Winter-Check 2015: FC Admira Wacker

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"Nicht schon wieder", dachten sich wohl einige beim FC Admira Wacker Mödling, als die neue Saison an die vorangegangene erinnerte.

Wieder steckt man im Abstiegskampf - zwar nicht ganz hinten, aber stets mit Gefahr in Verzug, am Ende der Saison doch den Klassenerhalt zu verpassen.

Dem will man im Frühjahr vorbeugen. Das Trainer-Team rund um Walter Knaller und Oliver Lederer hat den Hebel angesetzt, um die Südstädter spielerisch wieder auf ein anderes Level zu hieven und die begangenen Fehler abzustellen.

Die gezielten und zudem namhaften Neuverpflichtungen sollen ihren Teil dazu beitragen, dass die junge Truppe auch diesmal nicht den Gang in die Zweiklassigkeit antreten muss.

Die Admira hat die Transferzeit genützt, um bei ihren Vereinen unzufriedenen Spielern eine neue Chance zu bieten.

Die Hoffnung, dass der bei Rapid aussortierte Lukas Grozurek oder das nicht zündende Rieder Talent Toni Vastic bei den Niederösterreichern einschlagen können, lebt.

Zudem konnte mit Konstantin Kerschbaumer vom SKN St. Pölten ein Perspektivspieler gewonnen werden, der bereits für höhere Aufgaben vorgesehen war und als absoluter Glücksgriff bezeichnet werden darf. Auch Youngster Markus Blutsch fällt in diese Kategorie, er konnte leihweise mit Kaufoption vom LASK geholt werden.

Trotz der Aufbruchstimmung mit den Neuen wiegt der Abgang von Lukas Thürauer (SKN St. Pölten) schwer, schließlich war er einer der prägenden Akteure im Herbst und glänzte mit acht Torbeteiligungen. Auch Wilfried Domoraud (AC Arles-Avignon) steht nicht mehr zur Verfügung, Philipp Posch soll leihweise bei TSV Hartberg Erfahrung sammeln.

Für Experimente bleibt keine Zeit. Viel mehr soll die im Verein verankerte Spielphilosophie verinnerlicht und forciert werden.

"Wir versuchen schon, uns festzulegen. Wir versuchen, uns zwei, drei Anzüge zu verpassen, die wir uns dann vom Gegner abhängig anziehen", kündigt Knallers rechte Hand Oliver Lederer bei LAOLA1 an.

Bisher griff noch nicht ein Rad ins andere, 29 eingesetzte Spieler waren im Herbst zudem die meisten in der Bundesliga. Mit Flexibilität, neuer Unbekümmertheit und dazugewonnenen Möglichkeiten soll das Schiff im Frühjahr in eine andere Richtung gelenkt werden.

TOR:

Manuel Kuttin dürfte sich im Zweikampf mit Jörg Siebenhandl einen Vorteil verschafft haben und als Nummer eins ins Frühjahr gehen. Beide kamen im Herbst nur zu wenigen Einsätzen, da die meiste Zeit Andreas Leitner das Tor hütete. Die Wogen nach dessen abgelehnter Vertragsverlängerung scheinen sich zwar wieder halbwegs gelegt zu haben, aus einem Austria-Transfer als Ersatz von Heinz Lindner wurde nichts. Trotz der zweitbesten Fangquote aller Bundesliga-Keeper im Herbst (75 Prozent) wird er vorerst nicht über die Nummer drei hinauskommen. Simon Manzoni rundet das Angebot ab.

LAOLA1-Bewertung: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Die Admira hat mehrere gleichwertige Möglichkeiten im Tor. Kein Keeper ist jedoch unantastbar und herausragend.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Toni Vastic (SV Ried) Wilfried Domoraud (AC Arles-Avignon)
Lukas Grozurek (SK Rapid Wien) Philipp Posch (TSV Hartberg, Leihe)
Konstantin Kerschbaumer (SKN St. Pölten) Lukas Thürauer (SKN St. Pölten)
Markus Blutsch (LASK, Leihe)

ABWEHR:

In der Innenverteidigung führt kein Weg an Kapitän Richard Windbichler und Christoph Schößwendter vorbei, die der Mannschaft die spärlich vorhandene Routine verleihen und ihre Qualitäten oftmals unter Beweis stellten. In der Rechtsverteidigung hat Stephan Zwierschitz nach starkem Herbst die Nase vorne, auch Stephan Auer wäre eine Alternative, wird aber wohl im defensiven Mittelfeld bevorzugt. Thomas Ebner, wurde in der Vorbereitung vom Sechser zum Linksverteidiger umfunktioniert, kennt die Position allerdings schon von früher. Damit haben auf der Außenbahn Thomas Weber und Patrick Wessely das Nachsehen. Zu all den Jungen kann Markus Katzer sowohl außen als auch in der Zentrale eingesetzt werden, auch Markus Lackner könnte mittig zurückgezogen werden. Eine weitere Möglichkeit stellt der beförderte Mustafa Yavuz dar.

LAOLA1-Bewertung: Admiras Abwehr muss im Frühjahr mehr Stabilität verliehen werden, um nicht in entscheidenden Momenten auseinanderzubrechen. Mit dem umfunktionierten Ebner und anderen "Allroundern" forciert man Flexibilität.

  MITTELFELD:

Das Mittelfeld darf durchaus als größte Waffe der Südstädter bezeichnet werden. Vor allem im offensiven Bereich ruhen große Hoffnungen. Den Kreativgeistern den Rücken stärken sollen im 4-2-3-1-System Markus Lackner, sollte er nicht eine Linie weiter hinten gebraucht werden, und Stephan Auer. Thomas Ebner steht ebenfalls zur Diskussion, wenn er nicht links hinten aufgeboten wird. Offensiv dürfte die Zentrale in die Hände von Neuzugang Konstantin Kerschbaumer gelegt werden, flankiert von Eldis Bajrami auf rechts und Lukas Grozurek auf links. Toni Vastic könnte wie in Ried ebenfalls rechts auflaufen, wenn er nicht als Solospitze aufgeboten wird, bei Christoph Knasmüllner besteht die Hoffnung, dass er im Frühjahr sein Potenzial abrufen kann, auch Maximilian Sax steht im Blickpunkt. Fragezeichen stehen hinter den derzeit Verletzten Bernhard Schachner, Daniel Toth und Dominik Burusic, die dem Kader zusätzliche Tiefe verschaffen würden. Der erst 19-jährige Markus Blutsch soll ebenfalls schnuppern, so wie der von den Juniors hochgezogene Philipp Malicsek (17).

LAOLA1-Bewertung: Im Mittelfeld bahnt sich ein Konkurrenzkampf an, der sich positiv auswirken soll. Dadurch kann möglicherweise noch mehr aus bisher enttäuschenden Akteuren herausgeholt werden. Die Neuzugänge müssen sich aber erst einmal finden.

ANGRIFF:

Mit Stürmertoren wurden die Admira-Fans im Herbst nicht verwöhnt. Rene Schicker weist mit drei Treffern noch die beste Bilanz auf, doch der Wirbelwind an vorderster Front wird sich vorerst wohl nur auf der Bank oder in veränderter Rolle im Mittelfeld wiederfinden. Die Hoffnungen ruhen auf Toni Vastic, der bei der Admira an vorderster Front agieren soll. Der technisch begabte Neuzugang ist das Pendant zu Brecher Benjamin Sulimani, der wie Issiaka Ouédraogo ebenfalls um Einsatzzeit bettelt. Der 20-Jährige Marvin Egho drängt von hinten nach und kündigt den Routiniers einen heißen Kampf an. An Angebot dürfen sich die Admiraner im Angriff somit nicht beschweren, bei einer 4-4-2-Variante kämen zumindest zwei zum Zug.

LAOLA1-Bewertung: Bei aller Quantität sucht man ein wenig nach der Qualität. Alle Stürmer haben gute Anlagen, ein Knipser kristallisiert sich jedoch nicht heraus. Am ehesten könnte uns wohl noch Vastic eines Besseren belehren, doch der muss sich erst einmal im neuen Team zurechtfinden.

TRAINER:

"Chef" Walter Knaller und Oliver Lederer haben sich längst an die komplexe Konstellation gewöhnt und ergänzen sich sichtlich. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn Letzterer kann frühestens 2016 seine UEFA-Pro-Lizenz absolvieren, um in weiterer Folge alleine für die Südstädter zuständig zu sein. Vor allem die jungen Spieler fühlen sich unter diesem Führungs-Tandem gut aufgehoben. Es wird viel am Trainer-Duo hängen, die fehlende Erfahrung mit wertvollen Tipps wettzumachen, um am Ende nicht ein böses Erwachen zu erleben.

LAOLA1-Bewertung: Knaller ist ein alter, erfahrener Haudegen, Lederer ein junger, aufstrebender Visionär. Eine Kombination, die gut zusammenpasst und in der aktuellen Situation wohl die beste Lösung für die Admira ist.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Thomas Ebner scheint in den Plänen von Walter Knaller und Oliver Lederer eine große Rolle zu spielen. Ob als umfunktionierter Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld - der 22-Jährige nimmt keine unwesentliche Rolle ein. Ein Stammspieler um nur 1,71 Mio. Euro Marktwert? Da heißt es, zuschlagen.

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FÜNF FRAGEN:

Nimmt der Jugendwahn und fehlende Erfahrung bei der Admira überhand?

Es ist schon ein schmaler Grat, den die Admira geht. Der jungen Mannschaft fehlen größtenteils die Stützen, an denen sie sich anhalten kann. Markus Katzer ist mit seinen 35 Jahren ein Auslaufmodell und zählt nicht mehr zum Stamm. Dahinter wird es dünn. Auch Rene Schicker (30) und Benjamin Sulimani (26) sind nicht immer gesetzt, die große Verantwortung lastet auf den Schultern des Abwehrduos Richard Windbichler, obwohl dieser selbst erst 23 Jahre alt ist, und Christoph Schößwendter (26). Oftmals fehlen die Mittel, um einen gestandenen Profi zu holen. Übernimmt ein Spieler die Leader-Rolle, ist er meist sehr schnell auch wieder weg. "Dass wir sehr wenig Routine in der Mannschaft haben, ist der einzige Vorwurf, den wir uns gefallen lassen müssen", meint auch Lederer. Eine Situation, die den Südstädtern noch auf den Kopf fallen könnte.

Wie sieht Admiras Weichenstellung über den Sommer hinaus aus?

Große Schritte können aufgrund der Ungewissheit, ob man nicht doch noch zum Absteiger avanciert, nicht getätigt werden. Trotzdem bahnt sich im Sommer ein neuerlicher Umbruch an. Die Interessenten für Richard Windbichler stehen Schlange, auch Andreas Leitner zieht es weg. Die Verträge der Beiden laufen so wie einige andere aus, die Chance auf Verlängerung, um sie nicht ablösefrei ziehen lassen zu müssen, ist gering. Vor allem die Defensivriege rund um Christoph Schößwendter, Stephan Auer und Thomas Ebner scheint auseinanderzubrechen, sollten die Verträge von den Verantwortlichen nicht verlängert werden. Zusätzlich laufen die Arbeitspapiere von Benjamin Sulimani, Rene Schicker, Eldis Bajrami, Bernhard Schachner, Markus Lackner und Markus Katzer aus, nur bei wenigen hat der Verein eine Option. Bis sich etwas tut, könnte jedoch noch einige Zeit vergehen. Zumindest bis ein Trend abzusehen ist, in welche Richtung es kommende Saison geht.

Ist die Admira für einige Spieler das richtige Auffangbecken?

Dass die Erwartungshaltung bei Rapid oder Ried größer ist, scheint wohl wenig überraschend. Lukas Grozurek etwa konnte sich bei den Grün-Weißen nicht durchsetzen und verspielte sich trotz guter Anlagen einen Platz bei einem Top-Klub. Auch Toni Vastic wurde in Ried nicht glücklich und vor allem den Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Bei der Admira genießen sie wohl mehr Pflege, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und vor allem mehr Spielpraxis zu erhalten. Das hätte auch auf Christoph Knasmüllner zutreffen sollen, der aber seit Sommer noch nicht aus dem Tiefschlaf erwacht ist. Die Chancen sind in der Südstadt auf jeden Fall vorhanden, um der Karriere einen Neustart zu verpassen und sich in Ruhe zu entwickeln. Vielleicht war der bisherige Schritt einfach zu groß, beim Tabellen-Vorletzten werden kleinere Brötchen gebacken. Trotzdem hängt es von jedem einzelnen ab, ob die ausgestreckte Hand ergriffen wird oder nicht.

Gehört das Bangen um die Lizenz endgültig der Vergangenheit an?

Ungewissheit, Zittern und Panikmache gehörten bei der Admira in den letzten Jahren dazu. Vor allem, wenn die Lizenzvergabe vor der Tür stand. Fruchten die neuen Vereinsstrukturen, sollte das in dieser Saison nicht mehr zum großen Thema werden. Wie berichtet, wurde der alte Vorstand um Richard Trenkwalder durch ein elfköpfiges Team abgelöst, dessen Spitze Hubertus Thonhauser bildet. Der Investor, bei den Casinos Austria im Verwaltungsrat, ist Vorstands-Vorsitzender, sein Bruder Philip Thonhauser Finanz-Vorstand. Beide sollen die Admira, gemeinsam mit den anderen neun Unternehmern, durch ihre guten Verbindungen finanziell absichern und politisch verknüpfen. Mit dieser Basis sollen Diskussionen um die Lizenz im Keim erstickt und aus der Vergangenheit gelernt werden. "Monatliche Liquiditätsberichte und quartalsmäßige Reorganisationsprüferberichte“ an die Bundesliga standen bis heute auf der To-Do-Liste und sollen alsbald verschwinden.

Kann die Admira die eklatante Heimschwäche im Frühjahr ablegen?

Eine Frage, die prinzipiell erst nach 36 Runden zu beantworten ist, andererseits ist es der Admira zu empfehlen, im eigenen Stadion vor den wenigen treuen Zuschauern einen Zahn zuzulegen. Nur zwei Siege bei vier Remis und vier Niederlagen in der BSFZ-Arena sind wahrlich keine gute Werbung in eigener Sache, vor allem wenn man ohnehin meist vergeblich versucht, mehr Leute zu mobilisieren und ins Stadion zu locken. In dieser Hinsicht war man im Herbst bundesligaintern das Schlusslicht, sogar hinter Wiener Neustadt. Wenn man weder daheim noch auswärts einen großen Vorteil generieren kann, sollte man sich seine Gedanken machen. Doch scheinbar fühlt man sich im halbleeren Areal in Maria Enzersdorf halt nicht sonderlich wohl, um über sich hinauszuwachsen. Das gilt es zu ändern, um eine Basis zu schaffen.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Das Thema Abstieg wird bis zum Schluss in der Südstadt herumgeistern, trotzdem stimmen die getätigten Schritte positiv, dass man auch kommende Saison die höchste Spielklasse beehren wird. Mit dem Trainerduo Knaller/Lederer hat man eine bodenständige Führung, auch die neue Strukturierung im Verein sorgt für Ruhe und Zuversicht im Hintergrund, die in der Vergangenheit oftmals gefehlt haben. Mit den getätigten Investitionen und Neuzugängen hat man, was die Namen betrifft, durchaus aufhorchen lassen. Können sich diese beweisen, dürfte das Frühjahr sicherlich positiver gestaltet werden als der Herbst. Durch das neue Gesicht der Mannschaft mehr Zuspruch zu bekommen, wird wohl ein Wunschdenken bleiben. So lange man sich oben halten kann, werden sich die treuen Fans jedoch weiterhin in die BFSZ-Arena verirren. Der Klassenerhalt sollte machbar sein.


Alexander Karper

Redakteur Prognose Admira
Peter Altmann 9.
Harald Prantl 9.
Martin Wechtl 8.
Alexander Karper 9.
Bernhard Kastler 10.
Andreas Terler 9.
Matthias Nemetz 9.
Jakob Faber 9.
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