Sturm ist wieder fit für die Titelverteidigung

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Übrigens: Fußball gespielt wird in Graz auch noch.

Nach einer Winterpause, in der diverse Themen abseits des Platzes die Schlagzeilen dominierten, kann sich der SK Sturm ab kommendem Wochenende wieder der Titelverteidigung widmen.

Seit der letzten Herbst-Runde ist einiges geschehen – oder auch nicht.

Mit Christian Jauk an der Spitze hat zwar eine neue Führungscrew die Arbeit aufgenommen, die dem Verein auch gleich einen längst fälligen Strukturwandel unterzogen hat. Einige wichtige Personalentscheidungen stehen jedoch nach wie vor aus.

So gilt es die beiden Vorstände für den sportlichen beziehungsweise wirtschaftlichen Bereich ebenso noch zu fixieren, wie den Coach für die kommende Saison.

Foda-Entscheidung in „naher Zukunft“?

Ob der neue Trainer am Ende doch wieder der alte ist? Mit dem abgetretenen Vorstand um Präsident Gerald Stockenhuber hatte sich Franco Foda nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Inzwischen sind die Karten vordergründig neu gemischt. Von einem fixen Abgang spricht auch der Meistermacher nicht mehr, auch wenn sein Verhältnis zu Jauk nicht als friktionsfrei gilt.

„Ich weiß selbst noch nicht, wie es im Sommer weitergeht. Für mich ist das Wichtigste, mich auf das Frühjahr zu konzentrieren. Alles andere wird man in naher Zukunft sehen“, erklärt der Deutsche im Gespräch mit LAOLA1.

In der Gegenwart kommt Foda in den Genuss, anders als im Herbst mit einem (fast) kompletten Kader zu arbeiten, was eine andere Performance als im holprigen Herbst erwarten lässt.

LAOLA1 nimmt für die Bundesliga-Vorschau den SK Sturm Graz unter die Lupe.

AUSGANGSLAGE

Schwarz-Weiß ist mit einem blauen Auge davongekommen. Denn es war alles, nur kein leichter Herbst für Sturm. Immense Verletzungssorgen zwangen Foda immer wieder zum Improvisieren, ärgerliche Selbstfaller kosteten unnötig Punkte. Auf Rang sechs zu  überwintern, klingt für einen regierenden Meister zwar unbefriedigend, nur fünf Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze sind ob dieser Umstände jedoch absolut im Rahmen. Foda führt es auf die internationale Doppelbelastung der Spitzenklubs zurück, dass in der Tabelle alles eng beieinander liegt. Der Coach betonte schon im Herbst, dass seine Elf im Frühjahr eine bessere Figur abgeben werde, wenn sich die Personalsituation entspannt habe: „Das war kein Zweckoptimismus. Es ist ja Fakt, dass wir im Herbst viele Verletzungen hatten. Trotzdem sind wir in der Meisterschaft gut dabei. Aber unser Ziel vor der Saison war es nicht, dass wir Meister werden, sondern wieder international dabei zu sein. Dieses Ziel werden wir weiterhin verfolgen.“


PERSONAL

Andreas Hölzl. So kurz war die Liste der rekonvaleszenten Spieler schon lange nicht mehr, und selbst der Tiroler ist bereits wieder ins Training eingestiegen. Ein Kennzeichen der Herbst-Saison war, dass verspätete Neuzugänge wie Jürgen Säumel, Milan Dudic und Darko Bodul keine Vorbereitung mit der Mannschaft absolviert hatten. Während dieses Trio nun etwaige Rückstände aufholen konnte, droht mit den drei Last-Minute-Verpflichtungen Rubin Okotie, Srdjan Pavlov und Christoph Kröpfl ein Déjà-vu. „Man muss jetzt sehen, wie fit die neuen Spieler sind und wie schnell sie sich in die Mannschaft integrieren, unsere Spielweise und Laufwege kennen. Wenn sie das intus haben, sehe ich kein Problem, dass sie uns weiterhelfen“, betont Foda. Der 45-Jährige hat schon mehrfach bewiesen, dass er Spieler, deren Karriere ins Stocken geraten ist, wieder aufpeppeln kann. Alle drei Neuzugänge fallen unter diese Kategorie, so wie vor zwei Jahren Roman Kienast. Der Goalgetter wurde nun an Konkurrent Austria weiterverkauft. „Es ist nicht so einfach, wenn man im Winter einen der besten Spieler abgibt“, bedauert der Deutsche, „man muss sehen, wie wir seinen Abgang verkraften.“ Okotie und Pavlov teilen sich das Erbe von Kienast. Foda ist zuversichtlich: „Mit den beiden haben wir gute Spieler an Land gezogen.“


AUSBLICK

Gelingt eine klare Steigerung gegenüber dem Herbst, könnte Sturm auch in dieser Saison ins Titelrennen eingreifen. Den Druck, den Titel verteidigen zu müssen, will sich Foda nicht auferlegen. Sein Favorit liegt auf der Hand: „Man sieht, wie Salzburg nochmals aufgerüstet hat. Sie haben das mit Abstand meiste Potenzial in der Mannschaft, insofern wäre es eine große Überraschung, wenn sie nicht Meister werden würden. Wir haben jedoch im Vorjahr bewiesen, dass es auch anders sein kann. Aber wir haben keinen Druck, wir wollen wie gesagt unter die Top drei.“ Der Deutsche prophezeit ein spannendes Frühjahr, in dem sich alle auf den Rängen eins bis sechs platzierten Mannschaften Hoffnungen auf die ersten drei Plätze machen können, betrachtet seine Mannschaft jedoch gut aufgestellt: „Ich bin der Überzeugung, dass wir eine gute Frühjahrs-Saison spielen werden.“

SPIELER IM BLICKPUNKT

Die Winter-Vorbereitung gehört nicht zu den angenehmsten Phasen in einem Fußballer-Leben. Jürgen Säumel dürfte sie tendenziell trotzdem herbeigesehnt haben. Im Herbst merkte man, dass der frühere Italien-Legionär schon längere Zeit kein geregeltes Aufbautraining im Mannschaftskreis genossen hatte. Entsprechend verletzungsanfällig präsentierte sich der Ex-Kapitän, der nach seinem am Ende glücklosen Legionärs-Abenteuer zu seinem Stammklub zurückkehrte. Ebenso bemerkte man jedoch, wie sehr der Publikumsliebling den Grazern helfen könnte. Vor allem in Kombination mit Manuel Weber kann der 27-Jährige für eines der stärksten Duos der Liga im zentralen Mittelfeld sorgen. Spielt Säumel nach längerer Zeit wieder einmal eine Halbsaison konstant und ohne Wehwehchen durch, kann er zweifelsohne der Motor der Sturm-Elf sein.

 

STATISTIK-SCHMANKERL

Eine Zahl sticht im Herbst der „Blackies“ sofort ins Auge: 28. So viele Gegentore kassierten die Grazer nämlich. Zum Vergleich: In der Meistersaison waren es insgesamt nur 33. Foda führt zwar den kurzfristigen Abgang von Gordon Schildenfeld und die fehlenden Automatismen in der Viererkette durch oftmalige Umstellungen als Begründungen an, will dies jedoch ausdrücklich nicht als Ausrede verstanden wissen: „Fakt ist: Wir haben zu viele Gegentore bekommen, gar keine Frage. Wir haben in der Vorbereitung am kompakten Verhalten in der Defensive gearbeitet. Wir müssen das natürlich abstellen, wenn wir wirklich ganz vorne dabei sein wollen. Denn hinten gewinnt man Titel.“ Davon, dass defensive Besserung in Sicht ist, ist der frühere Abwehrchef überzeugt: „Wir haben genug Qualität, um unsere Defensive zu stärken. Unsere  Spieler sind in der Lage, zu null zu spielen.“

Peter Altmann

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