Saison-Vorschau: Wr. Neustadt

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Saisonvorschau 2014: SC Wr. Neustadt

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Sommer für Sommer wird der SC Wiener Neustadt als heißester Abstiegskandidat gehandelt.

Saison für Saison gelingt es den Niederösterreichern aber doch, die Klasse zu halten. Mal weniger (2012/13), mal mehr (2013/14) souverän.

Auch diesmal geht der SCWN als Underdog in die Meisterschaft. Wenngleich zumindest am Trainerstuhl so etwas wie Kontinuität eingekehrt ist - Heimo Pfeifenberger geht bereits in seine dritte Saison und ist somit der längstdienende Coach aller Bundesliga-Klubs.

Ein wenig anders sieht es auf höherer Ebene aus. Dort ist Präsident Manfred Rottensteiner nämlich Geschichte, die Suche nach einem Nachfolger läuft und dauert wohl auch noch.

Den Laden schmeißt aber sowieso in erster Linie Günter Kreissl. Der 40-Jährige Manager stellt mit den geringsten Mitteln der Liga Sommer für Sommer eine schlagkräftige Truppe zusammen und sorgt zudem dafür, dass auch in Sachen Umfeld und Infrastruktur immer mehr Professionalität einkehrt.

Honoriert werden diese redlichen Bemühungen aber wenig bis gar nicht. In der abgelaufenden Saison verzeichnete der SCWN einen Zuschauerrückgang von 17,6 Prozent und lockte im Durchschnitt nur 2.264 Menschen an.

Quantitativ hat sich in der Transferzeit beim SCWN - fast schon traditionell - einiges getan. Abgesehen von vier Ausnahmen (Jürgen Säumel, Stefan Stangl, Peter Hlinka, Manuel Wallner) wurde der Stamm aber gehalten.

Zudem wurde der Kader wieder mit etlichen Kickern aus unteren Ligen aufgefüllt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Niederösterreicher mit dieser Taktik auf dem Transfermarkt stets gut gefahren sind.

Die wichtigste Rolle unter den Neuzugängen spielt zweifellos Tobias Kainz, der die von Jürgen Säumel hinterlassene Lücke schließen soll. Doch auch von Spielern wie Reinhold Ranftl, Osman Ali und Christian Deutschmann erwartet sich das Trainerteam einiges.

Und weil es in der Vorsaison vor allem Defensiv nicht so wirklich geklappt hat (Pfeifenberger: "84 Gegentore sind ein absolutes No-Go. Damit steigst du normalerweise ab."), hat sich der Coach etwas Neues überlegt.

Obwohl er das 4-2-3-1 immer noch als "unser Grundsystem" bezeichnet, haben die Testspiele gezeigt, dass wohl vornehmlich auf ein 3-4-1-2, das bei gegnerischem Ballbesitz auf eine Fünfer-Abwehrkette umschaltet, wird.

Von der Spielanlage her soll es aber grundsätzlich auch weiterhin offensiv bleiben. Schon im Winter fand bei Pfeifenberger ein Umdenken statt, der neuen Philosophie will er nun auch in der neuen Spielzeit unbedingt treu bleiben.

Dass seine Truppe dafür aber die richtige Balance, die im Frühjahr oft gefehlt hat, finden muss, ist auch klar.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Mark Prettenthaler (Pasching) Jürgen Säumel (Wacker Innsbruck)
Tobias Kainz (Sturm Graz) Michael Berger (WAC)
Michael Tieber (SC Kalsdorf) Stefan Stangl (Rapid Wien)
Christian Deutschmann (SC Kalsdorf) Thomas Fröschl (Ried)
Mario Ebenhofer (Amstetten) David Witteveen (Kapfenberg)
Domenik Schierl (Liefering) Arvedin Terzic (FAC)
Abd Al Rahman Osman Ali (SV Kapfenberg) Jörg Siebenhandl
Julian Salamon (SC/ESV Parndorf) Peter Hlinka
Reinhold Ranftl (SK Sturm) Manfred Rottensteiner
Markus Glänzer (WAC Amateure)
Manuel Wallner (Austria Klagenfurt)
Stefan Rakowitz
Marco Angeler

TOR:

Jörg Siebenhandl hat den Verein verlassen, weshalb Thomas Vollnhofer praktisch alleine auf weiter Flur ist. Der 29-Jährige war in der Vorsaison schon über weite Strecken die Nummer eins der Niederösterreicher, konnte dabei aber nur selten richtig überzeugen. Mit einer Fangquote von 62,4 Prozent zählte er zu den schwächsten Keepern der gesamten Bundesliga. Dahinter stehen zwei neue, gänzlich unerfahrene Youngster. Mit Domenik Schierl kam ein 19-jähriger Keeper aus Liefering - er hat gewiss Potenzial, aber eben gerade erst sechs Spiele in der zweithöchsten Liga absolviert. Die Nummer drei, Christopher Stadler (20), wurde von den eigenen Amateuren hochgezogen.

LAOLA1-Bewertung: Die Besetzung im Tor ist alles andere als gut. Vollnhofer hat bislang keinen sehr sicheren Eindruck hinterlassen. Dahinter fehlt jegliche Erfahrung. Schon in der Vorsaison war es sehr fragwürdig, dass Siebenhandl derart ausgebootet wurde, dass kein adäquater Ersatz geholt wurde, macht es noch schlimmer.

ABWEHR:

Mit 84 Gegentreffern hat sich die Abwehr in der Vorsaison als die schwächste der Liga erwiesen. Dennoch wurde - zumindest in der Zentrale - personell wenig verändert. Das neue System sieht jedoch drei Innenverteidiger vor. Die Kandidaten: Routinier Mattias Sereinig, Kapitän Dennis Mimm, Remo Mally und Neuzugang Christian Deutschmann, der aus Kalsdorf gekommen ist und getrost als Gewinner der Vorbereitung bezeichnet werden kann. Auch Christoph Freitag ist innen in der Dreierkette ein Thema. Auf der linken Außenposition ist die Besetzung eher dünn - Lukas Denner, der im Winter von Rapid kam, ist wohl gesetzt, sein Backup ist Routinier Mark Prettenthaler, der zuletzt mit Pasching in der Regionalliga gekickt hat. Rechts kann sich der im Frühjahr von Sturm an Hartberg verliehene Reinholf Ranftl gegen seinen Hauptkonkurrent Mario Pollhammer gute Chancen ausrechnen. Mimm und Mally können zur Not auch als Außenverteidiger agieren.

LAOLA1-Bewertung: Die Zahl der 84 Gegentreffer wurde durch die Salzburger Schützenfeste gewiss verfälscht, nichtsdestoweniger hätte der Defensive der eine oder andere Spieler mit Bundesliga-Erfahrung nicht geschadet. Wenn routinierte Kräfte wie Mimm und Sereinig ausfallen, wird es sehr eng.

  MITTELFELD:

Jürgen Säumel hat die Mannschaft im Frühjahr geführt und nun verlassen. Ein Abgang, an dem die Niederösterreicher schwer zu knabbern hatten. Ein wenig anders verhält es sich mit Peter Hlinka, der eineinhalb Jahre lang Führungsspieler war, dann aber mehr und mehr auf das Abstellgleis geschoben wurde. Wie dem auch sei, in der Zentrale sind nun andere gefragt, allen voran Neuzugang Tobias Kainz. Daneben werden sich wohl Daniel Schöpf und Christoph Freitag abwechseln. Hinter den bzw. der Spitze/n agiert Matthias Koch, der von Kristijan Dobras, der zunächst verletzt fehlt, Julian Salamon oder Herbert Rauter verstärkt werden kann. Sollte 4-2-3-1 gespielt werden, sind auf den Flügeln Pollhammer, Dobras, Schöpf, Salamon, Rauter, Ranftl, Denner und die Neuzugänge Osman Ali sowie Mario Ebenhofer ein Thema.

LAOLA1-Bewertung: Wenn Kainz und Koch mit der gestiegenen Verantwortung wachsen, können die Abgänge von Säumel und Hlinka abgefangen werden - allerdings steht dahinter ein Fragezeichen. Ansonsten hat Pfeifenberger im Mittelfeld wieder viele Optionen und wird auch öfter mal rotieren. Solide.

ANGRIFF:

Mit seinen zehn Treffern war Thomas Pichlmann in der abgelaufenen Saison der wichtigste Angreifer des SCWN. Daran wird sich auch in der neuen Spielzeit nichts ändern. Allerdings gibt es im Angriff noch weitere Optionen. Etwa Julian Salamon, der mit neun Parndorf-Toren im Gepäck aus der Ersten Liga geholt wurde. Oder Michael Tieber, der in 30 Regionalligaspielen für Kalsdorf starke 25 Treffer erzielt hat. Nicht der klassische Stürmer, aber etwas hinter Pichlmann eine Möglichkeit, ist Ex-Kapfenberger Osman Ali, dessen Unberechenbarkeit von Pfeifenberger sehr geschätzt wird. Und dann gibt es auch noch das 18-jährige Talent Daniel Maderner, das seine ersten talentproben bereits abgegeben hat. Auch Herbert Rauter kann im Angriff eingesetzt werden.

LAOLA1-Bewertung: Die Neuzugänge müssen erst beweisen, dass sie auch in der Bundesliga ihre Tore machen können. Auf Pichlmann wird aber auch in dieser Saison wieder Verlass sein. Torfestivals darf man von diesem Angriff freilich keine erwarten, Flaute wird aber auch keine herrschen.

TRAINER:

Heimo Pfeifenberger geht in seine dritte Saison als Trainer des SC Wiener Neustadt und ist damit der längstdienende Coach der Bundesliga. Dass er mit einem vermeintlich schwachen Kader die Klasse halten kann, hat der Ex-Profi also schon zwei Mal bewiesen. Seit Ende des Frühjahrs muss er allerdings ohne seinen Co Mario Posch, der viel taktische Arbeit übernommen hat, auskommen. Die Lücke wurde mit der Verpflichtung von Christian Ilzer, der sich bei den Spielern großer Beliebtheit erfreut, geschlossen. Neu ist auch Thomas Raser - 24-jähriger Standby-Profi, Assistent von Manager Kreissl und Videoanalyst. Für neue Impulse wurde im Trainerteam also gesorgt.

LAOLA1-Bewertung: Pfeifenberger versucht stets taktisch mit der Zeit zu gehen und hat zu den meisten Spielern einen sehr guten Draht. Wie sehr die taktischen Kniffe von Posch fehlen werden, wird sich zeigen. Nach zwei Jahren tut dem Team ein wenig frischer Wind in Pfeifenbergers Umfeld aber sicher ganz gut.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

SCHLÜSSELSPIELER:

Tobias Kainz: Beim SK Sturm kam der ehemalige Niederlande-Legionär in der Vorsaison lediglich zu sporadischen Einsätzen, zum Leistungsträger wurde er nie. In Wiener Neustadt muss der 21-Jährige allerdings von Anfang an funktionieren, soll er doch die Lücke, die Jürgen Säumel hinterlassen hat, schließen. Wenn der Steirer sein Potenzial ausschöpft, wird er im Mittelfeld des SCWN eine bedeutende Rolle spielen.

 

Thomas Pichlmann: Mit seinen 33 Jahren ist der Wiener der älteste Kaderspieler der Niederösterreicher. Und dank seiner Jahre in Italien auch zweifellos jener mit der größten Erfahrung. Das muss der Angreifer in die Waagschale werfen, um einer der Anführer dieser Truppe, die noch ziemlich grün hinter den Ohren ist, zu werden. Darüber hinaus ist der SCWN auch auf die Tore des Stürmers angewiesen. Vergangene Saison waren es zehn.

UNTER DRUCK:

Matthias Koch: Durch die Abgänge von Jürgen Säumel und Peter Hlinka ist der 26-Jährige praktisch über Nacht zu jenem SCWN-Spieler in der Mittelfeld-Zentrale mit den meisten Bundesliga-Partien geworden. Dementsprechend ist die Verantwortung, die er übernehmen muss, gestiegen. Abermals nur drei Tore und zwei Assists - wie in seiner ersten Saison bei den Niederösterreichern - werden bestimmt nicht genügen.

 

Daniel Schöpf: Lediglich acht Partien hat der 24-Jährige in der vergangenen Saison gemacht - verletzungsbedingt. Nichtsdestoweniger halten sie in Wiener Neustadt große Stücke auf den Mittelfeldspieler. Ihm wird nachgesagt, Fähigkeiten zu besitzen, die ihn zumindest zu einem österreichischen Top-Klub bringen können. Diesmal muss Schöpf den Beweis antreten.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Neuzugang Christian Deutschmann (26) hat Trainer Heimo Pfeifenberger überzeugt und wird in der Innenverteidigung spielen. Für lediglich 4,4 Mio. ist er zu haben.

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DAS LAOLA1-FAZIT:

Ob das gut gehen kann? Diese Frage stellt sich beim SC Wiener Neustadt vor jeder Saison. Doch die Verantwortlichen sind erneut positiv gestimmt. Und man ist geneigt, ihre Zuversicht zu teilen. Denn bis auf ganz wenige Ausnahmen wurden die wichtigsten Spieler gehalten und bei den Neuzugängen hat Manager Günter Kreissl nicht erst einmal bewiesen, dass man keine großen Namen holen muss, um in der Bundesliga mitspielen zu können. Zaubern wird der SCWN auch in dieser Saison nicht, aber das erwartet sowieso keiner. Grundsolide Leistungen werden aber erneut zu sehen sein, von einem Fixabsteiger kann also keineswegs gesprochen werden, wenngleich die Niederösterreicher aller Voraussicht nach erneut in den Kampf gegen den Abstieg verwickelt sein werden. Wirklich Kopfzerbrechen bereitet das äußert geringe Zuschauer-Interesse - hier scheint die Klub-Führung einfach kein geeignetes Rezept zu finden.


Harald Prantl

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