Winter-Check 2015: Red Bull Salzburg

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Salzburg hat sehr gute Chancen, seinen Meistertitel zu verteidigen.

Das gelang in der bald zehnjährigen Red-Bull-Ära nur einmal und das ist wiederum schon fünf Jahre her.

Auch sonst ist die Zielsetzung klar: Der Cup-Titel soll ebenfalls verteidigt und in der Europa League die erste Runde gegen La-Liga-Klub Villarreal überstanden werden.

Diese Mission gehen die „Bullen“ allerdings mit einem veränderten Gesicht an. Eine Rekord-Wintertransferzeit brachte mitunter den Abgang der beiden Liga-Stars Kevin Kampl und Alan für 23 Millionen Euro.

Der Slowene wechselte für die festgeschrieben Ablösesumme von zwölf Millionen Euro zu Borussia Dortmund, Alan für elf nach China zu Guangzhou Evergrande. Mit Sadio Mane (im Sommer für 15 Millionen nach Southampton) spülte das Trio 38 Millionen Euro in die RBS-Kassen.

Für weitaus weniger verpflichtete Sportchef Ralf Rangnick, der sich ab Sommer ganz auf RB Leipzig konzentrieren und intern „nachbesetzt“ wird, die potenziellen Nachfolger Takumi Minamino (von Cerezo Osaka) und Marco Djuricin (von Sturm).

Neben ein paar Rochaden (Nils Quaschner nach Leipzig und zurück, Yordy Reyna via Grödig nach Leipzig, Rodnei nach Leipzig) kamen einige Youngsters (endgültig) in die "Erste": Duje Caleta-Car, Felipe Pires (FC Liefering) und David Atanga (RB Ghana).

Hee-Chan Hwang (Pohang Steelers) soll sich vorerst in Liefering weiterentwickeln.

 

TOR:

Peter Gulacsi hat sich im Herbst den einen oder anderen Schnitzer geleistet, ist aber weitestgehend sicher und glänzt zudem mit einigen sehenswerten Paraden. Mit seinem Torhüterspiel darf sich der Ungar berechtigte Hoffnungen machen, den Titel "Bester Torhüter der Saison" zu verteidigen. Mit Alexander Walke hat Salzburg auch die beste Nummer zwei im Tor stehen. Liefering-Keeper Fabian Bredlow komplettiert das Trio.

LAOLA1-Bewertung: Das Beste, was die Liga im Gesamten im Kasten zu bieten hat. Mit Cican Stankovic kommt ab Sommer noch eine Verstärkung dazu. Sollte Gulacsi über den Sommer hinaus bleiben, wird das ein sehr heißes Duell um die Nummer 1.

ABWEHR:

Im Normalfall bildet sich die Viererkette von selbst: Sollten alle Protagonisten fit sein, spielen Martin Hinteregger (links) und Andre Ramalho (rechts) in der Innenverteidigung sowie außen Andreas Ulmer (links) und Christian Schwegler (rechts). Im Zentrum werden Duje Caleta-Car und Asger Sörensen als Nachfolger aufgebaut, Lukas Gugganig ist als Kooperationsspieler ebenso eine Möglichkeit wie Dauer-Alternative Stefan Ilsanker (spielte es etwa im letzten Test). Isaac Vorsah kämpft weiter mit seinem Kreuzbandriss (erlitten im Mai 2013), befindet sich auf Reha und wird bis Vertragsende im Sommer wohl nicht mehr für Salzburg auflaufen. Auf den Außen sind Peter Ankersen (rechts) und Benno Schmitz (links) Alternativen. In einem verletzungsreichen Herbst durfte sich auch Valentino Lazaro schon als Rechtsverteidiger versuchen.

LAOLA1-Bewertung: Für die Liga wohl ausreichend, aber die internationale Reifeprüfung in Malmö wurde (ohne Top-Besetzung und mit riskanter Startelf) nicht bestanden. Die jungen Alternativen haben zwar bewiesen, dass sie mehr als nur einspringen können, doch ein routinierterer Zugang hätte nach dem Abgang des wieder fitten Rodneis sowie dem Karriereende von Franz Schiemer gut getan - vor allem im Herbst hatte man hier großes Verletzungspech.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Marco Djuricin (Sturm) Kevin Kampl (Dortmund)
Takumi Minamino (Cerezo Osaka) Alan (Guangzhou Evergrande)
David Atanga (RB Ghana) Rodnei (RB Leipzig)
Duje Caleta-Car (FC Liefering) Franz Schiemer (Karriereende)
Felipe Pires (FC Liefering)
Hee-Chan Hwang (Pohang Steelers)

MITTELFELD:

Geht man von einem 4-2-2-2-System, das auch in der Winterpause wieder proklamiert wurde, aus, sind Stefan Ilsanker als Abräumer und Christoph Leitgeb in der Zentrale gesetzt. Naby Keita, Konrad Laimer und Neuzugang David Atanga können hier ebenfalls aufgeboten werden. Ganz außen oder als halbe Zehn haben Takumi Minamino, der nach seiner schnellen Integration und der Vorbereitung viele Vorschusslorbeeren erntete, und Massimo Bruno sehr gute Karten, wobei beide lieber auf der linken Seite spielen. Valentino Lazaro und Felipe Pires sind deswegen Kandidaten für die rechte Seite. Der nach Kreuzbandriss wiedergenesene Valon Berisha sowie Marcel Sabitzer können auch im offensiven Mittelfeld spielen, wurden aber in den fünf Vorbereitungsspielen in der Regel nur als Stürmer aufgestellt. Berisha wäre - wie auch Bruno - der Mann hinter den Spitzen in einem auch im Herbst probaten 4-3-1-2-System.

LAOLA1-Bewertung: Gut, Kevin Kampl ist weg, großes ABER: In Relation zu der heimischen Konkurrenz ist das Salzburger Mittelfeld weiterhin bestens bestückt. Hohe Qualität inklusive Technik, Dynamik, Schnelligkeit und Kreativität sowie gut dosierter Kampfkraft. Das alles wird von erfahreneren Spielern und jungen Wilden auf den Platz gezaubert.

ANGRIFF:

Mit dem Abgang von Alan ist neben "El capitan catalan" Jonatan Soriano, der nicht nur ob seiner 19 Bundesliga-Tore in dieser Saison (Platz 1) natürlich gesetzt ist, ein Platz frei geworden. Den hat sich durch einen starken Herbst Marcel Sabitzer (neun Tore, neun Assists) verdient und wird ihn wohl auch in erster Linie inne haben. Dann gibt es natürlich mit Neuzugang Marco Djuricin den erfolgreichsten, österreichischen Stürmer im Herbst (elf Tore). Ein heißer Konkurrenzkampf ist auch hier programmiert. Mit dem wieder genesenen Valon Berisha hat man weitere Qualität, dazu ist mit Nils Quaschner ein Talent aus bekannten Umständen wieder an Bord.

LAOLA1-Bewertung: Drei der Top 5 in der Torschützenliste spielen bei Salzburg - und der erste hat sechs Tore Abstand auf Verfolger Robert Beric von Rapid. Noch Fragen? 

TRAINER:

Adi Hütter hat nach seinem Coup, Grödig in den Europacup zu führen, im Sommer Salzburg übernommen und national zufriedenstellend agiert. Acht Punkte Vorsprung und das Viertelfinal-Ticket im ÖFB-Cup sind absolut positiv. Negativ bleibt freilich das Aus im CL-Playoff in Malmö. Schließlich war die Gruppenphase das ganz klar erklärte Ziel und sogar noch mehr. "Wir wollen uns nicht nur qualifizieren sondern auch eine Rolle spielen", hieß es seitens Ralf Rangnick. Nachher musste man sich eingestehen, dass die Mannschaft vielleicht doch noch nicht so weit war. Hütters riskante Entscheidung bei der Aufstellung (Hinteregger Linksverteidiger, Stefan Ilsanker Innenverteidiger) trug ihren Teil dazu bei. Nach der dadurch entstandenen Krise bekam der Vorarlberger die Mannschaft auch nach dem Abgang von Sadio Mane aber wieder in die Spur und zeigte wie in Grödig schon sein Können als Krisenmanager - stellte dabei auch das System um.

LAOLA1-Bewertung: Das Malmö-Debakel ist ob der riskanten Aufstellung auch Hütter anzukreiden, auf der anderen Seite hat der 45-Jährige eine Krise gekonnt bewältigt und ist national und in der Europa League mehr als im Soll. Nach fünf Wochen Vorbereitung wird man im Frühjahr sehen, ob Hütter die Mannschaft trotz zweier Star-Abgänge weiterentwickeln kann. 

Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Duje Caleta-Car hat noch keine Minute Bundesliga gespielt. Das wird sich am Samstag gegen Wiener Neustadt ändern, denn Andre Ramalho ist gesperrt und Martin Hinteregger bleibt bis dahin fraglich. 0,7 Mio. sind zudem ein Klacks und zum anderen ein gutes Investment, wird der Kroate doch als Nachfolger von Ramalho aufgebaut.

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FÜNF FRAGEN:

Wer wird Nachfolger von Ralf Rangnick?

Der Sportchef wird sich ab Sommer ausschließlich RB Leipzig kümmern und in Salzburg "nicht mehr die Verantwortung tragen". Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat in einem "SN"-Interview bereits erklärt, dass es keinen klassischen Nachfolger geben wird. Rangnick bestätigte am Donnerstag auch noch einmal, dass die Lösung intern ausfallen wird. Was bedeutet: Jochen Sauer, Geschäftsführer, wird sich mit Christoph Freund, Sportkoordinator und Rangnicks rechte Hand in Salzburg, den Aufgabenbereich aufteilen, Sauer (früher sportlicher Leiter in Wolfsburg) sorgt wie schon bei der Bundesliga-Saisonstart-Pressekonferenz für die Öffentlichkeitsarbeit. Freund, der sich am besten mit dem österreichischen Fußball-Wesen auskennt, bleibt im Hintergrund. Ralf Rangnick wird, wie Mateschitz schon mit dem Telefon-Sager andeutete, eng dran bleiben. Der gemeinsame Weg (Liefering, Salzburg, Leipzig) wird auf diese Weise weitergegangen. Zum Fall Quaschner noch: Ralf Rangnick hat am Donnerstag einen Fehler eingeräumt und gemeint: "Die volle Verantwortung geht auf meine Kappe."

Welches System wird Salzburg im Frühjahr spielen?

Trainer Adi Hütter hatte schon Anfang Jänner bei LAOLA1 (Hier zur Story) keinen Hehl daraus gemacht, dass das 4-2-2-2 wieder zur Routine werden soll. "Das interpretiert die Mannschaft am besten, damit fühlt sich sich am wohlsten", bestätigte der Vorarlberger auch am Donnerstag. Mit Takumi Minamino und Felipe Pires gibt es auch wieder entsprechende Flügel, die für dieses System eingesetzt werden. Ob Spieler wie Massimo Bruno oder Valon Berisha wird auch das 4-3-1-2 nicht völllig vom Tisch sein. An der Spielphilosophie ändert sich dadurch ohnehin nichts.

Auf was gilt es im Frühjahr zu achten?

Das Spiel gegen den Ball und die Physis. Denn das waren die beiden Bereiche, auf die Adi Hütter in der Vorbereitung besonders Wert legte. "Das Spiel gegen den Ball soll wieder strukturiert sein", meint Hütter, der stolz auf die Tatsache ist, dass in vier von fünf Spielen zu Null gespielt hat. Auch damit hatte man im Herbst immer wieder seine liebe Not. Plus: Wie spielt Salzburg ohne Kampl und Alan? Den Qualitätsverlust bestreitet man in der Mozartstadt ganz und gar nicht, dennoch ist man sehr optimistisch, das als Mannschaft zu kompensieren. Das Auftaktprogramm (Wiener Neustadt, Villarreal, Ried) besteht aus drei Auswärtspartien. Keine Zeit zum Verschlafen. Plus: Zwei Innenverteidiger wollte man im Winter verpflichten, beide entschieden sich dagegen. Hütter will im Sommer einen oder zwei neue, Rangnick tendiert eher zum Weg mit den Nachwuchsspielern. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise geht.

Welche Spieler wollen sich in diesem Frühjahr empfehlen?

Wie Mane, Kampl und Alan wollen auch einige andere nicht ewig in Österreich spielen. Sollten Massimo Bruno und Marcel Sabitzer einen entsprechenden Schritt machen, werden sie wohl als Leihspieler im Sommer nach Leipzig "zurück"gehen. Martin Hinteregger könnte im Sommer auch nicht mehr zu halten sein, wenngleich der heimatverbundene Kärntner keinen Stress hat und ihn seine Loyalität ("Red Bull fließt in mir") über kurz oder lang nach Leipzig befördert. Peter Gulacsi, der sich sonst auf ein Duell mit Cican Stankovic "freuen" darf, könnte auch nach dieser Saison weg sein. Bis auf die Ersatztorhüter Alexander Walke und Fabian Bredlow haben alle Spieler Verträge über diese Saison hinaus. Gut möglich, dass auch im August wieder Geld eingenommen wird.

Was geht in der Europa League?

Die gute alte Floskel ("Von Spiel zu Spiel denken") macht hier einfach am meisten Sinn. Keiner weiß so wirklich bis zum Spiel in Wiener Neustadt, was "Salzburg neu" in einem Pflichtspiel kann. Vielleicht überrascht es in Villarreal, vielleicht ist man nach den Abgängen von Kampl und Alan eben noch nicht so weit. Die Salzburger fahren als Underdog nach Spanien und können gegen eine kompakte, gute Mannschaft mit ihrer Spielphilosophie und ihrer Unbekümmertheit auftrumpfen. Zu Hause wird dann das Stadion ziemlich bis ganz voll sein. Eine gute Ausgangsposition in Villarreal, das ohne Kapitän und Vereinslegende Bruno Soriano (Bruch des Wadenbeins) antreten muss, und zu Hause ist der Aufstieg realistisch. Alles danach ist Zugabe. Eine angenehme Ausgangsposition eigentlich.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Kevin Kampl und Alan haben den Meister verlassen und diese beiden Liga-Stars sind nicht sofort eins zu eins zu ersetzen. Das ist sonnenklar, wie ihre Beweggründe, Salzburg zu verlassen. Nichtdestoweniger sind die Positionen mit genügend Qualität besetzt, um wieder beide nationale Titel nach Salzburg zu holen. International kann befreit aufgespielt werden, denn nach dem Aderlass ist Salzburg gegen den La-Liga-Sechsten aus Villarreal Außenseiter. Die Aufstiegschance ist aber nicht so klein, wie sie manche machen. Salzburg geht den absolut richtigen, eingeschlagenen Weg weiter. Duje Caleta-Car und Konrad Laimer haben etwa schon auf internationaler Bühne (beim 5:1 gegen Giurgiu) Talentproben abgegeben. Andere Spieler wie Marcel Sabitzer und Massimo Bruno können den nächsten Schritt setzen. Es ist schon etwas da, es kommt wieder etwas nach, das kann - mit manchen, bei diesen jungen Spielern, verständlichen Turbulenzen - wieder etwas wie anno 2014 werden.


Bernhard Kastler

Redakteur Prognose RBS
Peter Altmann 1.
Harald Prantl 1.
Martin Wechtl 1.
Alexander Karper 1.
Bernhard Kastler 1.
Andreas Terler 1.
Matthias Nemetz 1.
Jakob Faber 1.
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