Die jungen Wilden orientieren sich nach oben

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Jetzt erst recht! So konnte die einzige Devise lauten, mit der Wiener Neustadt die Saison in Angriff nahm.

Und tatsächlich: Nicht auf die Vorhersage der blau-weißen Apokalypse zu hören, machte sich bezahlt.

Mit konsequenter Arbeit schaffte es Trainer Peter Stöger und sein Team, das Abstiegsgespenst schon vor dem Frühjahr so gut es geht zu vertreiben.

Der Rückblick auf die Hinrunde fällt positiv aus, dem Frühjahr blickt man zuversichtlich entgegen.

Überraschungsmomente fallen weg

Große Sprünge waren in der Winterpause nicht möglich, deshalb besinnt man sich weiterhin darauf, junge Spieler zu formen und zu Leistungsträgern zu machen.

"Fehler muss man immer verzeihen, auch bei einer routinierten Mannschaft. Sonst werden sie nie Risiko nehmen, und ohne Risiko kann man kein Spiel gewinnen", gibt Stöger im Gespräch mit LAOLA1 die Marschroute vor.

Trotzdem ist man sich in Wiener Neustadt sicher: "Die Überraschungsmomente werden wegfallen. Alle Gegner wissen jetzt, dass wir in der Lage sind, Punkte zu machen."

LAOLA1 nimmt für die Bundesliga-Vorschau den SC Wiener Neustadt unter die Lupe:

AUSGANGSLAGE

Wer hätte das gedacht? Wiener Neustadt wurde als Fixabsteiger gehandelt und strafte seine Kritiker im Herbst Lügen. Mit 22 Punkten weisen die Niederösterreicher bereits zwölf Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Kapfenberg und fünf Zähler auf Mattersburg auf. Zudem konnte man spielerisch überraschen und den einen oder anderen Großen ärgern. Ein 1:1 bei Rapid sowie ein 2:2 bei der Austria sprechen ebenso für sich, wie ein 3:1-Heimsieg gegen Sturm und Remis gegen Salzburg und Ried. „Ich bin nicht nur punktemäßig zufrieden. Was das Spielerische betrifft, waren wir sicher die Überraschung des Herbstes. Aber es wird im Frühjahr schwieriger“, weiß Trainer Peter Stöger. Trotz eines sehr jungen Kaders verstand es der 45-Jährige, seinen Spielern das Wesentliche zu verklickern. „Für unsere junge Mannschaft waren wir im Herbst sehr stabil. Trotzdem ist es ein gewisser Unsicherheitsfaktor.“



PERSONAL

Wiener Neustadt hielt sich wie so oft dezent am Transfermarkt zurück. Allerdings verlor man mit Tomas Simkovic nicht nur den Kapitän, sondern auch einen Leistungsträger mit Vorbildfunktion. „Mir persönlich fehlt er nicht nur als Spieler sondern auch als Mensch, weil er ein Klasse-Bursch war“, so Stöger. „Ich brauche Spieler, die von sich erwarten, in die Mannschaft zu kommen, sich weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu machen und keine, die sich mit Wr. Neustadt schon zufrieden geben. Sie müssen Perspektiven und Ziele verfolgen. Unser Job ist es, aus anderen Spielern einen Simkovic herauszuholen.“ Als einziger Neuzugang kam Christoph Saurer leihweise von Rapid. Stöger kennt den Austria-Akademie-Absolventen schon sehr lange und erwartet sich sehr viel. „Simkovic ist nicht der Ersatz für Junuzovic und Saurer ist nicht der Ersatz für Simkovic. Ich sehe es für ihn als riesige Möglichkeit, zu zeigen, dass er ein guter Fußballer ist.“ Von den Amateuren rückte Mittelfeldspieler Stefan Lärnsack nach.


AUSBLICK

Wiener Neustadt ist vor dem Rückrunden-Start hin- und hergerissen. Der Abstieg sollte kein Thema mehr sein, trotzdem regiert die Vorsicht. „Wenn wir nur glauben, dass durch den Vorsprung alles erledigt ist, kann es uns knüppeldick erwischen“, warnt Stöger. Wenn alles normal läuft, glaubt der Trainer sogar, Wacker noch angreifen zu können. Trotzdem dürfe man sich nie zu sicher sein und glauben, dass alles leicht von der Hand geht. „Das ist ein ganz schmaler Grat. Du kriegst auch im Frühjahr nichts geschenkt. Das muss jedem bewusst sein. Viel wird davon abhängen, wie der Abgang von Simkovic kompensiert werden kann. Der jungen Truppe ist aber zuzutrauen, an die guten Leistungen der Hinrunde anzuschließen.

SPIELER IM BLICKPUNKT

Jörg Siebenhandl war im Herbst der absolute Shootingstar im Team von Peter Stöger. Sein Debüt feierte er zwar schon in der letzten Runde der Saison 2010/11, im Herbst avancierte er aber zur klaren Nummer eins. Schließlich sorgte er für das erste große Highlight der Saison, als er zum Auftakt gegen Mattersburg in der zweiten Minute einen Abschlag aus dem eigenen Strafraum im gegnerischen Tor versenkte. Mit einer Quote von 70,3 Prozent gehaltener Torschüsse ist er die Nummer fünf jener Keeper, die zumindest ein Drittel der Saison bestritten. Mit starken Leistungen hatte er maßgeblichen Anteil am starken Herbst der Niederösterreicher. Im Oktober wurde er sogar erstmals ins ÖFB-Nationalteam einberufen. Umso mehr steht er im Frühjahr im Fokus. Für das 22-jährige Talent geht es darum, das bisher Gezeigte zu bestätigen. Für Wiener Neustadt ist ein solider Tormann wie Siebenhandl enorm wichtig, um den Aufwärtstrend fortzusetzen.

STATISTIK-SCHMANKERL

Trainer Stöger weiß genau: Offensiv hapert es noch ein bisschen! Mit 17 Toren hat nur Kapfenberg (13) weniger geschossen, in punkto Torschüsse (188) liegt man in dieser Wertung abgeschlagen auf dem letzten Platz. Das geht auch damit einher, dass der beste nominelle Stürmer, Thomas Helly, lediglich drei Saisontreffer aufweist. Friesenbichler (2) und Ciftci (1) folgen. „Wir haben schon Spieler, die Tore schießen können, die Torjäger in der Regionalliga oder Ersten Liga waren. Was das Offensiv-Spiel anbelangt, ist noch viel Luft nach oben“, so Stöger. Bester Torschütze war ausgerechnet Tomas Simkovic (4), der den Blau-Weißen abhanden kam. Der Chefbetreuer glaubt aber an die Entwicklung seiner Stürmer, auch auf Bundesliga-Niveau: „Das ist ein Gewöhnungseffekt, das dauert halt.“


Alexander Karper

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