Jacobos viele Freiheiten

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Wunschelf und Kaderbewertung WAC

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Der WAC startet in seine erste Bundesliga-Saison.

Mit von der Partie bei den Kärntnern sind auch zahlreiche neue Gesichter.

"Wenn man uns mit Wr. Neustadt vergleicht, haben wir nicht viele neue Spieler. Wenn man uns mit Austria oder Rapid vergleicht, haben wir viele neue", relativiert Trainer Nenad Bjelica die Sommertransfers.

Dem Übungsleiter stehen neben der funktionierenden Meistermannschaft sieben Neuzugänge zur Verfügung, die den Konkurrenzkampf in Wolfsberg gehörig einheizen werden.

Mit Michael Liendl und Christian Thonhofer übersiedeln zwei gestandene Bundesliga-Profis in die Provinz, mit Ruben Rivera und David de Paula zwei weitere Kicker aus dem Land des Europa- und Weltmeisters.

Dazu gesellen sich Kaiserslautern-Rückkehrer Marco Knaller, der Liechtensteiner Internationale Michele Polverino und Youngster Maximilian Ritscher.

LAOLA1 nimmt den Kader des WAC genau unter die Lupe:

TOR:

3240 Minuten. So lange stand Christian Dobnik für den WAC in der vergangenen Saison auf dem Platz. Soll heißen: Keine einzige Minute der 36 Saisonspiele verpasste der 26-jährige Schlussmann. Dennoch muss der Klagenfurter um seinen Nummer-Eins-Status in der Bundesliga zittern. Einerseits weil nur ein Drittel der besagten Partien zu Null beendet werden konnte und 49 Gegentore für einen Erstliga-Meister ein beachtlich hoher Wert sind, andererseits weil mit Marco Knaller ein namhafter Konkurrent nach seiner Chance strebt. Der Neuzugang aus Kaiserslautern will sich beim Aufsteiger ins Rampenlicht spielen und sich selbst beweisen, dass er die zuletzt schlimme Behandlung im Ausland nicht verdient hatte. Max Friesacher als drittem Keeper im Bunde bleibt zum Großteil wohl nur die Tribüne.

LAOLA1-Bewertung: Dobnik ist ein solider Torwart, ob er allerdings Bundesliga-Niveau besitzt, muss er erst unter Beweis stellen. Mit Marco Knaller hat der WAC einen guten Griff getan. Das einstige Top-Talent macht der etatmäßigen Nummer eins gesunden Druck und steht bereit, um sich endlich in seiner Heimat zu profilieren.

 

ABWEHR:

Nenad Jovanovic ist ein 32-jähriger Routinier, der die Erfahrung von über 300 Zweitligaspielen mitbringt, Michael Sollbauer sein jugendliches Pendant, das mit 22 Jahren zu Saisonende von der zweithöchsten Spielklasse eine Ehrung für seine Leistungen erhalten hat. Und dann ist da noch Jose Antonio Solano, der nach Anlaufschwierigkeiten in seinen zehn Einsätzen im Frühjahr gleich einmal bewiesen hat, wie er den Kärntnern helfen kann. Zwei Tore und zwei Vorlagen sind ein stolzer Wert für den kopfballstarken 27-Jährigen. Diese drei Kicker werden sich um die zwei Stammplätze in der Innenverteidigung streiten. Sollte einer des Trios aufgrund einer Verletzung oder Formschwäche ausfallen, steht mit Maximilian Ritscher ein Jungspund mit Potential hinten an. Ex-U21-Kicker Rene Gsellmann wird wohl meist nur die Zuschauerrolle bleiben. Auf den Außenbahnen dürften Ex-Sturm-Spieler Gernot Suppan (links) und Rapid-Neuerwerbung Christian Thonhofer die Nase vorn haben. Für Ersteren spricht seine Eigenschaft als Flankengeber, die ihm 2011/12 neben seinen vier Toren auch zehn Assistpunkte einbrachte. Für Zweiteren die Bundesliga-Erfahrung mit 178 Einsätzen. Mit Dario Baldauf steht Trainer Bjelica zudem ein offensiv gefährlicher Außenspieler, der sowohl über links als auch über rechts seine Leistung bringt, zur Verfügung.

LAOLA1-Fazit: Die 49 Gegentore gehen natürlich auch zu Lasten der Abwehr, die nicht immer den solidesten Eindruck gemacht hat. Steigert Solano seine Form weiter und agiert Michael Sollbauer auch eine Spielklasse höher souverän, wird man allerdings auch mit den Maierhofers und Okoties dieser Liga fertig werden. Nichtsdestoweniger wird der WAC auch 2012/13 viele Tore kassieren, was allein schon der offensiven Ausrichtung der Bjelica-Elf geschuldet ist.

MITTELFELD:

Das Spielfeldzentrum ist "Jacobos Land". Der Spanier, der wohl über die linke Seite kommen wird, genießt alle Freiheiten im Angriffsspiel und agiert sowohl als hängende Spitze als auch als Bälleverteiler von hinten heraus. Um sich den Offensiv-Qualitäten des Ausnahmekönner besser zunutzen machen zu können, werden ihm fähige Leute an die Seite gestellt. Allen voran Austria-Neuzugang Michael Liendl, der ebenso die gegnerische Abwehr mit einem einzigen Pass aushebeln kann, starke Standards schießt und torgefährlich ist. Den defensiveren Part dürften sich Liechtensteins 25-facher Teamspieler Michele Polverino und Gernot Messner aufteilen. An der rechten Außenbahn kann eigentlich kein Weg an Manuel Kerhe vorbeiführen, der mit elf Torvorlagen den Topwert des Teams aus dem Lavanttal hält. David de Paula kann zur großen Verstärkung werden, wenn es gelingt, den Basken ähnlich schnell zu integrieren wie etwa Jacobo. Die jungen Roland Putsche und Mario Kröpfl müssen schon enorme Leistungssteigerungen vorweisen, um über den Status des Ergänzungsspielers hinauszukommen. Bleibt noch Sandro Zakany, dessen Vertrag um ein Jahr verlängert wurde. Der Top-Joker (23 Einwechslungen) bewies in der vergangenen Spielzeit aufgrund seiner Universalität seinen Wert für die Mannschaft, wird es aber schwer haben, im offensiven Mittelfeld zu viel Einsatzzeit zu kommen.

LAOLA1-Fazit: Mit Jacobo und Liendl verfügt der Aufsteiger über ein spielstarkes Duo, um das ihn andere Vereine beneiden werden. Umso problematischer wird da schon die Arbeit nach hinten. Messner und Polverino wird demnach eine wichtige Rolle zukommen. De Paula ist eine Wundertüte, ist aber auf jeden Fall ein qualitatives Plus der benötigten Kader-Dichte. Denn allein schon ein Ausfall Jacobos macht den WAC um eine Klasse schwächer.


STURM:

16 Tore in der Hinrunde. Hätte Christian Falk diesen Schnitt gehalten, würde er jetzt wahrscheinlich nicht mehr beim WAC spielen. So gesehen eigentlich gut für die Kärntner, dass er bis Saisonende lediglich zwei weitere Treffer beisteuerte. In seiner ersten Bundesliga-Saison will der 1,94-m-Sturmtank beweisen, dass er auch im Umfeld von Österreichs Fußball-Elite seine Tore schießen kann. An seiner Seite spielte in der Ersten Liga zumeist Stephan Stückler, der vom Profil her mit 1,73-m und Spritzigkeit die Idealergänzung zu Falk ist. Der Zehn-Tore-Mann hat mit Ruben Rivera aber interne Konkurrenz bekommen, die ihm den Stammplatz kosten könnte. Der Spanier kommt vom galizischen Verein Montaneros CF und gilt als klassischer Mittelstürmer. Wie die 39 Tore in 107 Spielen für den Drittligisten einzuschätzen sind, wird sich aber erst im Laufe der Meisterschaft zeigen. Zudem gilt für den 27-Jährigen bezüglich der Eingewöhnungszeit Ähnliches wie für de Paula. Mit Mihret Topcagic verfügen die Wolfsberger zudem über einen soliden Einwechselspieler, der seine Torgefährlichkeit in steter Regelmäßigkeit (acht Liga-Treffer 2011/12) unter Beweis stellt.

LAOLA1-Fazit: Bomber in der Ersten Liga gab es viele. Jene, die auch in der Bundesliga ihr Torkonto konstant hielten, waren weitaus rarer gesät. Falk, Stückler und auch Topcagic werden in der kommenden Saison zeigen, zu welcher Gattung sie gehören. Dazu gesellt sich Rivera als große - aber gefährliche - Unbekannte.

Anmerkung: Wie schon im Frühjahr gibt es als Bewertungsgrundlage 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.


Christian Eberle

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