Sommer-Check: Austria Wien

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Sommer-Check: FK Austria Wien

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"Ich will den Titel wiederholen", stellt Nenad Bjelica unmissverständlich klar.

Der Mann, der dieses hohe Ziel definiert, ist der neue Trainer des FAK und somit Nachfolger des zum 1. FC Köln abgewanderten Peter Stöger.

Das war jedoch die einzige große Veränderung in der Sommerpause. Obwohl so mancher Leistungsträger umworben wurde, stehen sie alle noch bei den Hauptstädtern unter Vertrag.

"Wir haben ein intaktes Team zusätzlich verstärkt", sagt der Kroate und meint damit die Neuzugänge Rubin Okotie, Daniel Royer und Christian Ramsebner (Wunschelf & Kaderbewertung).

Haben die Veilchen tatsächlich das Zeug dazu, den Titel erfolgreich zu verteidigen?

LAOLA1 hat die große Saisonvorschau für den FK Austria Wien:



UNTER DRUCK:

Philipp Hosiner: Vor einem Jahr ging der Burgenländer als einer der Admira-Stürmer in Didi Kühbauers ständiger Rotation in die Saison. Zwölf Monate später muss er sich als Torschützenkönig und einer der absoluten Liga-Stars beweisen. 32 Treffer in 36 Spielen - an dieser Marke muss sich der 24-Jährige nunmehr messen lassen. Dementsprechend groß ist der Druck, der auf den Schultern des Goalgetters lastet. Von ihm wird praktisch in jedem Spiel ein Tor erwartet. Mal sehen, wie Hosiner damit umgeht. Wenn er nicht doch noch ins Ausland wechselt.

SHOOTINGSTAR:

Sebastian Wimmer: In der Meister-Saison hat der 19-Jährige keine einzige Minute gespielt. Dennoch ist ihm ein großer Schritt gelungen - er hat seinen Schulabschluss gemacht. Nun kann sich der Linzer voll und ganz auf seine Profi-Karriere konzentrieren. Und diese dürfte in dieser Saison so richtig in Schwung kommen. Auf der Position im defensiven Mittelfeld ist der Blondschopf unter Nenad Bjelica, der bekanntlich gerne mal ein wenig rotiert, der erste Ersatzmann. Es ist zu erwarten, dass Wimmer mehr als nur einmal eine Talentprobe abgeben darf.

SCHLÜSSELSPIELER:

James Holland: Der Australier hat sich in der vergangenen Spielzeit zu einem der allerwichtigsten Veilchen entwickelt. Er verteilt die Bälle klug und leistet sich dabei fast keine Fehler, stopft die Löcher, die aufgrund der offensiven Spielausrichtung zwangsläufig entstehen und gewinnt Zweikampf um Zweikampf. Wie unter Stöger wird der 24-Jährige auch unter Bjelica gesetzt sein. Für Holland persönlich wird es eine ganz wichtige Saison, will er doch mit den "Socceroos" zur WM 2014 nach Brasilien fahren und dort auch spielen.

Tomas Jun: Nicht zuletzt die Saison 2012/13 hat gezeigt, wie immens wertvoll ein fitter Jun für die Austria ist. Mit 13 Torvorlagen war er bester Assistgeber der Liga und zehn Treffer sind auch durchaus beachtlich. Zudem verfügt der 30-Jährige über Champions-League-Erfahrung, was der international eher unerfahrenen FAK-Truppe im Europacup viel helfen wird. Außerdem ist der sonst ziemlich zurückhaltende Tscheche im letzten Jahr so richtig aufgetaut, was nicht zuletzt seine legendäre Bushido-Performance bei der Meisterfeier am Rathausplatz bewiesen hat.

TRAINER:

Nenad Bjelica: Die Fußstapfen, in die der Kroate tritt, sind nicht gerade die kleinsten. Immerhin avancierte Peter Stöger in der Meister-Saison zu Everybody's Darling und genoss nicht zuletzt in der Mannschaft sehr hohes Ansehen. Dennoch ist dem 41-Jährigen zuzutrauen, diese Lücke zu schließen. In der Analyse staubtrocken und glaubwürdig steht auch er für ansehnliches Offensivspiel. Außerdem erarbeitete sich der Ex-Profi in der starken Aufstiegssaison des Wolfsberger AC eine Menge Respekt in der Bundesliga. Nun muss er beweisen, dass er auch auf größerer Bühne unter größerem Druck solide Arbeit leisten kann.

Infrastrukturell ist die Austria nach RB Salzburg der wohl am besten aufgestellte Verein. Und das, was noch nicht ganz passt, wird nach und nach verbessert. Das honorieren nicht zuletzt die Fans. Rund 5.000 Abos hat der Meister bereits abgesetzt - so viele wie noch nie zuvor vor dem Saisonstart. "Man merkt, dass sich der Titel positiv ausgewirkt hat", freut sich Thomas Parits. Der Sport-Vorstand darf sich auch freuen, die Meistermannschaft zusammengehalten zu haben. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich bis Ende August auf dem Transfermarkt doch noch etwas tut - der eine oder andere Leistungsträger wird immer noch von internationalen Klubs umgarnt. Aber auch das ist positiv für die Violetten, denn die Kassen werden immer voller. Die größte Baustelle der Violetten ist immer noch das Problem mit Teilen der Fans. Das lässt sich nicht so schnell lösen. Doch AG-Vorstand Markus Kraetschmer hat einen langen Atem.

Das Geld ist schon knapp, du hättest aber trotzdem gerne einen Mann, der in der Startelf des Meisters steht? Dann ist Emir Dilaver zu empfehlen! Der 22-Jährige wird von Anfang an auf der Position des Rechtsverteidigers spielen und seinen Ausgangswert von 9,30 Millionen ziemlich schnell erhöhen. Noch nicht restlos überzeugt? Zwei Tore und vier Torvorlagen hat der Youngster in der Vorsaison beigesteuert.

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THESE: DIE AUSTRIA HÄTTE SPIELER VERKAUFEN MÜSSEN

PRO - Ein Kommentar von Alexander Karper

Besser wird es so schnell wohl nicht werden. Austria legte eine eindrucksvolle Saison hin und hätte in der Sommerpause ihre Früchte ernten können. Auch wenn die Austria finanziell derzeit gut gebettet ist, hätte man hier einiges herausschlagen können. Natürlich hätte der Stamm gehalten werden sollen, um auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet zu sein. Doch einige Spieler hätten sich den nächsten Schritt verdient. Noch frustrierender muss es aus Sicht der Prois sein, die möglicherweise nicht mehr so schnell in der Auslage stehen werden, wie nach dieser Machtdemonstration in der Liga. Philipp Hosiner, Markus Suttner und Co. hätten allemal das Zeug für ein Auslands-Engagement gehabt und müssen sich hoffentlich nicht nachträglich die Frage stellen, warum sie ihre Chance damals nicht genützt haben. Das Ziel Champions-League-Gruppenphase hat sowohl den Verein als auch die betroffenen Akteure geblendet. Sollte dieses aber nicht erreicht werden, würden sich einige Herren wohl gehörig in den Allerwertesten beißen.


CONTRA - Ein Kommentar von Harald Prantl

Mir fällt nicht ein guter Grund ein, warum die Austria Spieler verkaufen hätte sollen. Geldprobleme gibt es in Wien-Favoriten nämlich keine. Und überhaupt wurde für Trainer Peter Stöger sowieso eine schöne Ablöse lukriert. Hinzu kommt noch die Beteiligung an Basels Verkauf von Aleksandar Dragovic - auch diese Summe dürfte sich in der Höhe der Stöger-Ablöse bewegen. Philipp Hosiner? Natürlich hätte der schon zu gutem Geld gemacht werden können. Aber der Burgenländer traf noch in jedem Frühjahr regelmäßig, kann also durchaus im Winter noch abgegeben werden. Oder eventuell noch Ende August. Dann nämlich ist klar, auf welcher internationalen Bühne sich die Violetten präsentieren dürfen. Dass für die Champions-League-Quali die Truppe zusammengehalten wird, liegt doch auf der Hand - ein möglicher Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse würde mehr Geld in die Kassen spülen, als Transfers von Hosiner oder etwa Markus Suttner.

6 - Soviele Verträge, bei denen die Austria keine Option auf automatische Verlängerung besitzt, laufen im nächsten Sommer aus. Es handelt sich um Alexander Grünwald, Kaja Rogulj, Fabian Koch, Emir Dilaver, Pascal Grünwald und Lukas Rotpuller.

6,6 - In der Vorsaison war kein anderes Team so effektiv wie die Violetten. 6,6 Torschüsse brauchten die Veilchen pro Tor. Insgesamt waren es übrigens 84 Treffer, die der Meister erzielen konnte - nur Salzburg jubelte öfter (91).

75,2 - Von den 125 Schüsse, die auf sein Tor abgegeben wurden, konnte Heinz Lindner 94 parieren. Das ergibt 75,2 Prozent gehaltene Bälle. Damit war er statistisch gesehen der beste Tormann der Vorsaison.

3657 - Erstmals seit 3.657 Tagen - das sind fast genau zehn Jahre - geht die Wiener Austria wieder mit einem Trainer-Legionär in die Saison. 2003 war es der Deutsche Joachim Löw, heute ist es der Kroate Nenad Bjelica.

9581 - Die Austria konnte ihren Zuseherschnitt bei Heimspielen in der vergangenen Saison um 16,5 Prozent auf 9.581 Zuschauer pro Heimspiel steigern.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Die Erwartungen an die Austria sind ordentlich gestiegen - kein Wunder, nach dem letztlich ziemlich souverän eingefahrenen Meistertitel inklusive Punkterekord. Auch der Abgang von Erfolgscoach Peter Stöger hat an diesem Umstand nicht viel geändert, Nenad Bjelica wird von allen Seiten viel Respekt entgegengebracht. Zudem legt sich der Kroate quasi ins gemachte Bett, die Meistermannschaft konnte vorerst zusammengehalten werden. Ob diese Truppe jedoch abermals so konstant am Zenit spielen kann, bleibt abzuwarten. Zumal sich die Salzburger Konkurrenz noch einmal verstärkt hat. Neu hinzu kommt zudem die Doppelbelastung, die 2012/13 nicht gegeben war. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Veilchen ein gewichtiges Wörtchen um den Titel mitreden wären. Damit es dann aber tatsächlich erneut mit dem ersten Platz klappt, muss schon alles zusammenpassen.


Harald Prantl

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