Im Vergleich zum bisher gesetzten Boris Hüttenbrenner, dessen Stärken mehr im Spiel gegen den Ball liegen, lässt das auf eine Steigerung puncto Passqualität und -quantität hoffen.

 TOR:

Im Herbst war Alexander Kofler einer der Erfolgsgaranten für den zweiten Tabellenplatz der Wolfsberger. Der 28-jährige Spätzünder bekam vor der Saison von Kühbauer das Vertrauen ausgesprochen und etablierte sich infolgedessen als einer der besten Torhüter der Liga. Nur 21 Tore kassierte der Ex-Lustenauer, obwohl seine Abwehr die drittmeisten Torschüsse zuließ. Im Schatten von Kofler schmort die ehemaligeNummer eins Christian Dobnik auf der Bank. Mit ihm verfügen die Kärntner über einen verlässlichen Backup. Einen dritten Tormann sucht man im Kader vergeblich. Im Falle einer Verletzung muss einer der beiden Amateure-Goalies, Rene Robitsch oder Marko Soldo, ran.

LAOLA1-Bewertung: Der WAC ist auf der Torhüterposition ausgezeichnet aufgestellt. Kofler bewies im Herbst seine Klasse und wird auch weiterhin starke Leistungen erbringen. Ist dies nicht der Fall, kann Kühbauer mit Dobnik stets auf einen anderen soliden Bundesliga-Goalie zurückgreifen.

 ABWEHR:

Neben Goalie Kofler trugen im Herbst natürlich auch die Verteidiger ihren Teil zum WAC-Defensiv-Bollwerk bei. Michael Sollbauer und Nemanja Rnic bildeten zusammen ein verlässliches Duo in der Innenverteidigung. Der Kärntner Lokalmatador fehlte im letzten Test eine Woche vor dem Frühjahrs-Auftakt krankheitsbedingt. Statt ihm kam Hüttenbrenner beim 4:1 gegen Rudar Velenje im Abwehrzentrum zum Einsatz. Gut möglich, dass Kühbauer den zweikampfstarken Steirer aufgrund des Überangebots im defensiven Mittelfeld ins Abwehrzentrum beordert. Dann müsste einer der Stamm-Verteidiger für ihn Platz machen. Mit Daniel Drescher gibt es einen weiteren soliden Ersatzmann. Auf den Außenbahnen sind Dauerbrenner Joachim Standfest und Stephan Palla gesetzt. Links schielt aber auch Dario Baldauf auf einem Platz in der Startelf. Mit Michael Berger hat Standfest einen verlässlichen Ersatzmann.

LAOLA1-Bewertung: Die Wolfsberger Abwehr gehörte im Herbst zu den stärksten der Liga und wird auch im Frühjahr nur schwer zu knacken sein. Mit Hüttenbrenner könnte ein gelernter Mittelfeldspieler in der Innenverteidigung für mehr Dynamik im Spiel nach vorne sorgen. Überhaupt sind die Wolfsberger in diesem Mannschaftsteil auch in der Breite gut besetzt.

     MITTELFELD:

Hatten Hüttenbrenner und Weber im Herbst noch ihren Stammplatz sicher, so drängten sich in der Winterpause gleich mehrere Kandidaten für das defensive Mittelfeld auf. Neben den beiden Langzeitverletzten Seidl und Tschernegg hinterließ auch Roland Putsche in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Mit Stefan Schwendinger besitzt Kühbauer noch ein 20-jähriges Talent in der Hinterhand. Letztlich wird es in den ersten Spielen wohl auf eine Kombination aus Weber und Seidl hinauslaufen, sofern der ehemalige Mattersburger seine Knieprobleme in den Griff bekommt. Ansonsten würden Putsche und Hüttenbrenner parat stehen. Davor gilt Peter Zulj als erster Kandidat auf den Platz im offensiven Mittelfeld, obwohl auch der nominell links beheimatete Jacobo oder Stürmer Silvio dort spielen könnten. Auch außen drängen sich mehrere Kandidaten auf. Rechts kämpfen Christoph Wernitznig, Manuel Kerhe und Rene Seebacher um den Posten vor Standfest. Auf der Gegenseite hat wohl Jacobo die Nase vorne, wobei auch Wernitznig dort zum Einsatz kommen könnte. Der fünffache Saisontorschütze zeigte sich in der Vorbereitung abermals torgefährlich.

LAOLA1-Bewertung: Trainer Kühbauer stehen im Mittelfeld viele verschiedene Spielertypen auf hohem Niveau zur Verfügung. Es liegt an ihm, je nach Gegner die richtigen Profis für sein Konzept zu finden. Die Rückkehr der Langzeitverletzten Seidl und Tschernegg stärkt die Qualität. Wie schnell die beiden jedoch wieder Top-Leistungen erbringen können, wird sich zeigen.  

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Herve Oussale (CF Mounana) -

ANGRIFF:

Nur sechs der 28 WAC-Tore wurden im Herbst von Stürmern erzielt. Fünf davon gehen auf das Konto von Tadej Trdina, der im Angriff bisher so etwas wie der Alleinunterhalter war. Neuzugang Oussale soll das ändern. Mit dem beweglichen Angreifer sichert sich Kühbauer eine Alternative zum Slowenen, der seine Stärken vor allem bei hohen Bällen hat. Der Brasilianer Silvio wird auch im Frühjahr vor allem von der Bank zu seinen Einsätzen kommen. Attila Simon befindet sich dagegen am Abstellgleis. Der 32-jährige Ungar wird wohl nur noch seinen bis Saisonende laufenden Vertrag aussitzen.

LAOLA1-Bewertung: Trotz der Verpflichtung von Oussale bleibt der Angriff der am schwächsten besetzte Mannschaftsteil des WAC-Kaders. Stammangreifer Trdina ist ein fleißiger Arbeiter, der vor allem die hohen Bälle gut verarbeiten kann. Trotzdem müssen von ihm noch mehr Tore kommen. Mit Oussale sitzt ihm nun immerhin ein ernstzunehmender Konkurrent im Nacken. 

TRAINER:

Im Herbst setzte Kühbauer auf eine kompakte Defensive und effektive Konter. Mit dieser simplen Strategie fuhren er und der WAC zunächst einen Sieg nach dem anderen ein. Im Laufe der Saison nützte sich diese Spielweise jedoch ab. Nun ist der Burgenländer gefordert, sein Team variabler und spielerisch stärker zu machen. An der Seitenlinie lebt er genau jene Leidenschaft vor, die er von seinen Spielern verlangt.

LAOLA1-Bewertung: Kühbauer hat den Klub erst dorthin geführt, wo er jetzt steht. Nun muss er aber beweisen, dass er dem WAC auch einen zweiten Anzug verpassen kann. Gelingt ihm das, dann empfiehlt er sich einmal mehr für höhere Aufgaben.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Manuel Weber war im Herbst einer der besten Sechser der Bundesliga. Auch im Frühjahr wird er wieder eine tragende Rolle bei den Wolfsbergern spielen. Im Manager kostet der verlässliche Mittelfeldspieler nur 1,84 Mio. Euro. So billig ist ein Leistungsträger nur selten zu haben.  Zuschlagen!

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FÜNF FRAGEN:

Wann klopft Real Madrid endlich bei Joachim Standfest an?

Der 34-jährige Wolfsberg-Routinier ist ein Phänomen. Noch immer beackert er unermüdlich die Seitenlinien dieser Liga. Dabei hat ihn Sturm schon 2012 in die zweite Liga zu Kapfenberg abgeschoben. Beim WAC führt der unermüdliche „Jokl“ den Grazern jede Woche aufs Neue vor, was für ein schwerer Fehler das war. Kühbauer setzte den Steirer im Herbst gegen Salzburg sogar einmal im defensiven Mittelfeld ein. Auch dort brillierte der Ex-Nationalspieler, der in dieser Saison zwei Tore und vier Assists gesammelt hat. In Wolfsberg hat Standfest übrigens noch eine Mission zu erfüllen. Bisher hat er mit jedem Bundesligisten, für den er gespielt hat, einen Titel (Cup und/oder Meisterschaft) geholt. Vielleicht klappt es ja auch noch mit den Kärntnern.

Ist Herve Oussale der neue Issiaka Ouedraogo?

Beide kommen aus Burkina Faso, beide gelten als bewegliche Stürmertypen und beide stehen bei Didi Kühbauer hoch im Kurs. Mit Herve Oussale holte sich der WAC-Coach einen Angreifer ins Boot, der an seinen ehemaligen Admira-Schützling Issiaka Ouedraogo erinnert. Das sieht auch Kühbauer selbst so. „Sie sind sich sehr ähnlich. Solange sie am Platz stehen, sind sie auf 100 Prozent. So ein Spielertyp hat uns gefehlt. Wenn er Tore auch noch schießt, ist das die optimale Konstellation“, spielt der Burgenländer auf die nicht immer optimale Chancenverwertung Ouedraogos an. Im Sinne des WAC gilt also zu hoffen, dass sich die beiden nicht auch in diesem Punkt ähneln.

Sind Spielabsagen zu erwarten?

Nein. Spielabsagen gehören beim WAC mittlerweile der Vergangenheit an. Lässt der schneebedeckte Rasen in der Lavanttal-Arena kein Match zu, dann weichen die Wolfsberger einfach ins rasenbeheizte Wörtherseestadion nach Klagenfurt aus -  so auch am Samstag, wenn dort die Austria empfangen wird. Danach spielt den Kärntnern der Spielplan in die Hände, denn das nächste Heimspiel findet erst im März statt und sollte deswegen direkt in Wolfsberg über die Bühne gehen können. Nächste Saison werden all diese Diskussionen Geschichte sein. Im Sommer bekommt die Lavanttal-Arena nämlich selbst eine Rasenheizung verpasst. 

Wird nach der Mannschaft auch endlich die Infrastruktur bundesligareif?

Neben der Rasenheizung kündigte Präsident Dietmar Riegler auch andere Verbesserungen puncto Infrastruktur an. Trainer Kühbauer versprach er bei dessen Vertragsverlängerung den Bau eines neuen Trainingsplatzes. Das war eine der Bedingungen Kühbauers bei den Verhandlungen über einen neuen Kontrakt. „Wir brauchen kein Trainingszentrum, aber ein Top-Platz zum Trainieren würde mir eine riesige Freude machen“, sagte der 43-Jährige. Zudem verfügen die Wolfsberger seit letztem Sommer, als die Nachwuchs-Akademie in Klagenfurt übernommen wurde, über professionellere Strukturen in der Ausbildung. Schön langsam nimmt also auch das sportliche Umfeld beim WAC bundesligareife Formen an.

Setzt sich der Abwärtstrend fort?

Trainer Kühbauer gibt vor dem Frühjahrs-Auftakt die internationalen Plätze als Saisonziel aus. Der WAC in der Europa League? Das wäre eine Sensation. Dazu muss allerdings der Abwärtstrend aus dem Herbst gestoppt werden. Acht Spiele in Folge haben die Wolfsberger zuletzt nicht gewonnen, die „Wölfe“ sind ausrechenbar geworden und haben an Biss verloren. Im Frühjahr gilt es nun, neu durchzustarten. Dafür heizte Kühbauer in der Vorbereitung den Konkurrenzkampf ordentlich an. In den Testspielen setzte er jeweils eine andere Startelf ein.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Glaubt man den Tipps der LAOLA1-Redakteuren, so wird der Wolfsberger AC den zweiten Platz nicht halten können. Mit Rapid, Sturm und der Austria sitzen den "Wölfen" drei Klubs im Nacken, die von der Kader-Qualität her über die Kärntner zu stellen sind. Zudem war nach dem fulminanten, aber auch glücklichen Saisonstart im Herbst der Wurm drinnen. Das "Wolfsrudel" ist ausrechenbar geworden. Coach Kühbauer, der in seinem Kader auf viele unterschiedliche Spielertypen bauen kann, muss seine Trainerkollegen nun mit neuen Varianten überraschen. Dann ist der WAC ein ernstzunehmender Kandidat für die internationalen Startplätze. Ein guter Trainer sowie ein vor allem in Abwehr und Mittelfeld ausgeglichener Kader machen es möglich.


Jakob Faber

Redakteur Prognose WAC
Peter Altmann 6.
Harald Prantl 6.
Martin Wechtl 6.
Alexander Karper 6.
Bernhard Kastler 4.
Andreas Terler 5.
Matthias Nemetz 6.
Jakob Faber 6.
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