Winter-Check 2015: SK Rapid Wien

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Es gab schöne und weniger schöne Momente. Alles in allem war der Herbst aber nicht ganz nach dem Geschmack des SK Rapid.

Die Konstanz ließ zu wünschen übrig, spielerisch befand man sich zwischenzeitlich in einer Sackgasse, der man nur langsam wieder entkam. Wenn es einmal nach oben ging, war der nächste Rückschlag nicht weit. Dafür ist man in der Tabelle aber noch gut dabei.

Platz zwei ist das erklärte Ziel, um in der Champions-League-Qualifikation sein Glück versuchen zu können. Durchaus realistisch, doch auch die schwächelnde Konkurrenz geht mit viel Zuversicht ins Frühjahr.

Ein entscheidender Faktor, an die erfolgreichen Momente anzuschließen, könnte die Ruhe in der Winterpause sein. Selten konnte sich Rapid so auf ein Frühjahr konzentrieren wie diesmal, ohne durch äußere Einflüsse gestört zu werden. Das Team könnte einen ähnlichen Fortschritt machen, wie die Realisierung des neuen Allianz-Stadions.

Kann man spielerisch das abrufen, was die Mannschaft immer wieder einmal aufblitzen ließ, sollten die gesteckten Ziele auch machbar sein.

Sportdirektor Andreas Müller kündigte gegenüber LAOLA1 zwar immer wieder an, dass von Seiten Rapids in diesem Transferzeit wenig bis gar nichts passieren wird, doch das hörte man aus dem grün-weißen Lager nicht zum ersten Mal.

Tatsächlich hatten die Hütteldorfer keine Bestrebungen den Kader punktuell zu verändern. Zudem blieben Störfeuer wie durch einen oft kolportierten Wechsel von Louis Schaub oder das kurz aufflackernde Gerücht um Robert Beric aus. Viel mehr konzentrierte man sich schon auf die Zukunft.

In dieser Hinsicht gelang mit der ablösefreien Verpflichtung von Grödigs Philipp Huspek ein vielversprechender Deal. Ab Sommer soll dieser die Außenbahn beackern und Rapids Möglichkeiten in der Offensive noch weiter erhöhen.

Der Abgang von Lukas Grozurek zur Admira schmerzt nicht sonderlich und ist nur die logische Folge, nachdem er meist nicht mehr über einen Tribünenplatz hinauskam. Von einer Leihe Dominik Starkls sah man im Endeffekt doch ab.

Das Fundament für die stetige Entwicklung wurde ohnehin schon in den vergangenen Monaten geschaffen. Mit Verträgen bis mindestens 2017 soll die Mannschaft zusammen gehalten werden, Alternativen gibt es aktuelle genug, da mittlerweile fast alle wieder an Bord sind.

Und auch neue Systemvarianten. Denn Barisic stellte im "Kurier" klar: "Wir wollen variabler werden." Abgehend vom üblichen 4-2-3-1 wurde das blitzartige Umschalten auf Dreierkette oder 4-4-2 geübt und soll Rapid unberechenbarer machen.

TOR:

Die Torhüter-Situation bei Rapid bleibt unverändert. Auch wenn Jan Novota verletzt ins Frühjahr geht, wird an seiner Nummer-1-Stellung nicht gerüttelt. Der 31-jährige Slowake ist ein solider Rückhalt, der ab und zu über sich hinauswächst, diese Saison allerdings auch schon Patzer zeigte. Die Konkurrenz ist jedoch noch nicht in der Lage, den Routinier unter Druck zu setzen. Marko Maric, U19-Teamtorhüter Kroatiens, wird seit einiger Zeit als großes Juwel bezeichnet, bekam aber bisher kaum Chancen, dies unter Beweis zu stellen. So soll Tobias Knoflach (21) im Kampf um die Nummer zwei fast gleichauf sein.

LAOLA1-Bewertung: Mit einer guten, erfahrenen Nummer eins und zwei vielversprechenden Youngsters dahinter ist Rapid gut aufgestellt. Auch wenn sich ein absoluter Spitzengoalie (noch) nicht in den grün-weißen Reihen befindet.

ABWEHR:

An Abwehrchef Mario Sonnleitner führt in der Innenverteidigung kein Weg vorbei. An der Seite des 28-jährigen Steirers sollte weiterhin Christopher Dibon die erste Geige spielen, auch wenn er nach einer Leistenoperation noch einige Zeit benötigen wird. Bis dahin rückt Maximilian Hofmann (21) in den Blickpunkt, der bei Trainer Zoran Barisic einen Stein im Brett hat und sich immer besser entwickelt. Brian Behrendt, der sich Schritt für Schritt zurückarbeiten wird, kann ebenfalls zentral aufgeboten werden, ist aber eher im defensiven Mittelfeld gefragt. Auf der linken Abwehrseite ist Thomas Schrammel eine Bank. Sollte dieser, wie öfters im Herbst, auf rechts ausweichen, würde Stefan Stangl seine Position übernehmen. Rechts bieten sich jedoch durch die Rückkehr des Langzeitverletzten Michael Schimpelsberger neue Möglichkeiten. Auf Dauer sollte er den Vorzug gegenüber Mario Pavelic erhalten. Allrounder Ferdinand Weinwurm kann sowohl hinten auf den Flanken als auch weiter vorne einspringen.

LAOLA1-Bewertung: Rapids Viererkette ist aufeinander eingespielt, mit Sonnleitner, Dibon und Schrammel sind erfahrene Akteure gesetzt. Zudem gibt es mehrere Alternativen, auch im Falle einer Dreierkette. Im Herbst war nicht immer alles sattelfest.

  MITTELFELD:

Das Mittelfeld ist und bleibt Rapids Prunkstück. Im defensiven Bereich blüht Stefan Schwab als Achter regelrecht auf und beeindruckte in der Vorbereitung. Allerdings ist der 24-jährige Saalfeldner auch offensiver einsetzbar. Der Platz neben ihm ist heiß umkämpft. Findet Thanos Petsos zurück zu alter Stärke, wird er wohl den Vorzug bekommen. Doch auch Dominik Wydra, der bisher enttäuschende Srdjan Grahovac und Rückkehrer Brian Behrendt rittern um diese Position. In der offensiven Dreierkette wird weiter Steffen Hofmann zentral die Fäden ziehen. Ansonsten könnten eben Schwab oder Deni Alar diesen Part übernehmen, Letzterer sucht ohnehin seinen Platz in der Elf. Links hat Florian Kainz im Herbst aufgezeigt, rechts muss sich Louis Schaub steigern. Denn mit Andreas Kuen und Philipp Schobesberger drängen zwei junge Außenbahnspieler noch. Auch Weinwurm wäre eine Alternative, ebenso wie vorgezogene Außenverteidiger oder auch Dominik Starkl.

LAOLA1-Bewertung: Trainer Zoran Barisic hat die Qual der Wahl, der Konkurrenzkampf tobt. Viel wird darauf ankommen, wie sich Hofmann schlägt, ob Schaub seine Form steigern kann und ob sich Alar aufdrängen kann. Zudem erwies sich Schwab als absoluter Glücksgriff. Da steckt einiges drin.

ANGRIFF:

Mit 13 Saisontreffern hat Robert Beric viele Kritiker Lügen gestraft und seinen Platz in der Startelf nie abgegeben. Daran wird sich auch nichts ändern. Sollte der Slowene ausfallen, ist Deni Alar der Ersatzmann Nummer eins, der jedoch auch dahinter universell einsetzbar ist. Durch einstudierte Varianten könnten auch beide im Angriff auflaufen. Dominik Starkl wollte im Winter eigentlich weg, doch Barisic hielt an ihm fest und verschaffte ihm in der Vorbereitung immer mehr Spielzeit an vorderster Front, obwohl er bisher meist am Flügel als Joker agierte. Philipp Prosenik (21) rundet das Angebot ab, auch er durfte im Herbst bereits mehrmals eingreifen und zeigte ansprechende Leistungen.

LAOLA1-Bewertung: Mit Beric hatte Rapid im Herbst eine Torgarantie, mit Alar einen, der das Potenzial hat nach langer Verletzungspause wieder zu alter Stärke zu finden. Zudem noch zwei Junge, die nachrücken. Da ist schon Qualität vorhanden.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Philipp Huspek (SV Grödig - ab Sommer) Lukas Grozurek (Admira)

TRAINER:

Knapp zwei Jahre darf sich der 44-jährige Wiener schon als Cheftrainer beweisen. Gegenwind wehte ihm von Anfang an entgegen, doch "Zoki" blieb trotz der Rückschläge und kadertechnischen Änderungen seiner Linie treu. Viele erwarten bei Rapid Hollywood, doch Barisic ist nicht der Typ dafür. Ab und zu verkauft er sich unglücklich, drischt Floskeln und stürzt sich in Ausreden anstatt Tacheles zu reden. Das muss allerdings nicht zwangsläufig heißen, dass er ein schlechter Trainer ist. Er hat es erneut geschafft, eine schlagkräftige Truppe zu formen, die auch noch viel Entwicklungspotenzial hat. Bleibt die Mannschaft zusammen, wird seine Handschrift noch deutlicher zu erkennen sein. Im Frühjahrs-Fokus muss ein Plan B und C entstehen, die im Herbst oft vergeblich gesucht wurden.

LAOLA1-Bewertung: Barisic muss die Mannschaft auf die nächste Entwicklungs-Ebene hieven. Ausreden, die Mannschaft sei zu jung, gelten nicht mehr, da sie nicht mehr unerfahren ist. Das Spiel muss jedoch etwas variantenreicher werden, um die spielerischen Stärken ausspielen zu können.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Allrounder Deni Alar kehrte nach langer Verletzungspause schon am Ende des Herbsts zurück, nun ist wieder voll mit ihm zu rechnen. Im Offensivspiel der Hütteldorfer soll er wieder eine tragende Rolle übernehmen. Um 1,80 Mio. Euro Marktwert ist der Steirer ein absolutes Schnäppchen.

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FÜNF FRAGEN:

Ist Rapids Zukunftsvision, das Team auf lange Zeit zu halten, realistisch?

Das erarbeitete Konzept scheint zumindest zielführend. Alle Neuzugänge wurden mit langfristigen Verträgen ausgestattet, zudem die Arbeitspapiere der jungen Perspektivspieler zumindest bis 2017 verlängert. Außerdem lernte man aus der Causa rund um Louis Schaub, dass man in Zukunft auf Ausstiegsklauseln verzichten möchte. So weit, so klar. Die Spieler sind somit an den Verein gebunden. Das schreckt Interessenten jedoch nicht ab, wie Rapid nur zu gut aus vergangenen Tagen weiß. Trainer Zoran Barisic will durch die kontinuierliche Arbeit und Konstanz in den kommenden Jahren Erfolge ernten. Aber es wird weiterhin Spieler geben, die sich zu Höherem berufen fühlen oder die aufgrund eines finanziell verlockenden Angebots aus wirtschaftlichen Gründen einfach nicht zu halten sind. Einziger Unterschied: Man hat es weitestgehend selbst in der Hand. Somit ist das Ziel, den Stamm der Mannschaft über Jahre hinweg zu halten, nur teilweise realistisch.

Verläuft in puncto Stadion-Neubau alles nach Plan?

Die Stadion-Pläne sind weiterhin einer der Hauptgründe für die Aufbruchstimmung in grün-weiß. Der emotionale Abschied ist verdaut, die Bagger haben die ehemalige Heimstätte längst dem Boden gleich gemacht. Lediglich ein kleines Stück der Südtribüne und der ohnehin verschonte Flutlichtmasten sind aktuell noch übrig. Gleichzeitig wird bereits mit dem Fundament begonnen, quasi mit Rückrundenstart erfolgt der Spatenstich mit Gästen aus Sport, Gesellschaft und Politik. Der Zeitplan wurde bisher, auch dank des eher milden Winters eingehalten, der Neubau soll in den kommenden Monaten aktiv vorangetrieben werden. Dass sich bei einem Projekt dieser Größenordnung Verzögerungen ergeben können, ist bekannt. Prinzipiell ist man bei den Hütteldorfern - allen voran Projekt-Leiter Harry Gartler - zuversichtlich, dass das neue Schmuckkästchen zum Saisonstart 2016/17 eingeweiht werden kann.

Kann Rapid das Spiel im Frühjahr variabler gestalten?

Sagen wir es einmal so: Rapid muss das Spiel variabler gestalten. Ob es die Grün-Weißen können, wird sich weisen. Das ballbesitzorientierte Spiel der Marke "Wenn der Gegner nicht den Ball hat, kann nichts passieren" funktionierte phasenweise schon sehr gut, allerdings wurde der Endzweck des Toreschießens vernachlässigt. Durch ständiges außen Herumspielen, ohne Risiko und ohne Ideen ließen die Hütteldorfer ihre Fans phasenweise verzweifeln. Gegner stellten sich darauf ein, bauten einen Abwehrwall auf und ließen Rapid anlaufen. Da kann es nicht von Nachteil sein, wenn das Spiel laut Barisic "ins Assymetrische" zieht, um weniger ausrechenbar zu sein. Anstatt stur am 4-2-3-1-System festzuhalten, auch wenn Positionstäusche innerhalb dieses Konstrukts auch bisher stattgefunden haben, könnten eine spontane Verlagerung auf eine Dreierkette oder zwei Stürmer durchaus Wirkung zeigen und Löcher in die gegnerische Abwehr reißen. Das Spielermaterial dafür sollte vorhanden sein.

Muss Platz zwei, der zur Champions-League-Quali berechtigt, das gesteckte Ziel sein?

Ja, eindeutig! Dass ein internationaler Startplatz das erklärte Ziel ist, ist nichts Neues. Das zieht sich nun schon über Jahre und wurde in der jüngsten Vergangenheit auch erfolgreich umgesetzt. Vier Mal in den letzten sechs Jahren wurde die Gruppenphase der Europa League erreicht, auch wenn das Playoff-Aus gegen HJK Helsinki im vergangenen August noch immer schmerzt. Wenn schon der Meistertitel aufgrund der RBS-Dominanz in weite Ferne rückt, erfordert die Erwartungshaltung bei Rapid einfach einen internationalen Auftritt. Wenn dann so wie dieses Jahr sogar die Champions League für den Zweitplatzierten ruft, muss dies der Anspruch der Wiener sein. Schließlich werden wir in naher Zukunft wohl nicht mehr oft in den Geschmack zweier Teams kommen, die in der Quali für die Königsklasse ihr Glück versuchen dürfen. Dass Platz zwei aber trotz allem nicht leicht zu erreichen sein wird, dafür wird die Konkurrenz um Sturm, Austria, Altach und WAC sorgen.

Kann Neo-Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek in Ruhe arbeiten?

Es ist zu befürchten, dass das Thema immer wieder aufs Neue aufpoppt und die überraschende Entscheidung für den 31-jährigen Wiener ein ums andere Mal hinterfragt wird. Die Verwunderung und Verärgerung im Umfeld war groß, als bekannt wurde, dass der ehemalige SPÖ-Politiker, der alle seine Ämter zurücklegte, trotz angekündigter Ausschreibung diesen Posten übernehmen wird - ohne wirtschaftliche Ausbildung. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, mit 1. Februar trat der bisherige Vize-Präsident seine neue Aufgabe an. "Mehr Fans, mehr Sponsoren, mehr Titel", erhofft sich Peschek, der für Input dankbar ist. Trotz allem will er beweisen, dass er der Richtige für diesen Posten ist und die Hebel richtig ansetzen kann. Gelingt ihm das, kehrt wohl Ruhe ein. Sollten Misserfolge auftauchen, wird wohl immer wieder der Werdegang die Hauptrolle spielen.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Rapid hat sich noch unbeschadet aus der Achterbahnfahrt des Herbstes gezogen, da die Saison-Ziele weiterhin erreichbar sind. Einige Spieler machten einen Schritt in die richtige Richtung und müssen nun nachlegen, manche fügten sich gut ein. Von anderen wiederum darf viel mehr erwartet werden. Es ist den Grün-Weißen zuzutrauen, dass sie aus den Fehlern der Hinrunde gelernt haben, noch mehr zur Einheit zusammenwachsen und ihr Spiel auf das nächste Level hieven. Ein Europacup-Platz sollte auch in dieser Saison drin sein. Im Happel- weist man einen besseren Schnitt als davor im Hanappi-Stadion auf, auch wenn sich die Kulisse im 50.000-Zuschauer-Oval verliert - der Zuspruch ist somit vorhanden. Mit der Aufbruchstimmung des Stadion-Neubaus und dem langfristigen Kader-Konzept hat man die Weichen gestellt. Nun gilt es, den Schalter umzulegen und sich nicht länger mit Ausreden selbst zu quälen. Denn alles andere als ein internationaler Startplatz wären aus Rapid-Sicht eine Katastrophe. Es wird eine enge Angelegenheit, schlussendlich wird man sich dank des vorhandenen Potenzials aber durchsetzen.


Alexander Karper

Redakteur Prognose Rapid
Peter Altmann 2.
Harald Prantl 2.
Martin Wechtl 3.
Alexander Karper 2.
Bernhard Kastler 2.
Andreas Terler 2.
Matthias Nemetz 5.
Jakob Faber 3.
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