Saisonvorschau 2015: SK Rapid Wien

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Irgendwie ungewohnt!

Statt eines Umbruchs wie in den vergangenen Jahren blieb diesen Sommer beim SK Rapid ein Stein auf dem anderen.

Plötzlich hat Kontinuität Vorrang, plötzlich befindet sich der Verein in einer Position, in der dieser schon lange nicht mehr war.

Nach dem Vizemeistertitel und der damit verbundenen Berechtigung zur Champions-League-Quali herrscht eine Euphorie, ein Hype.

"In erster Linie wollten wir die Fans glücklich machen, andererseits wollten wir, dass der Gegner wieder Respekt vor uns hat. Beides haben wir geschafft. Wir wollen den nächsten Step machen. Die Herausforderung ist sehr groß, der Erwartungshaltung gerecht zu werden", kündigt Trainer Zoran Barisic bei LAOLA1 an.

Kein Neuanfang, gezielte Verstärkungen und das Privileg, aufgrund langfristiger Verträge bei Anfragen für Spieler ablehnen zu können, bilden die Basis für einen zuversichtlichen Start in die Saison.

Zudem kommt man der Fertigstellung des Allianz-Stadions, mit dem eine neue Ära eingeläutet wird, immer näher.

Rapid ist gerüstet, doch schlägt sich der positiv anmutende Weg auch in Erfolgen national wie international nieder?

Der SK Rapid Wien in der LAOLA1-Saisonvorschau:

Bereits früh trieb Rapid in diesem Jahr die Kaderplanung für die kommende Saison voran und wilderte beim SV Grödig.

Von den Salzburgern kamen mit Stefan Nutz, Philipp Huspek und Tomi Correa gleich drei ablösefreie Spieler, die laut den Verantwortlichen perfekt ins Portfolio passen.

Zudem fand man in Admiras Stephan Auer einen universell einsetzbaren Spieler, der vor allem rechts in der Abwehr für mehr Dichte sorgen soll.

Geld in die Hand nahmen die Grün-Weißen nur für Bremens Richard Strebinger, da nach dem überraschenden Abgang von Marko Maric (Hoffenheim/Gdansk) guter Rat teuer war.

Ansonsten war die Leihe von Dominik Starkl an die Admira früh beschlossen, Amateur Christian Schoissengeyr, der zu Sturm Graz wechselte, spielte in Überlegungen ohnehin noch keine große Rolle.

Erst wenige Tage vor dem Saisonstart wurden dann die Abgänge von Dominik Wydra (Paderborn) und Brian Behrendt (Bielefeld) bekannt, die man jedoch intern abzufangen versucht.

Für großes Theater sorgten viel mehr die Transfergerüchte um Robert Beric und Philipp Schobesberger, die von Reading bzw. Brentford mit Angeboten in Millionenhöhe gelockt wurden.

Rapid schmetterte diese ab, trieb den Preis in die Höhe und nützte die langfristigen Verträge, um das Interesse verstummen zu lassen. Vorerst zumindest. Denn auszuschließen ist auch weiterhin nichts.

Trainer Barisic gibt sich zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass die beiden Spieler beim Verein bleiben. Sie haben gültige Verträge."

Abgänge der beiden Shootingstars würde die Transferperiode nämlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen und möglicherweise noch zum Nachrüsten führen.

ZUGÄNGE

ABGÄNGE

Richard Strebinger (Werder Bremen)

Dominik Wydra (SC Paderborn)

Stephan Auer (Admira)

Brian Behrendt (Arminia Bielefeld)

Stefan Nutz (SV Grödig)

Marko Maric (Hoffenheim/Gdansk)

Philipp Huspek (SV Grödig)

Christian Schoissengeyr (Sturm Graz)

Tomi Correa (SV Grödig)

Dominik Starkl (Admira, Leihe)

TOR:

In der Torhüterfrage werden die Karten neu gemischt. Nach dem Abgang der vorgesehenen Nummer 1 Marko Maric reagierte Rapid mit der Verpflichtung von Werder-Torhüter Richard Strebinger, den man sich rund 500.000 Euro kosten ließ. Dem 22-jährigen ÖFB-Keeper gehört die Zukunft, heißt es laut Trainer Zoran Barisic. Was dies für die aktuelle Situation bedeutet, ist noch offen. Aller Voraussicht nach startet Jan Novota weiterhin als Nummer 1 in die Saison, während Strebinger auf seine Chance warten muss. Mit Tobias Knoflach hat man einen verlässlichen dritten Keeper, dem aber erneut ein neuer Mann vor die Nase gesetzt wurde.

LAOLA1-Bewertung: Jan Novota hat sich in der Bundesliga als solider Tormann mit nur wenigen Patzern bewiesen. Von einem "Über-Keeper" ist er jedoch weit entfernt. Strebinger hat duchaus Potenzial. Die Frage ist, wie schnell er bei Rapid hineinfindet. Beide haben jedoch das Zeug, die Nummer 1 zu bleiben/werden.

ABWEHR:

Die Abwehr ist eingespielt und hat in der vergangenen Saison die wenigsten Gegentore aller Vereine zugelassen (38). Vizekapitän Mario Sonnleitner führt in der Viererkette weiterhin Regie, um den Platz an seiner Seite kämpfen Maximilian Hofmann und Christopher Dibon, wobei sich Ersterer 2014/15 immer mehr steigern konnte und den lange verletzten Dibon gut vertrat. Vorteil Hofmann. Als Innenverteidiger-Alternative kommt auch Thanos Petsos in Frage. Auf der rechten Seite wird Stephan Auer den Vorzug bekommen, da Mario Pavelic noch verletzt ist und letzte Saison schwankende Leistungen bot. Links in der Abwehr gibt es an Thomas Schrammel kein Vorbeikommen. Zum Leidwesen von Stefan Stangl, der um Einsatzzeit kämpfen muss. Auch Michael Schimpelsberger scheint weiterhin im Kader auf und kann rechts helfen, sollte er nicht doch noch dem Lockruf eines anderen Vereins erliegen. Auch Srdjan Grahovac kann im Notfall in der Viererkette aushelfen.

LAOLA1-Bewertung: Die Abwehr hat durchaus Qualität und diese schon bewiesen. Zudem ist jede Position zumindest doppelt besitzt, was den Konkurrenzkampf anheizt. Aller Voraussicht nach gibt es nur rechts eine Veränderung zum vergangenen Jahr.

MITTELFELD:

Hier beginnt das Gedränge! Bei den möglichen Zusammenstellungen ist es kein Wunder, dass Barisic ankündigte, auch diese Saison kein reines Einser-Team zu haben. Im defensiven Bereich hat sich Thanos Petsos wieder als Sechser bewiesen, Stefan Schwab als Achter. Stefan Nutz konnte in der Vorbereitung aber überzeugen und wird seine Chance suchen. Nach den Abgängen von Dominik Wydra (Paderborn) und Brian Behrendt (Bielefeld) bleibt noch Srdjan Grahovac als Backup, zudem kennt der universell einsetzbare Stephan Auer die Position bereits von der Admira. In der Zentrale hängt viel von der Fitness von Kapitän Steffen Hofmann ab. Spielt er, ist ein Platz fix besetzt. Spielt er nicht, würde entweder Louis Schaub, einer der großen Gewinner der Vorbereitung, oder Deni Alar den Part übernehmen. Ansonsten könnte Schaub auch über rechts kommen, wenn sich da nicht Philipp Schobesberger letzte Saison mehr als aufgedrängt hätte. Links hat Florian Kainz nach starken Leistungen im vergangenen Jahr die besten Karten. Links oder rechts kann zudem Philipp Huspek eingesetzt werden, der seit Beginn seines Engagements ebenfalls einen guten Eindruck hinterließ. Beim vom Verletzungspech gebeutelten Andreas Kuen muss man abwarten, ob und in welcher Form er mit Fortlauf der Saison zurückkommt. Im Mittelfeld ist somit viel Rotation vorprogrammiert. Viele der genannten Akteure sind individuell auf den fünf Positionen im 4-2-3-1 einsetzbar. Auch Tomi Correa kann hinter der Spitze agieren.

LAOLA1-Bewertung: Die vorhandenen Möglichkeiten sind eindrucksvoll, bergen aber gleichzeitig Unzufriedenheitspotenzial bei Einzelnen. Alles in allem ein sehr starkes Aufgebot, das durch die Neuen noch mehr frischen Wind bekam. Einziges Fragezeichen: der Verbleib von Philipp Schobesberger.

ANGRIFF:

Bleibt er oder bleibt er nicht? Das ist hier die Frage! Widersteht Robert Beric dem Lockruf aus England und konzentriert sich weiterhin auf Rapid, ist der Angriff der Hütteldorfer gesegnet. Ein 27-Tore-Mann hilft klarerweise weiter. Sollte sich der Slowene doch noch verabschieden, bleibt abzuwarten, ob noch nachgerüstet wird oder ob man mit den vorhandenen Alternativen die Saison weiterführt. Deni Alar wäre die erste Option, er kann aber auch dahinter im offensiven Mittelfeld agieren. Ein klarer Stoßstürmer ist Philipp Prosenik, der bei seinen Kurzeinsätzen im Vorjahr seine Qualität unter Beweis stellte und wichtige Tore erzielen konnte. Tomi Correa ist ein erfahrener Mann, der besonders als Joker wichtig werden kann, da er technische Feinheiten, Ballsicherheit sowie Übersicht mitbringt.

LAOLA1-Bewertung: Mit Beric top, ansonsten müssen die anderen erst beweisen, dass sie den Slowenen ersetzen können. Durchaus keine einfache Aufgabe, zumal auch noch eine Verstärkung im Falle eines Abgangs möglich wäre. Ein Vorteil ist, dass Barisic lauter verschiedene Stürmer-Typen zur Verfügung hat.

TRAINER:

Von vielen Seiten wird Zoran Barisic belächelt, oder wird es immer noch. Doch was der 45-jährige Wiener seit seiner Amtsübernahme vor etwas mehr als zwei Jahren bewirkt hat, steht für sich. Trotz drastischer Kaderumbrüche hat es "Zoki" geschafft, eine schlagkräftige Mannschaft zu formen, die zwei Mal in Folge Vizemeister wurde, 2013 in die Europa-League-Gruppenphase einzog und nun mit etwas Kontinuität Ansprüche auf Champions League und Meistertitel anmeldet. Vor allem die menschliche Komponente wird bei ihm stets hervorgestrichen, zudem sein Gespür für junge Spieler, die er teilweise von den Amateuren bis zu den Profis formte. Doch nicht nur Barisic alleine ist dafür verantwortlich, sondern auch Thomas Hickersberger, Carsten Jancker, Raimund Hedl und Alexander Steinbichler, die zusammen ein starkes, homogenes Team bilden.

LAOLA1-Bewertung: Zu bewerten ist die Arbeit auf dem Platz und das, was in den vergangenen Jahren entstanden ist - da kann man Barisic keinen Vorwurf machen. Ein Trainer, der sich sicherlich entwickelt hat und zudem ein starkes Team an seiner Seite hat, das mögliche Schwächen abdeckt.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Ein Rapid-Stammspieler um 7,9 Millionen? Da heißt es zuschlagen! Alles deutet darauf hin, dass Stephan Auer den Vorzug gegenüber Mario Pavelic bekommt. Zudem wäre er universell einsetzbar und könnte auch links hinten, im defensiven Mittelfeld oder offensiv auf der Außenbahn spielen. Normalerweise braucht man da nicht lange überlegen.

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FÜNF FRAGEN:

Kann Rapid den Meistertitel heuer tatsächlich angreifen?

Die Vorzeichen stehen so gut wie lange nicht. Zudem verspricht die Bundesliga insgesamt noch mehr Spannung als in den vergangenen zwei Jahren, in denen RB Salzburg quasi zum Titel getragen wurde. Aber: So gut Rapid auch wirtschaftlich und sportlich derzeit aufgestellt ist, führt der Weg trotzdem über die Mozartstädter. Aderlass schön und gut, aber dafür wurden neue, starke Spieler geholt. Was für Rapid spricht, ist seit langem wieder die Kontinuität und das Vertrauen in den eigenen Kader, der nur punktuell verstärkt werden musste, um die Qualität zu erhöhen. Es gilt abzuwarten, wie nahe Rapid Salzburg kommen kann.

Kann Rapid Robert Beric und Philipp Schobesberger wirklich halten?

Aktuell schaut es gut aus, da das Interesse der englischen Interessenten verpufft ist. Doch die Transferzeit ist noch lange. Viel wird wohl auch darauf ankommen, ob sich Rapid für eine Europacup-Gruppenphase qualifiziert oder nicht. Wenn nicht, stehen die Zeichen noch mehr auf Abschied. Aber: Rapid hat die Zügel in der eigenen Hand, da die begehrten Spieler längerfristige Verträge haben. Somit können die Grün-Weißen Beric und Schobesberger definitiv halten. Die Frage ist nur, ob diese sich dann noch dementsprechend in den Dienst der Mannschaft stellen, wenn sie unbedingt wegwollen. Hier gilt es Fingerspitzengefühl zu beweisen. Die Taktik, nicht beim erstbesten Angebot nachzugeben, ist gut. Doch sollte ein Verein mit einem Angebot über die Schmerzgrenze hinausschießen und die Spieler abwanderungsbereit sein, wird es für beide Seiten ein Abschied das Beste sein.

Kann die große Auswahl an Alternativen zu Problemen führen?

Definitiv. Dass Rapid an Qualität dazugewonnen hat, steht außer Frage. Doch schon vergangene Saison mussten sich einige mit der Reservistenrolle trösten und kamen nicht zum Zug. Nun ist die Dichte an Stammelf-Anwärtern noch größer, teilweise stehen drei bis vier Spieler pro Position zur Verfügung. Trainer Barisic kündigte bereits an, keine Einsermannschaft zu forcieren, sondern mit Rotation für Zufriedenheit und Frische zu sorgen. Leichter gesagt, als getan. Denn mit der momentan positiven Stimmung und dem guten Mannschaftsgefüge könnte es schneller vorbei sein, als man glaubt. Gelingt es dem Trainerteam, die Qualitäten jedes einzelnen herauszukitzeln und jedem die entsprechende Spielzeit zu verschaffen, stellt sich das Problem nicht. Dies wird jedoch eine echte Herausforderung.

Auf wen fällt die Entscheidung in der Tormann-Frage?

Noch gibt sich Trainer Barisic kryptisch. Für ihn ist Richard Strebinger ein Versprechen für die Zukunft. Ein wilder, junger, hungriger Keeper, der das Zeug zur Nummer eins hat. Allerdings fehlen dem 22-Jährigen noch, abgesehen von zwei Einsätzen in der deutschen Bundesliga, die Erfahrungen im Profibereich, die vor allem beim Start in der CL-Quali gegen Ajax Amsterdam sicher nicht schaden können. In dieser Hinsicht hat ihm der erfahrene Jan Novota etwas voraus. Noch dazu hat sich dieser nur wenig zu Schulden kommen lassen. Marko Maric wäre wohl als neue Nummer 1 in die Saison gegangen, doch er entschied sich für einen Wechsel. Strebinger muss bei Rapid erst hineinfinden, somit deutet viel darauf hin, dass Novota in die Saison startet und erst mittendrin die Wachablöse forciert wird.

Wie schreitet der Bauprozess des Allianz-Stadions voran?

Alles läuft nach Plan. Der Baufortschritt geht munter voran, auch Projektleiter Harry Gartler ist mit der Umsetzung sehr zufrieden. Bei einem Lokalaugenschein auf dem Areal des ehemaligen Hanappi-Stadions sieht man bereits, welch Großprojekt hier entsteht. Die Bauträger ragen in den Himmel, die Ost- bzw. Nordtribüne sind bereits mit Platten versehen. Auch die Röhre der Haupttribüne nimmt Gestalt an. WC-Anlagen sind ebenso im Entstehen, wie Kioske, Rollstuhlfahrerplätze, Abdichtungen und Wärmedämmungen samt Anschlüssen. In wenigen Monaten könnte ein Großteil des Rohbaus abgeschlossen sein, dann geht es an die Feinheiten. Der Saisoneröffnung im Sommer 2016 steht nach aktuellem Stand nichts im Wege. Natürlich können sich Verzögerungen und Schwierigkeiten einstellen, vorerst ist aber nicht davon auszugehen.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

Hier findet ihr die Saison-Vorschauen der einzelnen Bundesliga-Klubs:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Es ist angerichtet! Aufgrund der Tatsachen darf in dieser Saison viel vom SK Rapid erwartet werden. Kadertechnisch herrschen mittlerweile die besten Voraussetzungen, um wichtige Leistungsträger zu halten, Verletzte zu ersetzen und für den nötigen Konkurrenzkampf auf allen Positionen zu sorgen. Das kurzfristige Denken hat mit der Arbeit von Sportdirektor Andreas Müller aufgehört, nun wird zielstrebig und zukunftsorientiert gearbeitet, um nicht jedes Jahr erneut bei Null beginnen zu müssen. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung und die Fans spüren das. Die Stimmung im und um den Verein ist gut, die Euphorie sollte mehr als positive Energie denn als Hemmung wahrgenommen werden. Dann können die Grün-Weißen in dieser Spielzeit den Grundstein legen, um ab 2016 im Allianz-Stadion eine neue Ära einzuläuten. Aber Vorsicht: Ein Selbstläufer wird es nicht, vor allem da der Titelkampf nur über RB Salzburg geht. Aber alleine die Tatsache, dass Rapid wieder in anderen Dimensionen denkt, zeigt, dass in den vergangenen Monaten die richtigen Schritte gesetzt wurden.


Alexander Karper

Redakteur

Prognose Rapid

Peter Rietzler

2.

Peter Altmann

2.

Harald Prantl

1.

Martin Wechtl

2.

Alexander Karper

2.

Bernhard Kastler

2.

Andreas Terler

2.

Matthias Nemetz

1.

Jakob Faber

2.

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