Sommer-Check: SC Wiener Neustadt

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Es war ein Kampf bis zum Schluss. Letztlich hat der SC Wiener Neustadt die Klasse aber gehalten, wurde sogar Siebenter.

"Das war eine wertvolle Erfahrung für die jungen Spieler", sagt Trainer Heimo Pfeifenberger.

An der Zielsetzung hat sich bei den Niederösterreichern freilich nichts geändert, hier bleibt man realistisch: "Wir wollen wieder in der Liga bleiben, das ist das Wichtigste. Aber wir wollen uns auch konstanter präsentieren als in der Vorsaison."

Doch vorerst muss die Mannschaft erst zueinander finden, immerhin haben im Sommer wieder einige Leistungsträger den Klub verlassen. Dennoch ist der Coach zuversichtlich: "Mir ist bewusst, dass es wieder eine ganz schwere Saison wird. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir wieder eine schlägkräftige Mannschaft stellen."

LAOLA1 hat die große Saisonvorschau für den SC Wiener Neustadt:



UNTER DRUCK:

Jörg Siebenhandl: In die vergangene Saison ging der 23-Jährige noch als unumstrittene Nummer eins. Diesmal ist das nicht mehr der Fall. Das hat zwei Gründe. Zum Einen hat Siebenhandl 2012/13 gegenüber der Vorsaison ein wenig nachgelassen (Fangquote 61,9% zu 71,6%; 53 zu 44 Gegentore; 5 zu 13 zu-Null). Zum Anderen hat Konkurrent Thomas Vollnhofer geglänzt, als Siebenhandl verletzunsgbedingt passen musste - nur sieben Gegentreffer in acht Spielen, vier Mal zu-Null.

SHOOTINGSTAR:

Stefan Stangl: Der Durchbruch ist dem 21-Jährigen bislang versagt geblieben. Ein einziges Bundesliga-Spiel hat er für den SK Sturm bestritten, zudem war er schon an den SV Grödig und den SV Horn verliehen. In Wiener Neustadt will Stangl nun endlich beweisen, dass er auch das Zeug für die höchste Spielklasse hat. Die Chance dazu wird er mit Sicherheit bekommen, vor allem im linken Mittelfeld dürfte Platz für ihn sein.

SCHLÜSSELSPIELER:

Peter Hlinka: "Er ist unser Ruhepol", sagt Trainer Heimo Pfeifenberger über den Slowaken. Mit seinen 34 Jahren hat der Mittelfeldspieler mehr Erfahrung als alle seiner Mitspieler und auch fast alle seiner Gegner. Der Routinier dirigiert seine Kollegen, verteilt die Bälle und ist hin und wieder auf für einen Treffer gut. Im Sommer liebäugelte Hlinka kurz mit einem Wechsel nach Ried, ehe er doch beim SCWN verlängerte. Bei seinem Arbeitgeber fielen den Verantwortlichen nach der Unterschrift Steine von den Herzen.

Manuel Wallner: Vor etwas mehr als einem Jahr war der Kärntner noch Spieler der Austria. In Wien-Favoriten war aber niemand mehr der Meinung, dass er noch den Durchbruch schaffen könnte, also ließ man Wallner nach Wr. Neustadt ziehen. Etwas mehr als ein Jahr später ist der 24-Jährige unumstrittener Stammspieler in der Innenverteidigung. Achtbester Boden-Zweikämpfer der vergangenen Saison, in der Luft immerhin auf Platz 16 - der Abwehrspieler hat sein Können unter Beweis gestellt. Nach dem Abgang von Christian Ramsebner muss er noch mehr Verantwortung übernehmen.

TRAINER:

Heimo Pfeifenberger: Der 46-Jährige hat seine erste Bundesliga-Saison hinter sich. Und er hat die Bewährungsprobe bravourös bestanden - unterm Strich stand mit der nominell wohl schwächsten Mannschaft der Liga der Klassenerhalt und Rang sieben. Nun steht dem Coach abermals eine schwierige Aufgabe bevor, denn Wiener Neustadt sind erneut mehr Leistungsträger abhanden gekommen, als ihm lieb war. Doch Pfeifenberger lässt sich den Druck nicht anmerken, geht mit Freude und Charme an die Arbeit. Das färbt aufs Team ab.

Die Verantwortlichen in Wiener Neustadt sind gefragt, jenen Weg, den sie in Ansätzen schon in diesem Sommer eingeschlagen haben, fortzusetzen. Erstmals wurden Spieler mit Verträgen, die nicht nach einem Jahr auslaufen, ausgestattet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man mit den ersten Erfahrungen der Nach-Magna-Zeit weiß, woran man finanziell ist. Nun gilt es, die Talente, die sich in Wiener Neustadt in die Auslage spielen, bei ihren Abgängen zu Geld zu machen - und das funktioniert eben nur, wenn sie nach einer guten Saison noch einen laufenden Vertrag haben. Die restlichen Baustellen der Niederösterreicher sind altbekannt: Das Image der grauen Maus muss abgelegt werden, um mehr Zuseher ins spärlich besuchte Stadion zu locken. Das funktioniert freilich auch mit infrastrukturellen Verbesserungen - die ersten wurden in diesem Sommer schon in die Tat umgesetzt.

Nein, die ganz große Nummer ist Herbert Rauter freilich nicht. Aber er ist in Wiener Neustadt gesetzt. Und solche Spieler sind für Manager wichtig, denn sie bringen Runde für Runde Punkte. Mit einem Wert von 7,20 Millionen ist der Steirer einer der günstigen Stammspieler im Bundesliga Manager. Zudem kann der Offensivmann auch als Bankspieler, der fix einspringt, wenn einer doch mal unerwartet ausfällt, verwendet werden.

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THESE: WIENER NEUSTADT IST UNABSTEIGBAR

PRO - Ein Kommentar von Harald Prantl

Ich höre sie schon wieder alle schreien: "Fixabsteiger! Fixabsteiger!" Macht nichts. Nach 36 Runden werden sie sich wieder wundern, warum es den SC Wiener Neustadt abermals nicht erwischt hat. Dabei gibt es doch so viele Argumente, die für einen Klassenerhalt sprechen. Dass wieder einige Leistungsträger abhanden gekommen sind, ist für die Niederösterreicher nichts Neues, sie stellen praktisch jeden Sommer ihr Team fast komplett neu auf. Und ich behaupte, dass die Abgänge diesmal weniger schwer wiegen als in den Vorsaisonen. Zudem hat Trainer Heimo Pfeifenberger wie die meisten Spieler die erste Bundesliga-Saison hinter sich. Die wissen jetzt wie der Hase läuft. Und da wäre noch die Motivation, es zu einem größeren Klub zu schaffen. Man darf nicht vergessen, dass der durchschnittliche SCWN-Kicker weniger verdient als die Akteure bei anderen Klubs. Diese Jungs spielen, laufen und kämpfen nicht nur um den Klassenerhalt, sondern um ihre Karrieren.


CONTRA - Ein Kommentar von Peter Altmann

Gleich vorweg: Hut ab vor der Arbeit in Wiener Neustadt. Was die Verantwortlichen trotz arg limitierter Mittel Jahr für Jahr auf die Beine stellen, kann sich mehr als sehen lassen. Dafür steige ich auch gerne argumentativ in den Ring. Aber bei der These, dass die Niederösterreicher unabsteigbar seien, kann ich beim besten Willen nicht mehr mit. Dafür ist in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass es den Verein in absehbarer Zukunft einmal erwischen wird, viel zu hoch. Denn nach derzeitigem Stand ist für mich das Potenzial, den nächsten Schritt in Richtung Mittelfeld der Liga zu machen, einfach nicht erkennbar. Eine vernünftige Stadioninfrastruktur, nur so als Beispiel, ist nicht in Sicht. Jahr für Jahr wird es sich nicht ausgehen, die Billiglohn-Plattform für Talente in der Warteschleife zu sein.


  • 1 - Da war es nur noch einer... Jörg Siebenhandl ist der letzte verbliebene Spieler, der seit der ersten Saison der Wiener Neustädter in der Bundesliga, 2009/10, im Kader steht. Mit Christian Ramsebner und Bernd Besenlehner verließen die anderen zwei "Urgesteine" den Klub im Sommer.
  • 6 - Von den 13 Spielern mit den meisten Einsatzminuten stehen sechs nicht mehr im Kader der Wiener Neustädter. Es handelt sich um Daniel Offenbacher, Christian Ramsebner, Dario Tadic, Thomas Piermayr, Dominik Hofbauer und Matthias Maak. Man kann also durchaus von einem kleinen Umbruch sprechen.
  • 32 - Mit 32 Treffern ist den Niederösterreichern in der Vorsaison durchschnittlich nicht einmal ein Tor pro Partie gelungen. Nach dem Abgang von Dario Tadic (sieben Tore) ist Peter Hlinka mit seinen vier Treffern der beste verbliebene Torschütze. Angesichts der zweitschwächsten Trefferquote in der Vorsaison (12,7 Torschüsse pro Tor) besteht ganz klar Verbesserungsbedarf.
  • Die Trefferquote aus Elfmetern in der Vorsaison betrug genau 50 Prozent. Von vier Strafstößen konnten lediglich zwei verwandelt werden (Peter Hlinka und Daniel Offenbacher), zwei wurden verschossen (Günter Friesenbichler und Daniel Offenbacher). Man darf gespannt sein, ob die Niederösterreicher 2013/14 mehr Nervenstärke beweisen.
  • 2750 - Mit durchschnittlich 2750 Zusehern pro Heimspiel waren die Niederösterreicher das Schlusslicht der Liga. Dabei hatten sie mit sechs Siegen, sechs Remis und sechs Niederlagen immerhin eine ausgeglichene Bilanz aufzuweisen.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Es entwickelt sich etwas in Wiener Neustadt. Der stete Abstiegskandidat Nummer eins schafft Jahr für Jahr den Klassenerhalt und etabliert sich zudem als attraktives Sprungbrett für junge Spieler. So schafften es etwa in diesem Sommer Christian Ramsebner zur Meister Austria Wien und Daniel Offenbacher zum SK Sturm. Zudem muss positive erwähnt werden, dass beim SCWN sehr vernünftig gewirtschaftet wird. Es ist zwar nicht viel Geld vorhanden, dieses wird aber sinnvoll ausgegeben - und zwar nur jenes Geld, das auch tatsächlich da ist. Einzig mit der gewünschten Konstanz im Kader will es noch nicht so recht klappen, weshalb Trainer Heimo Pfeifenberger - der sich in seiner ersten Bundesliga-Saison sehr gut geschlagen hat - auch diesmal wieder eine sehr schwierige Aufgabe bevorsteht. Nein, Wiener Neustadt wird keine Sensation liefern und plötzlich um die internationalen Startplätze mitspielen, aber der Klassenerhalt ist dieser Mannschaft auch in dieser Saison wieder allemal zuzutrauen.


Harald Prantl

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