Sommer-Check: FC Admira Wacker Mödling

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Nach einer überragenden ersten und einer schwierigen zweiten Saison startet Admira Wacker Mödling in das dritte Jahr in Österreichs höchster Spielklasse.

Schafften die Südstädter in ihrem ersten Jahr nach dem Aufstieg  gleich den Sprung in den Europacup, folgte in der vergangenen Meisterschaft beinahe der Abstieg. Erst am allerletzten Spieltag sicherte man sich den Klassenerhalt.

„Ziel muss es sein, dass so ein Jahr wie das letzte nicht mehr vorkommt. Es geht von Anfang an um den Klassenerhalt“, gibt Neo-Coach Toni Polster die Marschroute vor.

Dem Wiener steht dabei eine sehr junge Mannschaft zur Verfügung. Zudem werden kleinere Brötchen gebacken.

LAOLA1 hat die große Frühjahrsvorschau für Admira Wacker Mödling:



UNTER DRUCK:

Daniel Lucas Segovia: Der Erste-Liga-Bomber wechselte im Winter von St. Pölten in die Südstadt, konnte die hohen Erwartungen jedoch (noch) nicht erfüllen. Lediglich drei Treffer gelangen dem Spanier im Frühjahr in 15 Spielen. Zum Vergleich: Bei St. Pölten traf der 28-Jährige in 48 Partien 29 Mal ins Schwarze. Die Eingewöhnungs-Phase ist mittlerweile vorbei, in diesem Spieljahr muss sich weisen, ob sich der Angreifer auch in der Bundesliga durchsetzen kann.

SHOOTINGSTAR:

Oliver Pranjic: 18 Jahr, blondes Haar. Der Mittelfeldspieler ist der jüngste Akteur in einer ohnehin sehr jungen Mannschaft. Und dennoch stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass er auf seine Einsatzzeit kommt. Pranjic schnupperte schon letztes Jahr Bundesliga-Luft, kam immerhin auf 118 Spielminuten. In der Vorbereitung setzte ihn Polster jedenfalls sowohl am linken Flügel, als auch im Zentrum ein. Links im Mittelfeld heißt sein direkter Konkurrent wohl Winfried Domoraud – da darf sich der Wiener durchaus etwas ausrechnen.

SCHLÜSSELSPIELER:

Issiaka Ouedraogo: Der Spieler aus Burkina Faso bringt alles mit, was einen modernen Stürmer ausmacht: Technisch versiert, ein hohes Laufpensum, stark am Ball und unangenehm zu verteidigen. Einziges Manko: Der Torabschluss. Nicht umsonst tätigte Ex-Admira-Coach Didi Kühbauer das Zitat: „Wenn Sakko auch noch treffen würde, wäre er nicht mehr bei uns.“ Sollte der 25-Jährige tatsächlich anfangen, Tore am Fließband zu erzielen, hätten die Südstädter eine absolute Waffe in ihren Reihen.


Stefan Schwab: Er zieht die Fäden im Mittelfeld, ist im letzten Frühjahr trotz seiner erst 22 Jahre zum echten Führungsspieler aufgestiegen. Der Salzburger gilt als Schaltzentrale, sucht den Weg nach vorne und auch den direkten Abschluss. Sieben Tore und ein Assist in der abgelaufenen Saison können sich sehen lassen. Außerdem ist sich der Ball-Verteiler für keinen Zweikampf zu schade, er absolvierte in der Saison 12/13 die meisten Boden- und die zweitmeisten Luftduelle seiner Mannschaft.

TRAINER:

Toni Polster: Erstmals seit knapp drei Jahren heißt der Admira-Trainer nicht Didi Kühbauer. Sein Nachfolger ist aber kein Unbekannter, sondern Österreichs Rekord-Torschütze Toni Polster. Für den Wiener ist es jedoch nach den Stationen bei den LASK Amateuren und bei der Wiener Viktoria der erste Chefcoach-Posten in der Bundesliga. Man darf also gespannt sein, wie sich der 49-Jährige schlägt. Polster ist bekannt, immer für einen Schmäh gut zu sein, doch er kann auch anders. „Er kann durchaus zwischen Spaß und Ernst unterscheiden“, bestätigt Kapitän Richard Windbichler. Dass der Ex-Internationale jedoch bei einem Test einen Journalisten mit auf die Trainerbank und zur Besprechung in die Kabine nimmt, ist schon eigenartig.

Nach dem Ausstieg von Geldgeber Trenkwalder musste das Budget adaptiert werden. Dies hatte zur Folge, dass kein großer Spielraum für Transferaktivitäten zur Verfügung stand. So wurde etwa der Vertrag des Spaniers Tito nicht verlängert, obwohl dieser nicht gerade zu den Großverdienern zählte. Wie es um die Admira bestellt ist, unterstreicht die Tatsache, dass elf Spieler den Klub verließen und nur vier Neue kamen – wobei zwei von ihnen (Schicker und Fucik) nach ihren abgelaufenen Leihen zurückkehrten. Unterm Strich gab es mit Zwierschitz und Domoraud also nur zwei echte Neuverpflichtungen. Mit dem Engagement von Fußball-Ikone Toni Polster erhofft man sich hingegen nicht nur die Aquirierung neuer Sponsoren sondern auch ein größeres Zuschauer-Interesse.  Weiters soll sukzessive die Infrastruktur in der Südstadt verbessert werden.

Du suchst einen Mittelfeldspieler, der so gut wie einen Fixplatz hat und noch dazu recht günstig ist? Dann ist Winfried Domoraud dein Mann. Der französisch-ivorischer Kicker scheint nach den Abgängen von Patrik Jezek und Tito am linken Flügel gesetzt zu sein. Und bei einem Marktwert von fünf Millionen Euro ist er ein echtes Schnäppchen. Daher gilt: Zuschlagen!

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THESE: TONI POLSTER WIRD SCHEITERN

PRO - Ein Kommentar von Peter Altmann

Man bemüht sich wirklich, dem Trainer-Engagement von Toni Polster bei der Admira ohne Vorurteil zu begegnen. Dann schlägt man seine Haus-und-Hof-Boulevardzeitung auf und sieht deren Chefreporter neben Polster auf der Trainerbank oder bei der Besprechung. Man fragt sich: Wer hat da wem Tipps gegeben? Ernst zu nehmen ist das nicht, beziehungsweise darf das eigentlich keiner seiner Profis ernst nehmen. Vom Boulevard wird Polster wie jeder Schmähbruder bis zur letzten Sekunde verteidigt werden. Von mir aus kann der einstige Stürmer-Star mit seiner Gute-Laune-Art auch motivationsbedingte Anfangserfolge erzielen, aber an die Metamorphose zum hart arbeitenden und taktisch versierten modernen Trainer, der langfristig etwas aufzubauen vermag, glaube ich einfach nicht.


CONTRA - Ein Kommentar von Harald Prantl

Wenn ein Typ wie Toni Polster erstmals einen Trainer-Job in der Bundesliga antritt, ist es klar, dass die breite Masse skeptisch reagiert. Medial fiel der Wiener in den letzten Jahren eher als Schmähbruder, Adabei und Schreiber von - zugegeben oft wenig fundierten - Kolumnen in einem Boulevardblatt auf. ABER: Der Mann hat als Coach die Amateure des LASK in die Regionalliga Mitte geführt und die Wiener Viktoria von der fünften Liga in die Regionalliga Ost. Ich zähle drei Meistertitel in Folge. So schlecht kann Polster als Coach also auch wieder nicht sein. Freilich ist es schwer vorstellbar, dass er stundenlang Video-Material analysiert und taktische Tüfteleien anstellt - dafür gibt es aber einen Co-Trainer. Und Oliver Lederer eilt der Ruf voraus, ein Fachmann zu sein. Polster mimt eben mehr den Motivator im Vordergrund, was ja legitim ist. Ich traue dem Duo auf jeden Fall den Klassenerhalt zu - angesichts dieses Kaders wäre das auch schon als Erfolg zu werten.


  • 2 – Lediglich zwei Treffer gingen bei der Admira auf das Konto von Abwehrspielern. Damit rangiert man in dieser Kategorie am letzten Platz.
  • 12 – Kein anderes Team war im Konter so gefährlich wie die Niederösterreicher. Zwölf Tore resultieren aus einem Konter, 64 Mal gaben die Südstädter nach einem schnellen Vorstoß einen Torschuss ab.
  • 62,7 % - Die Lufthoheit gehörte in der Saison 12/13 den Südstädtern – sowohl hinten als auch vorne. In der Defensive konnten 62,7 Prozent der Kopfball-Duelle, in der der Offensive 44,3 Prozent gewonnen werden – jeweils Bestwert der Liga!
  • 140 – So oft schickte man den Gegner ins Abseits. Nur bei Sturm Graz (162) schnappte die Abseitsfalle noch häufiger zu.
  • 349 – Das Spiel mit den Flanken war nicht jenes der Admiraner. Insgesamt wurden nur 349 Flanken abgegeben. Das ergibt einen Schnitt von 9,7 pro Partie – und damit die schlechteste Marke aller zehn Bundesligisten.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Die Admira befindet sich im Umbruch. Ein neuer Trainer ist gekommen, zahlreiche renommierte Spieler haben den Klub im Laufe der letzten Saison verlassen. Standen vor einem Jahr noch Namen wie Hosiner, Sabitzer, Plassnegger, Palla oder Jezek im Kader, heißen ihre Erben nun Zwierschitz, Auer, Domoraud… Auf die Südstädter wartet demnach erneut ein schweres Jahr. Doch heuer wird man sich wohl früher auf den beinharten Kampf um den Klassenerhalt einstellen. Ob die durchwegs junge Truppe die nötigen Tugenden mitbringt, um im Abstiegskampf zu bestehen, wird sich zeigen. Fakt ist, dass man erfahrene und routinierte Führungsspieler vermisst. Zwar haben die meisten Akteure schon zahlreiche Bundesliga-Spiele am Buckel, doch ein echter Leitwolf fehlt. Auch Trainer Toni Polster ist ein Grünschnabel, betritt der 49-Jährige doch mit dem Chefcoach-Posten eines Bundesligisten vollkommenes Neuland. Auch hier ist nicht auszuschließen, dass seine Besetzung nach hinten losgehen kann. Bekommt man die Defensiv-Probleme in den Griff, könnte es aber eine recht ruhige Saison werden, denn dass die Admira Tore schießen kann, hat auch dieser Kader schon bewiesen. Alles in allem kann die Devise jedoch nur kämpfen, kämpfen, kämpfen heißen.


Martin Wechtl

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