Saison-Vorschau: SV Grödig

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Saisonvorschau 2014: SV Grödig

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Bestätigung.

Der SV Grödig schaffte in der vergangenen Saison als Aufsteiger  mit Platz drei den Sprung in den Europacup.

Es war eine echte Sensation, wenngleich die jüngste Vergangenheit zeigt, dass der Liga-Neuling  in seiner ersten Saison in Österreichs höchster Spielklasse immer eine gute Figur abgibt.

Nun stehen die Salzburger vor ihrem zweiten Jahr in der Bundesliga.  Diese ist – auch nicht erst seit kurzem bekannt – die schwierigste.

Nicht wenige Klubs straucheln nach einer fulminanten Premieren-Spielzeit im Jahr danach. Dem nicht genug steht Grödig vor einem kompletten Neustart. Erfolgscoach Adi Hütter kletterte die Karriereleiter nach oben und  übersiedelte ins benachbarte Salzburg zu Meister Red Bull, Stützen wie Mario Leitgeb, Dieter Elsneg oder Peter Tschernegg haben den Klub verlassen.

Neuer Chefcoach ist Michael Baur. Für den Tiroler, der bis November 2013 Anif in der Regionalliga West betreute, ist es der erste Trainerjob in der Bundesliga.

„Für mich ist es natürlich eine große Freude, aber auch Herausforderung, dass ich Adi Hütter nachfolgen darf“, berichtet der 45-Jähige, dem durchaus bewusst ist, dass kein leichtes  Jahr auf ihn und den Klub wartet.

„Die Abgänge haben natürlich Lücken hinterlassen, aber wir haben sie recht gut gefüllt. Die Vorbereitung ist ganz gut gelaufen, aber die Stunde der Wahrheit kommt erst. Wir werden sehen, wo wir stehen.“

Am bereits eingeimpften Spielstil will der 45-Jährige nichts ändern. Pressing und Gegenpressing stehen auch beim Ex-Internationalen hoch in der Gunst.

„Es hat Grödig schon vergangene Saison ausgezeichnet, dass es im Kollektiv funktioniert und im modernen Fußball geht es nur über die Mannschaft. Wir wollen den Stil beibehalten, mit Pressing und Gegenpressing spielen und weniger Gegentore bekommen, das war vielleicht ein Manko vergangene Saison. Ziel ist es also, guten Fußball zu spielen, den Gegner unter Druck zu setzen und die Tore zu erzielen.“

Oberstes Ziel ist der Klassenerhalt. „Wir wollen so schnell wie möglich unten weg sein und dann vom Herzen weg drauf los spielen.“

TOR:

Cican Stankovic ist die klare Nummer eins. Der in Bosnien-Herzegowina geborene Österreicher bringt alles mit, was einen guten Tormann auszeichnet. Nachdem der auslaufende Vertrag von Kevin Fend nicht mehr verlängert wurde,  kam im Sommer mit Pirmin Strasser ein neuer Schlussmann. Der 23-Jährie war in den letzten Jahren in Spanien bei der zweiten Mannschaft von UD Almeria unter Vertrag, konnte sich dort jedoch nicht für höhere Aufgaben empfehlen. Als dritter Torhüter fungiert der junge Adnan Adilovic (20).

 

LAOLA1-Bewertung: Mit einer Fangquote von 72,7 % ist Grödigs Stankovic statistisch gesehen der zweitbeste Tormann der Liga. Mit der Verpflichtung von Strasser hat Manager Christian Haas einen guten Fang gemacht. So gesehen sind die Salzburger auf dieser Position gut besetzt.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Yordy Reyna (leihweise von RBS) Mario Leitgeb (Austria)
Bernd Gschweidl (Horn) Dieter Elsneg (Ried)
Timo Brauer (HSV II) Taxiarchis Fountas (zurück zu RBS)
Sandro Djuric (FC Liefering) Tadej Trdina (WAC)
Robert Völkl (FC Liefering) Peter Tschernegg (WAC)
Roman Wallner (Wacker Innsbruck) Christian Hayden (St. Pölten)
Daniel Schütz (Wacker Innsbruck) Kevin Fend
Pirmin Strasser (UD Almeria) Hannes Sigurdsson
Thomas Goiginger (TSV Neumarkt) Marco Perchtold (KSV)
Fabio Strauss (Austria Salzburg)

ABWEHR:

An und für sich kann Michael Baur auf eine eingespielte Abwehr zurückgreifen. Allerdings plagen sich einige wichtige Akteure mit Verletzungen herum. So etwa Abwehrchef und Kapitän Ione Cabrera. Der Spanier ist in der Innenverteidigung gesetzt, eine Knöchelverletzung macht ihm jedoch zu schaffen. Mattias Maak gilt als erster Vertreter. Ihm zur Seite steht Maximillian Karner. Neuzugang Fabio Strauss gilt ebenfalls als Alternative. Rechts ist aufgrund der Verletzungen von Marvin Potzmann (Schambeinentzündung) und Lukas Schubert (Herzprobleme) die Lage brenzlig. Derzeit ist nur Florian Hart einsatzbereit. Links gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Robert Strobl und Christoph Martschinko. Ersterer scheint derzeit die Nase vorne zu haben.

LAOLA1-Bewertung: Jede Position ist mindestens doppelt besetzt, der Stamm spielt schon seit längerer Zeit zusammen. Ein ganz wichtiger Faktor für gute Leistungen. Wie gut sich jedoch die Abwehr verkaufen wird, hängt auch davon ab, wie schnell die Verletzten zurückkehren. Speziell ein längerer Ausfall von Cabrera wäre mehr als eine Schwächung.

  MITTELFELD:

Der Aderlass ist enorm. Tschernegg weg, Elsneg weg, Leitgeb weg. Nun gilt es sich neu aufzustellen. Zum Glück hat sich Philipp Huspek gegen Rapid und für Grödig entschieden. Der 23-Jährige war der beste Assistgeber und am linken Flügel gesetzt. Sein Backup ist Sascha Boller. Auf der rechten Seite ruhen die Hoffnungen in Yordy Reyna. Salzburgs Leihgabe soll für ebenso viel Dampf sorgen. Der Peruaner spürt jedoch den Atem von Daniel Schütz, der auch Ambitionen auf einen Startplatz hat. Nicht zu vergessen: Simon Handle. In der Mitte führt kein Weg an Stefan Nutz vorbei, der in der vergangenen Saison sieben Tore und vier Vorlagen beisteuerte. Ihm zur Seite in der Zentrale steht Timo Brauer, der von der zweiten Mannschaft des HSV engagiert wurde. Als weitere Alternativen gelten die jungen Ex-Lieferinger Sandro Djuric und Robert Völkl sowie Thomas Goiginger.

LAOLA1-Bewertung: Hier wartet auf den Neo-Coach die meiste Arbeit. In der Vergangenheit war das Mittelfeld noch das Prunkstück, doch nach den zahlreichen Abgängen fängt man praktisch von vorne an.  Das Zusammenspiel muss so schnell wie möglich funktionieren, sonst könnte es eine böse Überraschung geben. Auf der anderen Seite darf man gespannt sein, wie sich Reyna und Brauer integrieren.

ANGRIFF:

Überschaubar. Gerade einmal drei gelernte Stürmer tummeln sich im Kader. Mit Roman Wallner konnten die Salzburger einen prominenten Namen an Land ziehen. Der Steirer soll den abgewanderten Trdina ersetzen. Ebenfalls fix eingeplant ist Tomi. Der Spanier kann auf eine solide erste Bundesliga-Saison zurückblicken und wird in gewohnter Manier als hängende Spitze zum Zug kommen. U19-Teamstürmer Bernd Gschweidl darf sich angesichts der fehlenden Konkurrenz auch auf Einsatzminuten vorbereiten.

LAOLA1-Bewertung: Hier darf aber schon gar nichts passieren. Verletzt sich einer, ist Feuer am Dach. Ein Stürmer würde dem Klub auf jeden Fall noch gut tun. Gespannt darf man sein, wie sich Roman Wallner, der aktuell nicht ganz fit ist, präsentiert. Obwohl nicht mehr der Jüngste, sind dem 32-Jährigen einige Tore zuzutrauen.

TRAINER:

Der Tiroler tritt also das schwere Erbe von Adi Hütter an. Noch dazu ist es seine erste Station als Trainer einer Bundesliga-Mannschaft. Zuvor betreute der 45-Jährige bis November 2013 knapp zwei Jahre den Regionalliga-Klub USK Anif. Man darf dem 40-fachen ÖFB-Teamspieler daher durchaus eine kleine Eingewöhnungsphase gönnen. Zu lange darf diese aber nicht dauern. Baur möchte Hütters Philosophie fortsetzen, einen ähnlich modernen und erfolgreichen Fußball praktizieren lassen. „Wir wollen offensiv spielen, aber es braucht auch die Defensive“, sagt der Neo-Coach.

LAOLA1-Bewertung: Irgendwann ist immer das erste Mal. Grödig könnte dafür ein dankbarer Boden sein. Der Druck ist nicht so groß wie bei anderen Klubs, medial steht man im Schatten von RB Salzburg. Auf der anderen Seite zählen im Fußball nur Ergebnisse. Bleiben diese aus, wird es ungemütlich.



Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

SCHLÜSSELSPIELER:

Cican Stankovic: Der 21-Jährige löste im vergangenen Herbst Kevin Fend, mittlerweile nicht mehr beim Verein, ab und rechtfertigte das Vertrauen mit konstant guten Leistungen. Auf der Linie bärenstark strahlt der U21-Teamtorhüter auch die notwendige Ruhe aus, um seiner Mannschaft Sicherheit zu geben. Und diese Attribute werden heuer mehr denn je gefragt sein.

 

Philipp Huspek: 14 Assists, dazu sechs Tore! Das konnte sich in der letzten Saison sehen lassen. Die Salzburger leben von den Vorlagen des 23-jährigen Flügelspielers. Das Interesse von Rapid kam daher nicht von ungefähr. Doch Huspek lehnte ab, möchte seine Leistungen bestätigen und zumindest noch eine Saison in Grödig verbringen. Für die Baur-Elf ein absoluter Glücksfall.

UNTER DRUCK:

Yordy Reyna: Mit großen Vorschusslorbeeren wechselte der Peruaner im vergangenen Sommer zu Red Bull Salzburg. Doch bei den Mozartstädtern konnte sich der 20-Jährige nicht durchsetzen, brachte es lediglich auf vier Kurzeinsätze und spielte ab Winter bei den Juniors in der Ersten Liga. Jetzt bietet sich die Möglichkeit zu zeigen, was er kann. Und es ist wohl seine letzte Chance in Österreich.

 

Sascha Boller: 22 Einsätze lesen sich ja eigentlich nicht schlecht, wenn allerdings nur sieben über die volle Distanz bestritten werden, weiß man, wie es um den Deutschen bestellt ist. Richtiger Stammspieler war der 30-jährige Edeltechniker nie. Vor eineinhalb Jahren noch bei Rapid ein Thema droht dem Routinier in dieser Saison angesichts der starken und vor allem jungen Konkurrenz wieder die Ersatzbank.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Du suchst einen Verteidiger? Wir hätten da eine Lösung parat. Max Karner hat sehr gute Chancen auf einen Platz in der Startelf. Der 24-Jährige wird wohl als Innenverteidiger zum Einsatz kommen. Bei einem Marktwert von 6,10 Millionen kann man da schon einmal zuschlagen.

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DAS LAOLA1-FAZIT:

Das zweite Jahr in der Bundesliga ist bekanntlich das schwerste. Die erste Euphorie ist verflogen, der Gegner hat sich auf einen eingestellt. Diese Erfahrungen werden auch die Grödiger machen. Die letzte Saison ist nicht zu toppen. Was soll nach dem sensationellen dritten Platz und der damit verbundenen Europacup-Qualifikation heuer folgen? Der Meistertitel? Wohl kaum! Noch dazu, wo die besten Männer abgeworben wurden. Ganz ehrlich: Die Vorzeichen sehen nicht rosig aus. Ein unerfahrener Trainer, der sich erst beweisen muss. Eine Mannschaft, die sich erst finden muss. Engagement kann man den Verantwortlichen allerdings nicht absprechen. Manager Haas versucht stetig, seinen Klub mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln weiter zu bringen. Doch reicht das, um langfristig in der Bundesliga zu bestehen? Die Rahmenbedingungen in der 6.872 Einwohner zählenden Marktgemeine sind trotz der Bemühungen alles andere als erstklassig. Schon in der vergangenen Spielzeit war das Zuschauerinteresse gering. Der Klassenerhalt muss und kann daher nur das Ziel sein.

 

Martin Wechtl

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