Saisonvorschau 2015: Wolfsberger AC

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Es geht um Bestätigung!

Allerdings wird es für den Wolfsberger AC nicht leicht, zu toppen, was in der vergangenen Saison gelang.

Mit sieben Siegen in den ersten acht Runden brachten es die Wölfe als erstes Kärntner Team zustande, an der Spitze der Bundesliga zu stehen.

Am Ende belohnte man sich mit dem fünften Endrang und dem Einzug in die Europa-League-Qualifikation und stellte mit 52 gesammelten Punkten das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte auf.

Aufgrund dieser Euphorie geht ein wenig unter, dass es im Frühjahr nicht ganz nach Wunsch lief, doch der Polster aus dem Herbst schlussendlich ausreichte.

Und dieses Jahr? Trainer Dietmar Kühbauer stellte im LAOLA1-Interview klar: "Wir haben eine Top-Saison gespielt und heuer das Budget reduziert. Erneut Fünfter zu werden, wäre ein unglaublich gutes Resultat."

Der Wolfsberger AC in der LAOLA1-Saisonvorschau:

In puncto Kader gab es keinen großen Umbruch.

Dieser ist klein, kompakt, aber durchaus wettbewerbsfähig.

Nur bei einem ähnlichen Verletzungspech wie im vergangenen Frühjahr sorgt sich Kühbauer: "Auch deswegen habe ich bei diesem kleinen Kader Bedenken. Wenn über Wochen hinweg vier, fünf Stammspieler ausfallen, fällt die Leistung ab. Aber das können wir nicht steuern, es kann immer etwas passieren."

Prinzipiell baut Kühbauer auf ein 4-2-3-1, auch ein 4-4-2 war in der Vorbereitung zu sehen.

Mit Nemanja Rnic und Manuel Kerhe verließen zwei Spieler den Verein, die viel geleistet haben. Dazu kamen auch noch Rene Seebacher, Attila Simon, Stefan Schwendinger und Herve Oussale.

Auf der anderen Seite könnte den Verantwortlichen mit Philipp Hellquist ein sehr guter Griff gelungen sein.

Der 24-jährige schwedische Stürmer stellte schon beim SC Wiener Neustadt sein Können unter Beweis und schlug in der Vorbereitung ein.

Mit Christoph Kobleder bekam man defensiv eine Alternative dazu, mit Thomas Zündel eine für die Außenbahn - sowohl defensiv als auch offensiv. Zudem gab man diesem nach der Suspendierung im Zuge des Wettskandals eine neue Chance, in die Bundesliga zurückzukehren.

Viel ändert sich nicht im Team, der WAC weist aber viele Möglichkeiten auf, um auch dieses Jahr eine schlagkräftige Truppe zu stellen.

TOR:

Im Tor brauchen sich die Wolfsberger weiterhin keine Sorgen zu machen. Alexander Kofler ist in der Vorsaison zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Keeper gereift, der sich mit seinen Leistungen sogar in den erweiterten Kreis des ÖFB-Nationalteams gespielt hat. Der 28-Jährige wird auch weiterhin den Nummer-1-Status genießen. Zudem haben die Wölfe mit Christian Dobnik (29) einen verlässlichen Ersatzmann, der jederzeit einspringen kann und bereits seine Spuren in der Bundesliga hinterlassen hat. Als dritter Keeper wurde der 25-jährige Rene Robitsch aus der zweiten Mannschaft hochgezogen.

LAOLA1-Bewertung: Kann Alexander Kofler an die gezeigten Leistungen anschließen, wird Christian Dobnik weiter warten müssen. Qualität besitzen beide, andere Teams können bei diesem Duo nur neidisch werden. Mit 28 bzw. 29 Jahren sind sie aber auch nicht mehr die Jüngsten.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Christoph Kobleder (A. Lustenau) Attila Simon (FC Gyirmot Györ)
Philip Hellquist (Wr. Neustadt) Rene Seebacher (Wr. Neustadt)
Thomas Zündel (Kalsdorf) Manuel Kerhe (LASK)
Rene Robitsch (WAC II) Stefan Schwendinger (A. Klagenfurt)
Christoph Rabitsch (WAC II) Nemanja Rnic (Ziel unbekannt)
Herve Oussale (Ziel unbekannt)

ABWEHR:


Kapitän Michael Sollbauer geht erneut als Abwehrchef in die Saison, an ihm führt kein Weg vorbei. Neben ihm wird Daniel Drescher den Vorzug gegenüber Neuzugang Christoph Kobleder bekommen, der zuletzt bei Austria Lustenau spielte. Auch Boris Hüttenbrenner kann in der Innenverteidigung aushelfen. Links in der Viererkette kommt es zu einer Fortsetzung des Zweikampfs zwischen Stephan Palla und Dario Baldauf, die sich schon in der Vergangenheit die Einsätze brüderlich teilten. Rechts gibt es mehrere Möglichkeiten: Die logische Variante sieht Routinier Joachim Standfest vor, der jedoch auch offensiver oder im defensiven Mittelfeld auflaufen kann. Ansonsten stehen auch der erprobte Michael Berger sowie Neuzugang Thomas Zündel parat.

LAOLA1-Bewertung: Zwar ist die Abwehrreihe weitestgehend eingespielt, allerdings fehlt die Tiefe und Abgebrühtheit. Dass die Viererkette anfällig ist, konnte man auch in der vergangenen Saison bei 50 Gegentreffern erkennen. Solide, mehr nicht.

MITTELFELD:

Das Mittefeld der Kärntner kann sich durchaus sehen lassen - sowohl nominell als auch von den Möglichkeiten her. Im defensiven Bereich zieht Manuel Weber die Fäden, voraussichtlich mit dem nach langer Verletzungspause wieder zurückgekehrten Peter Tschernegg. In der Vorbereitung durfte sich aber auch Roland Putsche mit viel Einsatzzeit Hoffnungen machen. Boris Hüttenbrenner und der universell einsetzbare Joachim Standfest sind ebenfalls ein Thema für die Zentrale. Im offensiven Bereich scheint nur Jacobo seinen Platz links sicher zu haben. Hinter der Spitze läuft es auf ein Duell zwischen Silvio und dem wieder topfitten Manuel Seidl hinaus. Rechts muss sich Christopher Wernitznig, der auch links spielen kann, bemühen, um den Vorzug gegenüber Thomas Zündel zu bekommen. Als Alternative steht auch Peter Zulj bereit, der alle Positionen in der offensiven Dreierkette einnehmen könnte. Youngster Christoph Rabitsch (19) darf vorerst nur schnuppern.

LAOLA1-Bewertung: Einiges los im Mittelfeld. Von den Namen her ist der WAC gar nicht so schlecht aufgestellt, Spieler wie Manuel Seidl oder Peter Tschernegg müssen nach ihren Comebacks im Frühjahr aber erst wieder beweisen, was in ihnen steckt. Vom Potenzial der Mittelfeldspieler her ist sicher einiges möglich.

ANGRIFF:


Lediglich drei Stürmer hat Dietmar Kühbauer in seinem Aufgebot. Im 4-2-3-1-System sollte somit alles auf Schweden-Bomber Philip Hellquist hinauslaufen. Der Neuzugang vom SC Wiener Neustadt schlug bereits in der Vorbereitung ein und stellte seine Qualitäten unter Beweis. Zum Leidwesen von Tadej Trdina, dem wohl vorerst nur die Reservistenrolle bleibt. Ebenfalls eine Alternative an vorderster Front ist Silvio, der jedoch auch als hängende Spitze eingesetzt werden kann.

LAOLA1-Bewertung: Ganz schön dünn, aber mit Philipp Hellquist hat der Angriff der Wolfsberger sicherlich an Qualität gewonnen. Beim WAC sollte es diesem zudem leichter fallen, Tore zu schießen, als noch in Wr. Neustadt. Trdina und Silvio in der Hinterhand zu haben, ist okay, aber nicht berauschend.

TRAINER:


Dietmar Kühbauer spuckt immer wieder einmal große Töne, er polarisiert und stellt sich vor seine Mannschaft. Aber trotz des Konfliktpotenzials schafft er es auch immer wieder, sportlich vieles richtig zu machen. Der 44-jährige Burgenländer ist beim WAC mittlerweile seit September 2013 im Amt und hat kontinuierlich eine schlagkräftige Truppe geformt, die vergangenes Jahr mit Platz fünf und der damit verbundenen Europacup-Qualifikation die Früchte ihrer Arbeit erntete. Der Trainer hat zusammen mit seinem treuen Wegbegleiter Manfred Nastl großen Anteil daran und beweist, dass man etwas aufbauen kann, wenn man die nötige Zeit dazu bekommt. Kühbauer weiß anscheinend, wie er mit den Spielern umzugehen hat, um das Bestmögliche herauszuholen.

LAOLA1-Bewertung: Dietmar Kühbauer geht unbeeindruckt und zielgerichtet seinen Weg, wie man ihn kennt. Auch wenn ein ähnlicher Höhenflug wie vergangene Saison unrealistisch erscheint, wird der Trainer seine Mannschaft wieder bestmöglich auf die Saison einstellen.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Michael Berger darf sich durchaus Hoffnungen auf viele Einsätze machen. Der 24-jährige Rechtsverteidiger steht bereit, wenn Oldie Joachim Standfest, der nicht jünger wird, ausfällt oder auf einer anderen Position gebraucht wird - das kommt nicht selten vor. Vergangene Saison war das 16 Mal der Fall. Für 4,7 Millionen durchaus überlegenswert.

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FÜNF FRAGEN:

Sind die Ansprüche aufgrund des Erreichens des Europacups gestiegen?

"Wenn sie für einzelne gestiegen ist, ist das in Ordnung", meinte Dietmar Kühbauer gegenüber LAOLA1. Fakt ist, dass der Verein mittlerweile noch mehr Aufmerksamkeit genießt. Die internationalen Testspiel-Kracher in Klagenfurt (Chelsea, Schalke) waren ein Vorgeschmack, was möglich wäre. Nun darf man sich selbst auf der Europa-League-Bühne messen, bestenfalls in der 3. Quali-Runde gegen Borussia Dortmund. Trotzdem sind die Kärntner weiterhin keinem Druck ausgesetzt. Platz fünf in der Vorsaison war schön, eine Wiederholung wäre aber doch eine Überraschung. Dementsprechend versucht Kühbauer am Boden zu bleiben - das Umfeld sollte dies auch.

Muss sich der WAC finanzielle Sorgen machen?

Ausgerechnet der Hauptsponsor ist durch das insolvente RZ-Sägewerk Wiesenau im Lavanttal in den Schlagzeilen. Dies soll jedoch keinen weiteren Einfluss auf den Rest der RZ-Gruppe haben, geschweige denn den WAC. Damit beruhigt zumindest Präsident und Miteigentümer der RZ-Gruppe Dietmar Riegler. Das Ausmaß ist schwer abzuschätzen. "Ich mache mir da keine Sorgen. Innerhalb der Mannschaft wurde darüber auch nie gesprochen. Der Präsident hat gesagt, dass das kein Problem ist – ich vertraue ihm da zu 100 Prozent", meint Kühbauer. Fakt ist, dass das Sponsoring vor der Saison zurückgeschraubt wurde und man somit auch in der Transferzeit auf der Bremse stand. Doch auch dies soll nicht in Verbindung damit stehen.

Hat die Aufschiebung des Einbaus der Rasenheizung Konsequenzen?

Zumindest in diesem Jahr noch nicht. Generell hat sich die Situation in der Bundesliga gebessert, nur Aufsteiger Mattersburg und eben die Kärntner stehen noch ohne Rasenheizung da. Bis kommenden Sommer muss aber gehandelt werden, denn ab der Saison 2016/17 ist diese in der Bundesliga Pflicht. Als einzige Alternative bleibt das Ausweichen zwischen November und März in ein anderes Stadion. Nach Klagenfurt hat man gute Beziehungen, mehrmals nützte man diese Möglichkeit bereits. Allerdings kostet dies Geld und möglicherweise Einnahmen, die man schon wieder in die infrastrukturelle Weiterentwicklung der Lavanttal-Arena stecken könnte.

Könnte der eng bemessene Kader zum Problem werden?

Ja! Der Großteil der Konkurrenten ist breiter aufgestellt, verfügt aber teilweise auch über mehr Mittel. Trainer Kühbauer ist zwar mit dem vorhandenen Kader und den punktuellen Verstärkungen während der Transferzeit zufrieden, dass es ein Risiko werden könnte, weiß er jedoch selbst: "Die finanziell besser dastehenden Klubs haben von der Kadergröße her einen riesigen Vorteil – wenn da drei Spieler ausfallen, können sie das auch über Wochen hinweg kompensieren." Die Verletzungsmisere des letzten Jahres sollte nicht noch einmal ausbrechen.

Könnte sich der neue Stürmer Philipp Hellquist als Goldgriff herausstellen?

Viel deutet darauf hin, dass der 24-jährige Schweden-Bomber die Anlagen hat, um gut ins Profil des Wolfsberger AC zu passen. An vorderster Front war man zuletzt ohnehin nicht gesegnet, mit 44 Toren hatte man die drittwenigsten der Liga. Auch, weil ein Knipser fehlte. Sieben Treffer von Tadej Trdina waren vergangene Saison schon der Bestwert. Hellquist hat sich durch das Frühjahr in Wr. Neustadt akklimatisiert und dort mit vier Treffern und guten Leistungen aufgezeigt. Mit jeweils einem Tor in den Testspielen gegen Schalke, Videoton und Kapfenberg fügte er sich gut ein, wurde immer wieder gesucht. Beweisen muss er sich aber trotzdem einmal.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

Hier findet ihr die Saison-Vorschauen aller Bundesliga-Klubs:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Alle Freunde und Fans des Wolfsberger AC sollten die neue Europacup-Erfahrung noch so lange wie möglich auskosten. Auch die vergangene Saison hat mit dem sensationellen Saisonstart und dem fünften Endrang Lust auf mehr gemacht und in Kärnten eine, wenn auch kleine, Euphorie entfacht. Allerdings scheint eine Wiederholung der starken Spielzeit eher unwahrscheinlich zu sein. Zwar ist man mannschaftlich nicht so schlecht aufgestellt und hat mit Dietmar Kühbauer einen erfahrenen Mann in den Reihen, andererseits hätte es auch schon 2014/15 ganz anders laufen können, wenn man in den ersten elf Spielen nicht neun Siege verbucht hätte. Sonst wäre nämlich sogar der Abstiegskampf zum Thema geworden und der Europacup in weite Ferne gerückt. Der Klassenerhalt wird kein Problem darstellen, dafür haben die Wolfsberger einfach zu viel Qualität in ihren Reihen. Hinter den Top 5 findet sich sicher ein Plätzchen, mit dem sich der WAC dann zufrieden geben kann. Abseits des Sportlichen stehen ohnehin andere Herausforderungen an, sowohl finanziell als auch was die Rasenheizung betrifft. Denn noch einmal aufschieben, wird nicht gehen. Bisher sind die Wölfe aber noch mit allen Problemen fertig geworden.

 

Alexander Karper

Redakteur Prognose WAC
Peter Rietzler 7.
Peter Altmann 8.
Harald Prantl 9.
Martin Wechtl 8.
Alexander Karper 7.
Bernhard Kastler 8.
Andreas Terler 7.
Matthias Nemetz 5.
Jakob Faber 8.
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