Den "Falken" droht der Absturz

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Kapfenberg klammert sich an den letzten Strohhalm

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Nach vier Jahren en suite in der höchsten österreichischen Spielklasse droht den "Falken" der Absturz.

In den vergangenen Spielzeiten konnten die Obersteirer immer wieder den Kopf aus der Schlinge ziehen und schlugen einen vielversprechenden rot-weiß-roten Weg ein.

Doch auf einmal scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. Mit sieben Punkten Rückstand auf Mattersburg flüchtet man sich in die Hoffnung, doch noch irgendwie das Ruder herumzureißen.

Panikkäufe in letzter Sekunde und ausländische Lösungen mit Ausnahme von "Oldie" Sanel Kuljic widersprechen der Philosophie vergangener Tage.

Am großen Umbruch führte aber kein Weg vorbei, wie Präsident Erwin Fuchs im Gespräch mit LAOLA1 versichert.

"Man hat in den letzten Wochen nach Trainingsbeginn erkennen müssen, dass die Fehler immer dieselben sind und dass man einfach frische Kräfte einbinden muss. So ist es in dieser Sportart halt meistens leider Gottes üblich."

LAOLA1 nimmt für die Bundesliga-Vorschau den Kapfenberger SV unter die Lupe:

AUSGANGSLAGE

Für die "Falken" ist im Herbst so gut wie alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Zwar begann das vierte Jahr in Folge in der höchsten Spielklasse verheißungsvoll, da man sich nach drei Runden noch auf Platz drei wähnte. Seit der 7. Runde sind die Obersteirer mit einer einwöchigen Unterbrechung jedoch Tabellen-Schlusslicht. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt bereits sieben Punkte, zudem wies Kapfenberg nach 20 gespielten Runden noch nie weniger Punkte auf. Im Vorjahr hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Zähler am Konto, 2009/10 waren es 18 und 2008/09 15. Aktuell sind es zehn Punkte. Zu unkonstant präsentierte sich der von Anfang an als Abstiegskandidat gehandelte Klub, der mit 40 Gegentoren das Scheunentor der Liga ist. Der Abgang von Deni Alar konnte nicht kompensiert werden, zudem stockt die Talenteschmiede. Vom Ziel Klassenerhalt weicht Präsident Ernst Fuchs im Gespräch mit LAOLA1 aber nicht ab: "Wir verschwenden keinen Gedanken daran, dass wir es nicht schaffen könnten! Wenn wir den Glauben nicht hätten, hätten wir diesen ganzen Umbau nicht durchgeführt."

PERSONAL

Wie schon im Sommer ging es auch in der kalten Jahreszeit transfertechnisch rund beim Kapfenberger SV. Schon vor der Winterpause musste Werner Gregoritsch adieu sagen, Thomas von Heesen nahm seinen Platz ein. Michael Ordos kehrte bereits Anfang Jänner zu Sigma Olmütz zurück. Mit Srdjan Pavlov und Christoph Kröpfl zog es zwei Spieler, die am Abstellgleis standen, zum steirischen Konkurrenten Sturm. Danijel Micic heuerte leihweise bei WAC/St. Andrä an und Franck Matondo kickt ab sofort für Melk. Erst am 1. Februar wurde der Wechsel von Boris Hüttenbrenner zu Austria Klagenfurt vermeldet. Matej Mavric könnte den Verein noch immer in Richtung China verlassen. Aufgrund des drohenden Abstiegs flüchtete sich das Schlusslicht in Last-Minute-Transfers, bei denen sich erst bewahrheiten muss, ob es sich nicht um Panikkäufe handelt. Davon will Fuchs aber nichts wissen: "Ein Notkauf ist da sicherlich nicht dabei. Jeder Spieler hat seine Qualitäten, von einem Notkauf zu sprechen, wäre der falsche Ausdruck." Mit Michael Hanek (Lubin) und Peter Struhar (Dunajska Streda) kamen zwei slowakische Innenverteidiger. Der namhafteste Neuzugang ist Stürmer Sanel Kuljic, der nach seiner vereinslosen Zeit aber erst beweisen muss, dass er nichts verlernt hat. Auch Haruna Babangida, ehemaliger nigerianischer Teamspieler, ist ein klingender Name und soll die Torflaute bei den "Falken" beheben. Doch auch der 29-Jährige war zuletzt vereinslos. Mit den Brasilianern Nathan Junior (Skonto Riga) und Gerson Ferreira (Atletico Madrid II) wird der Kader abgerundet. "Von der Qualität her sind die ersten Eindrücke sehr gut. Die Offensivkräfte haben wir jetzt schon längere Zeit bei uns, da ist eine massive Qualitätssteigerung vorhanden. Bei der Defensivabteilung wird es sicher noch einige Wochen dauern", zeigt sich Fuchs mit dem abgeschlossenen Transferprogramm zufrieden.

AUSBLICK

In der aktuellen Situation ist es schwer, nicht vom Abstieg der Kapfenberger auszugehen. Trainer Thomas von Heesen hat zwar erstmals die Chance, in einer vollen Vorbereitung seine Vorstellungen umzusetzen. Allerdings geht es nach den späten Transfers wieder um die Eingliederung, neue Strukturen und neue Pläne. Viel wird davon abhängen, wie schnell die geholten Akteure ihre Qualitäten im Spiel umsetzen können und wie schnell sich ein Team findet. Von Vereinsseite wird bescheinigt, dass man alles Erdenkliche getan hat, um den Umschwung einzuleiten. "Mit der massiven Qualitätsteigerung müsste es von Heesen gelingen, sein Konzept nach der gemeinsamen Vorbereitung kompett umzusetzen", hofft Fuchs auf Zählbares. Ein guter Start könnte für die "Falken" enorm wichtig werden, um ein Lebenszeichen zu setzen. Kommt das Werk'l nach ein, zwei Siegen ins Laufen, darf man vom Klassenerhalt träumen. Realistisch ist die 180 Grad-Drehung jedoch vorerst nicht.

SPIELER IM BLICKPUNKT

Der Stern von Michael Gregoritsch ging unter seinem Vater auf, der den Verein im November verlassen musste. Seitdem muss sich der Stürmer alleine durchschlagen und sich vor allem unter einem neuen Trainer beweisen. Dass er sogar vom deutschen Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim gekauft wurde, ging ein bisschen unter, da er sofort für ein weiteres Jahr wieder an Kapfenberg verliehen wurde. Werbung in eigener Sache konnte er in der bisherigen Saison noch nicht machen, umso wichtiger wäre es, im Frühjahr zu zeigen, was in ihm steckt und Hoffenheim von der Richtigkeit der Entscheidung zu überzeugen. In den bisher drei Spielen unter von Heesen stand Gregoritsch junior anfangs zweimal in der Startelf, im dritten und bisher letzten Spiel verzichtete der Deutsche komplett auf das Nachwuchs-Talent. Mit Kuljic, Babangida und Nathan Junior wurden ihm gleich drei Stürmer vorgesetzt. Vertrauen sieht anders aus.

STATISTIK-SCHMANKERL

Nach der verpatzten Hinrunde eine Statistik besonders herauszustreichen, fällt schwer. Viel mehr ist es ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Kriterien, die begründen, warum Kapfenberg die rote Laterne trägt. Die Steirer erzielten mit 13 Toren die wenigsten aller zehn Bundeslisten, kassierten die meisten Gegentore (40) und ließen die meisten gegnerischen Torschüsse (338) zu. Zudem liefen die "Falken" neun Mal in Konter mit Folgen - Liga-Schlusslicht! Positiv kann nur das Zweikampfverhalten hervorgehoben werden. Bei gewonnen Kopfball-Duellen in der Offensive rangiert der KSV hinter Salzburg, Mattersburg, Ried und Rapid auf Rang fünf, defensiv sogar auf Rang vier. Bei den Bodenzweikämpfen offensiv (47,2 %) konnte nur Ried mehr für sich entscheiden. Darauf gilt es aufzubauen.


Alexander Karper

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