Winter-Check 2015: SV Ried

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Es war zweifellos ein durchwachsener Herbst für die SV Ried.

Nachdem mit Oliver Glasner die Cheftrainer-Position neu besetzt wurde und zum Auftakt ein 3:1-Heimsieg gegen Wr. Neustadt gefeiert werden konnte, gab es im ersten Viertel keinen weiteren Erfolg.

Als die "Wikinger" den letzten Platz belegten, machten sie das, was sie am besten können: ruhig bleiben und kontinuierlich weiterarbeiten.

Schlussendlich folgten vier Siege im zweiten Viertel und ein 6:0 gegen Wr. Neustadt zum Auftakt der Rückrunde im Dezember.

Ins Frühjahr gehen die Oberösterreicher, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Wieder-in-der-Bundesliga-Jubiläum feiern, kaum verändert.

De facto war kaum einer früher mit dem Transferprogramm fertig als Ried.

Petar Filipovic wurde wie Michele Polverino bereits im Dezember unter Vertrag genommen, Toni Vastic wurde im beidseitigem Einvernehmen Anfang Jänner zur Admira abgegeben.

Die Zielsetzung für das Frühjahr ist ziemlich simpel: Nichts mit dem Abstieg zu tun haben und "sich in allen Bereichen weiterzuentwickeln", wie Oliver Glasner zuletzt im LAOLA1-Interview erläuterte.

TOR:

Thomas Gebauer ist nicht nur Kapitän, sondern auch seit Jahren die Nummer eins der SV Ried. Da ändert sich freilich auch im Frühjahr nichts. Der 32-Jährige ist ein absolut solider Bundesliga-Torhüter mit besseren und schlechteren Partien. Zwei Junge drängen sich hinter ihm auf, nämlich Lorenz Höbarth (23) und Reuf Durakovic (20). Man darf gespannt sein, ob sie den Druck erhöhen können. Gebauers Vertrag läuft im Sommer aus.

LAOLA1-Bewertung: Die Tormann-Position ist mit Thomas Gebauer seit Jahren ausreichend gut besetzt. Er bringt innerhalb einer jungen Mannschaft die nötige Routine mit. Dahinter lauern zwei junge und Bundesliga-unerfahrene Keeper.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Michele Polverino (FC Vaduz) Toni Vastic (Admira)
Petar Filipovic (NK Slaven Belupo Koprivnica) Thomas Burghuber (leihweise zu Vöcklamarkt)

ABWEHR:

Es läuft, wie die Testspiele zeigen, alles auf eine Dreierkette im Frühjahr hinaus. Beim 6:0 gegen Wiener Neustadt im letzten Spiel der Herbstsaison hat Gernot Trauner etwa den Part in der Mitte gespielt. Und es sieht so aus, als ob das auch so bleiben würde. Links und rechts scheinen Harald Pichler bzw. Bernhard Janeczek gesetzt, Thomas Reifeltshammer könnte im Frühjahr allerdings auf allen diesen drei Positionen mehr Druck auf seine Konkurrenten ausüben als noch im Herbst. Denis Streker ist auch ein Kandidat für die zentrale Position, ebenso im Fall der Fälle der junge Emrah Krizevac. Sollte doch wieder die Viererkette ausgepackt werden, sind links Oliver Kragl und Neuzugang Petar Filipovic ein Thema. Rechts Stefan Lainer und Julian Baumgartner, der nach Schien- und Wadenbeinbruch wieder am Platz steht.

LAOLA1-Bewertung: Die Abwehr ist mit Spielern gespickt, die ihre Bundesliga-Tauglichkeit schon lunter Beweis gestellt haben. Mit Petar Filipovic kam ein Linksverteidiger, der der Defensive mehr Tiefe gibt. Summa summarum solide.

MITTELFELD:

Mit einer Dreierkette in der Abwehr wird Glasner das Team wie öfters im Herbst im 3-4-3-System auf das Feld schicken, es kann aber auch als gutes, altes, Gludovatz'sches 3-3-3-1 gewertet werden. Für den defensiven Part gibt es mit Marcel Ziegl, Denis Streker sowie Michele Polverino drei gute Alternativen. Rechts haben Stefan Lainer und links Oliver Kragl die besten Karten, alternativ wiederum Julian Baumgartner und Petar Filipovic. Offensiv sollten Linksaußen Patrick Möschl und rechts Clemens Walch ihre Plätze finden, zentral Didi Elsneg. Thomas Murg ist vor allem im Zentrum die erste Alternative, wird aber auch auf die beiden Außen Druck ausüben. Alternativen für die Außen sind auch der nicht mehr so junge Gabriel Schneider (25), Kevin Brandstätter (ehemals Kevin Metze/19) sowie Stürmer Thomas Fröschl bzw. die Youngsters Luca Mayr-Fälten (18) und Jakob Kreuzer (20).

LAOLA1-Bewertung: Qualität und Quantiät bieten hier viele Alternativen. Mit Michele Polverino haben die Rieder einen guten Griff getan, der die Liga kennt. Und so haben sie auch eine Alternative mehr als im Herbst. Das ist in Ried stets ein wichtiger Faktor.

ANGRIFF:

Mit Denis Thomalla haben die Rieder einen Stürmer, der die wichtigen Tore erzielen kann. Wie etwa beim Schlüsselspiel in Wr. Neustadt (1:0). Dahinter gibt es mit Julius Perstaller und Thomas Fröschl erfahrenere und mit Jakob Kreuzer und Luca Mayr-Fälten unerfahrenere Mittelstürmer. Im Fall der Fälle ist Didi Elsneg für die Spitze auch eine Möglichkeit, da müsste es aber schon mit dem (Verletzungs-)Teufel zugehen. Der spanische Stürmer Manuel Gavilan war ein Thema, schließlich aber zu teuer.

LAOLA1-Bewertung: Klar, Rene Gartler war mit 15 Toren pro Saison eine andere Kategorie. Aber Thomalla hat den Riecher für eine zweistellige Toranzahl. Die Joker Perstaller und Fröschl sind als solche erfolgreich, aber es hatte schon einen Grund, warum Thomalla verpflichtet wurde, als die Saison schon lief.

TRAINER:

Oliver Glasner stand in seiner ersten Halbsaison in der Kritik, konnte die Mannschaft aber auch vom letzten Platz wegbefördern. Es ist dies seine erste Station als Cheftrainer, so muss ihm die Eingewöhnungszeit gestattet sein. Die Mannschaft erreicht der frühere Co-Trainer von Roger Schmidt, das ist offensichtlich. Die Spielidee vollends umzusetzen, auch das braucht Zeit, siehe Schmidts erstes Jahr in Salzburg. Die Richtung stimmte am Ende der Herbstsaison. Nach einer guten Wintervorbereitung kann Glasner den Eindruck bestätigen.

LAOLA1-Bewertung: Sollte Glasner das zweite Saisonviertel im Frühjahr bestätigen und Spieler bzw. Mannschaft sichtbar weiterentwickeln können, wird die Ära Glasner eine lange bei den Wikingern.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Nein, es war nicht der Herbst des Thomas Reifeltshammer, aber es könnte sein Frühjahr werden. Der frühere Abwehrchef pirscht sich wieder heran und könnte sich am Ende einen Stammplatz ergattern. 0,7 Mio. - das ist alles, aber nur kein Risiko!

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FÜNF FRAGEN:

Ist Oliver Glasner die langfristige Antwort?

Sein Vorgänger und Kumpel Michael Angerschmid musste mit Ende der vergangenen Saison seinen Stuhl räumen. Manager Stefan Reiter will nicht noch einmal so schnell solch eine Entscheidung fällen, zumal es sich im Frühjahr 2014 zu einem ungewohnten Rieder Theater entwickelte. Die Arbeit von Glasner wird hörbar geschätzt, die zwei Jahre als Co-Trainer bei Roger Schmidt taten dem 40-Jährigen für seine erstmalige Rolle als Chef gut. Der Coach bringt das Knowhow und die soziale Komponente (war bei Angerschmid scheinbar nicht zu einhundert Prozent so) mit - und er ist ein Rieder Urgestein, der den Verein bestens kennt. Das ist ein überaus gutes Fundament, denn aus der ersten Krise hat er auch schon herausgefunden.

Schlägt Thomas Murg so richtig ein?

Seine Verpflichtung im Sommer von der Wiener Austria durfte durchaus als Coup bezeichnet werden, von den Einsätzen und Einsatzminuten könnte der Steirer auch zufrieden sein, doch hinsichtlich der Ausbeute hat der 20-Jährige noch Luft nach oben. Zwei Tore, ein Assist. Klar, Murg ist erst ein halbes Jahr hier und jung. Aber wer ist Letzteres bei Ried nicht? Es muss sein Anspruch sein, einen Stammplatz zu ergattern. Seine Vielseitigkeit hilft ihm, jemanden zu verdrängen, doch das Beispiel Toni Vastic zeigt allerdings auch, dass nicht jedes Talent bei der Talenteschmiede im Innviertel aufgehen muss. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied...

Wie geht es mit dem Kader weiter?

Nach der Transferzeit ist vor der Vertragsverlängerungszeit. Und da kommt auf Manager Stefan Reiter einiges an Arbeit zu. Denn zwölf Verträge laufen im Sommer aus, nur wenige (von Julius Perstaller, Thomas Fröschl und Bernhard Janeczek) sind mit Optionen versehen. Bei Kapitän Thomas Gebauer, Clemens Walch, Gernot Trauner und Harald Pichler darf man gespannt sein, ob wirklich alle Arbeitspapiere erneuert werden (können). Da spielen freilich auch wirtschaftliche Aspekte mit. Es wäre nicht das erste Mal, dass Ried in so einem Fall passen muss. Bei Denis Thomalla läuft der Leihvertrag mit Leipzig aus. Jüngere bzw. unerfahrenere Spieler wie Lorenz Höbarth, Gabriel Schneider, Luca Mayr-Fälten und Emrah Krizevac haben es im Frühjahr selbst in der Hand. Aber auch hier wäre es nicht das erste Mal, dass Ried ein Talent ziehen lässt. Klar ist: Manager Reiter hat oftmals genug bewiesen, dass er einen Bundesliga-tauglichen Kader zusammenstellen kann. Da braucht man sich in Ried keine Sorgen zu machen.

Was passiert rund um den Verein?

Stillstand ist auch in Ried ein Rückschritt, so wird stets darauf geachtet, die nächsten Schritte für eine positive Zukunft zu setzen. Das Motto lautet "kontinuierliche Weiterentwicklung". 2015 wird daher mit dem Neubau des Trainingszentrums für die Profi-Mannschaft gestartet. An diesem Freitag wird auch der neue Vorstand und das neue Präsidium beim "Schwarz-grünen Fußballabend" der Öffentlichkeit vorgestellt - weiters gibt es die Präsentationen der neuen Struktur sowie des neuen Funktionsgebäudes. Im Gegensatz zum Frühjahr 2014 wird es rund um den Verein ruhig zugehen. Zumal man auch aus diversen Fehlern hinsichtlich der Kommunikation gelernt hat.

Kommen 2015 wieder mehr Zuschauer in die Keine-Sorgen-Arena?

Mit weniger als 4.000 Fans im Durchschnitt verbuchte die SV Ried im Herbst den niedrigsten Schnitt seit dem Wiederaufstieg 2005. Im Normalfall sollte sich dieser im Frühjahr wieder steigern, denn nach der Winterpause kommt als Erster Salzburg in die Arena sowie im Frühling - also bei besseren Temperaturen - dann die anderen Zugpferde namens Sturm, Rapid und Austria. Im ersten Viertel lief es nicht nach Wunsch, es gab Unruhe, auch das hielt die Zuschauer wohl etwas ab. Sollte das dritte Viertel ähnlich positiv bestritten werden, wie das zweite, kommen auch wieder mehr Leute. Plus: Sollte der LASK aufsteigen, kommt im Herbst das Kräftigste aller Zugpferde dazu.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Ried hat sich im zweiten Saisonviertel plus dem 6:0 gegen Wiener Neustadt zum Auftakt der Rückrunde einen Polster von acht Punkten auf das Schlusslicht aus Niederösterreich herausgespielt. Die Gefahr ist, auch ob des Auftakts bei Rapid und gegen Salzburg, noch nicht gebannt, aber ganz in Sicherheit dürfen sich die Innviertler auch nicht wiegen. Tun sie auch nicht, haben sie noch nie und werden sie auch nie - überheblich zu sein passt dort nicht hin. In der Ruhe liegt die Kraft, das zeigte einmal mehr der Herbst. Punktuelle, gute Neuverstärkungen, die in Ausfallszeiten dem Kader die wichtige Tiefe geben, waren wichtig. Ansonsten gilt es, die Mannschaft unter Neo-Trainer Oliver Glasner weiter zu entwickeln. Platz fünf, der womöglich einen Europacup-Platz bedeutet, wird nur schwer zu erreichen sein.


Bernhard Kastler

Redakteur Prognose Ried
Peter Altmann 7.
Harald Prantl 7.
Martin Wechtl 7.
Alexander Karper 8.
Bernhard Kastler 7.
Andreas Terler 7.
Matthias Nemetz 7.
Jakob Faber 7.
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