Großangriff aus der zweiten Reihe

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Nach einem wechselhaften Herbst soll für Salzburg im Frühjahr überwiegend die Sonne scheinen.

Damit das der Fall ist, haben die "Bullen" im Winter noch einmal nachgerüstet, den ohnehin schon starken Kader weiter verstärkt.

Trainer Ricardo Moniz hat zwar die Schwächephase in der Hinrunde "überlebt" und den Machtkampf mit Sportdirektor Heinz Hochhauser gewonnen, der Druck ist aber nicht kleiner geworden.

LAOLA1 nimmt für die Bundesliga-Vorschau Red Bull Salzburg unter die Lupe:

AUSGANGSLAGE

Dass Salzburg nur zwei Punkte Rückstand auf Winterkönig Rapid hat, grenzt angesichts der Horror-Serie im Herbst fast an eine Sensation. Sieben Spiele in Folge, umgerechnet über zwei Monate, blieben die “Bullen“ sieglos. Gemessen an den finanziellen Voraussetzungen eine kaum zu glaubende Schwächephase. Nur dank eines guten Endspurts (zehn Punkte aus den letzten vier Partien) und einer generell schwächelnden Liga hat die Moniz-Truppe noch alle Chancen auf den Meistertitel. „Der wechselhafte Herbst war sehr interessant für mich. Ich habe gesehen, wer stark ist, wer in schlechten Zeiten Charakter zeigt und auch mit Widerständen umgehen kann“, hat Moniz seine Schlüsse gezogen.

 


PERSONAL

Fast schon traditionell gab es in Salzburg auch im Winter einige Rochaden. Daniel Offenbacher (leihweise zu BW Linz), Roman Wallner (RB Leipzig), Jefferson, Alex (beide nach Brasilien) und Luigi Bruins mussten die „Bullen“ verlassen, ihre Abgänge fallen aber kaum ins Gewicht, da bis auf Wallner ohnehin keiner Leistungsträger war. Gekommen sind dafür mit Jonathan Soriano (Barcelona) und Cristiano da Silva (Esporte Clube Juventude) zwei absolute Wunschspieler von Trainer Moniz. Vor allem Ersterer spielt eine zentrale Rolle im System des Niederländers und soll den verletzten Alan endlich vergessen machen. Cristiano ist der lange gesuchte „Zehner“, der für mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld sorgen soll. Moniz steht nun ein Luxus-Kader zur Verfügung, der fast keine Wünsche offen lässt.

 


AUSBLICK

Über die Ziele von Red Bull Salzburg muss man nicht viele Worte verlieren: Der Meistertitel ist Pflicht, der erstmalige Cup-Gewinn eine schöne Draufgabe und die Europa League das Tüpfelchen am i. So durchwachsen der Herbst auch war, die Moniz-Truppe ist immerhin in allen drei Bewerben noch aussichtsreich vertreten: Im ÖFB-Cup-Viertelfinale sollten die eigenen Juniors kein Stolperstein sein; im EL-Sechzehntelfinale wartet mit Charkiw zwar ein unangenehmer, aber auch schlagbarer Gegner; in der Liga ist der Rückstand auf Tabellenführer Rapid mit zwei Punkten aufholbar. Es könnte also allen Unkenrufen zum Trotz eine überaus erfolgreiche Saison werden.

 

SPIELER IM BLICKPUNKT

Es gibt in der Salzburger Defensive eigentlich keine Position, die Fränky Schiemer nicht schon gespielt hätte. Ob Rechtsverteidiger, Linksverteidiger, Innenverteidiger oder „Sechser“ – bislang fanden die RBS-Trainer noch immer einen Platz für den sympathischen Oberösterreicher. Im Frühjahr könnte es für den 25-Jährigen aber erstmals richtig eng werden. Denn in der Mitte sind Hinteregger und Douglas gesetzt, dahinter gibt es mit Sekagya und Pasanen hochkarätige Alternativen. Im defensiven Mittelfeld streiten sich Mendes und Lindgren um den einen Platz. Bleibt für Schiemer also nur mehr die ungeliebte rechte Abwehrseite als realistischster Einsatzbereich übrig. So wie man den ÖFB-Teamspieler aber kennt, wird er seine Situation ohne Murren hinnehmen und wieder einmal versuchen, sein Image als eierlegende Wollmilchsau zu bestätigen.

 

STATISTIK-SCHMANKERL

29 Spieler setzte Moniz im Herbst ein und sorgte damit für den Liga-Bestwert (Liga-Ø: 24 Spieler). Und der Niederländer wird im Frühjahr die 30er-Marke knacken, da Soriano und Cristiano neu in der Mannschaft sind. So sehr der 47-Jährige auch die Vorzüge einer großen Auswahl schätzt,  der aufgeblähte Kader könnte noch Probleme bereiten. Derzeit stehen Moniz trotz der fünf Abgänge immer noch 22 fitte Feldspieler zur Verfügung. „Je mehr Spieler, desto besser“, wiegelt Moniz ab und verweist auf den Herbst: „Man hat gesehen, dass unser Kader zu dünn für drei Wettbewerbe ist. Gerade wenn viele Spieler verletzt ausfallen. Da habe ich lieber zu viele Spieler im Kader.“ Für unzufriedene Profis ist dieser Kader jedoch ein guter Nährboden.

Kurt Vierthaler

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