Sommer-Check: SK Rapid Wien

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Der SK Rapid Wien glich nicht nur im vergangenen Frühjahr einem Scherbenhaufen, die negativen Schlagzeilen zogen sich bis zum heutigen Tag.

Deshalb ist man in Hütteldorf bemüht, endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen.

In sportlicher Hinsicht wurde der Sparstift angesetzt. Nach groß angekündigten Transfers wurde auf die Bremse gestiegen, ehe mit Thanos Petsos und Samuel Radlinger doch noch Verstärkungen geholt werden konnten (siehe Wunschelf und Kaderbewertung).

Die Leidtragenden sind Trainer Zoran Barisic und Sportdirektor Helmut Schulte, denen die Hände gebunden sind und die nun aus dem vorhandenen Spielermaterial und dem eingeschlagenen jungen Weg das Bestmögliche herausholen müssen. "Zoki" ist somit eine Art Brückenbauer zwischen der alten und der neuen Generation, der den Weg in eine gesicherte Zukunft ebnen soll. Die Liga-Generalprobe im ÖFB-Cup gegen den LASK ging jedoch schon einmal ordentlich daneben.

Die Fans sicherten ihrer Mannschaft nach dem Boykott wieder vollste Unterstützung zu, allerdings nicht der Vereinsführung. Denn abseits sind einige Baustellen und unbeantwortete Fragen aufgebrochen, die es nun zu kitten gilt. Vom Stadion bis hin zur außerordentlichen Hauptversammlung - es steht einiges an.

Die Grün-Weißen gehen somit mit vielen Fragezeichen in die Saison, derart unzufriedenstellende Leistungen wie zuletzt sollen jedoch der Vergangenheit angehören.

LAOLA1 hat die große Saisonvorschau für den SK Rapid Wien:



UNTER DRUCK:

Christoher Dibon: Fakt ist: Dibon ist erst 22 Jahre alt. Fakt ist: Dibon hat bei der Admira bewiesen, dass er es drauf hat. Fakt ist: Dibon hat sich bei Salzburg nicht durchsetzen können. Fakt ist: Dibon steht bei Rapid unter Druck. Denn nach dem missglückten Abenteuer in Salzburg müssen nun Taten folgen, um wieder auf die Erfolgsspur zurückzukehren. Noch mehr im Fokus steht der Defensivspieler, da er vor einem Jahr ein Engagement in der Mozartstadt jenem in Hütteldorf vorzog. Dass das ein Fehler war, musste der Rechtsfuß bereits eingestehen. Fakt ist aber auch, dass Dibon mit guten Leistungen und ohne Kaufoption Rapids nächsten Sommer wieder Salzburg gehört, wenn die ihn noch wollen.

SHOOTINGSTAR:

Samuel Radlinger: Obwohl Rapid viel auf die eigene Jugend setzt und einige Amateure befördert hat, hat ausgerechnet ein verpflichteter Youngster die größten Chancen, der Shootingstar der Wiener zu werden. Mit 20 Jahren gilt der von Hannover ausgeliehene Radlinger als eines der größten Torhüter-Talente des Landes. Sowohl bei der U20-WM 2011, als auch in der ÖFB-U21 stand er schon seinen Mann, von Ried schaffte er es vor zwei Jahren nach Deutschland. Die Keeper-Situation bei Rapid spricht für den Innviertler. Lukas Königshofer wird den Verein wohl noch verlassen, Marko Maric ist noch zu jung und Jan Novota alles andere als eine gesetzte Nummer eins. Auf Dauer sollte Radlinger diese Rolle übernehmen.

SCHLÜSSELSPIELER:

Steffen Hofmann: Jahr für Jahr wird der Kapitän an dieser Stelle angeführt, auch wenn das Verletzungspech den mittlerweile 32-Jährigen zuletzt fest im Griff hatte. Nun ist Hofmann wieder fit und die Hoffnungen ruhen auf dem Regisseur, das jung formierte Team zu führen und die im Frühjahr schmerzlich vermisste Qualität zurückzubringen. Auch wenn mehr junge Spieler als noch vor kurzem versuchen, Verantwortung zu übernehmen, ist Rapid weiterhin von der Nummer 11 abhängig. Der Deutsche ist das Um und Auf und strahlt seit jeher jene Siegermentalität aus, die Rapid dringend nötig hat. Bleibt er fit, sollte er wieder der unumstrittene Führungsspieler sein.

Marcel Sabitzer: Obwohl auch Branko Boskovic jene Tugenden mitbringt, die einen Schlüsselspieler ausmachen, steht Sabitzer noch mehr im Fokus. Als Gegenpol zu den Routiniers war er es, der im Frühjahr als einer der wenigen Hoffnung ausstrahlte, mit 19 Jahren das Offensivspiel ankurbelte und versuchte, die anderen mitzureißen. In Abwesenheit von Deni Alar wird dem Ex-Admiraner noch mehr Verantwortung zukommen. Bisher hat ihn diese nicht gehemmt. Der Offensivspieler hat weiterhin das Zeug, eine ganz wichtige Rolle bei Rapid einzunehmen. Vom Potenzial her ist noch Luft nach oben.

TRAINER:

Zoran Barisic: Der Feuerwehrmann ist erstmals bei den Rapid-Profis sesshaft geworden. Ende Mai wurde dem logischen - bis dahin noch interimistischen - Nachfolger von Peter Schöttel das Vertrauen ausgesprochen, daraufhin durfte er die Kampfmannschaft erstmals in die Vorbereitung führen. Nicht wie vor zwei Jahren, als das Abenteuer nach wenigen Spielen ein Ende nahm. Nicht nur aufgrund einer kostensparenden Variante sollte "Zoki" eine Chance gegeben werden, diese hat er sich auch aufgrund der Leistungen bei den Amateuren verdient. Mit seiner lockeren, aber fokussierten Art hat er schnell das Ruder übernommen und die eine oder andere kadertechnische Hürde gemeistert. Dass er bereit für die große Bühne ist, muss er nun beweisen.

Unerledigte Aufgaben stapeln sich derzeit bei den Hütteldorfern. Dem Rekordmeister blüht ein Herbst der Entscheidungen, es sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden. Allen voran drängt die Stadionfrage, die endlich auf eine Antwort wartet. Eine Baukörperstudie ist im Gange, trotzdem wurden die Fans in den vergagenen Wochen und Monaten zu oft vertröstet und im Ungewissen gelassen. Während der Fan-Boykott laut offizieller Stellungnahme der Szene vom Tisch ist und die Mannschaft wieder lauthals supportet werden soll, gibt es noch das weniger gute Verhältnis zwischen dem Vorstand und den Anhängern. Eine Struktur- und Satzungskommission wurde eingesetzt und sollte alsbald für modernisierte Ergebnisse sorgen. Darauf aufbauend kann dann der Abgang von Präsident Rudolf Edlinger eingeleitet werden. Im September steht eine außerordentliche Hauptversammlung an, in der die Zahlen offengelegt werden sollen, im November kommt es zum endgültigen Tausch der Vereinsführung. Zudem versicherte Manager Werner Kuhn, dass in Zukunft jährlich Einblick in die Finanzen gewährleistet werden soll. "Das ist bisher nicht passiert. Nicht weil es etwas zu verstecken gibt, sondern weil wir das statutengemäß immer nur alle drei Jahre getan haben", erklärte Kuhn im Gespräch mit LAOLA1. Zudem muss nach dem Ausstieg von "Orange" ein Sponsoren-Ersatz für das aufgeklaffte Defizit von 1,4 Millionen Euro gefunden werden. Sportlich gesehen sind keine großen Sprünge mehr möglich, hier muss man mit dem vorhandenen Material arbeiten. Mit Verlängerungen von Rohdiamanten wie Louis Schaub etc. wurden in diese Richtung jedoch schon wichtige Schritte eingeleitet, um auf längere Zeit eine junge, wettbewerbsfähige Mannschaft aufzubauen. Zusammenfassend heißt das: Es müssen endlich Taten gesetzt werden, um das eingerostete Rapid wieder auf stabile Beine zu stellen und endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen.

Zugänge

Abgänge

Thanos Petsos (Greuther Fürth)

Stefan Kulovits (SV Sandhausen)

Samuel Radlinger (leihweise von Hannover 96)

Atdhe Nuhiu (Ziel unbekannt)

Christopher Dibon (leihweise von RB Salzburg)

Gerson (zurück zu Kapfenberg)

Stephan Palla (zurück von Admira)

Markus Heikkinen (Ziel unbekannt)

Brian Behrendt (zurück von Horn)

Markus Katzer (Ziel unbekannt)

Thomas Prager (Ziel unbekannt)

Dominik Hofbauer (SKN St. Pölten)

Konstantin Kerschbaumer (SKN St. Pölten)

Louis Schaub gehört ohne Frage die Zukunft. Schon letzte Saison spielte sich der U19-Nationalspieler ins Rampenlicht. Nun ist er für lediglich 7,8 Millionen im Bundesliga-Manager zu haben. Nicht nur Kapitän Steffen Hofmann, sondern auch die Trainer schwärmen von den Fähigkeiten des 18-Jährigen, der in der Offensive variabel einsetzbar ist. Somit blüht dem Shootingstar unter Förderer Zoran Barisic viel Einsatzzeit, auch wenn er seinen Stammplatz erst finden muss. Die Anlagen, sich heuer endgültig zum Leistungsträger zu entwickeln, sind jedenfalls gegeben. Für diese Summe sollte man als Manager nicht lange überlegen.

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THESE: RAPID HAT NICHTS ZU VERLIEREN

PRO - Ein Kommentar von Harald Prantl

Die getätigten Transfers bzw. Leihgeschäfte? Nun ja, es geht besser. Der Clinch, in dem Fans und Vorstand liegen? Nicht gerade förderlich für die Ruhe der teilweise doch ziemlich unerfahrenen Mannschaft. Die Gesamtsituation? Verzwickt und verfahren. Ganz ehrlich: Wer erwartet sich in dieser Saison denn tatsächlich etwas vom SK Rapid? Zumal nach dem Cup-Aus gegen Regionalligist LASK schon vor Saisonstart eine Mini-Krise herrscht. Vergangenen Sommer war noch davon die Rede, dass Rapid ein Wörtchen um den Titel mitreden will. In diesem Sommer ist diesbezüglich nichts zu hören. Und genau darin liegt die große Chance der Hütteldorfer. Angesichts der allgemeinen Erwartung, dass in dieser Saison sowieso nichts läuft, kann der SCR nur gewinnen. Oder hat eben nichts zu verlieren. Wenn weiterhin Tristesse regiert, haben es vorher sowieso schon alle gewusst. Und wenn sich wider Erwarten der breiten Masse doch Erfolg einstellt, ist Rapid der große Gewinner. Irgendwie fast eine beneidenswerte Situation...


CONTRA - Ein Kommentar von Alexander Karper

Von wegen, Rapid hat nichts zu verlieren. Selbst wenn viel auf ein Lernjahr hindeutet und sich eine äußerst junge Mannschaft erst finden muss, steht für Rapid viel auf dem Spiel. Für den Verein, die Trainer, die Spieler, die Fans. Denn eine Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase muss ebenso das Ziel sein, wie am Ende der Saison wieder auf einem internationalen Startplatz zu stehen. Ansonsten würden trotz der neuen Konstellation wieder einmal die Alarmglocken schrillen. Geduld ist ein Gut, das bei Rapid nur spärlich vorhanden ist. Die Youngster sollten sich rasch entwickeln, um in Zukunft gewinnbringend verkauft zu werden, Routiniers wie Steffen Hofmann oder Branko Boskovic wollen sicher nicht in den letzten Jahren ihrer aktiven Karriere im Mittelfeld der Bundesliga herumtümpeln. Und Zoran Barisic muss sich beweisen, sonst droht ihm erneut ein Schritt zurück, nachdem er sich endlich auf Profi-Ebene beweisen darf. Auch die Supporter werden nur solange Gas geben, solange der Funke überspringt. Nur probieren und auf Überraschungen zu hoffen, wäre auch in dieser Saison zu wenig. Was sich andere Vereine leisten können, trifft auf die erfolgsverwöhnten Hütteldorfer einmal mehr nicht zu.

1,47- So viele Punkte holte Zoran Barisic bisher als Rapid-Trainer im Schnitt pro Spiel. Interimistisch saß der Wiener in 15 Spielen auf der Trainerbank und konnte 22 Punkte (6 Siege/4 Remis/5 Niederlagen) einfahren. Ein Wert, der durchaus verbessert werden sollte.

5 - Kaum ist Peter Schöttel nicht mehr Trainer bei Rapid, wird auch die glorreiche Nummer 5 neu vergeben. Seit dem Karriereende des Abwehrchefs 2001 wurde die Rückennummer zehn Jahre gesperrt und zwei Jahre unter Schöttel als Trainer nicht vergeben. Nun bekommt sie Neuzugang Thanos Petsos.

62 - Die Gefahr kam in der Vorsaison oftmals von der Bank. Rapid hatte jene Joker in den Reihen, die 62 Torschüsse - die meisten aller Bundesligisten - abgaben. Die Ausbeute war allerdings nicht berauschend. Lediglich fünf Mal durften "Joker" auch zum Torjubel ansetzen.

71 - Obwohl Kapitän Steffen Hofmann in der vergangenen Saison lange Zeit schmerzhaft abging, brachte er es bei nur 20 Einsätzen auf 71 Torschussvorlagen, damit rangierte er in dieser Rangliste auf Rang vier. Zudem legte er neun Tore auf. Ein fitter Hofmann kann diese Werte sicher noch toppen.

76 - Das mit den Abseitsfallen hatte Rapid in der vergangenen Saison herausen. Lediglich 76 Mal "verirrte" sich ein Grün-Weißer in die verbotene Zone. Kein Klub stand seltener im Abseits als die Hütteldorfer.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Quo vadis, Rapid? Diese Frage stellen sich derzeit wohl nicht nur viele Fans, Sympathisanten und Außenstehende, sondern wohl auch die Betroffenen. Die Zielsetzung ist vage formuliert, ein internationaler Startplatz wäre - wie zuletzt so oft - die ersehnte, aber nicht die unbedingte Erfüllung aller Träume. Mit Markus Katzer, Markus Heikkinen oder Stefan Kulovits sind der Mannschaft wichtige Stützen abhanden gekommen, die große Spuren hinterließen. Diese sollen nun hauptsächlich von jungen Spielern ausgefüllt werden. Vom Potenzial her hat Rapid nicht so eine schlechte Mannschaft, wie sie von vielen gemacht wird. Will man allerdings schon in dieser Saison etwas erreichen, muss alles abgerufen werden, was aufgrund der Unerfahrenheit der Spieler als unwahrscheinlich gilt. Viele Akteure müssen den nächsten Schritt setzen und mehr Verantwortung übernehmen, ansonsten droht das Schiff zu kentern. Denn eine ähnliche Seuchensaison wie im Frühjahr kann sich Rapid nicht mehr leisten. Im ÖFB-Cup musste man innerhalb weniger Monate wieder gegen einen Regionalligisten die Segel streichen, in der Europa League müsste man zwei Hürden bestehen, um wieder in die Gruppenphase vorzudringen. Trainer Zoran Barisic kann jetzt beweisen, ob er ein Meister seines Fachs ist. Denn prinzipiell kann Rapid sportlich nur überraschen. Werden dann auch noch die Wogen im Hintergrund geglättet, könnte das negative Image langsam wieder ins positive gewandelt werden.


Alexander Karper

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