Winter-Check 2015: SV Grödig

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Die zweite Saison in der Bundesliga ist bekanntlich die schwierigste. Die Anfangs-Euphorie ist verflogen, der Überraschungs-Effekt dahin.

Der SV Grödig darf dennoch auf einen soliden Herbst zurückblicken.

Trainer Michael Baur leistet, allen Unkenrufen zu Beginn der Meisterschaft zum Trotz, gute Arbeit und hat den Klub auf einen gesicherten Platz im Mittelfeld geführt.

Mit 24 Punkten rangieren die Salzburger am siebenten Tabellenrang– neun Punkte beträgt der Vorsprung auf Schlusslicht Wiener Neustadt.

Sportlich darf man also durchaus zufrieden sein. Abseits des grünen Rasens macht sich jedoch langsam Trostlosigkeit breit.

Das Zuschauer-Interesse hält sich, vornehm ausgedrückt, weiterhin in Grenzen, dazu suchen die stärksten Spieler im Halbjahres-Rhythmus das Weite.

Der prominenteste Abgang im Winter wahr zweifelsohne jener von Yordy Reyna zu RB Leipzig in die zweite deutsche Liga – und das vier Tage vor dem Ende der Übertrittszeit.

Ein adäquater Ersatz konnte in dieser kurzen Zeit nicht gefunden werden. Zwar versuchte Manager Christian Haas Darko Bodul zu verpflichten, der 26-jährige Österreich-Heimkehrer entschied sich jedoch für den SCR Altach.

Stattdessen wurde kurzerhand Lucas Venuto von Erstligist FC Liefering ausgeliehen.

Neben dem Brasilianer sicherte sich der Dritte der abgelaufenen Saison die Dienste von Roman Kerschbaum vom 1. FC Nürnberg II.

Der 21-Jährige wechselte im Sommer 2012 von der AKA St. Pölten zur zweiten Mannschaft der Nürnberger, für die er 65 Spiele (7 Tore) in der Regionalliga absolvierte.

Zudem wurde bekannt, dass Philipp Huspek ab Sommer für Rapid Wien kicken und Roman Wallner fortan nur mehr bei den Amateuren zum Einsatz kommen wird.

Aufgrund des Reyna-Abgangs wird Grödig wohl seine Zielsetzung nach unten korrigieren. Liebäugelte Mastermind Christian Haas nach dem Ende der Hinrunde noch mit einem Platz unter den ersten Fünf, scheint nun ein Platz oberhalb der Abstiegszone realistisch zu sein.

TOR:

Cican Stankovic ist noch bis Sommer die unumstrittene Nummer eins. Danach geht er zu Red Bull. Der in Bosnien-Herzegowina geborene Keeper hat bereits mehrfach gezeigt, dass er ein sicherer Rückhalt ist. Nach einer Blinddarm-OP wird der 22-Jährige zu Beginn der Meisterschaft jedoch ausfallen. Damit darf sich Pirmin Strasser, der im Sommer aus Spanien (Almeria) zurückkehrte, beweisen und zeigen, ob ihm die Zukunft gehört. Als dritter Torhüter fungiert der junge Adnan Adilovic (21).

LAOLA1-Bewertung: Stankovic ist zweifelsohne ein sehr starker Tormann, dem eine erfolgreiche Zukunft bevorsteht. Doch sein Aufenthalt hat ein Ablaufdatum. Bei Strasser wird man sehen, ob er langfristig das Zeug für die Einserposition bei den Grödigern hat.

ABWEHR:

Kapitän Ione Cabrera ist endlich verletzungsfrei. Nachdem der Spanier im Herbst nur acht Spiele absolvieren konnte, soll der Abwehrchef als Innenverteidiger für Stabilität sorgen. Den Platz an seiner  Seite können Maximilian Karner oder Matthias Maak einnehmen, gegen Ende der Meisterschaft wurde auch Links-Verteidiger Robert Strobl dort eingesetzt. Die rechte Seite gehört Marvin Potzmann, als Ersatz gilt Florian Hart. Links ist Christopher Martschinko gesetzt.

LAOLA1-Bewertung: Jede Position ist mindestens doppelt besetzt, der Stamm spielt schon seit längerer Zeit zusammen -ein ganz wichtiger Faktor für gute Leistungen. Eine Steigerung ist dennoch wünschenswert, denn mit 31 Gegentoren im Herbst kassierte man die drittmeisten aller Bundesligisten.

ZUGÄNGE

ABGÄNGE

Lucas Venuto (FC Liefering - leihweise)

Yordy Reyna (RB Leipzig)

Roman Kerschbaum (1. FC Nürnberg II)

Philipp Huspek (Rapid - ab Sommer)

  MITTELFELD:

Der Aderlass im Sommer war enorm, doch Trainer Michael Baur hat sehr schnell die richtige Formation gefunden. Als Schlüsselspieler gelten Philipp Huspek am linken bzw. auch rechten Flügel und Stefan Nutz auf der Zehner-Position. Ersterer steuerte vier Tore und drei Assists, der 22-Jährige drei Treffer und vier Vorlagen bei. Thomas Goiginger durfte sich in der Vorbereitung auf beiden Positionen als Ersatz beweisen. Leihgabe Lucas Venuto fühlt sich sowohl am Flügel, aber auch als Spitze wohl. Als Alternative für Nutz kommt auch noch Sandro Djuric in Frage. Auf der rechten bzw. linken Seite dürfte Daniel Schütz gesetzt sein, Simon Handle gilt als Backup. Den defensiven Part übernimmt der Deutsche Timo Brauer, Neuzugang Roman Kerschbaum duelliert sich mit Robert Völkl um den zweiten Platz.

LAOLA1-Bewertung: Gegenüber dem Sommer fehlen mit Sascha Boller und vor allem Yordy Reyna, der aber auch oft an vorderster Front eingesetzt wurde, weitere Alternativen. Speziell der pfeilschnelle Peruaner wird aufgrund seiner Dynamik immens fehlen.

ANGRIFF:

Nach dem Reyna-Abgang und der Degradierung von Roman Wallner die mit Abstand am schwächsten besetzte Position. Gerade einmal drei gelernte Stürmer stehen Coach Baur zur Verfügung. Die Vorzeichen sehen nicht gut aus: Tomi erweist sich in dieser Saison als verletzungsanfällig, Emmanuel konnte in seinen wenigen Einsatzminuten wenig überzeugen. Bleibt der junge Bernd Gschweidl (19), der es in 19 Runden gerade einmal auf zwei Einsatzminuten gebracht hat.

LAOLA1-Bewertung: Im Sturm muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Die drei verbliebenen Stürmer bringen es gemeinsam auf einen Treffer. In so einer Situation auf einen erfahrenen Mann wie  Wallner freiwillig zu verzichten, muss man schon hinterfragen

TRAINER:

Michael Baur trat im Sommer das schwere Erbe von Adi Hütter an. Bisher macht der Tiroler bei seiner ersten Bundesliga-Station vieles richtig. Speziell zu Beginn präsentierte sich seine Mannschaft stark und ließ doch einige Kritiker verstummen. Das Spiel der Salzburger ist dank ihres schnellen Umschaltspiels gefällig und erinnert an die Jahre zuvor. Sogesehen hat der 45-Jährige den Weg seines Vorgängers fortgeführt, große Veränderungen sind nicht zu erkennen. 24 Punkte sind jedenfalls eine solide Ausbeute.

LAOLA1-Bewertung: Baur hat bisher bewiesen, dass er ein Traineramt in Österreichs höchster Spielklasse ausüben kann. Zwei Ausmusterungen (Boller und Wallner) lassen aber darauf schließen, dass er keine Kompromisse eingeht.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Daniel Schütz hat bisher 15 Ligaspiele absolviert und dabei vier Tore erzielt. Auch im Frühjahr sind Einsätze am Flügel garantiert, weitere Tore und Vorlagen damit wahrscheinlich. Deswegen wären die 2,58 Millionen, die man für den 23-Jährigen hinblättern müsste, eine gute Investition.

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FÜNF FRAGEN:

Wer kann Yordy Reyna ersetzen?

Elf Tore und sechs Assists – also an 17 von 28 Toren beteiligt. Yordy Reyna war eine Art Lebensversicherung für Grödig. Der Austria erteilte der Peruaner noch eine Absage, Leipzig nicht, obwohl er einen Tag bevor der Transfer über die Bühne ging, von einem definitiven Verbleib sprach (LAOLA1-Story). Jetzt stellt sich die Frage, wer in seine großen Fußstapfen treten soll. Neuzugang Venuto ist eine Möglichkeit, darüberhinaus hört man aus dem Umfeld, dass Trainer Michael Baur Tomi, Emmanuel oder Gschweidl in Betracht zieht. Eines ist sicher: Die Latte liegt für den Nachfolger verdammt hoch.

Wie ist es um den Verein finanziell bestellt?

„Wir müssen keine Spieler verkaufen, um zu überleben“, war Christian Haas im Herbst noch zuversichtlich. Zwar riss das miserable Zuschauer-Interesse ein Loch ins Budget, doch Notverkäufe standen nicht an der Tagesordnung. Jetzt gibt es eine neue Situation: Hauptsponsor Scholz hat die Zusammenarbeit kurz vor Weihnachten beendet. Das deutsche Schrotthandel-Unternehmen steigt mit Saisonende nach sieben Jahren aus der Partnerschaft mit dem Fußballverein aus. Die laufende Saison ist ausfinanziert, doch danach? Im Sommer muss wohl erneut ein Spieler gewinnbringend angebracht werden. Heuer „rettete“ die Salzburger der Verkauf von Cican Stankovic an Red Bull. Und nächsten Sommer? Da sind viele Leistungsträger ablösefrei…

Wieviel Risiko birgt die Vereinsphilosophie?

„Wir wollen junge, hungrige Spieler zu uns holen und sie dann verkaufen. Darauf ist der Verein aufgebaut“, beschreibt Christian Haas die Vereinsphilosophie. Auch wenn es der 37-Jährige nicht wirklich zugibt, sind Spielerverkäufe für den Klub überlebensnotwendig.  Bisher ging das Konzept einigermaßen auf. Durch Philipp Zulechner wurden im Winter 2014 rund 700.000 Euro lukriert, im darauffolgenden Sommer durch die Verkäufe von Mario Leitgeb und vor allem Cican Stankovic über eine Million Euro. Im Sommer werden den Klub erneut Spieler verlassen, allerdings ablösefrei und somit gibt es kein Geld. Ein gutes Näschen bei zukünftigen Neuverpflichtungen ist daher immens wichtig, denn sonst wird es auf Dauer finanziell brenzlig.

Was passiert mit dem Kader im Sommer?

Mit Tormann Cican Stankovic und Philipp Huspek stehen bereits die ersten Abgänge im Sommer fest. Weiters laufen mit Saisonende 14 Verträge aus. Darunter Leistungsträger wie Stefan Nutz, Ione Cabrera oder Tomi. Ersteren wird der Klub wohl auch nicht halten können. Schon im Winter gab es zahlreiche Gerüchte um den 22-jährigen Mittelfeldspieler. Sein Abschied ist vorprogrammiert. Und er wird nicht der einzige bleiben. Von der erfolgreichen Meistermannschaft aus der Erste Liga wird kommende Saison wohl kaum noch jemand in der knapp 7000 Einwohner zählenden Marktgemeinde kicken.

Wie lange sieht sich Manager Christian Haas das Desinteresse der Fans noch an?

Beim ersten Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr… Mittlerweile ist es nur noch frustrierend. Da qualifiziert sich Grödig als Aufsteiger für den Europacup, adaptiert das Stadion und dennoch interessiert es so gut wie niemanden. Im Schnitt besuchen nur 1.800 Menschen die Heimspiele der Salzburger. Manager Haas hat bereits resigniert. „Wir haben alles probiert, die Leute kommen eben nicht. Ich ärgere mich darüber gar nicht mehr. Es ist so und das muss man zur Kenntnis nehmen.“ Dass der SV Grödig das „Lebenswerk“ des Salzburger Unternehmers ist, steht außer Frage. Doch wenn so gar nichts zurückkommt, darf sich niemand wundern, wenn der 37-Jährige früher oder später den Hut nimmt.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Wie zu Beginn des Textes erwähnt, kann der SV Grödig auf einen guten Herbst zurückblicken. Und das ist für mich schon etwas überraschend. Ganz ehrlich, ich hätte gedacht, dass die Mannschaft weitaus mehr Probleme bekommen wird. Warum? Ein neuer, unerfahrener Trainer. Dazu ein Team, das sehr viele Leistungsträger verloren hat. Deswegen ist der siebente Platz ein voller Erfolg. In Sicherheit dürfen sich Nutz und Co. aber keinesfalls wiegen. Gerade bei der Drei-Punkte-Regel kann es ganz schnell gehen. Welchen Stellenwert Yordy Reyna hatte, wurde bereits erwähnt. Fakt ist, er ist nicht mehr da und damit hat man das Herzstück verloren. Philipp Huspek hat bereits bei Rapid, Cican Stankovic bei Salzburg unterschrieben. Vielleicht – auch wenn ich es niemandem unterstellen will – lässt der eine oder andere dadurch unterbewusst ein, zwei Prozent nach oder ist nicht mehr so entschlossen, um keine Verletzung zu riskieren. Ich möge mich gerne irren, aber mein Gefühl sagt mir, dass es im Frühjahr eher nach unten, als nach oben geht.


Martin Wechtl

Redakteur

Prognose Grödig

Peter Altmann

8.

Harald Prantl

8.

Martin Wechtl

9.

Alexander Karper

7.

Bernhard Kastler

8.

Andreas Terler

8.

Matthias Nemetz

8.

Jakob Faber

8.

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