Sommer-Check: FC Wacker Innsbruck

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Hurra, sie leben noch!

Eigentlich schon 20 nach 12 hat sich Wacker Innsbruck in der vergangenen Saison durch 20 magische Minuten beim "Wunder von Wolfsberg" gerettet - ein derat nervenraubendes Finish, dass Trainer Roland Kirchler nach seiner schon legendären Attacke auf den vierten Schiedsrichter zu Saisonbeginn eine einmonatige Funktionssperre absitzen muss.

Die Tiroler sind mit einem klassischen blauen Auge davongekommen. Hat man im "Heiligen Land" daraus gelernt?

Beschleunigt wurde die sportliche Talfahrt durch chronische Finanzprobleme. Für diese Saison wurde das Budget für den Kader noch einmal minimiert.

Dennoch herrscht, zumindest leise und vorsichtig, so etwas wie Aufbruchstimmung. In seinem "Zweitjob" als Sportdirektor ist es Kirchler gelungen, sein Team trotz geringer finanzieller Mittel verhältnismäßig ansprechend zu verstärken.

Und an der Vereinsspitze steht der Machtwechsel vom glücklosen Präsidenten Kaspar Plattner zu Josef Gunsch unmittelbar bevor - eine Umstrukturierung, die neue Türen öffnen könnte.

LAOLA1 hat die große Saisonvorschau für den FC Wacker Innsbruck:



UNTER DRUCK:

Tomas Abraham: Er ist der gefühlte Kapitän, aber kein Stammspieler mehr. Also wird das Amt der Spielführers zum Wanderpokal, während Abraham alle Hände damit zu tun hat, seine einstige Vormachtstellung im Innsbrucker Mittelfeld zurückzuerobern. Derzeit sieht es so aus, als würde der 98-fache Bundesliga-Spieler seinen "Hunderter" als Joker bestreiten. Dies kann auch im fortgeschrittenen Alter von 34 nicht der Anspruch des Tschechen sein. In seiner vermutlich letzten Saison ist Abraham gefordert, sich selbst einen würdigen Abschied zu bereiten.

SHOOTINGSTAR:

Stipe Vucur: Höchste Zeit, dass sich der 21-Jährige in der Bundesliga beweisen kann. In den vergangenen Transferzeiten stand der aus dem Nachwuchs von Red Bull Salzburg stammende Kroate immer wieder auf dem Wunschzettel diverser Vereine. Geklappt hat er mit einem Transfer nie. Kann Vucur sein beim FC Lustenau angedeutetes Potenzial auch in der Bundesliga umsetzen, sollte er fraglos eine Bereicherung für die in der Vorsaison schwache Wacker-Abwehr sein.

SCHLÜSSELSPIELER:

Egoitz Jaio: Der Innenverteidiger sieht sich selbst als "baskischen Bauer". "Er passt gut zu uns, den Bauern von Tirol", grinst Kirchler im LAOLA1-Talk. Gänzlich ohne Augenzwinkern: Dieser Transfer muss sitzen! Einen Fehlgriff bei einem bald 33-jährigen Legionär kann sich der finanzschwache Verein kaum leisten. So schmerzhaft Jaios Wacker-Einstand mit einer Kieferverletzung war, so sehr muss er die wackelige Abwehr stabilisieren. Denn die kassierte trotz des starken Goalies Szabolcs Safar mit 75 die meisten Gegentore der Liga.

Roman Wallner: Safar ist laut Kirchler die "Lebensversicherung" des FC Wacker. Das stimmt defensiv. In der Offensive muss Wallner dem Spiel Leben einhauchen. Mit inzwischen 31 Jahren ist der Steirer zum Leader gereift. Mit seiner Routine muss er die jungen Kadermitglieder führen und gleichzeitig seinen Torriecher öfter als 2012/13 (6 Treffer) unter Beweis stellen, als er erst Ende August zu einer verunsicherten Elf stieß. Denn an vorderster Front ist Wacker eher dünn aufgestellt.

TRAINER:

Roland Kirchler: In den vergangenen Wochen hätte der Tag für Kirchler 48 Stunden haben können. Denn der 42-Jährige fungiert in Innsbruck nicht nur als Trainer sondern interimistisch auch als Sportdirektor. Eine immense Doppelbelastung. Dabei hat er als noch unerfahrener Coach mit seiner Hauptaufgabe tendenziell ohnehin genug zu tun. Spät fand er in der Vorsaison ein Erfolgsrezept. Man darf gespannt sein, ob er seiner Elf in Jahr zwei den geplanten modernen Stempel aufdrücken und sie weiterentwickeln kann.

Der Kader des FC Wacker steht. Kirchler hat trotz knappen Budgets eine hoffnungsvolle Truppe zusammengestellt, zumindest sollte der Kampfmannschaft in dieser Saison nicht eine derartige Baustelle wie im Vorjahr sein, sprich nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Aber sonst? Baustellen über Baustellen. Zuallererst gilt es, den Machtwechsel an der Vereinsspitze reibungslos über die Bühne zu bringen. Mit Kaspar Plattner dankt der Präsident ab. Seinem designierten Nachfolger Josef Gunsch und seinem Team muss es gelingen, das Vertrauen der Tiroler Wirtschaft in den Klub wieder zu stärken und den Verein auf gesündere Beine zu stellen, will man Zitterpartien wie in der Vorsaison künftig vermeiden. An Aufbruchstimmung fehlte es in Innsbruck zuletzt ohnehin, auch das Publikum muss wieder mitgerissen werden. Das soll durch Offensivfußball auf dem Platz geschehen. Abseits davon muss Kirchler entlastet werden. Nach der dubiosen Trennung von Sportdirektor Oliver Prudlo wurde der Posten nicht nachbesetzt, der Coach füllt ihn interimistisch aus. Er spricht selbst von Burnout-Gefahr, sollte dies zum Dauerzustand werden. Der Klassenerhalt in letzte Sekunde ist ein "Geschenk", das der Verein nutzen sollte. Wie groß das Potenzial in Innsbruck ist, weiß man. Der FC Wacker muss sich aber entsprechend organisieren, um es auch auszuschöpfen - die wichtigste Baustelle dieser Saison.

Treffsichere Stürmer sind im Bundesliga-Manager sehr begehrt - und kosten auch dementsprechend. Daniel Brauneis könnte eine billige Alternative darstellen. Mit bald 27 Jahren ist der Grazer etwas verspätet in der Bundesliga angelangt. Nach einigen Jahren bei Gratkorn in der Ersten Liga stellte er in den vergangenen vier Saisonen bei Allerheiligen, dem GAK und Amstetten seinen Torriecher unter Beweis. Hat Trainer Roland Kirchler mit der Verpflichtung des Steirers einen guten Beriecher beweisen und kommt dieser zu Einsätzen, ist er mit 5,4 Millionen ein wahres Schnäppchen.

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THESE: DER FC WACKER MUSS DEN TIROLER WEG GEHEN

PRO - Ein Kommentar von Peter Rietzler

Ob im legendären Tivoli-Stadion oder im Tivoli Neu: Die Leistungen der Tiroler sind eng mit der Begeisterungsfähigkeit ihres Publikums verbunden. Wenns läuft, dann stimmt der Support auf den Rängen. Wenn sich das Publikum - wie aktuell zu bemerken - bitten lässt, ist Wacker weit davon entfernt, eine Heimmacht zu sein. Jara, Eigenstiller, Welzl oder Oberacher, später dann Linzmaier, Hörtnagl, Baur, Kirchler, Streiter oder Wazinger - Wacker spielte stets den besten Fußball, wenn die Leistungsträger echte Tiroler waren. Auch, weil sich das Publikum mit den Landsleuten hundertprozentig identifiziert. Und damit im Verein eine Gesamt-Harmonie herrscht, die für Top-Leistungen sorgt. Tirol hat Talente, Tirol braucht das Publikum. Da liegt es auf der Hand, den Tiroler Weg zu gehen und an alte Erfolge anzuschließen.


CONTRA - Ein Kommentar von Peter Altmann

Der FC Wacker sollte den Tiroler Weg gehen. Aber muss er auch? Nein. In kaum einem Bundesland ist der Lokalpatriotismus derart ausgeprägt wie im "Heiligen Land". Da kann es sogar vorkommen, dass in Lokalmedien zwischen Tirolern und "auswärtigen Inländern" unterschieden wird. Verständlich, dass der Tiroler Fußball-Fan wehmütig an die von Eigenbauspielern geprägten Glanzzeiten zurückdenkt. Aber, und das ist nun einmal die wenig romantische Wahrheit: Wenn die derzeitige Generation an Tiroler Fußballern nicht genügend Qualität hat, müssen eben der Kärntner Christopher Wernitznig, der Wiener Thomas Bergmann oder die Steirer Christian Schilling und Daniel Schütz ran. Das ist völlig nachvollziehbar. Mit Roland Kirchler ist ein Trainer mit genügend Heimatbewusstsein am Werk. Er wäre wohl der Erste, der Tiroler forciert. Derzeit kann er das kaum. Dies sagt uns, das aus der landeseigenen Akademie wieder höherklassiges Material kommen sollte.

5 - So viele Spiele bestritt der neue Abwehrchef Egoitz Jaio in der spanischen Primera Division - allesamt 2008/09 für Numancia. In der zweiten Spielklasse kam der 32-Jährige immerhin auf deren 131 Einsätze.

12,8 - So viele Torschüsse brauchte Wacker Innsbruck in der abgelaufenen Spielzeit, um zu einem Treffer zu bekommen. Damit hielt man in dieser Kategorie knapp hinter Wiener Neustadt (12,7) die "Rote Laterne". Diese Statistik gilt es dringend zu verbessern.

72 - So viele Tore erzielte Neuzugang Daniel Brauneis in den vergangenen vier Jahren für die Regionalligisten Allerheiligen, GAK und Amstetten. Ob der Steirer auch in der Bundesliga seinen Torriecher beweist?

75 - Kein Bundesligist kassierte in der Vorsaison mehr Gegentreffer als der FC Wacker. Entsprechend bemüht war Kirchler, die Abwehr umzubauen.

252 - Kein Team probierte es 2012/13 öfter aus der Distanz, immerhin 252 Weitschüsse stehen für die Tiroler zu Buche. Die Zielsicherheit ließ jedoch zu wünschen übrig, denn daraus resultierten nur sechs Treffer.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Der Beinahe-Abstieg in der vergangenen Saison sollte Warnung genug sein. In Innsbruck träumt man gerne von der Rückkehr zu alten Glanzzeiten, die wirtschaftliche Realität ist jedoch eine andere. Deshalb muss Wacker in den kommenden ein, zwei Jahren erst einmal die Budget-Hausaufgaben erledigen, ehe man wieder ein wenig weiter nach oben schielen darf. Dennoch bleibt Fußball ein Tagesgeschäft, und Kirchler weiß genau, dass eine gute Performance in dieser Saison bei der Konsolidierung hilft. Entsprechend attraktiven Fußball plant der Coach, um zumindest das Publikum milder zu stimmen. Ob es gelingt, wird man sehen - für die bescheidenen Mittel scheint der Kader zumindest einmal ordentlich verstärkt worden zu sein. Mit dem Kampf gegen den Abstieg sollte der FC Wacker diesmal nichts zu tun haben. Dies wäre bereits ein Erfolg - fraglich nur, ob man das auch im schwierigen Innsbrucker Umfeld als solchen erkennt.


Peter Altmann

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